Zisterzienserinnenabtei Rottenmünster 

Ortsbezüge:
Baujahr/Gründung: 1222 [1222]
Zerstörung/Aufhebung: 1803 [1803]
Beschreibung: Das Kloster Rottenmünster geht auf eine Abspaltung einer kleinen Frauengruppe aus einer Schwesterngemeinschaft zurück, die in Hochmauern unter ihrer Meisterin Williburgis ein religiöses Leben führte. Bei ihrer Suche nach einer neuen Niederlassung hofften die Frauen zu Beginn des 13. Jh., in den Zisterzienserorden aufgenommen zu werden. Erster Schritt hierzu war 1221 der Kauf eines Gutes südlich von Rottweil, das den Chorherren von St. Stephan in Konstanz gehörte. Die Schwestern übergaben das Gut dem damaligen Salemer Abt Eberhard von Rohrdorf, dem der Bischof von Konstanz 1222 die Vogteirechte daran übertrug, weil dieser hier ein Kloster bauen wolle. Im selben Jahr forderte Papst Honorius III. das Generalkapitel der Zisterzienser auf, das Kloster in den Orden aufzunehmen und den Abt von Salem zum Vaterabt zu bestellen. Die Inkorporation in den Zisterzienserorden erfolgte am 9. Mai 1224 durch Papst Honorius III., der das Kloster Rottenmünster (rubeum monasterium) in seinen Schutz nahm. Erste Äbtissin war die Meisterin von Hochmauern, Williburgis, erster Vaterabt der Abt von Salem, Eberhard von Rohrdorf. 1237 übernahm Kaiser Friedrich II. Schutz und Schirm des Klosters, den er der nahen Reichsstadt Rottweil übertrug. Dank adeliger Gönner (z. B. Herren von Lupfen, Grafen von Sulz) verlief die wirtschaftliche Entwicklung günstig. Hinzu kamen bedeutende Schenkungen und Mitgiften eingetretener Nonnen aus dem niederen Adel, seit dem 14. Jh. auch des gehobenen Bürgertums der Reichsstadt Rottweil. Diese Schenkungen bestanden meist aus Feldern, Wiesen, Wäldern und ganzen Höfen und verschiedenen Rechten in Dörfern zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Schwerpunkte des Besitzes waren das Gebiet um Lauffen o. R., Aixheim, Frittlingen, Zepfenhan und Sonthof, Neukirch und Vaihingerhof. Rottenmünster blieb bis zum Ende des Alten Reiches reichsunmittelbares Stift, die Äbtissin war Mitglied des Reichstages und hatte Sitz und Stimme im schwäbischen Kreistag. Den personellen Höchststand erreichte der Konvent mit über 100 Frauen zur Zeit der Rottweiler Äbtissin Anna Boller (seit 1359). Gegen Ende des 15. Jh. pendelte sich die Zahl der Nonnen auf etwa 20 bis 30 ein. Innerklösterliche Wirren, bis hin zum offenen Schisma im Konvent und der Resignation der amtierenden Äbtissin Beatrix von Enzberg 1475 hatten das klösterliche Zusammenleben in eine tiefe Krise geführt. Erst den Salemer Vateräbten gelang es, diesem Niedergang Einhalt zu gebieten und das Kloster über die Reformationszeit hinweg zu führen. Zu Beginn des 17. Jh. flammten wieder Zwistigkeiten mit Rottweil um das von Papst und Kaiser verbriefte Recht der Freiheit von Vogt und Abgaben auf. Während des 30-jährigen Kriegs litten Kloster und Konvent sehr unter umherziehenden plündernden schwedischen und französischen Truppen. Der französische Marschall Guébriant schlug während der Belagerung der Reichsstadt Rottweil zweimal sein Hauptquartier in Rottenmünster auf. Während dieser Drangsale flüchtete ein Teil der Frauen in die Schweiz, ein anderer in die an der Hochbrücke in Rottweil gelegene Klosterschaffnerei. 1643 zündeten Truppen des Herzogs von Württemberg das Kloster an allen vier Ecken an, wobei auch die Klosterkirche völlig niederbrannte. Nachdem über 30 Jahre hinweg keine Nonnen mehr aufgenommen worden waren, zählte der Konvent 1662 nur mehr 14 Chorfrauen und drei Laienschwestern. Im Laufe des 18. Jh. erreichte der Konvent wieder die Norm von 36 Frauen, von denen etwa ein Drittel Laienschwestern waren. Die Säkularisation brachte für das Reichsstift Rottenmünster das Ende. Mit der Besitzergreifung Rottweils durch Württemberg am 23. November 1802 erfolgte auch die Besitznahme des Klosters durch 50 Soldaten. Damit kam ein Gebiet von etwa 3.000 Einwohnern und jährlichen Einnahmen von 30.000 Gulden an Württemberg. Zwei Drittel des Inventars wurden weggenommen. Silber für mehr als 6.000 Gulden, meist liturgische Geräte und Statuen, kamen in die staatliche Münze nach Ludwigsburg. Die 25 Chorfrauen, vier Novizinnen und 14 Laienschwestern erhielten samt der Äbtissin die Erlaubnis, das Kloster zu verlassen und in ihre Heimat zu ziehen. Bis auf eine Chorfrau blieben jedoch alle beisammen und bemühten sich vor Ort, Klausur und Gebet weiter einzuhalten. 1826 starb die letzte Äbtissin Juliana Mayer. 1850 verließ die letzte noch lebende Schwester das Kloster. Eine adäquate Nutzung der leerstehenden Gebäude scheiterte aus vielerlei Gründen. Verwaltungsräume und Salzlager der nahegelegenen Saline Wilhelmshall und auch Wohnungen für Eisenbahnarbeiter waren nur übergangsweise darin untergebracht. Im Jahr 1898 richteten jedoch die Schwestern von Untermarchtal in Rottenmünster eine Heilanstalt für Geisteskranke ein, nachdem St. Vinzenz in Schwäbisch Gmünd Ende des 19. Jh. zu klein geworden war. Bei der ersten Zisterzienserinnenkirche aus dem 13. Jh. handelte es sich vermutlich um eine einschiffige romanische Kirche. Erwähnt werden lediglich der Hochaltar zu Ehren der Muttergottes, ein Nikolaus- und ein Katharinen-Altar. Im Jahre 1446 wurden Kirche und Kloster Opfer eines Brandes. Vom 1643 niedergebrannten Nachfolgebau ist nur bekannt, dass in ihm drei Altäre zu Ehren der hll. Ottilia, Katharina und Barbara geweiht waren. An der gleichen Stelle errichtete die aus Rottweil stammende Äbtissin Ursula Scherlin (1657-1687) ein Gotteshaus im neuen Stil des Barock und beauftragte mit dem Bau die Vorarlberger Baumeister Michael Beer, Michael Thumb und Peter Willi. Die Weihe der Kirche fand 1664 statt. Den filigranen Stuck von 1699 verdankt die Kirche der Wessobrunner Schmuzer-Werkstatt. Für die malerische Ausstattung des Gotteshauses war vor allem der Rottweiler Künstler Johann Achert verantwortlich, aus dessen Hand die drei Brüstungsbilder der fast zum Altarraum vorragenden Empore stammen sowie einzelne Altarbilder. Der kunstvoll geschnitzte Hochaltar erhielt 1790 als Geschenk des Vaterabtes von Salem ein Altarbild mit der Darstellung der Himmelfahrt Mariens, das ursprünglich für die Wallfahrtskirche Birnau bestimmt war. Die barocke Orgel fehlt heute, da sie im Zuge der Säkularisation nach Horb gebracht worden war. Eine Restaurierung erfolgte 1898, eine erneute Renovation 1975, wobei ein im Chorraum zentral gestellter Zelebrationsaltar mit Ambo von Appenzeller die liturgischen Reformen des 2. Vaticanums realisiert. Die Klostergebäude wurden nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg unter Äbtissin Ursula Scherlin wieder aufgebaut (Grundsteinlegung 13. April 1665). Wie auch beim Vorgängergebäude entstand ein Kreuzgang, der um einen quadratischen Innenhof angelegt wurde (1669). 1722 folgte der aufwendig gearbeitete Kapitelsaal mit einer prächtigen Decke aus Föhren-holz. Von der Originalausstattung haben sich u. a. eine Reihe von Schwesternporträts erhalten. Dominiert wird der Raum von dem großen Konventsbild, das Johann Achert 1703 gemalt hat. Über den eigentlichen Konventsbau hinaus verdienen aufgrund ihrer reizvollen architektonischen Details folgende Gebäude innerhalb der Gesamtanlage der Erwäh-nung: St. Bernhard (ehemals Klostermühle), St. Josef (Schaffnei), St. Meinrad (Pfarrhof), St. Dionys (Oberamtei) und St. Wendelin (Klosterbrauerei).
Autor: KURT MAIER
Objekttyp: Kloster
Ordensregel:
  • Zisterzienserinnen 1222-1803
Sonstiges: Bistum: Konstanz, ab 1821 Rottenburg-Stuttgart,
fiel an: Löwenhaupt (1802), Württemberg (Okt. 1802)
Weiter im Partnersystem: http://www.kloester-bw.de/?nr=868

Adresse Schwenninger Straße 55, Rottweil

Literatur:
  • M. Erzberger: Die Säkularisation in Württemberg von 1802 bis 1810. Ihr Verlauf und ihre Nachwirkungen. Stuttgart 1902, ND Aalen 1974. 238ff.
    W. Zimmermann / N. Priesching (Hg.): Württembergisches Klosterbuch. Klöster, Stifte und Ordensgemeinschaften von den Anfängen bis in die Gegenwart. Stuttgart 2003. 417-419 (K. MAIER).
    Der Landkreis Rottweil. Hg. v. der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Rottweil (Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg). 2 Bde. Stuttgart 2003. II, 118f.
    Die Kunst- und Altertumsdenkmale im Königreich Württemberg. Inventar Schwarzwaldkreis. Bearb. v. E. von Paulus. Stuttgart 1897. OA Rottweil, 335, 510f.
    A. BRINZINGER: Das ehemalige Reichsstift Rottenmünster bei Rottweil. Gründung, Entwicklung, Aufhebung. Rottweil 1906.
    M. REICHENMILLER: Das ehemalige Reichsstift und Zisterziensernonnenkloster Rottenmünster (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B: Forschungen. Stuttgart 1 (1958) ff. 28). Stuttgart 1964.
    F. BETZ: Reichsstift Rottenmünster und Rottweiler Barock. Rottweil 1966.
    H. TÜCHLE: Das Kloster der Zisterzienserinnen. In: Rottenmünster 1224 - 1898 - 1975. Hrsg. v. d. Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern e.V. Untermarchtal. Schwenningen 1975.
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