Rottweil - Altgemeinde~Teilort 

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Typ: Teilort
Ersterwähnung: 0771 [771 (Vita 8. Jahrhundert)]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Stadt in Hochflächenlage links des Neckars. Planmäßig angelegter quadratischer Stadtkern mit breitem Straßenkreuz (Süd-Nord-Achse und West-Ost-Achse). Weitere Aufteilung des Stadtkerns durch ein den Achsen des Straßenkreuzes parallel laufendes Gerüst von Gassen. Ältere Siedlungserweiterung im Westen und Süden der mittelalterlichen Stadt und im Bereich der Umlaufschlinge. Auf der Anhöhe zwischen Neckar und Prim, im Gebiet von Rottweil-Altstadt, Kern der römischen Niederlassung Arae Flaviae. Weit ausgedehnte Neubaugebiete halbkreisförmig um die ältere Stadt. Gewerbegebiet im Norden und Süden.
Historische Namensformen:
  • Rotuvilla 0771 [771 (Vita 8. Jahrhundert)]
  • Rotunvilla 0789
  • Rotunila 0902
  • Rothwilo 1158
Geschichte: 771 (Vita 8. Jahrhundert) Rotuvilla, 789 Rotunvilla, 902 Rotunila, 1158 Rothwilo; vielleicht von althochdeutsch rôt (= rot) und römische villa. Reihengrabfunde vor allem im Bereich Rottweil-Altstadt. Im Bereich des heutigen Rottweil-Altstadt schnitten sich zwei wichtige römische Heerstraßen: die von Windisch über Hüfingen nach Sulz bzw. Rottenburg und die von Straßburg durch das Kinzigtal über Waldmössingen nach Tuttlingen und weiter nach Augsburg. Südlich des kurz nach 70 an dieser Kreuzung angelegten Kastells III (Flur Hochmauren) entstand eine zivile Siedlung, aus der die Landstadt (municipium) Arae Flaviae hervorging. Vermutlich im frühen 2. Jahrhundert wurde deren Bezirk auf das linke Neckarufer in den Bereich der aufgegebenen Kastelle auf dem Nikolausfeld ausgedehnt, doch schon am Ende dieses Jahrhunderts hatte die Stadt ihre Bedeutung verloren. Endgültig aufgegeben wurde sie wohl schon vor 259/60, dem Ende der römischen Herrschaft im rechtsrheinischen Gebiet. Über Lage und Ausdehnung der früh-und hochmittelalterlichen Siedlung Rottweil haben Ausgrabungen in den letzten Jahren Aufschlüsse erbracht. Den Mittelpunkt bildete der Königshof, den man auf dem linken Neckarufer vermutet. In dem von einem Wall umgebenen Bezirk zeigten die Grabungen teilweise Kontinuität der Besiedlung seit der Römerzeit. Die Existenz des Königshofes läßt sich seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts annehmen, eindeutig zu belegen ist sie erst 902. Hinweise auf eine Bürgerstadt Rottweil finden sich seit der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die planmäßige Anlage der städtischen Siedlung weiter neckarabwärts - an der heutigen Stelle -erfolgte allem Anschein nach in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Als ein Zentrum königlicher Verwaltung kann der Fiskus Rottweil seit 771 nachgewiesen werden. Vom Ende des 11. Jahrhundert an war er Stätte herzoglicher Herrschaft in Schwaben und seit dem beginnenden 13. Jahrhundert stand er wieder in enger Beziehung zum Königtum, 1230 wird Rottweil als Reichsstadt bezeichnet. Als 1285 König Rudolf das Schultheißenamt an Graf Albrecht von Hohenberg verpfändete, bestand allerdings die Gefahr, daß der Stadt die Reichsunmittelbarkeit verloren ginge. Doch gelang es ihr, das Schultheißenamt 1344 vorübergehend und 1383 endgültig zu erwerben. Die Bestätigung durch König Ruprecht erfolgte 1401. Das Recht zur Ausübung der Blutgerichtsbarkeit war Rottweil schon 1359 verliehen worden. Die Stadtverfassung kannte Schultheiß (1230), Bürgermeister (1299) sowie den Großen und Kleinen Rat (1311). Ersterem gehörten auch die Beisitzer des Hofgerichts an. Das seit dem 13. Jahrhundert bezeugte kaiserliche Hofgericht in Rottweil befand sich seit 1360 im erblichen Besitz der Grafen von Sulz, seit 1687 der Fürsten von Schwarzenberg. Bedeutung erlangte es als Acht- und Anleitegericht, vor allem aber als Berufungsinstanz und als Beurkundungsstelle im Rahmen der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Sein Zuständigkeitsbereich erstreckte sich, wenn auch mit Einschränkungen, auf das ganze Reich. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts verlor es jedoch seine Bedeutung und trat nach 1784 nicht mehr zusammen. Eine Sonderstellung innerhalb des Reiches erlangte die Stadt durch ihr 1463 mit der Eidgenossenschaft geschlossenes Bündnis, das 1519 auf unbegrenzte Zeit erneuert wurde. Rottweil entzog sich dem Schwäbischen Bund, entsandte Truppen zu Kriegen der Eidgenossen und erhielt von diesen wiederum militärische Unterstützung. Bis 1802 zählte es sich als zugewandter Ort zur Schweiz. Ummauert wurde die fünfeckige Stadtanlage mit ihrem breiten Straßenkreuz unter Friedrich II. Im Süden befand sich ein Doppeltor mit Hochbrücke (1280), im Оsten lagen das Innere und Äußere Autor mit Brücke (1291) und im Westen das Waldtor, seit 1691 auch Schwarzes Tor. Hier wurde ein dreieckiges Vorwerk aufgeführt mit einem Tor im südlichen und im nördlichen Schenkel. Durch eine Mauer mit drei Toren geschützt war auch die Vorstadt vor dem Autor. Von der ursprünglichen Befestigung sind heute noch Teile der Ringmauer, der Unterbau der Hochbrücke und das Schwarze Tor erhalten, aus späterer Zeit stammen Bockshofturm, Hochturm und die Reste des Predigerturms. Das Rathaus an der Ost-Westachse wird erstmals 1321 erwähnt, bei der Erweiterung um 1500 erhielt es die spätgotische Fassade mit zwei Reihen sechseckiger Fenster. Renaissance-Eingang und -Aufbau an der Ostseite entstanden nach 1583. In den Wirren des 30jährigen Krieges wurden 1643 die Au-Vorstadt und die vor dem Hochbrücktor zerstört. 1802/03 fiel Rottweil mit seinem Territorium, zu dem 25 Orte gehörten, an Württemberg; Rottweil war seit 1806 Oberamtsstadt, seit 1938 Kreisstadt. 1939 wurde das Dorf Bühlingen eingemeindet. Die wirtschaftliche Struktur der Stadt wurde geprägt durch das Schmiedehandwerk und die Tuchmacherei, Mühlen, Pulverherstellung seit 1384 und Buchdruck, dann aber durch Innen- und Außenhandel (bis zum 16. Jahrhundert).

Name: Kastell III
Datum der Ersterwähnung: 0070 [kurz nach 70]

Ersterwähnung: 1240
Kirchengeschichte: Die Heiliges-Kreuz-Kirche (Pfarrer 1240, Patrozinium 1295 belegt) wurde vermutlich im 12. Jahrhundert als Filiale von St. Pelagius (siehe Rottweil-Altstadt) errichtet. Wann hier eine selbständige Pfarrei entstanden ist, läßt sich nicht sicher feststellen. Das Patronat besaßen: 1307 Herzog Konrad von Urslingen, 1339 die von Reute, 1363 die von Neuneck (belegt bis 1382); 1416 stand der Stadt Rottweil das Präsentationsrecht zu. Versuche, die Reformation in Rottweil durchzuführen, scheiterten. Die heutige katholische Heiliges-Kreuz-Kirch, im wesendichen eine gotische dreischiffige Basilika, reicht mit den Untergeschossen des in das südliche Seitenschiff eingebauten Turmes in die Zeit der Romanik zurück, der Chor entstand im 15. Jahrhundert, das Langhaus im 15./16. Jahrhundert. Renovierungen 1840-43 und 1912-14; in den Seitenkapellen erst im 19. Jahrhundert erworbene gotische Altäre. Die Heiligkreuzpfarrei ist heute für den Norden Rottweils mit der Innenstadt zuständig. Im Neubaugebiet im Südwesten der Stadt wurde 1970 die Auferstehung-Christi-Pfarrei errichtet; die Pfarrkirche entstand im gleichen Jahr. Im Pfarrsprengel liegt auch die 1715 an einem Wallfahrtsort (in der einstigen Mittelstadt) gebaute Kirche zur Ruhe Christi. Anstelle einer früheren Frauenkapelle (1313) entstand zunächst der Kapellenturm (1330—5Q) mit einer Gnadenkapelle im Inneren. Daran wurde 1354-64 die Liebfrauen- oder Kapellenkirche angebaut. Sie war Filiale von St. Pelagius in Rottweil-Altstadt. Im 14. Jahrhundert besaß Österreich das Patronat, belehnt war damit die Familie von Rüti, 1354 der Ritter Volz von Neuneck, 1400 die Ritter von Wilflingen. In diesem Jahr trat Österreich seine Rechte an der Kapellenkirche der Stadt Rottweil ab, damit wurde auch die Trennung von St. Pelagius und Heiliges Kreuz vollzogen; allerdings erhielt das Gotteshaus kein Begräbnisrecht und keine Erlaubnis zur Verwaltung der Sakramente. 1651 (und wieder 1692) wurde es dem Jesuitenorden übergeben; Jesuiten versahen auch nach der Ordensaufhebung 1773/76 weiterhin den Gottesdienst. Der ursprüngliche Bau der Kapellenkirche erfuhr verschiedene Veränderungen. Ab 1470 wurden die beiden achteckigen Obergeschosse des Turmes aufgeführt, 1478 der Chor neugebaut. Eine barocke Umgestaltung, verbunden mit einer Verbreiterung des Schiffes, erfolgte 1727. Die Dominikanerniederlassung wurde um 1260 gegründet, 1266 als Konvent in die Ordensgemeinschaft aufgenommen und 1267 dem Schutz der Stadt Rottweil empfohlen. Besondere Bedeutung konnte sie nicht erlangen. Die Klostergebäude und die Kirche wurden 1753 in spätbarockem Stil erneuert, Deckengemälde von Joseph Wannenmacher. 1802/03 Aufhebung des Klosters; heute evangelische Kirche. Vor der Stadt entstand 1627 das Kapuzinerkloster. Nach der Zerstörung 1632 wurde es bis zum Jahr 1655 samt der Kirche in der Stadt neu errichtet. Die Aufhebung des Klosters erfolgte 1805, die Umgestaltung der Kirche ab 1813. Die Ursprünge des Dominikanerinnenklosters St. Ursula lagen in der Weißen Sammlung in der Hochmaiengasse. 1525 wurden in dieses Kloster die Angehörigen der Klausen von Hochmauren, von St. Pelagius, der St. Moritzklause, der St. Jakobsklause, der Hausener und der Bühlinger Klause aufgenommen. 1707 entstanden eigene Klostergebäude mit einer Kirche im Nordwesten. Das Kloster wurde 1802/03 aufgehoben. Jesuiten haben sich erstmals 1652 in R. niedergelassen, zogen sich aber 1673 wieder nach Rottenburg zurück. Aus der 1692 wiedergegründeten Residenz entstand 1731 das Jesuitenkollegium, dessen Mitglieder auch nach der Aufhebung des Ordens 1773/76 in Rottweil blieben. Die Evangelischen von Rottweil seit 1802 (Errichtung der württembergischen Garnison) von Flözlingen aus versorgt, 1807 Garnisonsprediger in Rottweil. Evangelische Pfarrei 1818 errichtet. 1952 davon die heutige Nordpfarrei abgetrennt. Als dritte Pfarrei wurde 1972 die Südpfarrei gebildet, jedoch erst 1978 besetzt. Als evangelisches Gotteshaus dient seit 1806 die Kirche des ehemaligen Dominikanerklosters.
Patrozinium: Heiliges Kreuz
Ersterwähnung: 1295
Jüdische Gemeinde: Juden waren in Rottweil bereits im 14. Jahrhundert ansässig. Verfolgung 1349. Seit dem 17. Jahrhundert wieder einzelne Juden. Sie errichteten wohl 1812 eine eigene Schule und 1850 einen Friedhof; schon 1816 besaßen sie einen Betsaal. Vertreibung nach 1933.

GND-ID:
  • 4050742-7
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