Sammlungen und Quellen zur Alltagskultur im Südwesten

Objekte, Fotografien, Schriftstücke, Drucksachen, Filme, Dialekterzählungen: Das Themenmodul „Alltagskultur im Südwesten“ führt vielfältige Zeugnisse und Quellen zum Leben der breiten Bevölkerung im 19. und 20. Jahrhundert zusammen. Sie erlauben uns einen Blick zurück – auf vergangene Sachkulturen, auf Sichtweisen und Einstellungen – und sie lassen uns die großen gesellschaftlichen Entwicklungen begreifbar machen.

Die im Themenmodul zusammengefassten Zeugnisse und Quellen stammen zu einem großen Teil aus volkskundlichen, kulturhistorischen und populärkulturellen Sammlungen und Archiven in ganz Baden-Württemberg.

Das Badische Landesmuseum mit seiner Landesstelle für Volkskunde in Staufen (Außenstelle Südbaden) und die Arbeitsstelle Badisches Wörterbuch der Universität Freiburg stellen die „Fragebogen zur Sammlung der Volksüberlieferungen“ in Baden bereit. Hierbei handelt es sich um die Ergebnisse einer 1894/95 durchgeführten, hochspannenden volkskundlichen Materialerhebung. Erstmals ist das Quellenmaterial „digital“ vereint. Es gibt Auskunft etwa über die Lebensverhältnisse im ländlichen Raum im 19. Jahrhundert, aber auch über mundartliche Bezeichnungen.

Das Pendant zur badischen „Fragebogenaktion“ bilden die württembergischen Konferenzaufsätze („Volkstümliche Überlieferungen in Württemberg“) aus dem Jahr 1900. In den handschriftlichen Aufsätzen berichten Volksschullehrer aus württembergischen Gemeinden über Sitte und Brauch, Nahrung, Kleidung, Wohnung und Geräte, Glaube und Sage, Volksdichtung und Mundart. Sie sind neben den sogenannten „Sprachaufsätzen“ eine zentrale Forschungssammlung der Landesstelle für Volkskunde, einer Abteilung des Landesmuseums Württemberg.

Das Badische Landesmuseum steuert neben den Schriftquellen rund um den „Fragebogen zur Sammlung der Volksüberlieferungen“ eine museale Sammlung bei. Der Landschaftsmaler Georg Maria Eckert legte Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag des badischen Großherzogs eine heute nach ihm benannte „Sammlung vaterländischer Trachten und Hausgeräthe“ an. Die ländlich-volkskundlichen Objekte sind ein Beleg für ein zeitgebundenes Verständnis der eigenen Kultur und eine historische Interpretation von Regionalität.

Nicht auf die „schönen Dinge“ vergangenen „Volkslebens“, sondern auf die Zeugnisse unserer Massenkultur ist die Sammlung „Populär- und Alltagskultur“ des Landesmuseums Württemberg ausgerichtet. An ihnen werden die tiefgreifenden Umbrüche von der vorindustriellen zur industriellen und postindustriellen Welt fassbar. Verteilt über das Themenmodul präsentiert das Museum Alltagsgegenstände aus Württemberg vom späten 18. bis ins 21. Jahrhundert.

Dass Dialekterzählungen auch hervorragende Quellen zur Alltagskultur sind, zum Beispiel zu verschwundenen Berufen, zeigen die Tonaufnahmen aus dem Arno-Ruoff-Archiv. Das Archiv gehört zur Tübinger Arbeitsstelle „Sprache in Südwestdeutschland“ der Universität Tübingen, die seit Jahrzehnten die Dialekte Baden-Württembergs sammelt, speichert und erforscht.