Die Schriftstellerin Lotte Paepcke

Stolpersteine am Kloster Stegen
Stolpersteine auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Stegen erinnern an die Menschen, die zwischen 1942 und 1945 hier Zuflucht fanden

Heute vor 110 Jahren wurde Lotte Paepcke, geb. Mayer, in Freiburg im Breisgau als Tochter des jüdischen Kaufmanns Max Meyer und seiner Frau Olga geboren. Nach dem Abitur trat sie ein Rechtswissenschaftsstudium an, doch ihr Referendarexamen fiel in die Zeit der NS-Machtübernahme und somit wurde ihr die juristische Laufbahn als Jüdin verwehrt. Zudem brachte ihr die Mitgliedschaft in der „Roten Studentengruppe“ eine mehrwöchige Inhaftierung ein. Die 1934 geschlossene Ehe mit dem Philologen Dr. Ernst Paepcke schützte sie zwar zunächst vor einer Deportation, nicht aber vor den alltäglichen Gängelungen der Nationalsozialisten. Mit ihrem Mann zog Lotte Paepcke von Bielefeld über Köln nach Leipzig, wo sie zuletzt in einer Fabrik Zwangsarbeit leisten musste. 1942 kehrte sie mit ihrem Sohn aufgrund einer Erkrankung nach Freiburg zurück. Hier war sie gezwungen in unterschiedlichen Verstecken zu leben, bis sie und ihr Sohn 1944 schließlich im Stegener Ordenshaus Unterschlupf fanden. Pater Dr. Heinrich Middendorf, der von 1938 bis 1946 Rektor des Ordenshauses war, versteckte hier unter Lebensgefahr insgesamt neun Menschen.
Ihre traumatischen Erlebnisse während des Krieges verarbeitete Paepcke in autobiographisch geprägten Prosatexten – allen voran „Unter einem fremden Stern“ von 1952. In „Ein kleiner Händler, der mein Vater war“, das 1972 erstmals erschien, schilderte sie die Lebensgeschichte ihres Vaters Max Mayer, der zur Zeit der Weimarer Republik als Sozialdemokrat Mitglied des Freiburger Stadtrats war und 1938 nach einigen Monaten Gefangenschaft im Konzentrationslager Dachau in die USA emigrierte. Dass Paepcke auch eine bedeutende Lyrikerin war, zeigte die 1989 erschienene dreibändige Werkausgabe, illustriert von dem befreundeten Maler Erich Heckel. 1998, zwei Jahre vor ihrem Tod, wurde Lotte Paepcke mit dem Johann-Peter-Hebel-Preis geehrt. (JH)

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