Benediktiner-Erzabtei/ Augustiner-Chorherrenstift Beuron 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1080 [um 1080]
Zerstörung/Aufhebung: 1802 [1802]
Beschreibung: Um 1080/90 kamen der gregorianischen Reform nahe stehende Männer im damals unwegsamen Donautal zusammen, um ein Leben in der Nachfolge Christi zu führen. Für diese nach einer Kanonikerregel lebende Gemeinschaft stellte der edelfreie Peregrin (von Hoßkirch) die materielle Grundlage zur Verfügung und diese errichtete auf einem hochwasserfreien Platz ein Stift St. Maria und St. Martin. Da er das Stift dem hl. Petrus übertragen hatte, nahm es 1097 Papst Urban II. in seinen Schutz auf, verlieh ihm die römischen Freiheiten und sicherte die freie Propstwahl zu. 1146 wird erstmals die Regel der Augustiner-Chorherren genannt. Damals hatte Beuron die Gewohnheiten der Abtei Marbach (Oberelsaß) übernommen. Eine königliche Schutzurkunde von 1131 und zwei Papsturkunden von 1125 und 1146 weisen auf die damalige Bedeutung des Stifts. Als 100 Jahre später die urkundliche Überlieferung wieder einsetzt, erscheint Beuron als ein landsässiges Stift in der Herrschaft Mühlheim, auch wenn es weiterhin dem päpstlichen Stuhl unterstand und den jährlichen Anerkennungszins zahlte. 1499 visitierte Bischof Hugo von Konstanz das Stift und gab dem Propst und sechs Konventualen neue Statuten. Auch der 1513 vom Bischof als Verwalter eingesetzte Kreuzlinger Augustiner Johannes Weck und der Abt von Kreuzlingen als Visitator konnten den Verfall nicht aufhalten. Erst Ende des Jahrhunderts setzte wieder eine Besserung ein, die durch die Wirren des 30-jährigen Krieges weitgehend zunichte gemacht wurde. Die Freiherren von Enzberg als Inhaber der Herrschaft Mühlheim kontrollierten seit 1409 als Vögte (Kastenvogtei) die weltliche Verwaltung des Stifts. Das Erzhaus Österreich übte die Hoheitsrechte über den Besitz des Stifts links der Donau aus. In einem Vertrag von 1452 behielt es sich die hohe Obrigkeit, Vogtei, Gericht und Wildbann auch über den Besitz rechts der Donau vor, überließ jedoch den Enzbergern die Vogteirechte. 1615 wurde die Kastenvogtei aufgehoben, die Enzberger jedoch wiederum mit der Wahrnehmung der hohen Obrigkeit betraut. Der Besitz des Stifts lag verdichtet in Irndorf, Königsheim, Böttingen und Mahlstetten nördlich und zwischen Beuron und Unterschwandorf südlich der Donau. Fernbesitz gab es in Mengen (Schaffnerei), bei Biberach (Schaffnerei Stafflangen) und im Breisgau (Schaffnerei Freiburg). Weitere Schaffnereien bestanden in Mühlheim an der Donau, Egesheim und Ebingen/Balingen. Die inkorporierten Pfarreien St. Martin in Beuron und Bärenthal wurden excurrendo versehen, in Irndorf, Buchheim, Leibertingen und Worndorf residierten Augustiner. Auf die Patronatspfarreien in Nusplingen, Obernheim, Egesheim, Bubsheim, Reichenbach am Heuberg, Dietingen und bis 1741 Hartheim präsentierte der Beuroner Abt jeweils einen Weltpriester. Mittelpunkt einer nach 1650 von der Abtei Rottenbuch betriebenen Reform des Konvents war die Eröffnung einer Wallfahrt zum Gnadenbild in Beuron um 1669, die von der neugegründeten Rosenkranzbruderschaft getragen wurde. Die Einführung neuer Frömmigkeitsformen und der wirtschaftliche Sanierungskurs von Propst Sigismund (1660-1682) - 1668 hatte er den gesamten Besitz im Breisgau verkauft - stießen auf Widerstand und 1681 musste er resignieren. Abt Georg (1682-1704) hatte mehr Erfolg. Die Rückbesinnung auf die Regel des hl. Augustin führte zu einer neuen Spiritualität, die zusammen mit vertiefter Ausbildung und Studien der Konventualen eine Vergrößerung des Konvents nach sich zog. 1687 verlieh Papst Innozenz XI. dem Propst das Recht zum Tragen einer mit Bändern geschmückten Mitra. Der Abt, wie sich der Propst nun bezeichnen durfte, konnte bestimmte Weihehandlungen durchführen. Da nach 1690 der Konvent von sieben auf 17 Personen erweitert worden war, beauftragte der Abt 1694 den Architekten Franz II. Beer von Bleichten mit dem Bau von neuen Konvents-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäuden, die 1701 bis 1704 der Baumeister und Stukkateur Georg Hans Brix vollendete. Er stuckierte den Kapitelsaal, die Abtskapelle, das Sommerrefektorium und teilweise den Festsaal. 1732 erhielt der Rottweiler Baumeister Matthäus Scharpf den Auftrag zum Bau einer neuen Abteikirche, die am 28. September 1738 geweiht wurde. Die Ausmalung hatte der Riedlinger Maler Josef Ignaz Wegscheider vorgenommen. Drei Jahre lang arbeiteten Joseph Anton Feichtmayr und die Brüder Johann Georg und Anton Dirr an dem 1763 fertig gestellten Hochaltar, in wenigen Stunden zerschlugen am 12. August 1872 Benediktinermönche die vielberufene Bildergruppe des Hochaltars, als sie die Klosterkirche für ihre liturgischen Erfordernisse umbauten. Nachdem der Konvent seit 1680 mehrfach unter Berufung auf eine österreichische Gründung beim Erzhaus Schutz gesucht hatte, wollte dieses 1721 eine österreichische Vogtei über Beuron festschreiben. Mit dem Hinweis auf eine Vogteifreiheit setzte sich der Abt zur Wehr. Die Äbte versuchten jetzt, Zugang zur Reichsritterschaft und zum Schwäbischen Kreis zu erhalten und strebten die Reichsstandschaft an. Der Erwerb der reichsritterschaftlichen Herrschaft Randegg (1737) scheiterte am Einspruch der Reichsritterschaft. Hierfür waren 1737 die Besitzungen bei Stafflangen verkauft worden. Um 1751 den Kauf des Dorfs Bärenthal mit dem Schlösschen Ensisheim zu finanzieren, durch den die Abtei erstmals mit dem Niedergericht verbundenen Besitz erlangte, wurden die Güter bei Mengen verkauft. Abt Rudolf Reichel (1751-1790) erreichte 1755 die Aufnahme in die Kongregation der lateranensischen Augustiner. Als ihm kein Erfolg beschieden war, für seine Niedergerichtsherrschaft die Reichsunmittelbarkeit zu erlangen, wurden zahlreiche gefälschte Dokumente angefertigt, die ein völlig neues Geschichtsbild begründeten. Auch nachdem dies aufgedeckt worden war, ging das Erzhaus Österreich behutsam mit ihm um. In einem Vertrag von 1791 wurde dem Abt auf den Gütern Rheinfeld und Ensisheim und im Dorf Bärenthal die unbeschränkte Territorialhoheit als österreichisches Lehen eingeräumt, wofür er einen erheblichen Preis zahlen musste. Die neue Rechtslage hatte keine Auswirkungen mehr. Nachdem in den Entschädigungsverhandlungen Beuron dem Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen zugeschlagen worden war, nahmen am 23. November 1802 Beamte des Fürsten Anton Aloys in Beuron die provisorische Zivilbesitznahme vor. Der Konvent bestand aus 16 Kapitularen, in der Herrschaft lebten 511 Untertanen. Die Jahreserträge wurden auf 26.000 bis 28.000 Gulden geschätzt. Die Augustiner wurden mit Pensionen abgefunden. Wer nicht fortging, konnte bis zum Tode im Konventsgebäude wohnen. Mitte Februar 1804 wurde das letzte Chorgebet gehalten. Aus der etwa 17-18.000 Bücher umfassenden Bibliothek wurden 1824 etwa 900 Bücher in die Hofbibliothek bzw. die Kapitelsbibliothek nach Sigmaringen gebracht, der Rest versteigert. Das Archiv wurde unter den damaligen Besitznachfolgern (württembergische Kameralämter, fürstlich hohenzollerische Verwaltung) aufgeteilt. Nachdem die Fürstinwitwe Katharina von Hohenzollern-Sigmaringen 1862 ein Stiftungskapital von 33.000 Gulden bereit gestellt hatte, besiedelten Benediktinermönche die verlassenen Stiftsgebäude. Der Erzbischof von Freiburg errichtete auf Grund päpstlicher Genehmigung am 10. Februar 1863 ein selbstständiges Konventualpriorat St. Martin, das 1868 in eine Benediktinerabtei umgewandelt wurde.
Autor: Wilfried Schöntag
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Augustiner-Chorherren um 1080-1802
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Hohenzollern-Sigmaringen (1802)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=727

Adresse Beuron
E-Mail: verwaltung@erzabtei-beuron.de
Homepage: http://www.erzabtei-beuron.de

Literatur:
  • Kreis Sigmaringen. Bearb. v. F. Hossfeld (Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns Bd. 2. Hg. im Auftrag d. Landeskommunalverbandes der Hohenzollerischen Lande v. W. Genzmer). Stuttgart 1948.64-77.
    K. Th. ZINGELER: Geschichte des Klosters Beuron im Donauthale, urkundlich dargestellt. Sigmaringen 1890.
    W. SCHÖNTAG (Hg.): 250 Jahre Abteikirche Beuron. Geschichte, geistliches Leben, Kunst. Beuron 1988.
    DERS.: Erwerb der Reichsunmittelbarkeit durch Kauf von Hoheitsrechten oder durch Fälschung von Texten?. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte. Hg. vom Hohenzollerischen Geschichtsverein Sigmaringen. Gammertingen/Sigmaringen 1ff. (1965ff.) 28 (1992) 23-66.
    P. A. GRÖGER OSM: Kloster Beuron. In: Klöster im Landkreis Sigmaringen in Geschichte und Gegenwart. Hg. v. E. E. Weber im Auftrag des Landkreises Sigmaringen (Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Sigmaringen 9). Lindenberg 2005. 47-92.
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