Benediktinerabtei St. Trudpert 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 650 [1. Hälfte 7. Jh.]
Zerstörung/Aufhebung: 1806 [1806]
Beschreibung: Das Kloster St. Trudpert in Münstertal/Schwarzwald, zwanzig Kilometer südlich von Freiburg gelegen, blickt heute auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück: Von den Anfängen als Benediktinerkloster im 7. Jahrhundert bis zur Auflösung im Zuge der Säkularisation 1806, der anschließenden Nutzung als "Schloss St. Trudpert" und der Wiederbegründung durch die Kongregation der Schwestern vom heiligen Josef zu Saint Marc seit 1918. Im Laufe seiner Geschichte musste das Kloster manche Unbilden und Zerstörungen erdulden, Blüte und Not wechselten sich mehrfach ab. Frühgeschichte im Dunkeln: Das 7. bis 10. Jahrhundert Die Frühgeschichte des Klosters liegt weitgehend im Dunkeln, zwischen dem Leben des Klosterpatrons und seiner ältesten Lebensbeschreibung liegen mehr als zwei Jahrhunderte: In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts kam der irische Mönch Trudpert zur Mission der noch vornehmlich heidnischen Alemannen ins Münstertal, wo er drei Jahre nach seiner Niederlassung als Einsiedler das Martyrium erlitt. Im 9. Jahrhundert dürfte die Einsiedelei in ein Kloster umgewandelt worden sein, ein Neubau ist zwischen 962 und 975 anzunehmen. Zum heiligen Trudpert traten im 11. oder 12. Jahrhundert Petrus und Paulus als Klosterpatrone hinzu. Wirtschaftliche Blüte und politische Emanzipation: Das 11. bis 15. Jahrhundert Sind für die frühe Baugeschichte des Klosters zumindest punktuelle Aussagen möglich, so schweigen hierüber die Quellen bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts gänzlich. Stattdessen tritt nun die wirtschaftliche und politische Bedeutung des Klosters deutlich hervor - allerdings erst im 12. Jahrhundert, denn offenbar beteiligte man sich in St. Trudpert weder an den benediktinischen Reformbewegungen, noch bezog man im Investiturstreit Position. Es entsteht das Bild eines durchaus wohlhabenden Klosters, das jedoch über keine überregionale Ausstrahlung oder Einbindung verfügte - das berühmte "St. Trudperter Hohelied" aus dem 12. Jahrhundert dürfte wohl erst später seinen Weg in die dortige Bibliothek gefunden haben. Stattdessen sind vor allem zahlreiche Auseinandersetzungen des Klosters mit seinen Untertanten sowie den angrenzenden Klöstern und Adeligen überliefert. Eine besondere Rolle spielten dabei die Vögte des Klosters, die Herren von Staufen: Diese traten zwar auch als Wohltäter des Klosters auf, doch überwiegen die Konflikte, die nicht zuletzt aus konkurrierenden Ansprüchen auf den Silberbergbau in der Region resultierten. Zur Sicherung seiner Rechte erwirkte das Kloster päpstliche (1144, 1185, 1245) und kaiserliche (1235) Urkunden. Entscheidender zur Stärkung der klösterlichen Unabhängigkeit dürfte allerdings die Anbindungen an die Habsburger gewesen sein, wozu das Kloster im 13. Jahrhundert auch zu mehreren Urkundenfälschungen griff: Die legendären frühen Förderer des Klosters Otpert, Rampert und Liutfrid wurden zu Vorfahren der Habsburger gemacht, wovon sich das Kloster offenbar die Stellung eines "Hausklosters" und den damit verbundenen Schutz versprach. Zwar griffen erst die humanistischen Geschichtsschreiber des Hauses Habsburg in abgewandelter Form auf diese genealogische Konstruktion zurück. Doch schon Ende des 13. Jahrhunderts traten die Habsburger als Obervögte des Klosters auf - den Herren von Staufen blieb nur noch das Untervogteirecht. Auch das Bergregal gelangte schließlich ganz in die Hand des Klosters. Die gute wirtschaftliche Lage spätestens seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts äußert sich neben umfangreichen Grunderwerbungen auch in der Anfertigung oder dem Kauf eines wertvollen vergoldeten Kreuzes zu dieser Zeit (siehe unten). Allerdings musste das Kloster nicht unerhebliche Einbußen durch die Zerstörung der nahe gelegenen Bergbaustadt Münster durch Freiburg im Jahr 1346 und den allgemeinen Rückgang der Silberproduktion hinnehmen. In den folgenden Jahrzehnten finden sich immer wieder Nachrichten, die auf wirtschaftliche Schwierigkeiten hindeuten. Dennoch konnten Mitte des 15. Jahrhunderts mehrere Gebäude (Klausur, Abtshaus, Backhaus) sowie die Marienkappelle und der gotische Chor (Weihe 1456) neu gebaut werden - für eine vollständige Umgestaltung der Kirche fehlten jedoch offenbar die Mittel. Zerstörung & barocke Pracht: 16. bis 18. Jahrhundert Bei den Aufständen in Südwestdeutschland wurde das Kloster zwei Mal geplündert (1518 und 1525), die entstandenen Schäden konnten erst 1578 wieder behoben werden. Der damalige bauliche Zustand ist in einer Zeichnung von Gabriel Bucelin aus dem Jahr 1624 bewahrt. Der Dreißigjährige Krieg brachte dann die weitgehende Zerstörung des Klosters, das am 28. Dezember 1632 von schwedischen Truppen geplündert und dem Erdboden gleichgemacht wurde. Der Wiederaufbau ging wegen der wirtschaftlichen Notlage zunächst nur langsam voran, konnte jedoch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zu einem provisorischen Abschluss gebracht werden. Den Grundstein für die barocke Neugestaltung des Klosters legte Abt Augustin Sengler (1694-1791). Als Baumeister wirkte maßgeblich Peter Thumb, die noch heute zu bewundernden Fresken und Altarbilder schufen Künstler aus dem Tessin, aus Oberschwaben, dem Breisgau und dem Schwarzwald. Auflösung und Wiederbegründung: 19. bis 21. Jahrhundert Im Zuge der Säkularisation sollte St. Trudpert gemäß dem Frieden von Lunéville (1801) an den Johanniterorden fallen. Die am 15. November 1802 erfolgte "provisorische Zivilbesitznahme" wurde jedoch hinfällig, da den Orden dasselbe Schicksal ereilte. Nach der Übernahme Vorderösterreichs durch das Großherzogtum Baden wurde das Kloster schließlich am 23. Dezember 1806 endgültig aufgelöst. Die Immobilien wurden verkauft, die Bücher und Kunstschätze abtransportiert und das Archiv ins Generallandesarchiv nach Karlsruhe überführt. Der großherzogliche Geheime Rat Freiherr Konrad von Andlaw erwarb die Klosteranlage, nahm bauliche Veränderungen vor und nutze sie als "Schloss St. Trudpert"; die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche umgewandelt. Freiherr Friedrich von Mentzingen, ein Nachfahre derer von Andlaw, verkaufte die Anlage schließlich 1918 an die Kongregation der Schwestern vom heiligen Josef zu Saint Marc, die dort ein Provinzmutterhaus gründeten. Der Ausbau der Klostergebäude musste 1929 wegen finanzieller Schwierigkeiten zeitweise eingestellt werden, 1965 erfolgte schließlich die Weihe der neuen Klosterkirche. Der erste Superior der Gemeinschaft, Pfarrer Willibald Strohmeyer, der sich auch als Heimat- und Geschichtsforscher verdient gemacht hatte, wurde am 22. April 1945 von der SS ermordet. Kunstschätze des Klosters: Das silberne romanische (um 1175-1180) und das vergoldete gotische Kreuz (2. Hälfte 13. Jh.) Das Kloster St. Trudpert besaß im Mittelalter zwei wertvolle Kreuze, die aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammen. Das ältere der beiden, das so genannte Niello-Kreuz dürfte als Stiftung des Trudperter Vogtes Gottfried von Staufen und seiner Frau Anna um 1175-1180 an das Kloster gekommen sein. Es scheint auch Jahrhunderte später noch eine große Verehrung der Bevölkerung genossen zu haben, auf deren Bitten es der Großherzog von Baden bei der Auflösung des Klosters der Pfarrgemeinde vermachte. Hier befindet es sich noch heute. Das zweite, etwa einhundert Jahre jüngere Kreuz hatte der letzte Abt des Klosters kurz zuvor in das Benediktinerkloster Mariastein/Schweiz geflüchtet, von wo aus es im 19. Jahrhundert zunächst in die Kunstsammlung Basilewsky und schließlich in die Eremitage in Sankt Petersburg gelangte. Beide Kreuze dienten der Aufbewahrung für Partikel vom Wahren Kreuz, wurden als Vortragekreuze verwendet und zeigen den Gekreuzigten zwischen Maria und Johannes. Auf dem jüngeren, vergoldeten Kreuz ist auf der Rückseite u. a. der heilige Trudpert mit Palmzweig dargestellt, dessen Kopfbedeckung von der Forschung als Fürstenhut gedeutet wird.
Autor: ANDREAS BÜTTNER
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Benediktiner 1. Hälfte 7. Jh.-1806
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Freiburg,
fiel an: Modena (1802), Johanniter (1802), Baden (1806), Andlaw (1808, durch Kauf)
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Literatur: Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (Kreis Freiburg Land). Bearb. v. F. X. Kraus (Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden Bd. VI/1). Tübingen 1904., 434-447.
F. VON WEECH: Urkundenbuch des Benedictinerklosters St. Trudpert. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 30 (1878), 76-128, 323-399.
A. KRIEGER: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden. Bd. 2. Heidelberg (2. Aufl.) 1904, Sp. 779-789.
T. MAYER (Hg.): Beiträge zur Geschichte von St. Trudpert (Veröffentlichungen des Oberrheinischen Instituts für geschichtliche Landeskunde Freiburg im Breisgau 3). Freiburg i. Br. 1937.
H.-J. HEUSER: Das Niellokreuz von St. Trudpert. In: Zeitschrift für Kunstwissenschaft 6 (1952), 27-46.
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W. MÜLLER: St. Trudpert. In: Franz Quarthal (Hg.): Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg (Germania Benedictina 5). St. Ottilien 1975, 606-614.
T. KURRUS / A. HERBENER / H. NEUHÖFER: St. Trudpert/Münstertal. Pfarrkirche St. Peter und Paul und St. Trudpert (Schnell Kunstführer 1081). Regensburg (13. Aufl.) 1999.
A. HERBENER / H. NEUHÖFER: Das Kloster St. Trudpert in Münstertal/Schwarzwald. In: K. MANGOLD (Hg.): Das Kreuz aus St. Trudpert in Münstertal/Schwarzwald in der Staatlichen Ermitage St. Petersburg. München 2003, 11-16.
H. SCHWARZMEIER: Die politische und wirtschaftliche Bedeutung des Klosters St. Trudpert in der Reichsgeschichte. In: K. MANGOLD (Hg.): Das Kreuz aus St. Trudpert in Münstertal/Schwarzwald in der Staatlichen Ermitage St. Petersburg. München 2003, 17-26.
E. NEKRASSOVA: Das Kreuz aus St. Trudpert: Beschreibung, Materialien, Techniken, Steinschmuck, Reliquien, Maße, Erhaltungszustand. In: K. MANGOLD (Hg.): Das Kreuz aus St. Trudpert in Münstertal/Schwarzwald in der Staatlichen Ermitage St. Petersburg. München 2003, 34-40.
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