Köngen - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1075

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Schon die Bauern der Jungsteinzeit nutzten den fruchtbaren Lössboden der beginnenden Filderebene. Besonders im Süden der heutigen Bebauung befinden sich Stellen von seltener Siedlungskontinuität. Mehrere Wohnplätze der Kelten der Hallstattzeit wurden dort nachgewiesen, vor allem ein Wagengrab eines keltischen Adligen am Brahmsweg. An der Denkendorfer Straße wurde unter anderem eine keltische Gesichtsurne gefunden. Den Bereich des keltischen Köngens nutzten auch die Römer, die seit etwa 85 nach Christus ein Kastell, ein Dorf (»vicus«) und ein ausgedehntes Gräberfeld entlang der Kehlstraße anlegten. Die Römer übernahmen den keltischen Siedlungsnamen Grinario (von »Grinnos« heißt der Bärtige). Auf der Anhöhe über dem Neckar verlief in römischer Zeit eine Straße an Kastell und Dorf Grinario vorbei, die von Rottenburg nach Cannstatt führte. Im Bereich von Grinario zweigte eine Straße ab, die den Neckar überquerte und entlang des Lautertals über Donnstetten weiter in Richtung Augsburg verlief. Nach der Verlegung der Reiterkohorte nach 165 nach Christus in das neu erbaute Kastell bei Lorch nutzten die Bewohner Grinarios das Kastellgelände und errichteten dort ein Badgebäude. Die Alemannen mieden anscheinend den Bereich des römischen Köngens und siedelten nördlich des alten Verlaufs der Denkendorfer Straße. Am Ortsausgang Richtung Denkendorf wurden mehrere alemannische Steinkistengräber gefunden. Sie markieren den südwestlichen Rand eines ausgedehnten Gräberfeldes, das sich bis in die Ortsmitte im Bereich der Eintrachthalle erstreckte. Der Bereich dieses Gräberfeldes wurde erst nach 1800 überbaut. In einer Mulde am linken Neckartalhang der Ort mit ehemaligem Schloss und steinerner Neckarbrücke (nach Plänen Heinrich Schickhardts 1600/02 errichtet). Vom Schwäbischen Albverein 1911 wiederaufgebaut wurde der Turm (Museum) an der Südecke des römischen Kastells. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten größere Ortserweiterungen durch neue Wohnsiedlungen im Osten (»Siedlung«, »Hausacker«, 1952/53, Bilderhäuslenstraße 1971/72), im Süden (»Burg« III 1965/67), im Südwesten (»Lindlen«, »Kehle«, »Mühlwiesen« 1954/55), im Westen (»Goldacker« 1960/61, »Burg« I 1971/72) und im Norden (»Hätzenbäume« 1965/67). Gewerbliche Niederlassungen entstanden in der Neckartalaue in den Bezirken »Wertwiesen« (1953/56), »Siechenwiesen« (1965) und »Ghai I« (1976). Die Sanierung des Ortskerns 1976/77 umfasste 1,2 Hektar.
Historische Namensformen:
  • Chuningin 1075
  • Kunigen
Geschichte: Mit der Nennung eines »Odascalch de Chuningin« als Zeugen in einer Urkunde König Heinrichs IV. wird Köngen 1075 erstmals erwähnt. Frühe Nennungen Köngens (Personenname »Kuno«) stehen im Zusammenhang mit Besitz und Rechten von Klöstern: Salem (1261 »Kunigen«), Denkendorf (1271) und Zwiefalten; letzteres verkaufte 1422–1436 seine kirchlichen Rechte an Albrecht Thumb von Neuburg. Auch das Kirchheimer Dominikanerinnenkloster erwarb 1330 und 1331 eine Hofstelle, verbunden mit kirchlichen Rechten. Nach 1347 erwarben die Grafen von Aichelberg kirchliche Rechte von den Grafen von Hohenberg, veräußerten sie dann aber in zwei Hälften an Konrad Reuß von Reußenstein und an Burkhard von Mannsberg. Über deren Erben gelangten 1384 und 1385 beide Widumhälften an das Kloster Denkendorf. 1259 übergab der Ortsherr, Graf Diepold von Aichelberg, Vogtrechte über Höfe an das Kloster Salem. Die Höfe hatte Salem schon 1229 von Gebino von Köngen und Heinrich von Boihingen erworben. Weitere Käufe des Klosters folgten 1296 von den Grafen von Aichelberg. Von den Aichelbergern gelangte die Ortsherrschaft an die Grafen von Hohenberg, die den Besitz 1336 an Albrecht von Aichelberg zurück veräußerten. Diesen Besitz brachte Gräfin Anna von Aichelberg mit in die Ehe, als sie 1382 Hans Thumb von Neuburg heiratete, einen Adligen aus Graubünden. Das Geschlecht der Thumb von Neuburg baute und besaß die Mühle am Neckar und das Schloss. Den Bereich des Neckarüberwegs veräußerten die Thumb von Neuburg 1452 an Württemberg, das schließlich, nach den Plänen von Heinrich Schickhardt, 1600–1602 die Ulrichsbrücke errichtete. Nicht zuletzt ermöglichten die Thumb von Neuburg den Bau der ortsprägenden Peter- und Paulskirche 1502 bis 1515, indem sie dort ihr Erbbegräbnis errichteten. 1665 erwarb Herzog Eberhard III. von Württemberg die eine Herrschaftshälfte mit dem Vorderen Schloss von dem katholisch gewordenen Friedrich Albrecht Thumb von Neuburg. 1678 vertauschte der herzogliche Administrator Carl Friedrich diese Hälfte gegen Besitzungen des Philipp Conrad von Liebenstein, kaufte sie aber 1687 zurück. Am 14. Januar 1739 kaufte Württemberg auch die zweite Hälfte von Köngen von Wilhelm Ludwig Thumb von Neuburg, im Tausch (mit Aufgeld) gegen die Herrschaft Unterboihingen. Köngen gehörte zum Kammerschreibereigut, blieb aber bis 1806 in Verbindung mit dem Ritterkanton Neckar-Schwarzwald. Im Schloss residierte ab 1739 ein württembergischer Vogt beziehungsweise Oberamtmann. Oberamtmann Jakob Roser meldete 1782 an Herzog Carl Eugen Römerfunde und vermutete eine Heerstraße. Herzog Carl Eugen befahl eine Großgrabung, deren zahlreiche Funde von Jakob Roser dokumentiert wurden. Erst viel später wurde deutlich, dass es sich dabei um das aus der Peutinger Tafel bekannte Grinario handelte. 1806-1808 war Köngen Sitz eines Oberamtes, das 1808 mit dem Oberamt Esslingen vereinigt wurde. 1519 versuchte Herzog Ulrich vergeblich, gegen die bündischen Truppen den Übergang über die Neckarbrücke zu erzwingen, die 1452 nach Erwerb des Fahrrechts von Württemberg errichtet worden war. Ehemaliges Schloss, einst mit Wassergraben umgeben.
Wirtschaft und Bevölkerung: Köngen besaß um 1600 etwa 1000 Einwohner. Ein großer Bevölkerungsverlust trat durch die Pest ein, die von 1609 bis 1611 wütete und 1627 erneut ausbrach. Sie raffte ein Drittel der Bevölkerung dahin. 1634, nach der Schlacht von Nördlingen, überfielen kaiserliche Truppen Köngen und töteten an einem Tag 109 Einwohner, die sich ins Köngener Schloss, das damals noch eine Wasserburg war, geflüchtet hatten. Bis 1640 waren mehr als 500 Einwohner dem Krieg zum Opfer gefallen. Beim Übergang der Herrschaft an Württemberg 1739 war der Bevölkerungsverlust wieder ausgeglichen (1008 Personen). Während des 30-jährigen Krieges hatten die Köngener ihre Marienglocke vergraben, die Meister Otto 1460 in Esslingen gegossen hatte. Für das örtliche Bewusstsein war diese große Glocke, die auch beide Weltkriege überlebte, sehr bedeutend; sie stellt noch heute das Gemeindewappen dar. Zwischen 1716 und 1728 entstand in Köngen eine Kostbarkeit: Der sprach- wie künstlerisch begabte Ortspfarrer Daniel Pfisterer (1699–1728) hielt in Versen und Zeichnungen jegliche Natur, vor allem aber die Menschen Köngens, ihre Berufe und Tätigkeiten, ihr Leben von der Geburt bis zum Tod fest. Naturgemäß sicherte die örtliche Landwirtschaft das Überleben. Das Getreide wurde in der herrschaftlichen Mühle am Neckar gemahlen. Der Weinbau an der Neckarhalde und am Altenberg war bedeutend. Eine freistehende Kelter befand sich beim Schloss. Der Ort besaß ausreichend fließendes Wasser, der Dorfbach entwässerte den Schlossgraben. 1384 und 1385 wird erstmals ein Marktrecht in Köngen erwähnt. Bis heute haben die Traditionen des Pfingst- und Herbstmarktes eine wichtige Bedeutung für die Gemeinde und ihr weiteres Umfeld.

Name: Schloss Köngen.

Ersterwähnung: 1135 [1135/38]
Kirche und Schule: In der Zwiefalter Chronik wird 1135/38 erstmals eine Kirche in Köngen erwähnt; sie ist auch 1275 genannt. Das Patrozinium Sankt Peter kann 1395, ab 1672 dann ein erweitertes Peter- und Paulspatrozinium, nachgewiesen werden. Bedeutend war auch die Kapelle Sankt Georg am Schloss. 1346/47 sicherte sich Graf Albert von Hohenberg, der Bischof von Würzburg war, nach anfänglichen Streitigkeiten mit dem Papst die Einkünfte der Köngener Kirche als Ausgleich für die Aufwendungen, die er im Kampf mit Albert von Hohenlohe um die Kirche von Würzburg gehabt hatte. Neben dem Widumhof gab es zum einen die Friedinger Pfründe, die auf Elsbet Thumb von Neuburg, geborene von Friedingen, zurückgeht. Sie stiftete 1462 eine Kaplanei auf den Sankt Magdalenenaltar in der Pfarrkirche und auf den Sankt Georgsaltar in der Schlosskapelle. Zum Zweiten übergab Agnes Bublerin 1478 ihre Güter zu Köngen an die Schwestern der Versammlung der willig Armen, die in ihrem Haus in der Goltergasse lebten, das Banfeld genannt wurde. Agnes Bublerin gehörte selbst dieser Beginenvereinigung an. Mit dem Bau der heutigen Peter- und Paulskirche 1502–1515 wurde die alte Pfarrkirche, die sich unterhalb der neuen im alten Friedhof befand, bis auf den Turm abgetragen (Abbruch 1722). Hans Friedrich Thumb von Neuburg führte 1531 unter dem Einfluss von Ambrosius Blarer die Reformation in Köngen ein. Zeitweise gewann der radikale schlesische Reformator Kaspar Schwenckfeldt prägenden Einfluss. Der Reformator hielt sich mehrfach in Köngen auf und richtete wichtige Sendbriefe an Hans Friedrich, seine Schwester Ursula, verheiratete von Hutten, und an den älteren Bruder Hans Konrad. Ab 1741 wurden die örtlichen Pfarrer visitiert, denen die Schule unterstand. Damals gab es einen Lehrer und einen Provisor, die winters 158, sommers 82 Kinder unterrichteten, 1763 schon 149 (100 Knaben und 49 Mädchen) und 106 (57 Knaben und 49 Mädchen) bei 1098 Einwohnern. Die weiter ansteigenden Schülerzahlen machten einen Schulhausbau notwendig, der 1788 an der Nordseite der Kirche verwirklicht wurde. 1802 war die Bevölkerung auf 1467 angewachsen und das Schulhaus zu klein, da nun 240 Kinder sommers wie winters die Schule besuchten. Die evangelische Pfarrkirche ließ das Denkendorfer Kloster durch Stephan Waid und Dionysius Böblinger erbauen (1502/15). Flachgedecktes Schiff mit reich bemalter Renaissance-Balkendecke von 1612/13. Hochragender Chor mit bemaltem Netzgewölbe und kunstvollen Maßwerkfenstern. Stattlicher Westturm von 1722/24. Spätgotischer, 1614 umgearbeiteter Schnitzaltar. 2 Pfarreien, 1966 evangelisches Gemeindehaus erbaut. Katholische Kirche 1954 konsekriert. Pfarrei zum Guten Hirten seit 1966.
Patrozinium: Hl. Petrus (ab 1672 St. Peter und Paul)
Ersterwähnung: 1395

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