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Zur Geschichte des Postwesens

 

Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, doch nach wie vor existieren die gelben Briefkästen zur Beförderung kleinerer Sendungen, hier eine Leerung in Karlsruhe im Mai 1971 [Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe A21_144_1_22]
Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, doch nach wie vor existieren die gelben Briefkästen zur Beförderung kleinerer Sendungen, hier eine Leerung in Karlsruhe im Mai 1971 [Quelle: Stadtarchiv Karlsruhe A21_144_1_22]

Der Austausch von Nachrichten hat eine lange Tradition. Zunächst wurden dazu Boten oder Kuriere eingesetzt. Im Frühen Mittelalter befanden sich die Adressaten vielfach in Klöstern, die zentrale administrative Aufgaben wahrnahmen. Die Könige zogen durch das Land, um herrschaftliche Pflichten zu erfüllen. Mit den Städtegründungen, der Ausweitung des Handels, der Entstehung von Residenzen und nicht zuletzt mit dem Einsatz von Papier wuchsen auch der Bedarf und die Möglichkeiten des Informationsaustauschs. Im Lauf der Zeit entstanden Netzwerke und Organisationen, die festgelegte Routen oder regionale Gebiete abdeckten.

Gegen Ende des 15. Jh. richtete die Familie Taxis im Auftrag der Habsburger einen regelmäßigen und gut aufgestellten Postverkehr ein, der sich über weite Teile Europas erstreckte. Mit der Ausweitung der habsburgischen Hausmacht ab der zweiten Hälfte des 15. Jh. war die Obrigkeit vor die Herausforderung gestellt worden, einen zuverlässigen und zeitlich kalkulierbaren Briefwechsel über große Distanzen zu gewährleisten. Die Postmeister der Taxis verfügten über Erfahrungen im wirtschaftlich prosperierenden Oberitalien. In kurzer Zeit verband ein System von Stationen die habsburgischen Residenzen im Osten mit den Niederlanden, Frankreich und Spanien sowie Rom. Statt der bisherigen, auf wenige Briefe ausgerichteten Botenschreiben wurden die Nachrichten gesammelt und weitertransportiert. Bei den hier eingesetzten Felleisen handelte es sich meist um Lederbeutel. Der Begriff geht auf das mittellateinische valisia zurück und bedeutet Gepäck, teils wurden auch Rucksäcke so bezeichnet. An den Stationen konnten Reiter und Pferde gewechselt werden, zeitliche Vorgaben waren einzuhalten, Vorgänge überprüfbar zu dokumentieren. Auf einer der ersten dauerhaft eingerichteten Postrouten zwischen Innsbruck und den Niederlanden erreichten Sendungen in den Sommermonaten auf diese Weise in durchschnittlich fünf bis sechs Tagen ihre Empfänger. Eine der Hauptrouten im heutigen Baden-Württemberg bestand zwischen Cannstatt und Söflingen bzw. Ulm. Nach den kriegerischen Auseinandersetzungen des 17. Jh. kamen nochmals Neuerungen zum Tragen. So wurden die Frequenz des Austauschs erhöht mit einigen täglich verkehrenden Routen, sowie ein Waren- und Personenbeförderung aufgebaut.

Die Reichspost bediente viele kleinere Territorien des Südwestens, die kein eigenes Postwesen unterhalten konnten. Die größeren Herrschaften, wie Württemberg oder bedeutende Städte, bauten eigene Organisationen auf, die nicht immer mit der sehr effektiven und gut funktionierenden Reichspost konkurrieren konnten. Auch Universitäten richteten eigene Botenanstalten ein, das städtische Botenwesen deckte regionale Bereiche ab. In Baden, der Pfalz und Württemberg bestand eine Metzgerpost, die an die Strecken anknüpfte, die beim Viehtrieb zurückgelegt wurden. In Württemberg regelte eine Verordnung von 1622 die Einzelheiten. Mitte des 16. Jh. wurde darüber hinaus eine Botenpost mit eigenen Stationen und Reiterei ins Leben gerufen, die auch entferntere Orte wie Prag oder Wien erreichte. Die Versuche zur Einrichtung einer Landespost in Württemberg endeten jedoch immer wieder in aufreibenden Auseinandersetzungen mit der Reichspost, die ab 1650 den Namen Thurn und Taxis führte. Im 18. Jh. verbesserte eine Heiratsverbindung die Situation. Nach der Gründung des Königreichs Württemberg bestand bis 1819 eine Staatspost. Anschließend erhielt Thurn und Taxis nochmals für rund 30 Jahre einen Zuschlag und operierte als Taxissche Lehenspost. Per Vertrag gingen die Rechte Mitte des 19. Jh. an die Württembergische Staatspost über. Das Postwesen verblieb auch nach der Reichsgründung 1871 in der Obhut des württembergischen Staates. Die Postorganisation in den badischen Territorien wurde bis zum Beginn des 19. Jh. fast ausschließlich über die Reichspost abgedeckt und nach Gründung des Großherzogtums vom badischen Staat übernommen. Das badische Postwesen ging 1871 in der Deutschen Reichspost auf. Bereits 1851 waren Baden, Württemberg und andere Staaten dem Deutsch-Österreichischen Postverein beigetreten, um ein einheitliches Postwesen mit gemeinschaftlichen Gebühren zu schaffen.

Detaillierte Informationen zu den historischen Entwicklungen und den Postrouten finden Sie im Historischen Atlas von Baden-Württemberg bzw. den Erläuterungen im Beiwort.

Im ehemaligen Pferdestall des Thurn- und Taxis-Hauses Alte Post in Rheinhausen wurde 1990 ein kleines Museum eingerichtet, das der über fünfhundertjährigen Postgeschichte des Ortes gewidmet ist. Die Familie Taxis errichtete bereits 1552 ein eigenes Posthaus am Ort. Die Exponate in der ständigen Ausstellung umfassen Dokumente, Fotos, Postillion-Uniformen, historische Briefkästen, Briefmarken, Posthörner sowie das Modell einer Postkutsche.

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