Dominikanerinnenkloster Kirchheim 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1247 [1247]
Zerstörung/Aufhebung: 1570 [um 1570]
Beschreibung: Die Anfänge des Klosters konnten bislang nicht restlos geklärt werden. Historiographische Werke des 15. und 16. Jh. erwähnen 1235 die Förderung einer Kirchheimer Sammlung durch die Herzöge von Teck und lassen diese im Rang von Stiftern erscheinen. 1241 erfolgte ihre Verlegung nach Sirnau. 1247 wird erneut eine Sammlung in Kirchheim erwähnt (unklar ob Neugründung oder ein nicht nach Sirnau gezogener Teil der alten Sammlung), die zwei Jahre darauf die Augustinerregel erhielt und dem Predigerorden inkorporiert wurde. Dem landsässigen, fortan dem Dominikanerkloster Esslingen unterstellten Kloster ermöglichte die Förderung der Herzöge von Teck und ihrer Ministerialen vornehmlich in der Mitte des 14. Jh. zahlreiche Erwerbungen, die sich auf den Nahbereich um Kirchheim unter Teck konzentrierten. In der Mitte des 15. Jh. erfolgten der Erwerb der Patronatsrechte und die Inkorporation der Pfarrkirche Wendlingen. Bei der Veranlagung der geistlichen Institute des Herzogtums Württemberg 1525 wurden lediglich die Frauenklöster von Pfullingen, Steinheim und Lichtenstern höher besteuert. Im Konvent dominierten bis zur Reform Angehörige des landsässigen Adels der Gegend. Hinzu kamen Nonnen aus bürgerlichen Familien vornehmlich der Städte Kirchheim, Esslingen, Gmünd, Tübingen, Urach und Münsingen. Historiographische Quellen weisen für das 13. und 14. Jh. auf eine Konventsstärke von über 70 bis 80 Nonnen hin. 1478 wurde das Kloster auf Veranlassung der Grafen von Württemberg mit Nonnen aus dem bereits der Observanz angeschlossenen Kloster Schlettstadt reformiert. Die Reform führte das Kloster zu neuem Ansehen und zu geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen. Unter dem von der Regierung der Grafschaft ausgeschlossenen Grafen Eberhard d. J. verbanden sich dessen massive finanzielle Forderungen an das Kloster mit Bestrebungen reformunwilliger Teile des Konvents nach Abkehr von der Observanz. Diese innere und äußere Krise führte bis zur militärischen Belagerung durch Eberhard d. J. 1487/88. Das Eingreifen des regierenden Grafen Eberhard d. Ä. (im Bart) festigte das Kloster wieder in seiner observanten Ausrichtung. Eine um 1530 in der Schreibstube des Klosters entstandene Pergamenthandschrift mit Nekrolog, Martyrologium, Evangelienlektionar und Konstitutionen befindet sich heute in St. Paul im Lavanttal. Im Bauernkrieg erlitt das Kloster Plünderungen. Nach Einführung der Reformation im Herzogtum Württemberg 1534 kam es nur vereinzelt zu freiwilligen Austritten. Der Konvent, der 1521 aus 52 Nonnen bestanden hatte, zählte 1559 noch 16 Nonnen, die weiterhin die Ordensregel befolgten. Unter der Drohung der gewaltsamen Landesverweisung nahmen 1567 die Priorin und zwei Schwestern im Dominikanerinnenkloster Kirchberg Zuflucht. Letzte, in Kirchheim zurückgebliebene Nonnen verstarben in den 1570er Jahren. Das Vermögen des Klosters wurde zum herzoglichen "Gemeinen Kirchenkasten" eingezogen. Die Kirche wurde bereits 1539 abgetragen, die sonstigen Klostergebäude fielen 1626 einem Brand zum Opfer.
Autor: HERBERT ADERBAUER
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Dominikanerinnen 1247-um 1570
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=733

Adresse Alleenstraße 120, Kirchheim unter Teck

Literatur: W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 305f. (H. ADERBAUER).
Der Landkreis Esslingen. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Esslingen (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). 2 Bde. Stuttgart 2009. I, 201-203 u. II, 49-79.
Die Kunst- und Altertumsdenkmale in Württemberg. Inventar Donaukreis, Oberamt Kirchheim. Bearb. v. H. Christ. Hg. vom Württ. Landesamt für Denkmalpflege. Esslingen a. N. 1921. 44-47.
U. P. ECKER: Die Geschichte des Klosters S. Johannes-Baptista der Dominikanerinnen zu Kirchheim unter Teck. Diss. masch. Freiburg 1985.
R. GÖTZ: Die älteste Urkunde des Kirchheimer Frauenklosters. In: Schriftenreihe des Stadtarchivs Kirchheim unter Teck 3 (1985) 7-22.| K.FAST (Hg.): Zwischen Himmel und Erde. Klöster und Pfleghöfe in Esslingen : eine Ausstellung der Städtischen Museen und des Stadtarchivs Esslingen am Neckar in der Franziskanerkirche Esslingen, 27. September 2009 bis 31. Januar 2010. Begleitpublikation im Namen der Stadt Esslingen am Neckar. Petersberg 2009.
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