Bad Urach - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Namensformen: Urach
Ersterwähnung: 1100 [1. Hälfte 12. Jahrhundert]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die Stadt liegt im Treffpunkt von vier Tälern, deren steile Waldhänge einen landschaftlich besonders reizvollen Rahmen bilden, aber zugleich der Sied­lungsentwicklung natürliche Grenzen setzen. Wohl erhaltenes, geschlossenes Stadt­bild der spätmittelalterlichen Residenz durch eindrucksvolles Ensemble giebelständiger Fach­werkhäuser. Zentren sind der Marktplatz mit dem Rathaus und der Schloss- und Stiftsbezirk. An die Wasserburg zwischen zwei Ermsarmen schloss sich noch im 12. Jahrhundert eine kleine Marktsiedlung im Westen an (In der Musel, Altstadt). Planmäßige Stadtanlage dann im Оsten der Burg. Dreieckiger Marktplatz, von dem die Hauptstraßen wie die Speichen eines Rades ausgehen, annähernd kreisförmiger Mauerring. Davor auf mehreren Seiten Stauseen (letzter Rest des Hirschsees am Nordrand der Stadt erst 1929 zugeschüttet). Der Fernverkehr ging durch das Obere und das Untere Tor, beide um 1830 abgebrochen. 1599 erste Stadterweiterung durch den Bau von 29 Weberhäusern, die sich an die neue Ostmauer lehnten (»Weberbleiche«). Durch­bruch der Neuen Straße erst 1857. 1838 unterhalb der Stadt Flachsspinnerei, 1854 oberhalb im Seeburger Tal Baumwollspinnerei und Weberei. Der erste neue Wohn­bezirk war Ende des 19. Jahrhunderts die Vorstadt an der Münsinger Straße. Weitere Wohn­siedlungen im Elsachtal 1924, im Ermstal (obere Braike) 1950, im Mauchental 1953. Umgehungsstraße entlang der Bahnlinie. Seit 1960 Ausbau der Elsachsiedlung und seit 1965 als größte Stadterweiterung das Neubaugebiet Braike im Ermstal mit Punkthochhaus und Ladenzentrum. Kurgebiet mit Thermalbad, Hotel und Kurpark (1978). Darüber am Südhang Baugebiet Breitenstein mit Terrassenhäusern.
Historische Namensformen:
  • Uraha
  • Urahe
  • Ura
Geschichte: Erste Hälfte 12. Jahrhundert (Chronik, Корie 16. Jahrhundert) Uraha, Urahe, Ura, 13. Jahrhundert Urach. Auf eine Besiedlung schon in der älteren Ausbauzeit deuten zahlreiche Reihengräberfunde östlich und südlich der mittelalterlichen Stadt hin. Diese dürfte mit dem vermuteten Adelssitz auf dem Run­den Berg (seit dem 4. Jahrhundert ?) und dem Kranz von heute abgegangenen -hausen-Orten in Verbindung stehen. Frühere Namenserklärung: mundartliche Form aurich = Aueroch­senbach, nach neueren Forschungen handelt es sich wohl um eine Namensübertra­gung aus dem mainfränkischen Gebiet. Von dort kamen vermutlich auch die Vorfah­ren der zunächst in Dettingen ansässigen einflussreichen Familie des 11. Jahrhunderts (häufiger Vorname Egino), von der die Grafen von Achalm und von Urach (seit 1. Hälfte 12. Jahrhunderts) ab­stammen. Die Grafschaft Urach erreichte ihre größte Ausdehnung durch die Heirat Eginos IV. mit Agnes von Zähringen und das damit anfallende Erbe. Die Uracher nannten sich Grafen von Freiburg. Um 1245 wurde ein Mitglied des Uracher Grafenhau­ses auf der Burg Fürstenberg, dem Stammsitz der Fürsten von Fürstenberg, ansässig. 1265 kam die Grafschaft Urach nach vorübergehender Verpfändung an die Bischöfe von Konstanz und Speyer durch Kauf an Württemberg. Dieses unterstellte den Besitz­erwerb bereits 1284 einem Vogt. Anfang 12. Jahrhundert Baubeginn von Hohenurach. Die Höhenburg wird urkundlich erst­mals 1239 als Castrum genannt, 1254 mit der Grafschaft an Württemberg verkauft. Im Reichskrieg von 1311 verblieb die Burg im Besitz Graf Eberhards des Erlauchten. Von Herzog Ulrich weiter ausgebaut, im 16. Jahrhundert Staatsgefängnis unter anderem 1590 für den Dich­ter Nikodemus Frischlin und Anfang 17. Jahrhundert für den Kanzler Enzlin. Im 30jährigen Krieg hielt die Burg den Kaiserlichen stand, durch Hunger zur Übergabe gezwungen. 1767 ließ sie Herzog Karl Eugen zum Bau seines Jagdschlosses Grafeneck weitgehend abbre­chen. Zwinger, Brunnenhof, Schildmauer, Palas des 14. Jahrhunderts und Rundturm der Um­fassungsmauer erhalten. Etwa zur gleichen Zeit wie Hohenurach entstand die Wasserburg im Tal, nahe dem späteren Schloss. Daran anschließend zunächst Marktsiedlung. Wann die eigentliche Stadtgründung war, ist nicht gesichert, doch dürfte sie noch vor dem Übergang der Herrschaft an Württemberg zwischen 1254 und 1265 erfolgt sein. 1254 Schultheiß und Stadtschreiber erwähnt. 1316 oppidum und erstes Stadtsiegel. An der Spitze der Stadt und des Stadtgerichts stand der Schultheiß, im 15. Jahrhundert durch den Vogt verdrängt. Die 1468 erwähnten beiden Bürgermeister wurden führend in der Verwaltung. Neben dem Gericht standen im 15. Jahrhundert »die zwölf von der Gemeinde oder der Rat«. Von 1442 bis 1482 (Münsinger Vertrag) war Urach Residenzstadt Graf Ludwigs und seines Sohnes Eberhard im Bart. Blütezeit der Stadt mit reicher Bau­tätigkeit. Nach der Wiedervereinigung des Landes und dem Tod Eberhards im Bart konnte sie diese bevorzugte Stellung nicht halten. Während der Vertreibung Herzog Ulrichs (1519 bis 1534) litt Urach unter dem strengen Regiment des Vogtes Dietrich Speth. Noch Ende 15. Jahrhunderts Aufteilung des Uracher Amtes in Unterämter, seit 16. Jahrhundert Oberamt. Nach der Schlacht von Nördlingen 1634 Plünderungen und Zerstörungen in Stadt und Oberamt. Unter König Friedrich 1806 bis 1810 Kreishauptstadt. 1810 bis 1817 Sitz einer Landvogtei. 1938 Auflösung des Oberamts Urach, Stadt zum Landkreis Reutlingen. Das 1443 erbaute Stadtschloss ist ein massiges Steinhaus mit Fachwerkaufsatz. Unter Eberhard im Bart Erneuerung und Ausbau: Dürnitz, Palmensaal und Golde­ner Saal 1474 anlässlich seiner Hochzeit mit Barbara von Mantua, dieser umgestaltet unter Herzog Friedrich um 1600. Der stuckierte Weiße Saal wurde im 18. Jahrhundert unter Herzog Karl Eugen erbaut. Das Rathaus ist ein großer Fachwerkbau des 15. Jahrhunderts, 3. Geschoss von 1562. Haus am Gorisbrunnen, erbaut 1476 als Lustschlösschen von Graf Eberhard, Umbau 1560. Gilt als eines der ältesten Fachwerkhäuser des Landes. Spätgotischer Markt­brunnen um 1500, wahrscheinlich von Peter von Koblenz entworfen. Kopie 1905 (Original im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart). Von der Stadtbefestigung nur noch der Büchsenhausturm (15. Jahrhundert), der Dicke Turm (1604) und der Halbrunde Turm erhalten. In Verbindung mit dem Stift seit 1443 Lateinschule, daneben seit der Reformation deutsche Schule. Handels- und Gewerbeschule 1827. Realschule 1902. Progymna­sium 1954, heute ausgebautes Gymnasium.
Ersterwähnung als Stadt: 1254 [Zwischen 1254 und 1265]
Wirtschaft: Wirtschaftlich war das städtische Leben seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert durch die Leinwandmanufaktur geprägt, deren württembergisches Zentrum es unter Herzog Friedrich I. wurde. Eine »privilegierte Leinwandhandelscompanie« bestand 1661 bis 1793. Leinwandhan­del mit der Schweiz, Italien, Frankreich und Übersee. Anfang 19. Jahrhunderts Krise der Tuch- und Leinwandweberei, dann Gründung der mechanischen Flachsspinnerei.

Name: Burg Hohenurach; Wasserburg; Stadtschloss
Datum der Ersterwähnung: 1239

Ersterwähnung: 1000 [11. Jahrhundert]
Kirchengeschichte: Im 11. Jahrhundert wird ein Egilolf presbiter de Uraha genannt. Vermutlich Mitte 12. Jahrhunderts Pfarrei, Heiliger Amandus um 1140. Damit auch kirchliche Loslösung des Uracher Ge­biets von Dettingen, nur Hohenurach blieb bis zur Reformation im Pfarrverband Dettingen mit eigenem Kaplan. Patronatsrecht in Händen der Grafen von Urach. Evangelische Amanduskir­che von Eberhard im Bart durch Peter von Koblenz 1470 bis 1499 erbaut, spätgotische Basilika mit Netz- und Sterngewölben. Bei der Erneuerung 1896/1901 Erhöhung des Turms mit Spitzhelm. Betstuhl Eberhards, Schnitzarbeit von 1472. Chorgestühl von 1480. Sandsteinkanzel um 1500 mit wertvollen Reliefs. Spätgotischer Taufstein. Glasmale­rei des Straßburger Glasmalers Peter von Andlau. Heute 3 evangelische Pfarreien, davon eine am Dietrich-Bonhoeffer-Haus (1967). An der Nordseite der Amanduskirche der Mönchshof, ursprünglich das von Eberhard im Bart erbaute Chorherrenstift für die »Brü­der vom gemeinsamen Leben«, im Volksmund Kappenherren genannt. Unter Herzog Ulrich Umwandlung in ein weltliches Stift, Mittelpunkt der neuen Lehre (Ambrosius Blarer); 1558 slawische Bibeldruckerei, 1599 Leinwandmange, später Fohlenstall, 1818 bis 1977 evangelische-theologisches Seminar. Das Spital wurde 1580 von Graf Eberhard gestiftet. 1515 Spitalkapelle (nur Chor erhalten) von Peter von Koblenz. Beginenhaus Mitte 15. Jahrhunderts. Katholische Kirche und Pfarrei Sankt Joseph 1897 (J. Cades); Neubau 1973, Turm vom Vorgängerbau erhalten.
Patrozinium: Heiliger Amandus
Ersterwähnung: 1140 [um]

GND-ID:
  • 4062073-6
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