Landkommende Altshausen 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1267 [1267]
Zerstörung/Aufhebung: 1806 [1806]
Beschreibung: Die Deutschordenskommende Altshausen verdankt ihre Gründung der Förderung durch Heinrich von Biegenburg, der 1264 auf seiner gleichnamigen Burg eine Kommende gründete und diese mit Besitzungen in und um Altshausen (einschließlich des Patronats) ausstattete. Im Jahre 1267 befand sich der Konvent bereits in Altshausen, wo er mit Hilfe der regionalen (Nieder-) Adelsgeschlechter (u. a. Grüningen, Schmalegg, Veringen, Nellenburg) bald schon seinen Besitzstand erheblich ausbauen konnte. An 31 Orten besaß die Kommende um 1300 Besitztitel. Auch personell entwickelte sie sich derart günstig, dass das Ordenshaus seit 1288 zunächst im unregelmäßigen Wechsel (vor allem mit Beuggen) Hauptsitz des Landkomturs der Ballei Elsass-Burgund wurde. Seit der ersten Hälfte des 15. Jh. war es dessen ständige Residenz. Innerhalb der Ballei waren Altshausen und Beuggen mit Abstand die finanzkräftigsten und personell stärksten Kommenden. Wiederholt wurden beide in Personalunion verwaltet. Finanzielle Engpässe zwangen den Deutschmeister 1386, die Ballei Elsass-Burgund dem Hochmeister zu verpfänden Sie zählte seit 1443 endgültig zu den vier hochmeisterlichen Kammerballeien. Gegenüber dem Hochmeister gelang es dem Landkomtur zusehends, sich zu verselbständigen. Zwischen 1522 und 1601 konnte der Landkomtursogar eigenständig gewählt werden. Zusammen mit dem fränkischen Landkomtur hatte dieser im Falle der Sedisvakanz im höchsten Ordensamt das Direktorium der Gemeinschaft inne. 1389 verlieh König Wenzel der Kommende die hohe Gerichtsbarkeit im Haus und Dorf Altshausen. Seit dessen Gründung (1488) war der Landkomtur Mitglied des Schwäbischen Bundes, dessen Politik er maßgeblich mitgestaltete. Als Reichsprälat kam ihm ein Sitz der Rheinischen Prälatenbank innerhalb des Reichsfürstenrates, in der Nachfolge der ausgestorbenen Grafen von Altshausen ein Sitz auf der Schwäbischen Grafenbank zu. Seit 1471 finden wir den Landkomtur, und damit v.a. die Kommenden Altshausen und Beuggen, zu Reichsleistungen veranschlagt, seit 1497 ist er oder sein Beauftragter auf den Reichstagen anwesend. Innerhalb des schwäbischen Reichskreises führte der elsässische Landkomtur nachweislich im 18. Jh. die Grafen- und Herrenbank an. Die Wirren der Reformationszeit konnten durch die wichtigen Provinzkapitel der Jahre 1534, 1540 und 1543 aufgefangen werden. Altshausen selbst - und damit die Ballei als ganze - blieb katholisch. Seit Beginn und vor allem seit Mitte des 16. Jh. erwarb die Landkommende mit Hohenfels (1506), Ellenhofen (1552), Illerrieden (1568), Unterrohr (1574) und Waldstetten (1673) wichtige mediate Herrschaftsbereiche, sowie die mit Landeshoheit begabten Herrschaften Achberg (1691) und Arnegg (1700). Im 30-jährigen Krieg wurden Ballei und Kommende schwer beschädigt. Der Wiederaufbau des Gebäudekomplexes zog sich bis 1669 hin. Allerdings konnte sich die Kommende wirtschaftlich und finanziell bis zu Beginn des 18. Jh. wieder konsolidieren, wie die Neubauten belegen (s. u.). Das Kirchenpatronat besaß die Kommende in Altshausen, Michelwinnaden, Ebersbach, Fleischwangen, Esenhausen und Pfrungen. An der Ordenskirche bestanden eine Sebastians- (1482), eine Rosenkranz- (1627) und kurzzeitig eine Skapulierbruderschaft (1724). Die 1729 geschlossene Fraternität mit dem Mainzer Erzbischof und Domkapitel band neben dem Hochmeister und dem fränkischen Landkomtur auch den Landkomtur in Altshausen in die Gebetsverbrüderung mit ein. Im Jahre 1735 wurde hier ein Priesterseminar eingerichtet, das sich an der Ordnung des Mergentheimer Seminars orientierte. Vorläufer dieser Einrichtung lassen sich bereits im 16. Jh. finden. Die Ordensleitung suchte dadurch den finanziellen Forderungen des Konstanzer Bischofs zu entgehen, der in Meersburg zeitgleich ein Seminar begründet hatte. Eine vergleichbare Bedeutung wie das Mergentheimer Seminar konnte jenes zu Altshausen nie erlangen. Vermutlich bestand es nicht einmal bis zur Auflösung der Landkommende im Jahre 1806. Ursprünglich war diese im Umfeld der Preßburger Friedensverhandlungen (Ende 1805) von Baden beansprucht worden. Im Januar 1806 wurde sie jedoch von Bayern in Besitz genommen - ein Vorgang, der von Württemberg heftig angefochten wurde. Klarheit schuf erst die Rheinbundakte vom 12. Juli, die Altshausen dem neu entstandenen Königreich Württemberg zusprach. Am 9. September 1806 nahm Württemberg Besitz von diesem finanziell noch immer einträglichen Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens. Der letzte Landkomtur erhielt auf Lebenszeit Wohnrecht im Kommendenkomplex. Das nunmehr königliche Landschloss unterstand der Verwaltung eines württembergischen Beamten. Seit 1919 wird es von der herzoglich-württembergischen Familie bewohnt und befindet sich noch immer im Besitz des Hauses Württemberg. Der Schlosskomplex in seinem heutigen Zustand wird maßgeblich durch die Bauten aus der ersten Hälfte des 18. Jh. geprägt. Die Schlosskirche, die heutige Pfarrkirche St. Michael, eine gotische Pfeilerbasilika von 1413 erhielt durch die Umbaumaßnahmen der Jahre 1748-1753 die heutige Gestalt der barocken Saalkirche. Landkomtur Philipp Anton von Froberg gewann hierfür Johann Caspar Bagnato (1696-1757). Dieser hatte im Bereich der Ballei Franken bei Franz Keller seine praktische Ausbildung erfahren und war seit 1727 wohl auf Vermittlung der fränkischen Ordensritter in Altshausen tätig, wo er 1729 offiziell mit den grundlegenden Umbaumaßnahmen des Kommendenkomplexes betraut wurde. Die Neugestaltung der ursprünglich vierflügligen mittelalterlichen Wasserburg (Umbauten 1544, Mitte des 17. Jh.) konnte allerdings nur in Teilen ausgeführt werden: So entstand etwa das barocke Torhaus (1731-1732), der Marstall und die Reitschule (1729-1733). Über den Gesamtplan der Barockisierung sind wir allerdings durch die Holzlegearbeit von Franz Josef Denner aus dem Jahre 1766 unterrichtet. Franz Anton Bagnato (1732-1810), der seinem Vater bereits beim Kirchenbau zur Seite stand, verantwortete den Umbau des Chores (um 1763), die Orangerie (1770) und die Beamtenhäuser.
Autor: JÖRG SEILER
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Deutscher Orden 1267-um 1450
  • Deutscher Orden um 1450-1806
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Württemberg (1806)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=669

Adresse Altshausen

Literatur:
  • M. Erzberger: Die Säkularisation in Württemberg von 1802 bis 1810. Ihr Verlauf und ihre Nachwirkungen. Stuttgart 1902, ND Aalen 1974. 325.
    W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 174-176 (J. SEILER).
    Die Kunstdenkmäler des Kreises Saulgau. Bearb. v. W. Matthey (Die Kunstdenkmäler in Württemberg. Hg. v. Württ. Landesamt für Denkmalpflege). Stuttgart 1939. 41-48.
    A. SEILER: Deutscher Ritterorden. In: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Hg. v. der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Stuttgart 1992ff. II, 610-636.
    B. RUESS: Geschichte von Altshausen. Schussenried 1932.
    H. BROMMER (HG.): Der Deutsche Orden und die Ballei Elsass-Burgund (Veröffentlichungen des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br. 63). Bühl 1996.
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