Ilsfeld - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1102

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Das 1102 erwähnte Gut »Ilisvelt« war ein Fronhof, der den Kern der Siedlung Ilsfeld bildete. Das Dorf mit einer Hauptstraße und unregelmäßigen Seitengassen war wohl schon im Spätmittelalter ummauert; auch die erhöht gelegene Kirche war befestigt. Die mit insgesamt zehn Türmen oder Bollwerken bewehrte Dorfmauer, der ein Graben mit Haag oder Hecke vorgelagert war, umfasste ein unregelmäßiges Trapez und hatte zwei Tore sowie zwei weitere Durchlässe. In der großen Ilsfelder Gemarkung sind, worauf vor allem Flurnamen hindeuten, mehrere wüstgefallene Siedlungen mit ihren Gemarkungen aufgegangen. Mit Sicherheit zählt dazu Bustatt, nordöstlich von Ilsfeld, zwischen Auenstein und dem Landturm. Dieser Ort wird schon in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts als »Buodestatt« genannt. Eine zweite ausgegangene Siedlung ist Gendach, das in der Schenkungsurkunde von 1102 als »villa Jendan« genannt wird. Die dritte Wüstung ist Beuren, einst unmittelbar westlich von Ilsfeld gelegen, dessen Name in der Flur Beurerfeld zwischen Ilsfeld und Schozach fortlebt. Im Norden der Ilsfelder Gemarkung verlief der württembergische Landgraben, der noch in der frühen Neuzeit als Zollgrenze diente. Da der Zoller im dazugehörigen Landturm wohnte und nebenbei Landwirtschaft betrieb, blieb der Turm als Teil des Bauernhofs erhalten. Wüstenhausen im Tal des Gruppenbachs wird 1330 als »Husen« erwähnt, indem Konrad von Heinriet daselbst zwei Allode an den Grafen Nikolaus von Löwenstein verkaufte. Der Weiler war weinsbergisches, dann pfälzisches Lehen der Sturmfeder und der Helmstatt und kam 1504 mit Weinsberg an Württemberg. Der Hof wurde 1507 an die Thumb von Neuburg verliehen, ging aber dann an die Herrschaft Stettenfels, kam mit dieser 1556 an die Fugger und gelangte 1747 zusammen mit Stettenfels wieder an Württemberg. Bis 1842 gehörte er zur Gemeinde Untergruppenbach. Zu den neuen Wohngebieten, die den dörflichen Kern umgeben, gehören im Westen die Kernersiedlung (1952/55), das Gebiet »Ziegelhütte« (1965), im Süden die Uhlandsiedlung (1958 beziehungsweise 1970) und im Norden die Hofackersiedlung (1958/70) sowie der Bezirk »Krummes Land« (1975). Die Industrie ließ sich dagegen im Оsten in Richtung auf die Autobahn in den Gewannen »Anspach« (1960) und »Dürre Allmand« (1970) nieder.
Historische Namensformen:
  • Ilisvelt 1102
Geschichte: Kaiser Heinrich IV. vermachte 1102 das Gut Ilsfeld der Speyrer Kirche. Der Ort gehörte zu einem in die Karolingerzeit zurückreichenden Königsgutkomplex, dessen zentrale Rolle durch die beiden Ausbauorte (Neckar-) Westheim und Auenstein (Ostheim) deutlich wird. Ilsfeld wurde 1157 von Konrad III. im Rahmen eines Tauschgeschäfts mit Speyer seinem Sohn Heinrich verliehen. Die Ortsherrschaft gelangte über die Markgrafen von Baden wohl schon im 13. Jahrhundert an Württemberg. Nach dem Lagerbuch von 1521 hatte Württemberg in Ilsfeld, das zum Amt Lauffen gehörte, die alleinige und umfassende Obrigkeit. Im 12. und 13. Jahrhundert erscheinen Adlige, die sich nach Ilsfeld nannten, zunächst vermutlich speyerische, später badische Dienstmannen. Mit ihnen ist wohl eine Turmhügelburg in Verbindung zu bringen, die am Burgweg zwischen Ilsfeld und Auenstein lag und deren letzte Reste Mitte des 20. Jahrhunderts im Zuge der Schozachkorrektur beseitigt wurden; in Lagerbüchern ist sie mehrfach als Burgstadel bezeugt. Graf Eberhard von Württemberg und sein Sohn Ulrich vertauschten 1300 den Fronhof, der zum Wittum der Markgräfin Irmgard von Baden gehörte, an den Johanniter-Orden gegen die Burg Jungingen mit Zubehör und weiteren Gütern. Der Orden wurde damit der wohl größte Grundbesitzer im Dorf. Seine hiesigen Besitzungen wurden zunächst durch den Komtur von Rohrdorf verwaltet. Neben den Johannitern gab es im späten Mittelalter eine ganze Reihe adliger Grundbesitzer, wie die Heinriet, die 1330 zwei allodiale Höfe an Graf Nikolaus von Löwenstein verkauften. Genannt werden ferner die Wunnenstein (1334), die Urbach (1344), die Schaubeck (1412) und die Liebenstein (bis 1678). Zu den Inhabern diverser Gerechtsame zählten ferner die Kommende Heilbronn des Deutschen Ordens (1427) und die Herrschaft Württemberg (1521). Adlige Bezieher von Einkünften, vorwiegend von Zehntanteilen in Ilsfeld, waren die von Weiler (1399), die von Wunnenstein als Lehnsleute der Herren von Weinsberg (1399), desgleichen die von Hohenstein (1413), die Sturmfeder (1427) und die von Talheim (1432). Nachfolger der Weinsberger als Lehnsherren über den Zehntanteil waren die Grafen von Württemberg, von 1463 bis 1483 – wohl infolge der Seckenheimer Niederlage – die Pfalzgrafen bei Rhein. Als württembergische Vasallen erscheinen die von Frauenberg (1453), von Weiler (1504) und von Talheim (1593). Bis 1808 gehörte Ilsfeld zum Amt beziehungsweise Oberamt (seit 18.3.1806) Lauffen, ab 24.4.1808 Oberamt Besigheim, ab 24.9.1810 Oberamt Bietigheim nach Verlegung des Amtssitzes nach Besigheim, ab 27.10.1810 Oberamt Besigheim, ab 1.10.1938 Landkreis Heilbronn. — Ilsfeld war ein völlig ummauerter, mit Türmen bewehrter Marktort, dessen Kirche als Wehrkirche ausgebaut war. Im Dreißigjährigen Krieg und wieder 1904 brannte der Ort fast völlig ab.
Wirtschaft und Bevölkerung: Bei der Türkenschatzung von 1544/45 wurden in Ilsfeld 203 Schatzungspflichtige festgestellt, dazu sechzehn Kopfsteuerzahler, das lässt auf knapp tausend Einwohner schließen. 1598 wurden 203 Bürger gezählt, in Wüstenhausen dreizehn. Bei der Kirchenvisitation 1796 zählte man in Ilsfeld 1488 Seelen, in Wüstenhausen 69. Auf der ausgedehnten und aus fruchtbaren Böden bestehenden Gemarkung wurde intensiver Ackerbau betrieben, desgleichen Rinder- und Pferdezucht. Bereits 1521 werden zwei Mühlen am Ort genannt, die von der Wasserkraft der Schozach profitierten. Auf beachtlichen Weinbau lässt die ebenfalls 1521 genannte herrschaftliche Kelter schließen. Eine Ziegelhütte wird schon 1487 genannt. Als Jahrmarkt wurde der 1521 als altes Herkommen bezeichnete Bartholomäusmarkt am Tag des Patroziniums der Pfarrkirche gehalten (24. August). Dieser Markt entwickelte sich zu einem bedeutenden Holzmarkt (Weinbergpfähle etc.) für die Umgegend und vermittelte zwischen dem Waldgebiet der Löwensteiner Berge und dem waldarmen Altsiedelland.

Name: Turmhügelburg

Ersterwähnung: 1300
Kirche und Schule: Bei dem 1300 erfolgten Tausch zwischen Württemberg und dem Johanniter-Orden ging mit dem Fronhof auch das Patronatsrecht der Pfarrkirche in Wunnenstein und Ilsfeld an den Orden über, der sich gegenüber dem Bischof von Würzburg verpflichtete, den dort einzusetzenden Pfarrrer ohne Einschränkungen der bischöflichen Jurisdiktion zu unterstellen. Die Benennung der Pfarrkirche in Wunnenstein und Ilsfeld dokumentiert, dass die Michaels-Kirche auf dem Wunnenstein der ursprüngliche Pfarrsitz und eine auf die Christianisierung im 6./7. Jahrhundert zurückgehende alte Kirche war. Um 1300 waren die Pfarrrechte offensichtlich schon nach Ilsfeld gezogen worden, aber rechtlich galt noch immer die Michaels-Kirche als Sitz der Pfarrei. Die Tauschurkunde von 1300 spricht noch von einer Anzahl Kapellen, die zu dieser Kirche gehörten, ohne freilich die Namen der einzelnen Orte zu nennen. Es handelte sich dabei um die Kirchen in der Umgebung, am Südrand der Diözese Würzburg, die dem Patronat der Johanniter unterstanden. Dies waren zunächst Ilsfeld mit den von der dortigen Bartholomäus-Kirche abhängigen Kirchen und Kapellen in Schozach, Wüstenhausen, Abstatt und Auenstein, sodann die Kirchen in Neckarwestheim und Winzerhausen. Unter dem Patronat der Johanniter stand bis zur Reformation auch die Beilsteiner Kirche. Die Ilsfelder Kirche zu St. Bartholomäus hatte noch drei weitere Pfründen, die Kaplanei zu St. Peter, gestiftet von der Gemeinde (1468), und die Altäre zu Unserer Lieben Frau und Vincentius. Die Würzburger Diözesanmatrikel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts nennt in Ilsfeld neben der Pfarrei nur eine Frühmesspfründe. In Wüstenhausen (»Hawsen«) gab es der Matrikel zufolge eine Kapelle, die Unserer Lieben Frau geweiht war; sie ist zu einem unbekannten Zeitpunkt abgegangen, doch steht noch ihr Chor. Die Reformation wurde in Ilsfeld trotz des Patronats der Johanniter 1534 von Württemberg eingeführt. Die Patronatsrechte löste Württemberg 1556 ab, wobei dem Orden aber sein Besitz und seine Einkünfte in Ilsfeld verblieben. Von Bedeutung für die Reformationsgeschichte sind zwei Ilsfelder, nämlich Johannes Geyling (circa 1495–1559) und Johannes Koch (circa 1496–1553), die beide als Wittenberger Studenten seit 1515/16 unmittelbare Zeugen der Entwicklungen wurden, die zur Reformation führten. Geyling war 1525 Hofprediger Herzog Ulrichs, dann Pfarrer in Feuchtwangen, seit 1534 in Weinsberg, Beilstein und Großbottwar. Koch hingegen war von 1519 bis zu seinem Tod der unentbehrliche Famulus Philipp Melanchthons. Von 1542 bis 1558 sind in Ilsfeld Diakone bezeugt, die als Schulmeister zugleich eine Lateinschule versahen. Diese Schule ging mit dem Wegfall der Diakonstelle ein. Der Lehrer einer deutschen Schule wird ebenfalls 1542 genannt. Für diese Schule wurde das Haus der Peters-Pfründe bei der Kirche eingerichtet. Die Namen der Ilsfelder Schulmeister sind seit 1650 lückenlos bekannt. Evangelische Pfarrkirche, ursprünglich romanisch, gotisch umgebaut und später völlig verändert, 1869 erneuert. Spätgotischer Taufstein mit Jesusknabe und anderen Kinderbüsten am Fuß. Katholiken zu Talheim.
Patrozinium: St. Bartholomäus
Ersterwähnung: 1300

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