1200 Jahre Asperg

Asperg, Kiesersche Ortsansicht, 1682
Asperg im Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1682. Quelle Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

Im Ländle steht dieser Tage eine Reihe von Ortsjubiläen an: Weilheim an der Teck feiert seine erste urkundliche Erwähnung vor 1250 Jahren und in Gernsbach im Murgtal jährt sich der Stadtgeburtstag zum 800. Mal. Zu den Geburtstagskindern gehört auch Asperg, das im Jahr 819 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Die Geschichte Aspergs ist eng mit dem markanten Hohenasperg im Norden der Stadt verbunden, der bereits in vorgeschichtlicher Zeit Sitz einer Fliehburg wurde und im Lauf der Jahrhunderte unterschiedlichsten Herrschaften - spektakulär die archäologischen Funde aus der Zeit keltischer Besiedlung - als Machtzentrum diente. Dem mittelalterlichen Städtchen auf dem Berg verlieh Herzog Ulrich 1510 ein Stadtrecht nach Tübinger Vorbild. Mit dem Ausbau des Hohenaspergs zur Landesfestung in den 1530er Jahren wurde die Siedlung an den Fuß des Bergs verlegt und mit dem Dorf Weihenberg zu Unterasperg verbunden. Wegen seiner exponierten Lage, der Verwicklung in kriegerische Auseinandersetzungen und auch als "Deutsches Gefängnis" erlangte der Ort Bekanntheit. Über die prominenten, früher teils aus politischen Gründen einsitzenden Häftlinge informiert das gleichnamige Museum. Mit der Gründung von Ludwigsburg verlor Asperg im 18. Jahrhundert seine Bedeutung und wurde erst 1875 wieder zur Stadt erhoben.

Dass Urkunden, die als Beleg für eine stadtgeschichtliche Ersterwähnung herangezogen werden, nicht immer ganz unproblematisch sind, zeigt das Archivale des Monats im Landesarchiv.

Pressemitteilung des MWK zu "Mein LEO-BW"

Wir freuen uns sehr (und sind auch ein wenig stolz), dass die Mitmach-Angebote von LEO-BW prominente Würdigung finden:

„Unser erfolgreiches Landeskundeportal ist jetzt eine interaktive Website“, sagte Staatssekretärin Petra Olschowski in Stuttgart. „Jetzt können alle daran teilhaben und das Landesportal mitgestalten, indem sie Fotos und Inhalte zu Orten in Baden-Württemberg hochladen. Die große Beteiligung zeigt das enorme Potenzial interaktiver Angebote. ‚Mein LEO-BW‘ ist auf dem richtigen Weg und hat einen zentralen Stellenwert in unserer Digitalisierungsstrategie.“

Mehr dazu in der Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, dem wir an dieser Stelle auch herzlich für die fortdauernde Unterstützung unserer Arbeit danken möchten: https://mwk.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/mein-leo-bw-landeskunde-interaktiv

Stuttgart, Marktplatz Stuttgart, Marktplatz

Foto alt: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 023336a/Fotograf: Willy Pragher; Foto neu: Martin Hahn

150 Jahre Entdeckung der DNA

Friedrich Miescher, Lithografie, vor 1897
Johann Friedrich Miescher, Lithografie, vor 1897. Quelle: Universitätsbibliothek Tübingen

„Über die chemische Zusammensetzung der Eiterzellen“ – unter diesem wenig appetitlichen Titel wurde 1871 eine bahnbrechende Entdeckung publiziert.

Vor 150 Jahren, 1869, war es dem aus Basel stammenden Biochemiker Johann Friedrich Miescher (1844-1895) gelungen, aus Zellkernen von weißen Blutkörperchen DNA zu isolieren – allerdings ohne sich der Tragweite seiner Entdeckung bewusst zu sein. Schauplatz für Mieschers folgenreiche Experimente war die ehemalige Hofküche des Tübinger Schlosses. Hier hatte die Universität bereits 1818 ein chemisches Labor eingerichtet, das sich zu einer der weltweit ersten Forschungsstätten der Biochemie entwickelte. Heute ist das Schlosslabor als herausragender Ort der Wissenschaftsgeschichte Teil der Dauerausstellung des Museums der Universität Tübingen. Präsentiert wird u.a. ein originales Reagenzglas Friedrich Mieschers mit Nuklein, dem Namensgeber für die Desoxyribonukleinsäure (engl. DNA).

Eine Toilette mit Wasserspülung ist schon ganz nett…

Abort Bahnhof Ulm, 1955
Abort Bahnhof Ulm, 1955. Quelle: Staatsarchiv Ludwigsburg

Was den Umgang mit unseren Hinterlassenschaften angeht, hat sich seit dem 19. Jahrhundert viel getan. Neue Erkenntnisse in den Bereichen Hygiene und Medizin, der Aufbau einer öffentlichen Wasserversorgung und Kanalisation und nicht zuletzt ein verändertes Peinlichkeitsempfinden haben dazu geführt, dass solche Aborte verschwunden sind. Die Aufnahme vom Bahnhof Ulm aus dem Jahr 1955 zeigt aber auch: Bis sich das moderne WC, das Klosett mit Wasserspülung, allgemein durchgesetzt hat, ist einige Zeit ins Land gegangen.

Interessante Einblicke in die Entwicklung des „stillen Örtchens“ bieten die Bauunterlagen der Reichsbahndirektion Stuttgart, die im Staatsarchiv Ludwigsburg aufbewahrt werden und über LEO-BW recherchierbar sind. So war um 1900 in vielen Bahnhöfen im Südwesten eine eigene „Abortanlage“, häufig in einem Nebengebäude untergebracht und nach Geschlechtern getrennt, verbreitet.

Zu den Bauplänen der Reichs-/Bundesbahndirektion in LEO-BW geht es hier.

Der Becher des Nestors

Weinmischgefäß Nestoris
Weinmischgefäß ("Nestoris"), 350-320 v. Chr. Quelle: Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Diese schmucke Nestoris mit einer beachtlichen Höhe von 85 cm gehört zur archäologischen Sammlung des Badischen Landesmuseums in Karlsruhe. Das zweihenklige Weinmischgefäß ist nach einem großen Becher des Nestors, dem altersweisen Ratgeber des Agamemnon in Homers Epos „Ilias“, benannt. Nestor war dem Wein wohl nicht abgeneigt und brachte deshalb auch sein Trinkgefäß aus seiner Heimat Pylos mit nach Troja. Die Größe des Bechers muss laut der Ilias beeindruckend gewesen sein:

„Jeder andere bewegte ihn mit Mühe vom Tisch,
Wenn er voll war, Nestor aber, der Alte, hob ihn ohne Mühe.“

ἄλλος μὲν μογέων ἀποκινήσασκε τραπέζης
πλεῖον ἐόν, Νέστωρ δ' ὁ γέρων ἀμογητὶ ἄειρεν.

Falls Sie jetzt denken, Nestor trank daraus eine erfrischende Weinschorle – leider nein. Stattdessen gab es, so erzählt es die Ilias, einen nahrhaften Trank, den eine Dienerin zubereitete: eine Mischung aus Wein, weißer Gerste und geraspeltem Ziegenkäse (heute wahrscheinlich ein hipper Smoothie).

Allerdings: Aus der Nestoris auf dem Foto wurde wohl nie etwas getrunken. Das Prachtgefäß ist für den Gebrauch zu groß und noch dazu gut erhalten, weshalb es sich um eine Grabausstattung handelt.

Weitere Infos zum Becher und den darauf abgebildeten Göttern finden Sie auf der Objektseite.

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