Gaildorf - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1260

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Der möglicherweise auf einen Personennamen zurückzuführende Ortsname verweist mit der Endung auf -dorf auf eine Gründung der Ausbauphase etwa im 7./ 8. Jahrhundert. Gaildorf entstand an einer Talweitung des Kochers, wo sich eine Furt befand. Diese wurde von einer Verkehrsverbindung passiert, die von Fichtenberg-Mittelrot her über Gaildorf-Winzenweiler-Rothof nach Mittelfischach und Obersontheim verlief. Von Gaildorf aus führte auch die Salzstraße über die Kocherfurt, durch den Adelbach nach Schwäbisch Hall. In Südrichtung führte diese Verbindung über Gschwend–Schwäbisch Gmünd nach Stuttgart. Die Entwicklung Gaildorfs zur Stadt und zum Zentralort ist das Werk der Schenken von Limpurg, die den Ort dahingehend auf- und ausbauten. Dieser Vorgang ist im Zusammenhang mit einer aktiveren limpurgischen Erwerbspolitik im Kocherraum oberhalb Halls im 14./15. Jahrhundert zu sehen, nachdem im 13. Jahrhundert Versuche gescheitert waren, Hall und Comburg unter Kontrolle zu bringen. Die Stadterhebung 1404, die Errichtung einer Kapelle bis 1417 und die Verlegung des Pfarrsitzes nach Gaildorf 1433 sowie die Erhebung zur Residenz (1441) sind wichtige Etappen dieser Politik. Die Schenken förderten auch später die Stadt, indem sie zum Beispiel den Geldwert der Kognitionszinse in der Stadt niedriger ansetzten als in der übrigen Herrschaft (1582). Trotz dieser Maßnahmen nahm Gaildorf jedoch unter anderem wegen der Konkurrenz von Hall und Gmünd sowie der ungünstigen allgemeinen demographischen Lage um 1400 eine bescheidene Entwicklung. Für das Mittelalter lassen sich drei eng benachbarte Siedlungsbereiche erkennen: Das Schloss, das aus einer offenbar vom Ortsadel errichteten Niederungsburg hervorgegangen ist. Dazu kamen die Siedlungsteile oberes und unteres Dorf. Während im 15. Jahrhundert das untere Dorf ummauert wurde, verblieb das östlich gelegene obere Dorf (Schmied- und Hirschstraße) unter der Bezeichnung Vorstadt durch einen Palisadenzaun geschützt außerhalb des Mauerrings. Der trapezförmige Stadtgrundriss und die Reste der Stadtbefestigung deuten auf eine planmäßige Anlage hin. Dabei werden drei von Osten nach Westen verlaufende Längsstraßen durch zwei Querstraßen gekreuzt, deren östliche zum Marktplatz erweitert worden war. An diesem gruppieren beziehungsweise gruppierten sich das erste Rathaus (1814 abgebrochen), das für das 16. Jahrhundert nachweisbare heutige Alte Rathaus (seit 1812) und das 1532 erbaute Amtsgebäude des Vogts (später Kameralamt, 1967 abgebrochen). Zentrales Element der Topographie ist die Stadtkirche, welche auf die um 1417 errichtete Kapelle zurückzuführen ist. Im Anschluss zur Erhebung zur Pfarrkirche kam es um 1435 zu größeren Umbauten. 1440–50 erfolgte der Neubau des Turms. Über Südeingang und im Chorgewölbe angebrachte Jahreszahlen (1518, 1521) deuten auf eine weitere Baustufe, in welcher der Neu- oder Umbau des Kirchenschiffs sowie die Einrichtung des Netzgewölbes über dem Chor wahrscheinlich durch einen Gmünder Meister erfolgte. Es entstand dabei eine Kirche im Spitzbogenstil mit dreiseitig geschlossenem Chor. 1610–11 wurde der Turm erhöht und mit einer Uhr versehen. Nach den Zerstörungen von 1868 und 1945 kam es jeweils zu größeren Umbauten. Am Schloss kam es im frühen 15. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Errichtung der Stadtmauer zu Baumaßnahmen. Möglicherweise wurden in dieser Zeit die beiden unteren Geschosse des mächtigen Rundturms errichtet. Mit der Verlegung der Residenz erhielt der Ausbau des Schlosses neue Impulse. Bis 1482 wurde der Torbau errichtet. Nach der Mitte des 16. Jahrhunderts hat man dann die östliche Front weiter in diese Richtung verschoben. Um 1570 erfolgte die Erhöhung des Nordostturms. Im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert wurde der Nordflügel im Erdgeschoss zugemauert und im obersten Geschoss einheitlich aufgestockt. Damals wurden Süd- und Westflügel vermutlich einander angeglichen. 1690 verlor das Alte Schloss seine Residenzfunktion und 1734 endete das höfische Leben überhaupt. An der Kocherfront westlich der Stadtkirche ließ 1778/79 Graf Pückler das dreigeschossige Neue Schloss im klassizistischen Stil errichten. Nach der Zerstörung beim Stadtbrand 1868 wurde es wieder aufgebaut und 1945 jedoch endgültig zerstört. Lediglich der Marstall ist noch erhalten. Nach der Stadterhebung wurde Gaildorf mit Mauer, Wehrgang und Türmen umgeben. Der Mauerring verlief vom Alten Schloss entlang des Kochers bis zur Mauerstraße, diese hoch zur Schulstraße und weiter bis zur Karlstraße und von dort aus wieder abwärts bis zum Alten Schloss. Die Mauer hatte einen überdachten Wehrgang sowie vier Ecktürme, von denen jener an der Mauerstraße aus dem Jahr 1520 noch teilweise erhalten ist. Es gab ursprünglich drei im 19. Jahrhundert abgebrochene Tore: Das westlich gelegene Mittelroter Tor am Ausgang der Mittleren Gasse (Bahnhofstraße), das schon im 15. Jahrhundert wegen zu geringer Frequenz zugemauert worden war, im Süden das Obere Tor (Karlstraße) in Richtung Unterrot und oberes Kochertal und im Norden das Untere Tor bei der Kocherbrücke in Richtung Hall. Daneben gab es 1789 noch vier kleinere Mauertüren oder Einlässe, wovon eines, das Brandenburger Törle, noch erhalten ist. Außerhalb der Ummauerung beim Unteren Tor am Kocher lagen Ende des 18. Jahrhunderts ein kommunales Waschhaus, ein Farbhaus sowie einige Gerbhäuser und etwas entfernt das kommunale Schießhaus. Nachdem die Toten ursprünglich in Münster bestattet wurden, erfolgte 1710 die Anlage eines Friedhofs östlich der Stadt. Damals lag ebenfalls außerhalb der Stadt jenseits des Kochers der so genannte Herrengarten, ein herrschaftlicher Baum- und Grasgarten mit einem Pavillon. Aus hygienischen Gründen noch weiter von der Stadt entfernt wurde jenseits des Kochers (Friedhofstraße) das 1512 erstmals erwähnte alte Siechenhaus angelegt. Erste Gebäudezahlen liegen für 1527 vor, als die eigentliche Stadt mit den beiden Badestuben 35 Häuser und die Vorstadt 18 Häuser zählte. 1531 gab es dann in der Stadt 37 Bürgerhäuser und in der Vorstadt 17 Wohngebäude. 1582 umfasste die Stadt 36 und die Vorstadt 14 Häuser. Schließlich wurden 1764 rund 400 Häuser gezählt, wobei die Zahl wohl auch kleinere Behausungen beinhaltet. Einen eigenen Wohnplatz bildete das 1763 im Herrengarten eingerichtete und 1899 abgebrochene »Vitriolbergwerk«. Die »Rudolfsmühle« unterhalb Gaildorf war bis 1555 von den Schenken errichtet worden, wobei gemäß einem Vertrag von 1555 die vogteilichen Rechte limpurgisch und die Eigentumsrechte comburgisch waren. Im 30-jährigen Krieg ging die Mühle ein, wurde dann aber als Lohmühle wiedererrichtet. 1718 befand sich dort eine Schleifmühle und 1784 eine Walkmühle. Weitere abgegangene Wohnplätze sind »Erlen« westlich der Stadt (nach 1380) und der offenbar 1449 zerstörte comburgische Weiler »Hackesbach«, der wohl am Hagersbach südlich vom Steigenhaus zu lokalisieren ist. Der in der südlichen Gemarkung nachweisbare Flurnamen »Auf der Burg« deutet auf eine im Bereich der heutigen Gemarkungsgrenze zu Unterrot abgegangene Burg hin. In Gaildorf stehen beiderseits der zur Kocherbrücke führenden Straße die beiden Schlösser. Durch die Eröffnung der Eisenbahnlinie Backnang-Hessental 1879/80 erfolgte eine Ausdehnung der Siedlung nach Westen zu dem weit außerhalb liegenden Bahnhof hin. Das 20. Jahrhundert, vor allem die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg brachte der Stadt, die trotz starker Umgestaltung etwas vom Charakter der einstigen Residenz- und Beamtenstadt bewahrt hat, infolge von Industrieansiedlung eine starke Erweiterung, besonders entlang der Ausfallstraßen (B 19 und 298) und durch Erschließung neuer Baugebiete mit modernen Wohn- und Geschäftshäusern, darunter einigen Hochhäusern.
Historische Namensformen:
  • Geillendorff 1255
  • Geilendorf 1286
  • Geilendorff
  • Gailendorff
Geschichte: Möglicherweise ist Gaildorf mit der Herrschaft Bielriet nach 1225 limpurgisch geworden. Bei seiner Ersterwähnung 1260 lag es jedenfalls im limpurgischen Einflussbereich, denn der als erster Vertreter des Ortsadels genannte aus einem Rittergeschlecht stammende »Rabenoldo de Geilendorff« bezeugte damals eine limpurgische Urkunde, was auf engere Verbindungen zu den Schenken hindeutet. 1286 erfolgte die letztmalige Erwähnung des Ortsadels. Mit der Verleihung des Halsgerichts 1403 wurden die Schenken Inhaber der Hochgerichtsbarkeit. Die auf dem Galgenberg gelegene Hinrichtungsstätte ist für 1527 nachweisbar. Vollständig genannt werden die hoch- und niedergerichtlichen Rechte Limpurgs an Gaildorf jedoch erst 1582: Obrigkeit, Gebot, Verbot, Steuer, Schatzung, Frevel und Strafen. Nach der Teilung der Herrschaft richtete 1441 ein Familienzweig (Limpurg-Gaildorf) in Gaildorf eine Residenz ein. Durch abermalige Teilung entstanden 1552 die Linien Gaildorf-Gaildorf und Gaildorf-Schmiedelfeld, die bis 1682 je eine Hälfte der Stadt innehatten. Nach dem Aussterben der Linie Limpurg-Schmiedelfeld regierte Limpurg-Gaildorf die Stadt bis zu ihrem Aussterben 1690. Danach erfolgte eine abermalige Teilung, indem die Linie Limpurg-Speckfeld-Sontheim eine Hälfte bekam, während die andere an zwei limpurg-gaildorfsche Erbtöchter ging. Letzterer Anteil ging 1707 an die Grafen von Wurmbrand und Solms-Assenheim, die je ein Viertel der Stadt und eine Hälfte des Schlosses erhielten. Aus den wurmbrandschen und solmschen Anteilen erwarb Württemberg 1780 und 1790 zusammen drei Sechzehntel der Stadt. Die Hälfte der Linie Limpurg-Speckfeld-Sontheim ging nach verschiedenen durch Erbe wieder aufgehobenen Teilungen an den letzten Limpurger Vollrath von Limpurg-Speckfeld. Nach dessen Tod 1713 beanspruchte Preußen das Erbe und ließ sich 1714 huldigen, trat jedoch 1742 seine Rechte an Brandenburg-Ansbach ab, das die Rechte wiederum an die limpurgischen Erben als Afterlehen weitergab, welches schließlich 1775 an die Grafen von Pückler ging. 1805 gehörte eine Hälfte der Stadt den Grafen von Pückler als Afterlehen, und die andere Hälfte teilten sich Württemberg, die Fürstin von Solms-Braunfels sowie der Graf zu Isenburg-Meerholz. Als Grundherren sind die Schenken von Limpurg erstmals 1369 und als Inhaber der Burg mit Zubehör 1374 nachweisbar. Daneben hatten verschiedene Niederadelsgeschlechter erstmals im 14. Jahrhundert nachweisbaren Besitz: Die Herren von Sontheim (1374), von Morstein (1387), von Gailenkirchen (1399) und bis 1599 von Rinderbach. Einige davon wie die Rinderbacher waren Haller Bürger und standen in einem engeren Verhältnis zu den Schenken. Einen Teil des Zehnten verkauften 1369 die Herren von Hohenstein an die Limpurger. 1374 gehörten den Schenken zwei Drittel des Groß- und Kleinzehnten und schließlich 1582 der ganze Groß-, Klein- sowie ein Teil des Weinzehnten. Die Entwicklung hin zur kommunalen Selbstverwaltung begann mit der Stadterhebung (1404). Der König erlaubte die Errichtung von Mauer und Graben und verlieh das Marktrecht. Zusätzlich bekam Gaildorf das Asylrecht für Totschläger, das noch 1698 in Anspruch genommen wurde. Mit Bürgermeister und Richter wurden damals auch Organe kommunaler Selbstverwaltung genannt. Erstmals nachweisbar 1573 gab es zwei Bürgermeister, wobei einer für die Stadt und der andere für die umliegenden Ortschaften zuständig war. Zünfte werden im 17. Jahrhundert erkennbar. Äußerliche Attribute kommunalen Lebens waren das Stadtsiegel mit der Umschrift »sigillum communitatis in Gailendorff« (1434) und das Rathaus (1490). Das Gericht war Ansatzpunkt der Selbstverwaltung; aus ihm wurden wahrscheinlich die zwei Bürgermeister, die Siechen- und Heiligenpfleger, die Brot- und Fleischbeschauer sowie ein Teil der »Siebener« (Untergänger und Steinsetzer) entnommen. Jedoch blieb die kommunale Selbstverwaltung immer stark eingeschränkt, und außerhalb des Gerichts besaßen die Bürger keine Vertretung. Zwischen der Stadt und der Vorstadt herrschte Ende des 18. Jahrhunderts Rechtsgleichheit. Ursprünglich gehörte Gaildorf zum gleichnamigen 1441 eingerichteten Vogtamt. Später unterstand es dem Stadtamt Gaildorf. 1807 kam Gaildorf an das gleichnamige Oberamt. Bis 1807/08 war es auch Sitz des gemeinschaftlichen Patrimonialamts. Mit der Stadtordnung von 1575 wurde erstmals belegbar eine umfassendere Kodifikation städtischen Rechts erlassen. Schon zuvor 1561 hatte die Herrschaft eine Gerichtsordnung erlassen, es folgten 1589 eine Polizeiordnung, 1600 eine revidierte Stadtordnung, 1633 eine Bürgerordnung und 1708 eine erneute Stadtordnung. Im Bauernkrieg 1525 beschloss die Gemeinde im April, sich spontan dem Aufstand anzuschließen. Aus limpurgischen, hällischen und ellwangischen Bauern bildete sich dann der Gaildorfer Haufen (»gemeiner heller Haufen«), der auf seinen Zügen die Klöster Adelberg, Lorch und Murrhardt plünderte sowie die beiden erstgenannten teilweise und die Burg Hohenstaufen ganz zerstörte und sich noch vor dem Gegenschlag der Herren im Mai auflöste. Die Nordost-Ecke der Stadt bildete das Alte Schloß, burgähnlich, mit etwas isoliertem hohem Turm im Nordosten, vier Flügel umgeben den Innenhof mit Arkaden, Galerien und Treppenturm; Zugang von der Stadt durch ein von zwei Rundtürmen flankiertes Tor mit Wappentafel und Fußgängerdurchlaß, in einer Nische daneben Halbfigur, vielleicht der Baumeister Hans Urner; unter den Innenräumen bemerkenswert sogenannter Wurmbrandsaal mit Renaissance-Kassettendecke. Jenseits des Kochers im Park ehemalige standesherrliche Villa der Grafen von Bentinck-Waldeck, jetzt Neues Rathaus. — 1938 kam Gaildorf zum Landkreis Backnang.
Ersterwähnung als Stadt: 1404
Wirtschaft: Erste genauere demographische Angaben sind aus der Zeit des 30-jährigen Kriegs überliefert, als in Gaildorf zunächst (1634) 71 erwachsene Männer, Witwen und Hausgenossen lebten. Als Kriegsfolge gab es 1637 nur noch 42 erwachsene Personen in der Stadt, davon 33 Bürger, sechs Witwen und drei Hausgenossen. Nach Kriegsende erholte sich die Gesamtbevölkerungszahl, die 1653 dann 262 betrug, davon 181 Kommunikanten und 81 Kinder. 1683 gab es in Gaildorf 138 erwachsene Männer und 17 ebenfalls männliche und erwachsene Hausgenossen. 1718 wurden 153 erwachsene männliche Bürger gezählt. Später 1741 lebten in der Stadt 194 Bürger und zehn Hausgenossen. 1764 bestand die Bürgerschaft aus etwas über 200 Köpfen. 1785 betrug die Einwohnerzahl 1148, wovon 815 zur Bürgerschaft zählten. Davon waren wiederum rund 240 Bürger, während die Bediensteten und ihre Familien 323 ausmachten. 1807 schließlich gab es 1290 Einwohner. Vorstadt und Stadt waren dabei von der Bevölkerungszahl ungleich. So lebten 1650 ohne Hausgenossen 18 Männer in der Stadt und 29 in der Vorstadt, 1683 betrug dieses Verhältnis 70 zu 68 und 1710 schließlich 70 zu 75. Bis Ende des 18. Jahrhunderts blieb dieses Verhältnis dann ausgeglichen. Der Hof spielte eine dominante Rolle im Wirtschaftsleben; so unterhielten die drei Herrschaften Ende des 18. Jahrhunderts insgesamt 279 Diener und Beamte. Vom lukrativen Holzhandel der Herrschaft profitierte die Stadt lediglich indirekt über die dadurch mitfinanzierte Hofhaltung. Die Flurnamen »Flürrlin« und »Eschne« (1582) weisen auf die Bearbeitung der Feldflur im Rahmen der Zelgwirtschaft hin. 1582 gab es in Gaildorf drei Keltern. Die Bedeutung des Weinbaus nahm ab, und 1718 wurde dann noch auf Hühnerberg, an der Steig und auf dem Kirchberg Weinbau betrieben. 1784 schließlich gab es zwar immer noch eine Kelter, jedoch umfassten die letzten Weinlagen auf dem Kirchberg und dem Hühnerberg noch höchstens einen halben Hektar. Gewerbe wie Mühle und eine Ziegelhütte werden erstmals 1527 durch die Flurnamen »mülweg« und »ziegelrain« greifbar. Die Ordnung von 1575 enthielt auch Regelungen die Bäcker und Metzger betreffend. Ein Gerbhaus ist erstmals für 1582 nachweisbar. Seit 1763 wurde gegenüber Gaildorf auf dem rechten Kocherufer ein Vitriol- und Alaunbergwerk betrieben. Dessen Produktionsmenge an Vitriol war beachtlich; sie betrug zum Beispiel 1776 rund drei Tonnen blaues Eisenvitriol und sieben Tonnen grünes Kupfervitriol. An Alaun wurden 336 Kilogramm gefördert. Die wichtigsten Kunden, die 60 Prozent des Eisenvitriols und 70 Prozent des Kupfervitriols abnahmen, saßen damals in Stuttgart. Das Alaun ging zu rund 75 Prozent an einen Gaildorfer Großabnehmer. Dank seiner guten Qualität war das Alaun dann in den 1790er Jahren durchaus eine ernsthafte Konkurrenz für die Produkte anderer Werke in der Region. 1510 gab es in Gaildorf nachweislich ein Wirtshaus. Um 1625 wurde eine Wirtshausordnung erlassen. Verbunden mit der administrativen Zentralfunktion Gaildorfs war die hohe Zahl an Schildwirtschaften Ende des 18. Jahrhunderts (1789: 7). Bei der Stadterhebung waren Gaildorf ein Wochenmarkt (montags) und zwei Jahrmärkte zu Sankt Alban (21. 6.) und Heiligem Kreuz (14. 9.) verliehen worden. 1641 erfolgte die Einrichtung eines Kornmarkts. 1660 gab es vier anstatt der zwei Jahrmärkte: Ostermarkt, Veitsmarkt (15. 6.), Kirchweihmarkt und Nicolaimarkt, während der Wochenmarkt nicht mehr nachweisbar ist. 1650–1710 lässt sich eine gewisse Vermögenskonzentration auf eine kleinere Bevölkerungsgruppe erkennen. Das Pro-Kopf-Vermögen wuchs damals um mehr als das Doppelte und war in der Stadt immer höher als in der Vorstadt, so lag es 1650 in der Stadt bei 225 Gulden und in der Vorstadt bei 146 Gulden (1683: 366 Gulden zu 273 Gulden; 1710: 499 Gulden zu 340 Gulden). Die Hausgenossen (1650: 6; 1683: 17; 1710: 10) wurden nach 1650 steuerlich benachteiligt, und 1683 und 1710 wurde ihnen pauschal ein Vermögen von 50 Gulden angerechnet. Eine erste medizinische Versorgung wird 1405 mit der Nennung eines in Gaildorf begüterten »baders« erkennbar. Später 1503 sind dann eine untere (später hintere) und obere (später vordere) Badestube in der damaligen Badgasse (Kirchstraße) nachweisbar. 1656 bezeichnete sich der damalige Bürgermeister auch als Hofbarbier, Wundarzt und Bader zu Gaildorf. Während die vordere Badestube um 1660 außer Betrieb kam, wurde der Inhaber der hinteren Badestube (seit 1670) auch Brucharzt und Okulist (Augenarzt) genannt. Dessen Sohn bezeichnete sich dann als Chirurg (Wundarzt). 1744 wurde ein gelehrter Arzt in Gaildorf als Landphysikus eingestellt. Das 1512 erwähnte Siechenhaus verwalteten zwei Siechenpfleger. Es entwickelte sich spätestens seit dem 17. Jahrhundert zu einem Alten- und Armenheim. Hebammen werden seit 1551 erwähnt. 1699 war in Gaildorf ein Apotheker ansässig, und 1713 wurde die erste Apotheke eingerichtet.

Name: Wasserburg (abgegangen) / Altes Schloss (1482) / Neues Schloss (1778/79)
Datum der Ersterwähnung: 1255

Ersterwähnung: 1417
Kirchengeschichte: Gaildorf gehörte zunächst zur Pfarrei Münster. 1417 stifteten Elisabeth, die Witwe Schenk Friedrichs III., und ihr Sohn Conrad eine ewige Messe in die neu zu erbauende Kapelle. Zur Ausstattung bekam die Messpfründe die Einkünfte der Klause zu Unterlimpurg übertragen. Das Patronatsrecht lag bei den Schenken. Der Inhaber der Messpfründe sollte in Gaildorf residieren und dem Pfarrer von Münster an hohen Feiertagen bei der Messe in Münster assistieren. Die Kapelle war im folgenden Jahr dann schon zum Teil erbaut. 1433 wurde der Pfarrsitz dann endgültig an die Kapelle von Gaildorf verlegt und die Frühmesse von Bühlerzell gleichfalls dorthin transferiert. Der Pfarrer und der Frühmesner bekamen in Gaildorf neue Amtswohnungen. Jedoch blieb das Begräbnis in Münster, und der Pfarrer musste jede Woche, an den Festtagen und anderen Tagen abwechselnd in Gaildorf und in Münster eine Messe halten. Mitte des 15. Jahrhunderts ist eine Beginenklause nachweisbar. Die entscheidenden reformatorischen Schritte wurden anscheinend 1542 durchgeführt. In der Folge der reformatorischen Bemühungen wurden bis 1547 die Ämter des Frühmesners und Kaplans zusammengelegt. Die Inhaber dieses neu geschaffenen Amts (Kapläne beziehungsweise Diakone) waren zum einen Hilfsgeistliche an der Gaildorfer Kirche und zusätzlich Pfarrer in Münster. 1694 wurde die Personalunion der Ämter aufgehoben, und der Pfarrer von Münster assistierte dem Stadtpfarrer von da an lediglich bei der Kommunion. Als neuen Helfer bekam der Stadtpfarrer 1710 den Präzeptor. Nach der Aufhebung des Präzeptorats wurde der Pfarrer von Münster 1810 wieder Helfer des Gaildorfer Stadtpfarrers (bis 1898). In vorreformatorischer Zeit gehörte Gaildorf zum Kapitel Hall der Diözese Würzburg. Von circa 1600 an war die Stadtpfarrei zumeist mit dem Amt des Superintendenten verbunden. Darüber hinaus waren die Stadtpfarrer meist auch Hofprediger der Schenken. 1807 wurde Gaildorf Dekanatssitz. Für 1417 sind die Patrozinien Maria, Fabian, Sebastian, Veit, Valentin, Georg, Pantaleon, Sixtus, Antonius und Wendelin belegbar. 1418 werden Maria, Georg, Bonifatius, Pantaleon, Pankratius und Sebastian genannt. War zunächst offenbar Maria (1418, 1438) das Leitpatrozinium, so wurde es später Veit. Altäre waren den Aposteln (um 1500), Apollonia (1508) sowie Anna, Maria und Wolfgang (1510) geweiht. 1493 stiftete Schenk Albrecht eine Bruderschaft zu Ehren Marias und Sankt Stephans. Der 1582 erwähnte Flurnamen »Cappelinsberg« in der westlichen Gemarkung deutet auf eine abgegangene Kapelle hin. In der Nähe dieser Flur hat vor 1582 ein »bildheüßlin« gestanden. Unter Graf Philipp Albert entstand ab 1680 eine kleine jüdische Kolonie, die jedoch nach dem Tod des Grafen 1682 keinen Bestand mehr hatte. 1458 wird ein Schulmeister geistlichen Standes erwähnt. Die Lateinschule entstand in der Reformationszeit, da 1561 erstmals ein lateinischer Präzeptor nachweisbar ist. Dieser hatte auch die Aufsicht über den deutschen Schulmeister. Während ab 1634 die Präzeptorenstelle nicht besetzt wurde, konnte die deutsche Schule in dieser Zeit aufrechterhalten werden. 1649 erfolgte die Wiederbesetzung der Präzeptorenstelle. 1699 wurde eine neue Schulordnung erlassen und 1713 die Sommerschule eingeführt. 1777 gab es rund 150 Schüler insgesamt und 1809 besuchten 194 Schüler die deutsche Schule. Wegen der Arbeitsüberlastung wurde 1777 die Einstellung eines für die Unterrichtung der Grundlagen (»prima elementa«) zuständigen Provisors erörtert, während der Präzeptor sich auf den Lateinunterricht (»humaniora«), die Katechismuslehre und biblische Geschichte und der deutsche Schulmeister sich auf den übrigen Unterricht beschränken sollte. Dazu wurde die Einrichtung einer dritten Schulstube und einer Schulbibliothek geplant. Die Vorschläge wurden nicht umgesetzt. Durch königlichen Erlass (1809) wurde die Lateinschule geschlossen und die Aufgaben des Präzeptors dem deutschen Schullehrer übertragen. Das 1527 ersterwähnte Schulgebäude befand sich neben dem Torhaus an der Mittleren Gasse und wurde 1700 in die Nähe des alten Rathauses verlegt (Neubau 1930/31). Evangelische Stadtkirche, 1945 zerstört, und danach wieder erbaut, von alten Teilen erhalten nur Chor von 1435 mit Netzrippengewölbe von 1518/21 und Grabmälern der Schenken von Limpurg, 16./17. Jahrhundert, sowie der Westturm. Katholische Pfarrei seit 1894, Pfarrkirche St. Josef von 1894 durch Neubau 1956 ersetzt.
Patrozinium: St. Maria, Fabian, Sebastian, Veit, Valentin, Georg, Pantaleon, Sixtus, Antonius, Wendelin (1418 genannte Patrozinien: Maria, Georg, Bonifatius, Pantaleon, Pankratius,Sebastian)
Ersterwähnung: 1417

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