Esslingen am Neckar 

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Typauswahl: Gemeinde
Status: Große Kreisstadt
Homepage: http://www.esslingen.de
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Einwohner: 88295
Bevölkerungsdichte (EW/km²): 1.902
Max. Höhe ü. NN (m): 498.43
Min. Höhe ü. NN (m): 221.65
PLZ: 73728, 73730, 73732, 73733, 73734

Die Stadt liegt wenige Kilometer östlich der Landeshauptstadt Stuttgart am Neckar in dessen unmittelbarer Nachbarschaft und gehört damit zum Kern des Verdichtungsraums Stuttgart. Das Stadtgebiet greift vom Schurwald im Nordosten über das Neckartal auf den Rand der Filderhochebene im Süden aus. Im Nordwesten hat es noch Anteil an der Stuttgarter Bucht. Die Höhen reichen von 499 m über NN am Birkengehrn auf dem Schurwald bzw. 356 m auf den Fildern bis 231 m am Neckar bei Mettingen hinab. Talklingen und Feuchtbiotope des Schurwalds (‚Stettener Bach‘ und ‚Krähenhäule‘) sowie eine ursprüngliche Neckarschlinge (‚Alter Neckar‘) des hier begradigten und zur Schifffahrt kanalisierten Flusses stehen unter Naturschutz. Dank anhaltenden Wachstums reicht die Stadt heute weit auf den Schurwald und die Fildern hinauf. Unterhalb von Rebhängen liegt im Tal die weitgehend erhaltene mittelalterliche Altstadt mit ihren Marktplätzen, Kirchen und dem herausragenden Alten Rathauses. Touristisch viel besucht ist sie Einkaufsmittelpunkt mit einen weiten Spektrum an Fachgeschäfte und einem Shopping Center. Auch als Kultur-, Bildungs- und vor allem Universitätsstandort hat sie sich im Umfeld Stuttgarts einen eigenständigen Ruf erworben. Dennoch spielen in der einstigen Industriestadt, in der Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Elektroindustrie nach wie vor präsent sind, industriebezogenen Dienstleistungen im wachsenden Tertiären Sektor eine kennzeichnende Rolle. Die Stadt ist Sitz des Landratsamtes und Mittelzentrum für den nördlichen Landkreis Esslingen. Sie ist über die Eisenbahnlinie Stuttgart-Ulm eng in den S-Bahnverkehr des Mittleren Neckars eingebunden. Eine Buslinie besteht zum Flughafen Stuttgart; im Stadtgebiet verkehren O-Buslinien. Über die vierspurig ausgebaute, dem Neckar folgende B10 ist sie gut zu erreichen. 1802/03 kam die Stadt an Württemberg und wurde Sitz eines Oberamtes bzw. 1938 des gleichnamigen Landkreises.

Die Große Kreisstadt Esslingen ist nach der Einwohnerzahl mit Abstand die größte Kommune des Landkreises und Sitz des Landratsamts, rangiert der Fläche nach (46,42 Quadratkilometer) allerdings nur an zweiter Stelle. Sie erstreckt sich mit ihren 24 Stadtteilen von den Höhen des Schurwalds bis auf die Filder und nimmt das Neckartal zwischen Zell und Mettingen ein. Die Landeshauptstadt Stuttgart ist 14 Kilometer entfernt. Auf der Stadtfläche von Esslingen treffen drei Naturräume zusammen: der Schurwald im Norden, die Stuttgarter Bucht im Westen und die Filder im Süden. Das Neckartal trennt und verbindet zugleich Filder und Schurwald, zählt doch der Talraum – als Teil der Filderscholle – naturräumlich ebenso zu den Fildern (Untereinheit Nürtinger-Esslinger-Neckartal) wie die terrassenartige Verebnung am Südhang des Schurwaldes (Schurwaldfilder). Sie ist Teil der Filder-Schurwald-Störungszone, an welcher der Fildergraben staffelförmig abgesunken ist, die Gesteinsschichten vielerorts gegeneinander verschoben und zerstückelt sind. Eine ganze Schar von Verwerfungen durchzieht das Stadtgebiet von Esslingen, entlang derer, etwa 100 Meter über dem Neckartal, streifenförmige Unterjuraschollen als markante Staffeln erhalten blieben. In ursprünglicher, unverstellter Lage findet man Unterjura beim Jägerhaus oberhalb von Liebersbronn in 490 Metern über Normalnull, dagegen in den Stadtteilen Rüdern, Sulzgries und Neckarhalde, auf der abgesunkenen Scholle, bei 390 Metern über Normalnull. Die relativ ebenen Platten sind meist lössüberdeckt und werden dank der aus den Lössen hervorgegangenen fruchtbaren Parabraunerden dort, wo sie nicht überbaut sind, als Ackerland genutzt. Auf beziehungsweise am Rand dieser Unterjuraplatten liegen mehrere der alten Siedlungskerne (Rüdern, Krummenacker, Sulzgries, Serach). Die steilen Hänge unterhalb der Schollen werden von Schichten des Keupers aufgebaut, die hier vom Rhät bis zum Schilfsandstein reichen. Als südexponierte Sonnenhänge werden sie nahezu durchweg von Weinbergen eingenommen. Überwiegend sind es Terrassenweinberge mit Trockenmauern in Steillagen, wie die bekannte Neckarhalde. Die Trauben reifen hier optimal. Nördlich der Bruchlinien beginnt der eigentliche Schurwald. Die Schichtenfolge setzt sich wiederum aus Stubensandstein, Knollenmergel, Rhät und Unterjura zusammen, diesmal jedoch in ungestörtem Schichtverbund. Die teilweise harten Bänke des Stubensandsteins sind überwiegend von Wald bedeckt und im Relief durch ihre scharf eingeschnittenen Klingen zu erkennen (Fuchsklinge beim Jägerhaus, auf der Lindhalde im nördlichen Stadtgebiet). Auf den weicheren Knollenmergeln finden sich, zumindest an der sonnenbeschienenen südlichen Hangseite, verbreitet Streuobstwiesen. Nordöstlich der Unterjuraplatte, wo das Relief bis zur Stadtgrenze am Stettener Bach wieder abfällt, sind auch die Knollenmergelhänge bewaldet. Die geschlossene, durchgehende Unterjuraplatte bildet die Deckschicht des Stettener Sattels und ist vor allem im südlichen Stadtgebiet weitestgehend dem Wald überlassen worden. Auf ihr, am Birkengehren, wird mit knapp 499 Metern über Normalnull auch der höchste Punkt der Stadt erreicht. Vielseitige Anwendung, insbesondere im Bauwesen, fand früher der Stubensandstein: Loser Sand wurde als sogenannter Grabsand gewonnen. Dort, wo die Schichten hart genug waren, wurde der Stubensandstein auch als Werkstein (Baustein) gebrochen. Mit ihm errichtete man die Pliensaubrücke und die Esslinger Frauenkirche. Allerdings erwies sich der karbonatisch gebundene Stubensandstein nicht als witterungsbeständig. Der saure Regen im Neckartal ließ ihn zerfallen und er musste an der Frauenkirche durch haltbaren Muschelkalk ersetzt werden. Die früheren Brüche und Gruben sind aufgelassen und in vielen Fällen rekultiviert. Die Verwerfungen am Schurwaldhang sind mit ein Grund für die zahlreichen Quellaustritte, vor allem im Unterjura und in den Stubensandsteinschichten. Die meisten Quellen sind gefasst und spielten früher für die Trinkwasserversorgung eine große Rolle. Seit der Fernwasserzuleitung (zu etwa drei Viertel über die Landeswasserversorgung aus Ostwürttemberg und zu einem Viertel vom Bodensee) haben sie ihre Bedeutung eingebüßt. Dennoch wurde zum Schutz des Quellhorizontes oberhalb des Zeller Bachs ein Wasserschutzgebiet ausgewiesen. Zu den besonderen Wasservorkommen zählt die neue Thermalquelle. 32 Grad Celsius warmes Wasser wurde 2005 beim Merkel’schen Bad erbohrt. Das Natrium-Calcium-Chlorid-Sulfat-Mineral-Thermalwasser, so der Fachbegriff, stammt aus 200 Metern Tiefe, dem Oberen Muschelkalk, und wird für Badezwecke genutzt. Von den nicht wenigen Bächen im Stadtgebiet sind die meisten im Siedlungsbereich durchgängig verdolt. Lediglich das größte Gewässer, der Hainbach, der an der nördlichen Stadtgrenze durch den Zusammenfluss von Lindhaldenbach und Krebsbach entsteht, führt weitgehend offen und erst beim Übergang in den Talraum abgedeckt zum Neckar. Er ist im Stadtgebiet bestes Beispiel dafür, wie solche Gewässer die Keuperbergflanken samt der Deckschicht des Unterjuras zerlegen und durch relativ breite Sohlentäler in einzelne Riedel auflösen können. Der Neckar ist die Lebensader der Stadt Esslingen. Bis 200 Meter tief hat sich der Fluss eingeschnitten und, ursprünglich stark mäandrierend, eine breite Talaue, Prall- und Gleithänge geschaffen. Der Eisberg auf der linken und die Neckarhalde auf der rechten Flussseite sind solche steilen Prallhänge, die bogenförmigen Talauen im Bereich der Esslinger Altstadt und bei Weil Gleithänge. Mächtige Lagen aus Kiesen und Sanden der Eis- und Nacheiszeit füllen das Neckartal auf. Darüber liegen Auensedimente, die später hier zusammengeschwemmt wurden (vergleiche Gemeinde Altbach, Gemeinde Deizisau) und die das nacheiszeitlich-historische Neckarbett kennzeichnen. In dieses ist, beginnend mit der Neckarkanalisierung, besonders stark eingegriffen worden. Ob die durch die Esslinger Altstadt fließenden alten Neckararme natürlichen Ursprungs sind, oder aus einer mittelalterlichen Verlegung des Neckars herrühren, ist unklar. Sie folgen dem Lauf des Neckars vor seiner Begradigung in den 1960er Jahren und seinem Ausbau zur Schifffahrtsstraße. Nach wie vor stehen sie in Verbindung mit dem Flusssystem und haben einen Wasseraustausch mit dem kanalisierten Neckar. Von der östlichen Stadtgrenze bis zur Kernstadt verläuft der Neckar im Stubensandstein, ab da im Schilfsandstein. Das bei Esslingen etwa einen Kilometer breite Neckartal erreicht dann bereits bei Weil mit dem Eintritt in die Stuttgarter Bucht den weicheren Gipskeuper, in dem es sich noch stärker in die Breite ausdehnen konnte. An der westlichen Stadtgrenze, in Mettingen, liegt mit 231 Metern über Normalnull schließlich auch der tiefste Punkt der Stadt. Auf der linken Neckarseite erstreckt sich das Stadtgebiet bis auf die eigentliche Filderebene hinauf, die hier rund 100 Meter über dem Fluss auf einem Höhenniveau von 300 bis 340 Metern über Normalnull liegt. Allerdings ist im Stadtgebiet die Unterjuraplatte mit ihren hochwertigen Lösslehmböden überwiegend bebaut und weist nur noch stellenweise Ackerbau, öfters dagegen Obstbaumwiesen auf. Der nord- beziehungsweise nordostexponierte Abfall zum Fluss zeigt sich als ausgesprochener Schattenhang weitgehend bewaldet. Im äußersten Südosten greift der Wald mit dem Buchenwäldle sogar bis auf die Filderhochfläche aus. In die Steilhänge unter der Juraplatte haben sich wiederum zahlreiche, für die Keuperschichten typische Klingen eingeschnitten. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden am Eisberg und am Zollberg Kohleschmitzen im Stubensandstein geschürft, die aber wenig ergiebig waren. Später dienten die Stollen weitaus einträglicher als Eiskeller, in denen man im Winter Eis aus dem Fluss einlagerte, das dann bis weit in den Sommer zum Kühlen von Bier verwendet werden konnte. Entsprechend der geologischen Schichteigenschaften weisen auch die linken Neckartalhänge Quellaustritte auf, vor allem am Palmenwald im westlichen Stadtgebiet, insbesondere aber am Erlenhau im Südosten. Zum Schutz dieser Quellen wurden Wasserschutzgebiete zwischen Berkheim und Zollberg festgesetzt. Im stark verdichteten Stadtgebiet, wo 41 Prozent des Areals Siedlungs- und Verkehrsflächen einnehmen, sind die nicht überbauten Flächen vielfach als Schutzgebiete mit unterschiedlichem Status ausgewiesen. Mehrere Landschaftsschutzgebiete – meist übergreifend auf die Nachbargemeinden – gibt es in den Wein- und Obstbaugebieten am Südabhang des Schurwalds sowie in dessen Waldgebieten, am Alten Neckar an der Grenze zu Altbach, aber auch südöstlich von Berkheim, im Hangwald Champagne bei Weil und im Neckartal zwischen Pliensauvorstadt und Weil. Diese Freiflächen, geprägt durch Streuobstwiesen, Weinberge, Trockenmauern, Wälder, Klingen, Wiesen, Felder und andere schützenswerte Grünbestände sollen zur Sicherung eines ausgewogenen Naturhaushaltes sowie als Lebens- und Erholungsräume erhalten werden. Einen umfassenden Schutz vor Eingriffen jeder Art genießen die Naturschutzgebiete Krähenhäule und Stettener Bach im Schurwald sowie Alter Neckar bei Zell. Während die Stadt Esslingen an der Keuperklinge Stettener Bach und am Alten Neckar, einem Neckaraltarm, nur Anteile hat (siehe Gemeinden Aichwald und Altbach), liegt der ehemalige Schießplatz Krähenhäule ganz auf Esslinger Markung. In dem Gebiet kommen auf kleinem Raum trockene, feuchte und nasse Biotope mit vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten vor. Der Bannwald Weilerhalde im Waldstück Champagne, ein 4 Hektar großer Schluchtwald in einer Keuperklinge, soll sich völlig ungestört von menschlichen Eingriffen entwickeln. In den Schonwäldern Stiftungswald Sirnau und Stettener Bach findet eine gezielte, schonende Bewirtschaftung und Pflege statt. Zum Schwerpunkt der Naherholung hat sich im Stadtgebiet der Schurwaldbereich beim Jägerhaus entwickelt, im Volksmund »auf dem Jägerhaus« genannt. Hier befindet sich, direkt auf der ebenen Unterjuraplatte, auch ein Segelfluggelände. Esslingens Stadtteile sind inzwischen so weit die Hänge hinauf gewachsen, dass zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen – Boden, Wasser, Klima, Vegetation – neben den oben genannten Schutzgebieten Grünzäsuren und regionale Grünzüge ausgewiesen werden mussten. Diese sind von einer Bebauung und Versiegelung unbedingt freizuhalten.

Im Vorgriff auf den zu erwartenden Reichsdeputationshauptschluss ließ Württemberg bereits am 6. September 1802 die freie Reichsstadt Esslingen durch einen Hauptmann, drei Offiziere, acht Korporäle und 128 Mann militärisch besetzen. Am 23. November 1802 vollzog der übermächtige Nachbar die endgültige zivile Besitzergreifung des gegen 60 Quadratkilometer umfassenden reichsstädtischen Territoriums mit Mettingen, Rüdern, Sulzgries und den Weilern im Hainbach sowie den Esslinger Spitalorten Deizisau mit Sirnau, Möhringen und Vaihingen auf den Fildern. Der Huldigungseid aller volljährigen Bürger und der Dorfvorsteher auf Kurfürst Friedrich bildete Mitte 1803 den zeremoniellen Schlusspunkt des Übergangs an Württemberg nach über 500 Jahren reichsunmittelbarer Selbständigkeit. Die neue Munizipalverfassung vom 1. März 1803 bedeutete das Ende der bisherigen Selbstverwaltung der Stadt, die bis 1818 dem württembergischen Oberamtmann direkt unterstand. Erst 1823 übernahm das neue Königreich 90 000 Gulden an städtischen Schulden, während das Spital 500 Morgen verstaatlichten Waldbesitz zurückerhielt. Dies war aber nur eine Teilentschädigung für die Verluste während der Mediatisierung, die die Esslinger Stadtverwaltung später auf etwa 300 000 bis 400 000 Gulden veranschlagte. Zunächst gehörte Esslingen als Sitz eines kleineren württembergischen Oberamts mit den Spitalorten Deizisau, Möhringen und Vaihingen sowie den umliegenden Filialen zur Landvogtei Heilbronn. Als Filialen wurden die zur Stadt gehörenden, hauptsächlich von Weingärtnern und Obstzüchtern auf den stadtnahen Anhöhen und Tälern bewohnten Weiler und zerstreuten Siedlungen bezeichnet. Nach einigen kurzfristigen Zwischenlösungen bildete die ehemalige Reichsstadt seit 1811 das Verwaltungszentrum eines (um 1900) 138 Quadratkilometer großen Oberamtsbezirks mit 14–16 Gemeinden, der von 1817 bis 1924 Bestandteil des Neckarkreises (Sitz Ludwigsburg) war. Esslingen blieb auch administrativer Mittelpunkt des 1938 auf 30 Gemeinden mit einer Fläche von 253 Quadratkilometern erweiterten gleichnamigen Landkreises. Zu den in der württembergischen Oberamtsstadt ansässigen Bezirksbehörden gesellte sich von 1818 bis 1869 ein im ehemaligen reichsstädtischen Rathaus ansässiger Gerichtshof für den Neckarkreis, an dessen Stelle bis 1879 ein Kreisstrafgericht trat (heute Sitz des Amtsgerichts). Ferner war Esslingen Garnison wechselnder Kavallerieregimenter 1813/14 und 1817–45, eines Reichswehrbataillons 1919 sowie eines Ergänzungsbataillons und einer Nachrichtenabteilung der Wehrmacht seit 1935/38. Die Filialen im unmittelbaren Umkreis der Stadt, im 19. Jahrhundert noch Weiler und zerstreute Gehöfte, entwickelten sich im 20. Jahrhundert zu Stadtteilen. Die Siedlungen waren in fünf Unterschultheißenamts- beziehungsweise Anwaltsamtsbezirken zusammengefasst: Liebersbronn (mit Kennenburg und Wiflingshausen), Mettingen, Rüdern, Sulzgries (mit Hohenacker und Krummenacker) sowie Wäldenbronn (mit Obertal, Sankt Bernhardt und Serach). Zu den Filialen zählte auch die königliche Hofdomäne Weil. Neue Stadtteile gingen aus Wohnsiedlungen in Neckarhalde (seit 1909), Sirnau (seit 1932), Hohenkreuz (seit 1950) und Zollberg (seit 1955) hervor. Eingemeindet wurden 1913 Oberesslingen mit Oberhof, 1914 Hegensberg mit Kimmichsweiler, 1923 Brühl. Gemäß dem Verwaltungsedikt von 1822 wählten die männlichen Gemeindeangehörigen mit Bürgerrecht jedes Stadtratsmitglied zunächst für zwei Jahre. Bei einer Wiederwahl blieb der Mandatsträger auf Lebenszeit Mitglied des kommunalen Verwaltungsgremiums. Der Bürgerausschuss, das eigentliche bürgerliche Vertretungsorgan, wurde jährlich zur Hälfte neu gewählt. Der Esslinger Stadtrat setzte sich über Jahrzehnte aus Angehörigen weniger Familien aus den Kreisen der Höchstbesteuerten zusammen. 1849 wurde die lebenslängliche Wahl der Stadträte abgeschafft, 1919 der Bürgerausschuss aufgehoben und zugleich das Frauenwahlrecht eingeführt. Einziges weibliches Stadtratsmitglied während der Weimarer Republik war Anna Grün von der Deutschnationalen Volkspartei (bis 1932). Im Zuge der Revolution von 1848/49 forderte bereits am 28. Februar 1848 die Bürgergesellschaft in einer Petition an die Staatsregierung die Reorganisation und Parlamentarisierung des Deutschen Bundes. Unter dem Eindruck des Umbruchs traten im Sommer 1848 sechs auf Lebenszeit gewählte Stadträte zurück, auch gab es einen Wechsel im Amt des Stadtschultheißen. Im April 1848 sammelten sich die bürgerlichen Liberalen und Demokraten im Vaterländischen Verein, zu dessen treibender Kraft Karl Mayer (1819–89) wurde. Wie andernorts trennte sich auch in Esslingen Ende 1848 die liberal-konstitutionelle von der radikal-demokratischen Bewegung. Unversöhnlich standen sich während des deutschen Einigungsprozesses der großdeutsch-demokratische Volksverein (seit 1866) und die propreußisch-nationalliberale Deutsche Partei (seit 1870) gegenüber. Aus dem von Handwerkern und Arbeitern 1862 formierten Arbeiterbildungsverein ging 1870 ein sozialdemokratischer Ortsverein hervor, der mit der landesweit ersten Wahl eines Gemeinderats und eines (nicht eingesetzten) Stadtschultheißen 1876/77 spektakuläre Erfolge erzielte. Mit der Bildung der ersten Lokalgewerkschaft im Lande (1869), des Gesangvereins Vorwärts (1891), eines Arbeiterturnvereins (1898), einer Jugendorganisation (1906) und einer Frauengruppe (nach 1909) entwickelte sich in der Fabrikstadt ein spezifisches sozialdemokratisches Milieu. Der während der Revolution 1918/19 eingesetzte Arbeiter- und Soldatenrat übernahm öffentliche Ordnungsfunktionen und bekämpfte die soziale Ungleichheit. In ihm waren Angehörige beider Flügel der Arbeiterbewegung vertreten, deren Spaltung in Esslingen bereits früh begann und sich nachhaltig auswirkte. Die ersten Jahre der Republik waren im »roten Esslingen« durch politische Streiks gekennzeichnet, ihre letzten Jahre von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Kommunisten und den stetig anwachsenden Nationalsozialisten überschattet. Die seit 1820 redigierten Eßlinger wöchentlichen Anzeigen wurden 1839 als Anzeiger Amtsblatt des Bezirks. 1886 erschienen neben dem jetzt als Eßlinger Wochenblatt firmierenden Journal (Auflage 2500 Stück) die Eßlinger Zeitung (seit 1868, Auflage 3400) und der Eßlinger Anzeiger (seit 1884, Auflage 3000). 1890 wurde die Schwäbische Rundschau (Ex-Anzeiger) und 1918 die Eßlinger Zeitung Amtsblatt. Nebenausgaben württembergischer Parteiblätter waren seit 1911 die Eßlinger Volkszeitung (SPD, 1933 verboten) und seit 1932 das Eßlinger Tagblatt (NSDAP), das 1933 die auflagenstärkere, bürgerliche Eßlinger Zeitung im Zuge der Zwangsübertragung von 51 Prozent des Zeitungsverlagsrechts an die NS-Presse Württemberg GmbH schluckte. Unter dem Eindruck der Reichsgründung konnte die nationalliberale Deutsche Partei bei der Reichstagwahl 1871 mangels Konkurrenz beinahe alle Stimmen in Esslingen, Berkheim, Hegensberg, Oberesslingen und Zell auf sich vereinigen. Als die geschwächte demokratische Volkspartei 1874 wiederholt nicht antrat, überflügelten die erstmals kandidierenden Sozialdemokraten in Esslingen, Berkheim und Oberesslingen die Nationalliberalen mit einem Wähleranteil von 59–76 Prozent. Erst 1877/78 gewannen die wieder auf die politische Bühne zurückgekehrten Demokraten verlorenes Terrain zurück – in Esslingen mit 43–46, in Berkheim mit 43–49 Prozent. Bis 1890 waren Hegensberg und Zell Bastionen der Nationalliberalen und der freikonservativen Reichspartei. Das Sozialistengesetz und der erneute Rückzug der Demokraten bescherte den Nationalliberalen 1887 und 1890 in nahezu allen fünf Gemeinden die Majorität. Erst im Zuge der Hochindustrialisierung und mit dem Ende ihrer politischen Unterdrückung fiel der Arbeiterpartei (SPD) in den Reichstagswahlen von 1893 bis 1912 hier fast durchweg die Mehrheit zu. Das beste Ergebnis erzielten die Sozialdemokraten 1912 mit 80 Prozent in Oberesslingen. Bei der Wahl zur Nationalversammlung 1919, dem ersten Urnengang auf Reichsebene mit Frauenstimmrecht, erreichten in Esslingen die Koalitionsparteien SPD 44,8 Prozent, Deutsche Demokratische Partei (DDP) 27,2 Prozent und Zentrum 4,2 Prozent. Die politische Linke, die damals noch etwa 57 Prozent der Wählerschaft an sich band, fiel bis zur Reichstagswahl im November 1932 auf rund 47 Prozent zurück. Über die Hälfte der SPD-Wähler von 1919 wanderte 1920 und im Mai 1924 zu den radikaleren Unabhängigen Sozialdemokraten (USPD) und Kommunisten (KPD) ab. Auch bei den vier Wahlen von 1928 bis 1932 musste die SPD eine Verringerung ihres Stimmenanteils von 36,4 auf 27,1 Prozent hinnehmen, während sich die KPD von 15,4 auf 19,6 Prozent verbessern konnte. Unter hohem Wählerschwund hatte in Esslingen die bürgerliche Mitte – DDP, Deutsche Volkspartei (DVP), Zentrum und Christlich-Sozialer Volksdienst – zu leiden, die im Verlauf der acht Reichstagswahlen seit 1919 beinahe halbiert wurde und im November 1932 noch knapp über 17 Prozent der Abstimmenden von sich überzeugen konnte. Unmittelbarer Nutznießer war die politische Rechte, deren Wähleranteil sich von 10 Prozent 1919 auf rund 36 beziehungsweise 35 Prozent bei den Reichstagswahlen 1932 nahezu verdreifachte. Einbrüche in das bürgerliche Lager, aber auch in die Reihen der Arbeiterschaft gelangen den Nationalsozialisten (NSDAP), die im Mai 1924 mit gerade einmal 6,4 Prozent begannen und 1932 bereits 29,2 beziehungsweise 25,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler mobilisieren konnten. Bei der Reichstagswahl 1933 erhielt die NSDAP in Esslingen, wo seit 1920/21 beziehungsweise 1925 eine Ortsgruppe bestand, 35 Prozent, die verbündete Kampffront Schwarz-Weiß-Rot 7 Prozent der Stimmen. Aus den Reihen der Esslinger NSDAP kam der Gauleiter (seit 1928) und künftige Reichsstatthalter Württembergs, Wilhelm Murr (1888–1945). Dem Verbot der KPD im Februar 1933 folgten von März bis Mitte des Jahres mehrere Verhaftungswellen von politischen Gegnern des neuen Regimes, vor allem von Kommunisten. So wurden allein am 20. Juni beim Brand des bereits beschlagnahmten kommunistischen Waldheimes 66 Zuschauer festgenommen. Am 1. April 1933 hoben die neuen Machthaber den demokratisch gewählten Gemeinderat auf, bis Juli des Jahres waren alle Oppositionsparteien aufgelöst. Am 3. Mai erklärte Oberbürgermeister Dr. Ingo Lang von Langen seinen Rücktritt mit der Begründung, dass er »vorläufig nicht jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat glaube eintreten zu können«. Im neuen Gemeinderat bildete die NSDAP bis zur Ausschaltung der politischen Konkurrenz mit 13 statt bisher drei Sitzen die stärkste Fraktion. Auf der Grundlage der Deutschen Gemeindeordnung zogen 1935 erstmals 22 parteigenehme Ratsherren in das städtische Gremium ein, das künftig gegenüber dem allein entscheidungsbefugten Oberbürgermeister nur noch eine beratende Funktion besaß. Nach dem Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 wurden in Esslingen bis 1940 24 jüdische Firmen, Geschäfte und Freiberufler zur Schließung und Berufsaufgabe gezwungen. Im Anschluss an eine antisemitische Kundgebung am Mittag des 10. November 1938 – dem Tag nach der Reichspogromnacht – demolierten Teilnehmer die Inneneinrichtung der Synagoge im Heppächer, plünderten oder verbrannten die Einrichtung. Gleichzeitig wurde auch das israelitische Waisenhaus Wilhelmspflege Schauplatz brutaler Plünderungen und Verwüstungen. Der Mob misshandelte zwei Lehrer und den Hausvater, später wurden die Lehrer für einige Wochen in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Von den 1933 in Esslingen wohnhaften 142 jüdischen Personen kamen unter dem NS-Regime mindestens 38 ums Leben, zu den jüdischen Mordopfern dieser Zeit gehörte zusätzlich eine große Anzahl von Kindern aus dem Waisenhaus. Abgesehen von einer Vielzahl vorübergehend inhaftierter »Schutzhäftlinge« überlebten 52 KZ-Inhaftierte aus Esslingen das NS-Regime, neun Personen kamen in den Lagern um. Gemäß dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (1933) fielen wohl 236 Frauen und Männer im Esslinger städtischen Krankenhaus der Zwangssterilisation zum Opfer. Mindestens 59 behinderte Personen aus der Kreisstadt, die zuvor in den Heilanstalten Esslingen-Kennenburg, Stetten im Remstal, Winnenden, Göppingen und Zwiefalten untergebracht waren, wurden 1940/41 Opfer der Euthanasiemorde in den Tötungsanstalten Grafeneck (Landkreis Reutlingen) und Hadamar (Hessen). Den steigenden Bedarf an Arbeitskräften deckten während des Zweiten Weltkrieges Kriegsgefangene, zunehmend aber auch ausländische Zwangsarbeiter, deren Anzahl sich 1942/43 in Esslingen auf rund 4000 belief. Zwischen 1939 und 1945 fanden 169 von ihnen den Tod, die meisten stammten aus der Sowjetunion; mindestens fünf weitere Todesfälle von Ausländern blieben undokumentiert. 1371 Gefallenen des Ersten Weltkrieges standen etwa 1700 Gefallene und für tot Erklärte des Zweiten Weltkrieges aus der Kreisstadt gegenüber, hinzu kamen rund 1300 in den Jahren 1939–45 Vermisste. Durch Fliegerangriffe wurden in Esslingen 126 Gebäude total und 60 stark zerstört, 54 Personen kamen dabei ums Leben. Am 21. April 1945 wurden durch Artilleriebeschuss der anrückenden Alliierten in Berkheim sieben und in Esslingen zwei Menschen getötet. Nach dem Abzug der NS-Kreisleitung und der Wehrmacht sowie nach Auflösung des Volkssturms wurde die weitgehend unbeschädigte Stadt tags darauf kampflos den anrückenden US-Streitkräften übergeben. Am gleichen Tag besetzten französische Truppen Zell, am 3. Mai die Amerikaner Berkheim. Die Franzosen, vom 3. Mai bis 7. Juli 1945 vorübergehend Besatzungsmacht in Esslingen, setzten den von den US-Streitkräften ernannten Oberbürgermeister Dr. Emil Mackh wegen dessen NSDAP-Mitgliedschaft am 12. Juni ab. Die zurückgekehrten Amerikaner übertrugen Ende August Landrat Dr. Fritz Landenberger, einem Liberaldemokraten und NS-Regimegegner, zusätzlich das Amt des Stadtvorstandes. Skeptisch begegnete die US-Militärregierung dem bereits Anfang Mai gebildeten Antinazistischen Ausschuss aus Mitgliedern von SPD und KPD, akzeptierte aber dessen Mitarbeit bei der Entnazifizierung. Dem Oberbürgermeister trat in allen wichtigen Verwaltungsfragen ein Beirat aus sechs Ausschussmitgliedern und sechs bürgerlichen Vertretern beratend zur Seite. Im Mai 1945 veranlassten Landrat und Oberbürgermeister von sich aus in ihren Verwaltungen »die dringendsten Entlassungen« von NSDAP-Mitgliedern – ausgenommen die Amtsvorstände. Ein größerer Personalwechsel erfolgte 1946/47, als im Zuge der Pensionierungen und Entlassungen auf Grund der Spruchkammerbescheide und wegen der Reorganisation der Ämter etwa Dreiviertel der Amtsleitungen neu zu besetzen waren. Die Neueinstellung von Unbelasteten scheiterte meistens an den fachlichen Anforderungen, sodass Entlassene häufig in untergeordneter Stellung gegen Tagegeld weiter beschäftigt wurden. Waren am Kriegsende 89 Prozent der Beamten und 29 Prozent der Angestellten der Stadtverwaltung ehemalige NSDAP-Mitglieder, so lag deren Anteil im Februar 1949 nach Abschluss der Entnazifizierung bei 73 beziehungsweise 10 Prozent. Als weitgehend unzerstörte Stadt hatte Esslingen zusätzlichen Wohnraum für fast 16 000 Flüchtlinge und Vertriebene ebenso wie für rund 6000 Letten bereitzustellen, die als Displaced Persons (DP) unter besonderem US-Schutz standen. Die russischen und polnischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter verließen die Stadt bereits wenige Monate nach Kriegsende. Den Letten wurde in der Pliensauvorstadt durch Zwangsräumung ein geschlossenes Viertel mit 335 Wohnungen bis zu ihrer Auswanderung nach Übersee zur Verfügung gestellt. Erst Anfang Juni 1950 konnten die ersten der rund 1300 Ausquartierten ihre ehemaligen Wohnräume wieder beziehen. Nach der Kapitulation waren bis 1956 in der Becelaere-Kaserne (errichtet 1914/15) und bis 1992 in der Funker-Kaserne (erbaut 1935/38) amerikanische Einheiten stationiert. Von 1956 bis 1964 war die Kreisstadt Aufstellungsort und Durchgangsstation zahlreicher Einheiten und Verbände der Bundeswehr, die seit 1957 auch Teile der Funker-Kaserne nutzte. Die Becelaere-Kaserne diente von 1964 bis 1989 dem Sanitätsbataillon 10 und anschließend bis 1994 dem Feldjägerbataillon 750 als Unterkunft. Das erste Presseorgan der Nachkriegszeit war das von der Militärregierung herausgegebene Amtsblatt für den Kreis Esslingen. Von 1947 bis 1951 erschien in der Stadt eine örtliche Ausgabe der Stuttgarter Nachrichten, zugleich berücksichtigte auch die Stuttgarter Zeitung in ihrer Lokalberichterstattung Esslingen. Erst Anfang 1949 genehmigten die US-Behörden als erste örtliche Zeitung die Neckarpost, die daraufhin Zug um Zug von der Altverleger-Familie erworben wurde, die von einer Lizenz grundsätzlich ausgeschlossen war. Seit Juli 1949 wieder den Titel Eßlinger Zeitung führend, erreicht das Blatt heute eine Druckauflage von rund 35 000 Exemplaren. Seit 1997 ist die Eßlinger Zeitung auch online im Internet vertreten. Als örtliche Parteien wurden Anfang Oktober 1945 die SPD, die KPD und die Christlich-Demokratische Partei (später CDU) sowie im Februar 1946 – nach dem Scheitern des Projekts einer bürgerlichen Sammlungsbewegung – die Deutsche Volkspartei (später FDP/DVP) zugelassen. Die SPD errang in den ersten Wahlen 1946/47 33–37 Prozent der Wählerstimmen und stellte seit 1946 mit Georg Geist den Landrat und seit 1948 mit Dr. Dieter Roser den Oberbürgermeister. In den Gemeinde- und Kreistagswahlen dieser Jahre votierten die Esslinger allerdings mehrheitlich für das bürgerliche Lager. Der hohe Anteil der erstmals wahlberechtigten Heimatvertriebenen und Flüchtlinge schlug sich im Erfolg der Unabhängigen Wählergemeinschaft nieder, die am 7. Dezember 1947 bei der Gemeinde- und Kreistagswahl 8,3 und 10 Prozent erzielte. Mit 28 Prozent bei der Bundestagswahl 1949 und einem spektakulären Direktmandat sowie 22,3 Prozent bei der Landtagswahl 1952 verhalfen die Neubürger auch dem Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) zu respektablen Anfangserfolgen. Zu Beginn der 1960er Jahre gelang dann der CDU die Integration dieser Wählerschaft. Bei der Landtagswahl 1976 (51 Prozent) und bei der Bundestagswahl 1983 (47,4 Prozent) erzielte die CDU ihre besten Ergebnisse. Bei der SPD, die bei den Wahlen zum Landtag 1964 auf 46,3 Prozent und zum Bundestag 1972 auf 43,8 Prozent kam, wirkte sich spätestens seit den 1970er Jahren die allmähliche Auflösung ihres traditionellen Milieus aus. Dies zeigte sich am rechten Rand bei den Landtagswahlen 1968, als die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 9 Prozent errang, und 1992, als die Republikaner fast 14 Prozent der Wähler mobilisieren konnten. Vorwiegend jüngere, einstige SPD-Wähler ermöglichten seit 1980 den GRÜNEN die ersten Wahlerfolge, die im Gegensatz zu den rückläufigen Republikanern bei der letzten Bundes- und Landtagswahl 2005 und 2006 mit 12,8 beziehungsweise 14 Prozent ihren bisherigen Höchststand in der Stadt erreichten. Zu den kleineren Parteien mit Option auf den dritten Rang gehören auch die FDP, die in ihren besten Zeiten bei der Landtagswahl 1961 17,8 Prozent, und die Linke, die bei der Bundestagswahl 2005 3,9 Prozent der Wähler von sich überzeugen konnte. In der Regionalversammlung in Stuttgart, dem einzigen direkt gewählten Regionalparlament in Baden-Württemberg, ist die Stadt Esslingen seit 2004 mit jeweils einem Abgeordneten der CDU, der SPD und der Freien Wähler vertreten. Im Kommunalparlament hielt sich eine eigenständige politische Organisation der Vertriebenen und Flüchtlinge wesentlich länger als im Bundes- und Landtag. Noch 1975 kandidierte letztmals bei der Esslinger Gemeinderatswahl – allerdings erfolglos – eine reine Vertriebenenliste. Ähnlich beharrlich hielt sich auf der anderen Seite des politischen Spektrums als einziger Vertreter der KPD beziehungsweise deren Nachfolgeorganisation FWE Gemeinderat Hans Rueß, der erst infolge der Wahlniederlage 1971 nach 25-jähriger Zugehörigkeit seinen Sitz räumen musste. Seit 2004 entfallen im Gemeinderat auf die Fraktionen der CDU 13, der SPD elf, der Freien Unabhängigen Wählervereinigung (FUW) acht und der GRÜNEN fünf Sitze, über jeweils ein Mandat verfügen die FDP, die Republikaner und die Liste FÜR-Esslingen. Als Foren bürgerlicher Meinungsbildung gegenüber Mandatsträgern und Institutionen fungieren die für einzelne oder mehrere Esslinger Stadtteile gebildeten Bürgerausschüsse. Die Wurzeln dieser alle drei Jahre neu zu wählenden Gremien reichen bis in das Jahr 1948 zurück, als es zunächst um den Aufbau demokratischer Strukturen in der Kommune ging. Als Dachorganisation zum Erfahrungsaustausch und zur Koordination zwischen den Stadtteilen dient eine Arbeitsgemeinschaft aus Vertretern aller Ausschüsse. Bis 2009 werden die Bürgerinteressen der 1974 nach Esslingen eingemeindeten heutigen Stadtteile Berkheim und Zell durch Ortschaftsräte vertreten. Sie verfügen über einen begrenzten Entscheidungsspielraum und besitzen ein Anhörungs- und Vorschlagsrecht in allen örtlichen Angelegenheiten. Seit 1997 wird von allen weiterführenden Schulen für jeweils zwei Jahre ein 20-köpfiger Jugendgemeinderat als Interessenvertretung der 14- bis 19-Jährigen gewählt. Er berät den Gemeinderat und die Stadtverwaltung in allen Belangen der Jugendlichen und organisiert öffentliche Aktionen. Dem Leitgedanken der Verbindung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Interessen für eine nachhaltige Entwicklung unter öffentlicher Beteiligung ist der im Jahr 2000 von 15 Vertretern aus der Bürgerschaft, der Verwaltung und dem Gemeinderat konstituierte Esslinger Agenda-Rat verpflichtet. Ein kommunales Aktivbüro mit hauptamtlichen Mitarbeiterinnen bietet den lokalen Gruppen der Agenda 21 bei ihrer Projektarbeit zur Gestaltung der Zukunft Esslingens in den Bereichen Bildung, Kultur, Umwelt, Soziales und Gesundheit organisatorische Hilfestellung an. Bürgerschaftliches Engagement ist auch beim Stadtstrategieprozess ES 2027 gefragt, in dessen Rahmen die entscheidenden Weichen der Stadtentwicklung bis zum 1250-jährigen Stadtjubiläum im Jahre 2027 gestellt werden. Der heutige Landkreis Esslingen ging 1973 aus dem Zusammenschluss der Kreise Esslingen und Nürtingen hervor. Heute gehört Esslingen als Mittelzentrum mit 178 anderen Städten und Gemeinden zur Region Stuttgart (1974–1992 Regionalverband Mittlerer Neckar). Nach der 1974 erfolgten Eingemeindung von Berkheim und Zell am Neckar, gliedert sich Esslingen, einschließlich der Innenstadt und der Pliensauvorstadt, derzeit in 25 Stadtteile. Ein nachhaltiger Förderer der Europabewegung und insbesondere des Jugendaustausches war Oberbürgermeister Dr. Dieter Roser, der bis 1968 als Präsidiumsmitglied der Europa-Union Deutschland bundesweit im Sinne der Völkerverständigung wirkte. Auftakt der ersten Städtepartnerschaften Esslingens – mit Vienne (Frankreich) und Neath (Großbritannien) 1958, mit Udine (Italien) 1959, mit Norrköping (Schweden) und Schiedam (Niederlande) 1964 – bildete jeweils ein Jugendaustausch. Weitere Partnerstädte Esslingens sind seit 1967 Sheboygan in Wisconsin (USA), seit 1970 Velenje (Slowenien), seit 1987 Molodetschno (Weißrussland), seit 1991 Eger (Ungarn) und seit 1992 Piotrkow Trybunalski (Polen). Für die Vielzahl der partnerschaftlichen Aktivitäten und für herausragende Leistungen zur Förderung des europäischen Gedankens wurde Esslingen 1971 mit der Ehrenfahne und 2004 mit der Europaplakette des Europarats ausgezeichnet. Bei den bislang sechs Europawahlen seit 1979 war die Wahlbeteiligung in Esslingen mit Werten zwischen 36,7 (1999) und 63,3 Prozent (1994) vergleichsweise niedrig. 2004 entfielen auf die CDU 40,7 Prozent, die SPD 23,5 Prozent, die GRÜNEN 17,2 Prozent, die FDP 6,0 Prozent und die Republikaner 4,7 Prozent der Stimmen.

Wappen von Esslingen am Neckar

In Gold (Gelb) ein rot bewehrter schwarzer Adler mit einem von Grün und Rot gespaltenen Brustschild, darin die schwarzen Großbuchstaben С und E.

Beschreibung Wappen

Im Jahre 1219 wurde erstmals ein Esslinger Stadtsiegel erwähnt. Der früheste bekannte und noch erhaltene Siegelabdruck der Stadt aus dem Jahre 1232 weist bereits den Reichsadler auf. Zur Unterscheidung von den vielen anderen reichsstädtischen Adlerwappen wurde später der gespaltene Brustschild hinzugefügt, der - gemäß der Tracht der Stadtmiliz - vom 15. Jahrhundert an in den Farben Grün und Braun, seit 1600 aber in der gleichfalls regelwidrigen Farbenverbindung Grün und Rot erscheint. Letztere bestimmt seit 1601 auch die Stadtflaggen. Im Brustschild der Wappen sind seit dem 17. Jahrhundert auch die Buchstaben CE, für „Civitas Esslingensis", zu sehen.