Paulinerkloster Bonndorf im Schwarzwald 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1402 [1402]
Zerstörung/Aufhebung: 1807 [1807]
Beschreibung: Im Schwarzwald bestanden seit mindestens 1353 in Tannheim und 1360 im nahe gelegenen Grünwald schon zwei Paulinerklöster, als 1402 Rudolf von Wolfurt mit seiner Familie als Ortsherr sowie Schultheiß und Rat von Bonndorf die örtliche St. Peter und Pauls-Pfarrkirche mit Zubehör und Einkünften dem Paulinerorden zur Gründung eines neuen Klosters übergaben. Rudolf hatte wie bereits sein Vater und sein Bruder auch Besitzungen in Ungarn, dem Ursprungsland der Pauliner, sowie Burgen im nahen Umfeld der Paulinerklöster Argenhardt und Blümlistobel. Im gleichen Jahr 1402 bestätigte der Bischof von Konstanz die Schenkung und verzichtete auf seine Anteile an den Einkünften der Pfarrei und alle bischöflichen Rechte, insbesondere das der Visitation. Papst Martin V. nahm auf dem Konstanzer Konzil 1418 das Kloster Bonndorf ebenso wie einige andere schwäbische Paulinerklöster unter seinen besonderen Schutz. 1482 brannten die Klostergebäude nieder. Sonst schweigen die Quellen weitgehend für etwa zwei Jahrhunderte, weil das Klosterarchiv im 30-jährigen Krieg 1631 nach Klingnau im Aargau verbracht wurde, wo es 1632 einem Brand zum Opfer fiel. Die Landesherrschaft wechselte mehrfach von den Herren von Wolfurt über die Herren von Falkenstein, von Rechberg, die Grafen von Lupfen, bis die Abtei St. Blasien die Herrschaft 1609 von den Herren von Mörsberg und 1612 von den Grafen von Pappenheim erwarb. 1699 fasste sie St. Blasien mit weiteren Ämtern zur Reichsgrafschaft Bonndorf zusammen, die 1746 Fürstenrang erhielt. Das Verhältnis zum geistlichen Landesherrn wie zur Gemeinde wurde über lange Zeit durch Streitigkeiten bestimmt. Es ging vor allem um Zehntrechte, die Befreiung von den Beiträgen zu den Gemeindelasten, die Pflichten und Rechte in den Filialkirchen. In Bonndorf war die Klosterkirche zugleich Pfarrkirche, außerdem betreuten die Pauliner auch die Filialkirche in Wellendingen, zeitweise die Pfarrei Boll, das 1662 errichtete Leprosorium und ab 1789 das Spital. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde 1668 ein "Hauptvergleich" abgeschlossen, der die meisten, aber nicht alle Punkte regelte. Bis Anfang des 18. Jh. weilte in Bonndorf nur der Prior und meist ein weiterer Mönch. Anfang des 18. Jh. vermehrte sich die Zahl auf drei bis vier Mönche. Ab 1718 versuchte der Orden eigenmächtig das Kloster weiter auf acht Mönche zu vergrößern, erstellte 1721 einen Anbau, führte das gemeinsame Chorgebet und die Klausur ein. Weitere Ausbaupläne blockierte daraufhin St. Blasien und forderte, zunächst die unzureichende Pfarrkirche zu vergrößern. Mehrere Jahre wurde verhandelt, ob der Paulinerkonvent nicht in das von St. Blasien erworbene ehemalige Wilhelmitenkloster Mengen verlegt werden sollte. Nachdem sich diese Pläne zerschlugen, erlaubte der Abt von St. Blasien 1731 eine Konventsgröße von acht, 1736 von zehn Mönchen, worauf Pfarr- und Klosterkirche sowie Teile der Klostergebäude ab 1731 neu erbaut wurden. 1739 erhielten die Pauliner Reliquien des Katakombenheiligen Donatus, dessen Altar aber 1783 wieder beseitigt wurde. In der Kirche wurden 1743 drei neue Altäre errichtet mit Bildern des Konstanzer Maler Jakob Karl Stauder. Seit 1755 wurde hier auch eine Kopie des Gnadenbildes von Tschenstochau verehrt, dem polnischen Nationalheiligtum und größtem Kloster des Paulinerordens bis heute. Der vom Provinzkapitel neu gewählte Prior hatte sich zwar noch 1621 förmlich dem Abt präsentiert, danach genügte eine "Aufwartung", die Vorstellung nach dem Amtsantritt. Wichtiger wurde die Teilnahme des Priors an der Huldigung beim ersten Besuch eines (Fürst-)Abtes im Hauptort seiner Reichsgrafschaft. Vor dem feierlichen Hochamt begrüßte ihn der Prior mit einer lateinischen Rede, nach der Huldigung lud ihn der Abt zur Tafel. Gelegentlich kam es auch zu fast freundschaftlichen Beziehungen, so lud 1715 der Abt den Prior zu einer gemeinsamen Reise nach Freiburg ein. Aber die Berufung auf Immunität und Exemtion führte auch im 18. Jh. immer wieder zu Konflikten. So bestritt der Prior dem Abt 1726 jegliche Kontrollrechte als Vogt und Landesherr, steckte aber rasch wieder zurück. 1736 verweigerte der Prior die bischöfliche Visitation der Pfarrei unter Berufung auf die Exemtion von 1402. Der päpstliche Nuntius in Luzern entschied 1738 unter Verweis auf das Konzil von Trient, dass der Prior sich der Visitation als Pfarrer nicht entziehen könne, der Bischof bzw. sein Vertreter hier aber nicht kraft eigenen Rechts, sondern kraft päpstlichen Auftrags fungiere. Mit seiner Konventsgröße von nun stets neun bis zehn Mönchen hatte das Kloster in Bonndorf an Bedeutung in der schwäbischen Provinz gewonnen. Ab 1760 hatten die angehenden Patres der Provinz ihr Theologiestudium meist hier zu absolvieren. Die Auflösung des Provinzverbands 1784 und die Aufhebung der größeren Konvente in Langnau und Rohrhalden 1786/87 gefährdeten die Ordensdisziplin. Mehrere Bonndorfer Mönche wollten 1789 den Orden verlassen. Mit der Wiederbegründung der nun nur noch aus den Klöstern Bonndorf, Grünwald und Tannheim bestehenden Provinz 1790 konsolidierten sich die Verhältnisse nochmals für kurze Zeit. Der Bonndorfer Prior leitete nun auch die Provinz als Provinzialprior, hier befanden sich auch Noviziat und Studienhaus. Mit der Auflösung des Ordens in den habsburgischen Gebieten 1786 verlor auch der bisherige Ordensgeneral in Ungarn sein Amt, worauf sich die schwäbischen Pauliner der Jurisdiktion des Konstanzer Bischofs unterstellten. Aber bald schon erschütterten die Revolutionskriege die wirtschaftlichen Grundlagen, die Ausgaben von über 5.500 Gulden überstiegen die Einnahmen von ca. 4.000 Gulden im Jahr beträchtlich. Anders als die anderen Paulinerklöster lebte der Bonndorfer Konvent nicht so sehr von eigenem Grundbesitz und Feudalabgaben, sondern zu etwa drei Vierteln vom Pfarreinkommen, vor allem vom Zehnten. 1802 griff St. Blasien als Landesherr ein, zwang zur Aufgabe der Eigenwirtschaft, Reduktion der Ausgaben und Versetzung von drei Mönchen auf auswärtige Seelsorgestellen zur finanziellen Entlastung. Nach der Aufhebung der fürstenbergischen Klöster Grünwald und Tannheim 1802/03 blieb Bonndorf als einziges Paulinerkloster außerhalb Polens übrig. Im Reichsdeputationshauptschluss war zwar die Grafschaft Bonndorf mit St. Blasien dem Malteserorden überlassen worden, doch Österreich verhinderte eine Säkularisation. Erst als Bonndorf nach kurzer Besetzung 1806 durch Württemberg 1807 an das Großherzogtum Baden gelangte, kam auch das Ende für das Paulinerkloster Bonndorf. Am 25. März 1807 beschloss der Geheime Rat die Aufhebung. Von den acht Konventualen wurden der Prior und Subprior pensioniert, am Ort für die Pfarrseelsorge verblieben drei ehemalige Pauliner als Pfarrer und zwei Vikare, drei weitere ehemalige Mönche erhielten andere Pfarr- oder Kaplaneistellen. Die Einkünfte des vormaligen Klosters wurden weitgehend für die Pensionen, die Dotierung der örtlichen Seelsorge und den Unterhalt der Gebäude weiter benötigt. 1842 brach im Ort ein Großbrand aus, der Kirche und ehemalige Konvents-, jetzige Pfarrgebäude völlig zerstörte. Ab 1844 entstand etwas oberhalb des bisherigen Standorts im rechten Winkel zur vorigen Anlage die neue Pfarrkirche. Außer wenigen Büchern im Pfarrarchiv haben sich in Bonndorf keine sichtbaren Erinnerungen an die Paulinerzeit erhalten.
Autor: ELMAR L. KUHN
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Pauliner-Eremiten 1402-1807
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Modena (1802), Johanniter (1802), Österreich (1803), Württemberg (1805), Baden (1806)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=505

Adresse Bonndorf
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