Marbach am Neckar - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0972 [Kopialüberlieferung 13. Jahrhundert]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Das Städtchen erhebt sich über dem rechtsseitigen steilen Felsengehänge des Neckars nahe der Einmündung des Strenzelbachs. In seiner Altstadt, deren Grundriss ein längliches Viereck bildet, diente die breite ostwestlich verlaufende Hauptstraße als Straßenmarkt. Das Rathaus wurde 1760/62 errichtet, das Schloss nach 1693 auf den alten Mauern neu erbaut (heute Amtsgericht). Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Marbach besonders im Süden und Osten durch neue Wohnsiedlungen sehr vergrößert. Dazu gehören die Gebiete »Eichgraben«, Blankenstein-Straße, Haffnerstraße, Wielandstraße (1948/52). Wilhelm-Kopf-Straße, Bangertstraße (1954/56), Bereich östlich der Krummeäckerstraße (1961), Theodor-Heuss-Straße, Sommerhalde, Friedenstraße, Gartenstraße, Kernerstraße (1968/70) und Baugebiet Erdmannhäuser Weg, u.a. Hochhäuser (1970/73). Weitere Industrie ließ sich in dem 1962/68 ausgewiesenen Gelände im Osten bis zur Gemarkungsgrenze nieder.
Historische Namensformen:
  • curtis 0972 [Kopialüberlieferung 13. Jahrhundert]
  • villa Marcbach 1009
  • Marpach 1244
Geschichte: 972 (Kopialüberlieferung 13. Jahrhundert) curtis, 1009 villa Marcbach (Grenzbach?), 1244 Marpach. Das 972 erstmals genannte Dorf bildete im 10. und frühen 11. Jahrhundert ein Zentrum bischöflich speyerischer Territorialpolitik. Schon 1009 richtete hier Bischof Walther mit kaiserlicher Genehmigung einen Markt und eine Münzstätte ein. Als Anhänger der Salier konnten indessen die Bischöfe von Speyer in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gegen die starke päpstliche Partei, der damals namentlich auch die Calwer Grafen angehörten, ihre vorgeschobene Machtstellung im Murrgau nicht behaupten. Dieser Tatbestand dürfte die Entwicklung Marbachs, das zu den am frühesten mit einem Markt ausgestatteten Orten in Württemberg zählte, nicht unwesentlich gehemmt haben. Mitte des 13. Jahrhunderts besaßen die Herzöge von Teck, wenn wahrscheinlich auch nicht ausschließlich, den Marktflecken. Sie verlegten den bis dahin bei der Alexanderkirche befindlichen Markt in den Bereich des heutigen Rathauses und erhoben die neue Marktsiedlung zwischen 1244 und 1282 zur Stadt. 1302 ging Marbach an die bereits vorher hier begüterten Grafen von Württemberg über und wurde Mittelpunkt eines württembergischen Amts, das, Anfang des 19. Jahrhunderts als Oberamt wesentlich vergrößert, bis 1938 bestand. Seit 1938 gehört Marbach zum Landkreis Ludwigsburg. Im Spätmittelalter waren hier auch die Stifte Backnang und Oberstenfeld begütert. Im Reichskrieg gegen Graf Eberhard den Erlauchten wurde Marbach 1311 erobert und zerstört. 1405 schlossen hier Kurmainz, Baden, Württemberg, Straßburg und 17 schwäbische Reichsstädte einen gegen König Ruprecht gerichteten Bund. 1463-1504 waren Schloss, Stadt und Vogtei Marbach kurpfälzische Lehen. 1693 wurde die Stadt von französischen Truppen nahezu völlig eingeäschert. In Marbach sind geboren: Alexander Seitz (1470-1540), Arzt und Dichter. Alexander Märklin (um 1500-1551), Rektor des Stuttgarter Pädagogiums. Philipp Joseph Jenisch, Theologe und Architekt (Ludwigsburger Schlossbau). Johann Tobias Mayer (1723-1762), Mathematiker, Physiker, Astronom, Professor in Göttingen. Friedrich Schiller (1759-1805), Dichter. Karl Georg von Wächter (1797-1880), Rechtsgelehrter. Marbach, die Geburtsstadt Friedrich Schillers (Geburtshaus, 1859 von Leins verändert, beim ehemaligen Niklastor), ist heute mit dem Schiller-Nationalmuseum (errichtet 1902/03) und dem Deutschen Literaturarchiv (eröffnet 1973) eine der hervorragendsten Sammel- und Forschungsstätten im Bereich der deutschen Dichtungs- und Literaturgeschichte.
Ersterwähnung als Stadt: 1244 [Zwischen 1244 und 1282]
Wirtschaft: Haupterwerbszweige bildeten bis Ende des 19. Jahrhunderts Landwirtschaft und Weinbau. Einziges Gewerbe von überörtlicher Bedeutung war die Rotgerberei. Seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine beachtliche Möbelindustrie. Wichtig war bis ins 19. Jahrhundert die Neckar- und Murrflößerei. Eisenbahnverbindung mit Backnang und Bietigheim 1879, mit Ludwigsburg 1881, mit Beilstein und Heilbronn durch Schmalspurbahn 1894 bzw. 1900. Im Jahre 1955 wurde die Staustufe Marbach des Neckarkanals fertiggestellt. Der im April 1945 gesprengte Eisenbahnviadukt über den Neckar 1947 wiederaufgebaut.

Name: Burg Marbach. Schloss Marbach.
Datum der Ersterwähnung: 1200 [13. Jahrhundert]

Ersterwähnung: 1250 [Mitte 13. Jahrhundert]
Kirchengeschichte: Die außerhalb der teilweise noch erhaltenen Stadtmauern gelegene Alexanderkirche (das Patrozinium deutet auf frühe Beziehungen zum pfälzischen Kloster Klingenmünster hin) war bis zur Reformation die Marbacher Pfarrkirche. Erst dann wurden die Pfarrechte auf die heutige Pfarrkirche, zuvor Frühmesskapelle zu Unserer lieben Frau übertragen. Seit 1433 außerdem eine Wendelinskapelle in der Stadt nachweisbar. Das frühere Beginenkloster wurde 1551 als Spital eingerichtet. Die evangelische Pfarrkirche, spätgotisch, wurde nach 1693 in sehr vereinfachter Gestalt wiederhergestellt. Heute 3 Pfarreien. Wendelinskapelle am Oberen Tor gleichfalls aus spätgotischer Zeit. Die ehemals stark befestigte Alexanderkirche ist in ihrer heutigen Erscheinungsform eine spätgotische Hallenkirche: Chor um 1450, ein Frühwerk des Aberlin Jörg, Langhaus 1463 von Kaspar Lechler, Turm von 1481. Katholische Kirche zur Heiligen Familie von 1953; Pfarrei seit 1958. Lateinschule bereits 1392 erwähnt, Realschule seit 1906; beide Schulen 1937 zu Oberschule vereinigt.
Patrozinium: Unserer lieben Frau
Ersterwähnung: 1250 [Mitte 13. Jahrhundert]

GND-ID:
  • 4037443-9
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