Öhringen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1037

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die Stadt liegt in der Talaue der hier in Arme aufgeteilten Ohrn und erstreckt sich mit ihren Wachstumsgebieten auf die umgebenden Hänge. Ihr durch die ehemalige Stadtmauer bestimmter ovaler Altstadtgrundriß ist noch deutlich erkennbar. Schöne Fachwerkhäuser, Schloß und Kirche säumen den Marktplatz. Als erste Stadterweiterung wurde 1782 die Karlsvorstadt entlang der östlichen Ausfallstraße planmäßig angelegt. Am stärksten wuchs Öhringen nach dem zweiten Weltkrieg in den Jahren 1950 bis 1960. Neue Wohngebiete bildeten sich im Norden, Оsten und Süden. Neben dem am Bahnhof entstandenen Industriegebiet entwickelte sich ein weiteres im Südwesten.
Historische Namensformen:
  • Orengowe 1037
  • Öringen 1472
Geschichte: 1037 Orengowe, 1472 Öringen, vom Flußnamen Ohrn abgeleitet. Keine Namens- und Siedlungskontinuität zum römischen Vicus Aurelianus nachzuweisen. Zwischen 1018 und 1037 wandelte Hermann, Angehöriger eines in Öhringen beheimateten Grafengeschlechts die bestehende Pfarrkirche in Öhringen in ein Kollegiatstift um. Seine Erben und Nachfolger im Öhringer Besitz, Adelheid, die Mutter Kaiser Konrads II., und ihr Sohn aus zweiter Ehe Bischof Gebhard von Regensburg bestätigten diese Stiftung, dotierten sie reichlich, und der Bischof inkorporierte sie seinem Bistum. Als Vögte bestellte er die Grafen von Comburg. Nach dem Aussterben der Öhringer Grafenfamilie zwischen 1018 und 1037 kamen die Herrschaftsrechte in Öhringen an das Bistum Regensburg beziehungsweise die von diesem bestellten Stiftsvögte. Nach ihrem Aussterben um 1108 folgten die Staufer, die die Herrschaftsrechte 1250 dem Haus Hohenlohe als regensburgisches Lehen übertrugen, das seitdem seine Herrschaft im heutigen Kreisgebiet aufbaute. Trotz eines 1215/16 gescheiterten Versuchs Kaiser Friedrichs II., Öhringen für das Reich im Tausch gegen die Regensburger Reichsklöster Ober- und Niedermünster zu erwerben, besaß das Reich Rechte in Öhringen. Sie wurden von den Herren von Weinsberg wahrgenommen, die sich 1253 im sogenannten Öhringer Weistum mit den Hohenlohe über die Abgrenzung der Rechte einigten. Die Weinsberger behielten das halbe Schultheißenamt, das jedoch im Laufe der Zeit ebenfalls an Hohenlohe fiel. Um diese Zeit war Öhringen bereits Stadt und besaß eine Ummauerung. Etwa rechteckiger Umriß mit südlicher Langseite längs des Flusses, gewunden durchlaufende Ost-West-Straße. Der Stiftsbezirk nimmt ein großes Areal im Öhringen ein. Der große Marktplatz anstelle des einstigen Friedhofs. Sogenannte Altstadt jenseits der Talaue erst 1338 in die Ummauerung einbezogen, Öhringen blieb bis 1803 formell regensburgisches Lehen. Die Hohenlohe, die hier vor 1357 ein Amt eingerichtet hatten, nahmen die Stadt mit Stift und dem 1353 gestifteten Spital von Erbteilungen aus und betrachteten sie als gemeinschaftlich verwalteten Besitz. Der Anteil der Hauptlinie Waldenburg wurde 1782 von der Linie Hohenlohe-Oehringen gekauft, die eine planmäßige Vergrößerung der Stadt durchführte (Karlsvorstadt). 1806 fiel Öhringen an Württemberg, wurde Kreissitz, 1809 Oberamt, 1938 Landkreis bis zu dessen Auflösung 1973. — Ob das Öhringer Grafengeschlecht einen Sitz in der Stadt hatte, ist unbekannt. Die von den Hohenlohe eingesetzten adligen Vögte und Amtmänner bewohnten das seit 1455 genannte, 1945 zerstörte Steinhaus am Hafenmarkt. Seit 1611/16 wurde das Schloß als Wohnsitz für die Witwe des Grafen Wolfgang zu Hohenlohe-Weikersheim durch Georg Kern erbaut. Als Öhringen 1677 Residenz der Linie Hohenlohe-Oehringen wurde, wurde es 1681, 1770 und 1812/13 erweitert. 1964 ging das Schloß mit dem Hofgarten in städtisches Eigentum über und dient nach umfassenden Renovierungen seit 1975 als Rathaus. 1712 wurde in Erweiterung eines kleinen Lustgartens der Hofgarten angelegt, 1743 das Hoftheater erbaut. Von einer der zahlreichen in der Stadt lebenden Niederadelsfamilien dürfte um 1580 das sogenannte gelbe Schlößle (Mürdter) erbaut worden sein, 1807 Sitz der hohenlohischen Kammer. — Von den ursprünglich 14 Stadttürmen sind noch acht ganz oder in Resten erhalten. Anstelle des Oberen Tores baute J. W. Glenck 1792 das klassizistische Säulentor.
Ersterwähnung als Stadt: 1253 [vor 1253]

Name: Schloss Öhringen
Datum der Ersterwähnung: 1611 [1611/16]

Ersterwähnung: 1037
Kirchengeschichte: Vor 1037 wurde die in Öhringen bestehende Eigenkirche in ein Kollegiatstift umgewandelt, das bedeutenden Grundbesitz in weitem Umkreis erwarb. Die Kirche blieb Pfarrkirche für einen ausgedehnten Sprengel, der einen großen Teil des späteren Landkreises Öhringen umfaßte. 1556 wurde das Stift aufgehoben, die Besitzungen seitdem von Hohenlohe verwaltet. Der Chor der Stiftskirche blieb - durch eine Mauer vom Schiff getrennt - den Chorherren auf Lebenszeit vorbehalten. Die Trennmauer fiel erst 1581. Mit den Einkünften aus dem Stiftsvermögen wurden vor allem Kirchen und Schulen unterstützt, ehe es 1810 durch Württemberg inkameriert wurde. Der Pfarrsprengel wurde durch Gründung selbständiger Pfarreien in Neuenstein (1495), in Adolzfurt, Michelbach, Pfedelbach, Untersteinbach und Waldenburg in der Reformation erheblich reduziert. Bei der Stiftskirche verblieben Büttelbronn, Cappel, Eckartsweiler und Westernbach sowie einzelne Wohnplätze von Oberohrn, Pfedelbach und Schwöllbronn. Die romanische St. Peter- und Paulskirche mit ihren zwei Türmen wurde seit 1454 als dreischiffige Halle neu errichtet, zum Teil durch Hans von Aurach und Bernhard Sporer. In der 1464 geweihten dreischiffigen Hallenkrypta steht der Sarkophag der Stifterin Adelheid von 1241 und eine Tumba ihres Sohnes Gebhard. Sie ist seit der Reformation Grablege der Hohenlohe. Um 1501 war der Bau abgeschlossen. Vom Vorgängerbau stammen Tierplastiken am sogenannten Löwentörle, eine Blattmaske und Figuren der Patrone Petrus und Paulus. 1888 wurde die Kirche neugotisch renoviert, dabei die alte Kanzel mit einem Selbstbildnis von Anton Pilgram als Kanzelträger entfernt. Von der alten Ausstattung ist der Mittelschrein des ehemaligen Hochaltars erhalten, fünf Standbilder eines unbekannten Meisters. Von hoher Qualität sind die Grabdenkmäler der Hohenlohe im Chor, darunter das für Graf Ludwig Casimir (gestorben 1568) und seine Frau Anna von Solms-Laubach (gestorben 1594) von Johann von Trarbach und das des Grafen Philipp (gestorben 1606) und seiner Frau Maria von Oranien von Michael Kern. Der Westturm (Blasturm) diente seit 1511 der Aufbewahrung der wichtigsten hohenlohischen Archive (bis 1956). Im Norden an die Kirche angebaut liegen die ehemaligen Stiftsgebäude mit dreiflügeligem Kreuzgang, die 1556 bis 1956 die Lateinschule, beziehungsweise das Gymnasium beherbergten. Der Kapitelsaal, »Hölle« nach einem ehemaligen Bild des jüngsten Gerichts an der Stirnwand genannt, ist heute Kapelle. Die einschiffige schlichte Spitalkirche St. Anna und Elisabeth wurde 1376 geweiht und dient heute den griechischorthodoxen Gastarbeitern als Kirche. Die Friedhofskapelle St. Anna wurde nach der Verlegung des Friedhofs von der Stiftskirche (heute Marktplatz) 1520 erbaut. Sie enthält zahlreiche Epitaphe und Grabmäler des 16. —18. Jahrhunderts. Die Katholiken benutzten zunächst seit etwa 1940 die Spitalkirche als Vikariat von Pfedelbach. Nach Gründung der katholischen Pfarrei Öhringen 1957 wurde 1960/61 die Pfarrkirche St. Josef erbaut.
Patrozinium: St. Peter und Paul
Ersterwähnung: 1037
Jüdische Gemeinde: 1253 lebten bereits Juden in Öhringen, die 1298 unter dem Pogrom des Ritters Rindfleisch zu leiden hatten und deren Gemeinde in den mit der Pest zusammenhängenden Verfolgungen 1348/49 ausgelöscht wurde. Am Platz der Synagoge entstand das Spital. Nach vereinzelten Aufenthalten von Juden bildete sich erst um 1850 eine neue Gemeinde, die 1888 im ehemaligen Gasthaus Sonne eine Synagoge einrichtete und 1911 am Galgenberg einen Friedhof anlegte. Nach Demolierung in der sogenannten Reichskristallnacht dient die profanierte Synagoge heute als Jugendherberge.

GND-ID:
  • 4043205-1
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