Ellwangen (Jagst) - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Namensformen: Ellwangen
Ersterwähnung: 0764

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Auf einer Keuperterrasse im oberen Jagsttal wird die Stadt beherrscht vom Ellwanger Schloß und der Wallfahrtskirche Schönenberg, die jeweils einem Ausliegersporn der Liashochfläche aufsitzen. Die Altstadt gruppiert sich im Halbrund um den kirchlichen Kern des ehemaligen Stifts. Im 20. Jahrhundert kamen das Industrieviertel jagstwärts, die ausgedehnten Wohnsiedlungen an den Keuperhängen im Norden und Südosten des Stadtkerns sowie das Kasernenviertel gegen Schrezheim hinzu. Als größte der jüngeren Wohngebiete nach dem zweiten Weltkrieg sind die Goldrainsiedlung im Südosten und die Klosterfeldsiedlung im Nordwesten der Stadt zu nennen. — Das Bild des Stadtkerns wird noch heute weitgehend von Sakral- und Profanbauten aus der Zeit der Propstei Ellwangen bestimmt. Im Norden erhebt sich als Kern des ehemaligen Benediktinerklosters das romanische Münster St. Veit, die ehemalige Stiftskirche, seit 1964 Basilika minor, nach dem Brand von 1182 als dritte Kirche an dieser Stelle erbaut und 1233 eingeweiht, nach Gradmann »die bedeutendste unter den romanischen Gewölbebauten Schwabens«. Die Kirche wurde im Innern 1661/62 und besonders 1737/39 barockisiert und 1909 sowie 1960 gründlich renoviert. Im Süden der Stadt, am Platz der vielleicht schon um die Mitte des 8. Jahrhundert bestehenden Pfarrkirche, wurde nach 1427 die 1630 umgebaute Pfarrkirche St. Maria erbaut. Propst Albrecht von Rechberg ließ durch den Baumeister Hans Stieglitz aus Miltenberg den durch Brand zerstörten Kreuzgang (um 1468) und die Liebfrauenkapelle (1473) wiederherstellen und die spätgotische St.-Wolfgang-Kirche erbauen (1473/76). Seit 1611 bestand eine Jesuitenniederlassung, die später zu einem Kollegium mit Gymnasium erweitert wurde (erbaut 1720/23, seit Anfang 19. Jh. Gymnasium und Landgericht); die barocke Jesuitenkirche (erbaut 1724/29, von Thomas Scheffler aus Augsburg ausgemalt) ist jetzt evangelische Pfarrkirche. Das Kapuzinerklösterchen von 1728/29 beherbergt heute das Schulheim mit Kinderdorf »Marienpflege«. Das ehemalige Stiftsrathaus von 1436 wurde 1748 durch Stadtbaumeister A. F. Prahl durch einen Barockbau ersetzt, der bis zur Aufhebung der Fürstpropstei zugleich fürstliches Regierungsgebäude war und seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Zivilkammer des Landgerichts beherbergt. Ein besonderes Gepräge hat das Stadtbild durch eine Anzahl ehemaliger Stiftsherrenhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert: Gasthaus zum Grünen Hof, vormals Stadthaus des Fürstpropsts; die 1591 von Wolfgang Waldenberger aus Nördlingen erbaute Stiftsdekanei, später Wohnung des Regierungspräsidenten; die Kustorie von 1720; die spätere Oberamtei von 1505 mit einem Ecktürmchen; das spätere Kameralamt; das Forstamt von 1501 am Marktplatz (heute Landespolizei-Dienststelle) mit Marienstatue von 1697; das Adelmannsche Domherrenhaus beim ehemaligen Schloßtor, fünfeckig, mit gewölbter Durchfahrt einer Gasse; das heutige, 1857 bezogene Rathaus von 1725. Hervorragend ferner das Palais Adelmann (erbaut 1688, renoviert 1782) und der »Schwarze Adler«, ein später Renaissancebau mit interessanter Bemalung. Die ganze Stadt trägt das Gepräge der Barockzeit, in der besonders unter den reichen und kunstliebenden Fürstpröpsten Franz Ludwig von der Pfalz (1694 — 1732) und Franz Georg von Schönborn (1732 — 1756, zugleich Erzbischof von Trier und Bischof von Augsburg) eine rege Bau- und Kunsttätigkeit herrschte; auf diese Zeit geht auch die Gesamtanlage der sogenannten Schloßvorstadt zurück.
Historische Namensformen:
  • Elehenfanc 0764
  • Elchenwang 0814
  • Elenwanga 0887
  • Elwangen 0987
Geschichte: 764 Elehenfanc (Кор. 9. Jahrhundert), 814 Elchenwang, 887 Elenwanga, 987 Elwangen (nicht vom Tier Elch, sondern = abschüssige Wiese, Halde). Als erstes Benediktinerkloster des heutigen Württembergs wurde Ellwangen um 764 von dem Hochadeligen Hariolf und seinem Bruder Erlolf, Bischof von Langres, gegründet. Die Abtei, an einem alten Überlandweg vom Rhein zur Donau gelegen (K. Weller: »Nibelungenstraße«), sollte der Festigung des Christentums und der Stärkung der Karolingerherrschaft an der Ostgrenze des Frankenreichs dienen. Noch der Gründer stellte das Kloster unter den Schutz Pippins, dann Karls des Großen; Ludwig der Fromme verlieh ihm 814 die Immunität und das Recht der freien Abts wähl, 817 erschien es als Reichsabtei und war seit 979 exemtes Kloster unter päpstlichem Schutz. Kaiser Heinrich II. machte 1024 den Virngrundwald zu einem Bannforst mit ausschließlichem Jagd- und Fischereirecht des Abts. Eine Blütezeit hatte Kloster Ellwangen, das 870/72 als Verbannungsort des Slavenapostels Methodius diente, in der Karolingerzeit mit ungewöhnlich großem Konvent (838: 160 Personen) und wieder in der Stauferzeit, hier besonders unter dem auch reichsgeschichtlich bedeutenden Abt Cuno I. (1188 — 1221). Um 1136 gab Abt Helmerich den Anstoß zum Zusammenschluß der bis dahin getrennten Klostersiedlung (urbs) mit dem sich südlich anschließenden, schon im 8. Jahrhundert bestehenden Dorf (villa). Seit der Zeit Helmerichs läßt sich ein Markt nachweisen. Die erweiterte Stadt, 1229 erstmals als civitas bezeichnet, wurde im 13. Jahrhundert neu ummauert. Seit 1215 galten die Äbte als Reichsfürsten; von ihrer Herrschaft konnte sich die aufstrebende Stadt nicht befreien. Die Vögte des Klosters, die Grafen von Öttingen, hatten schon vor 1300 jeden Einfluß auf das Stadtgericht verloren und verkauften die Stadtvogtei 1387 ans Kloster. Das Stadtbild des Mittelalters wurde durch zahlreiche Stadtbrände nicht wesentlich verändert. Ellwangen war bis Anfang 13. Jahrhundert ein freiherrliches Kloster, nahm danach Niederadelige, aber keine Bürgerlichen auf. Seit 1370 bis gegen Ende 16. Jahrhundert spielte der an Württemberg vom Kaiser - allerdings nicht erblich - verliehene Schutz und Schirm über das Kloster und Stift eine bedeutende Rolle. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts zerrütteten Kriege, innere Streitigkeiten, schlechte Verwaltung, Zerfall der Ordenszucht und vielfaches Brandunglück das Kloster; wiederholte Versuche, durch eine »Ordnung und Sparung« dauernde Besserung zu schaffen, schlugen fehl und eine Reform im Sinne der Bursfelder Observanz wies das Kloster zurück. So wurde mit Zustimmung des Papstes 1460 das Kloster in ein weltliches exemtes Chorherrenstift mit einem Fürstpropst an der Spitze, einem Stiftskapitel von zwölf ritterbürtigen Chorherren und zehn Chorvikaren umgewandelt. Für das Kapitel wurden die drei Ämter Dekanat, Kustodie und Scholasterie geschaffen. Die Wahl des Propstes stand Dekan und Kapitel, seine Bestätigung dem Heiligen Stuhl, die Kollatur der Kanonikate aber Propst, Dekan und Kapitel zu. Die 1460 von Kardinalbischof Peter von Augsburg aufgestellten Statuten waren bald Gegenstand langwieriger Streitigkeiten zwischen Pröpsten und Kapitel; so ließ sich das Kapitel vor der Wahl des Propstes jeweils eine sogenannte Kapitulation ausstellen. Seit 1460 besserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse zusehends und der zusammengeschmolzene Besitz wurde in der Folge kräftig erweitert. Der geschlossene Besitz umfaßte gegen Ende der Fürstpropstei einen großen Teil des früheren Landkreis Aalen und griff in die vormaligen Landkreise Crailsheim, Schwäbisch Gmünd und Schwäbisch Hall über; die Einwohnerschaft betrug um 1800 etwa 20000 Seelen. Der teilweise sehr alte Streubesitz war an adelige Vasallen ausgegeben (das heißt er war in Wahrheit entfremdet), so Schriesheim und Schloß Strahlenberg an die Pfalz bei Rhein, Schloß Heuchlingen an den Deutschen Orden, Leineck an Württemberg; auch Bayreuth war zeitweise ellwangisches Lehen der Burggrafen von Nürnberg. Abhängige Propsteien waren im Mittelalter zu Hohenberg, Frauen- oder Jagstzell und Wiesenbach (Rhein-Neckar-Kreis). — Der »geforstete Propst und Herr zu Ellwangen« vereinte alle oberste Staatsgewalt eines reichsunmittelbaren Regenten in sich, saß auf der geistlichen Fürstenbank des Reichs an 29. Stelle und wechselte mit Kempten im Vorrang bei den schwäbischen Kreistagen ab. Dem Propst zur Seite stand, ihm als Landesherrn untergeordnet, das Kapitel. Einkünfte und Stiftsbesitz waren seit 1460 so geteilt, daß dem Propst 2/3, dem Kapitel 1/3 zustanden. In der recht umfangreichen Verwaltungsorganisation hatte das Kapitel eigene Beamte; sein Grundbesitz wurde durch das sogenannte Kapitelamt verwaltet. — Wissenschaftlich taten sich im 9. Jahrhundert der Mönch (Abt?) Ermenrich und im 16. Jahrhundert der Kanoniker und Humanist Konrad von Adelmann hervor. Vom 12. bis 15. Jahrhundert entstanden im Kloster mehrere chronikalisch-annalistische Geschichtsaufzeichnungen, auch für die schwäbische Geschichte teilweise recht bedeutsam. — Besonders durch den Chorherrn Hans von Gültlingen fand evangelisches Gedankengut seit 1520 auch in Ellwangen Eingang, doch unterdrückte Propst Heinrich 1524/25 die Reformationsbestrebungen und überwand auch den Bauernhaufen, der die Stadt geplündert hatte. Heinrichs Nachfolger Kardinal Otto Truchseß von Waldburg sorgte durch eine vielseitige gesetzgeberische Tätigkeit für den inneren Ausbau des Territoriums und berief Pater Petrus Canisius SJ nach Ellwangen. Die Propstei war Mitglied der katholischen Liga; im 30 Jährigen Krieg mußte sich Ellwangen 1632 den Schweden ergeben. Diese schenkten 1633 Propstei und Stadt ihrem Bundesgenossen Graf Kraft von Hohenlohe-Neuenstein, der aber nach der Schlacht bei Nördlingen 1634 die Propstei wieder aufgeben mußte. Durch die Säkularisation fielen Stadt und Fürstpropstei 1802/03 an Württemberg; Kurfürst Friedrich machte Ellwangen zum Sitz der Regierung von Neuwürttemberg (bis 1805) und einer der neuen Landvogteien. 1817—1924 war Ellwangen Sitz der Kreisregierung des Jagstkreises, 1817 — 1849 auch einer Finanzkammer. Das seit 1803 bestehende württembergische OBERAMT Ellwangen wurde 1938 aufgehoben, es ging im Landkreis Aalen auf. 1811 — 1918 hatte Ellwangen den Rang einer »Guten Stadt« des Königreichs mit dem Recht, einen eigenen Abgeordneten in den Landtag zu wählen. Von König Friedrich I. zunächst als Sitz des katholischen Landesbistums vorgesehen, erhielt Ellwangen 1812 Generalvikariat, Priesterseminar und eine katholisch-theologische Universität; letztere wurde als Fakultät der Universität Tübingen angegliedert, die anderen Institutionen 1817 nach Rottenburg verlegt. Besondere Bedeutung für die Stadt hat der seit dem frühen 16. Jahrhundert jeweils Anfang Januar abgehaltene Pferde-, Vieh- und Krämermarkt, der sogenannte »Kalte Markt«. — Seit dem 19. Jahrhundert wurde Ellwangen Garnisonstadt. — Aus dem Mittelalter sind zahlreiche Großbrände überliefert.
Ersterwähnung als Stadt: 1229

Name: Schloss Ellwangen
Datum der Ersterwähnung: 1200 [um 1200]

Ersterwähnung: 0764
Kirchengeschichte: Die Abteikirche zu den Heiligen Petrus und Paulus, später St. Vitus, die sogenannte Stiftskirche, war Pfarrkirche der exemten Stiftspfarrei; daneben bestand (seit vor 1259 dem Kloster inkorporiert) die Pfarrkirche St. Maria, doch wohl Kirche der alten bäuerlichen Siedlung. 1818 wurden beide Pfarreien vereinigt und die Stiftskirche zur alleinigen Stadtpfarrkirche bestimmt. 1969 wurde eine zweite Pfarrei (St. Wolfgang) geschaffen; außerdem besteht die Seelsorgestelle Klosterfeld. — Der mittelalterliche Bau, 1233 geweiht, wurde 1737/39 durch Donato Riccardo Retti barockisiert und 1960/64 gründlich restauriert. Grundriß nach dem Hirsauer Schema, Aufbau nach dem Vorbild des Wormser Doms; Schiff mit drei Doppeljochen und Nebenchören, Turmpaar über dem ersten Joch der Nebenchöre, Westturm über der Vorhalle. Aus dem Mittelschiff führen elf Stufen zum Chor. Im Raum unter der Vierung die 1961 restaurierte Krypta. Als Paradies das »alte Stift«. Ostansicht mit fünf Apsiden, zwei Türmen, Ost- und zwei Querschiffgiebeln, Innenausstattung: zwei große Altäre im Querschiff; der nördliche von 1612, der südliche 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. In der Vorhalle Kreuzaltar (spätmanieristisch um 1610) mit großer Kreuzigungsgruppe; auf den Flügeln vier Passionsreliefs. Mittelstück eines Annenaltars, spätgotisch um 1510. Wichtigste Bildwerke: spätromansiches Südportal (frühes 13. Jahrhundert), über der südlichen Nebenapsis Löwe und Jünglingskopf (antik), am südlichen Kreuzgiebel spätmanieristisch. Relief des Weltgerichts (1588). Wichtigste Grabplatten: kunstvoller Bronzeguß der Stifter Hariolf und Erlolf im südlichen Querhaus, aus der Schule von Peter Vischer, für Ulrich von Ahelfingen (gestorben 1339), für Abt Johannes von Holzingen (gestorben 1452), für Albrecht (gestorben 1464) und Margret von Schwabsberg (gestorben 1476). Bronzerelief im nördlichen Querhaus von Peter Vischer: Epitaph der Pröpste Johann von Hirnheim (gestorben 1460) und Albrecht von Rechberg (gestorben 1502). Wandmalereien: im Kreuzgang spätgotisch (um 1500), im nördlichen Querhausarm Stiftsheilige (frühes 16. Jahrhundert), in der Wolkensteinkapelle von J. S. Hueber (1707). Spätgotisches Stiftsgebäude mit Kreuzgang von 1468. Liebfrauenkapelle mit hochgotischer Madonna um 1350, Kapitelstube von Meister Hans Stieglitz 1470/75. Gotische Marienkirche von 1427, umgebaut 1630 und 1735, spätbarocke Decken- und Altarbilder von Edmund Widemann, auf dem Hochaltar spätbarocke Silberstatue von Ignaz Emmer 1748. Spätgotische Wolfgangskirche von 1473 (seit 1969 Pfarrkirche) auf dem Friedhof, einschiffig mit netzgewölbtem eingezogenem Chor von Hans Stieglitz aus Miltenberg. Spätgotische Skulpturen der Heiligen Johannes und Hieronymus von Jörg Syrhn dem Jüngeren. Spätgotischer Holzkruzifix um 1490, frühbarocke Assistenzfiguren. Jesuitenkirche (1802 evangelische Garnisons-, seit 1817 evangelische Stadtpfarrkirche), 1724 von den Ordensbrüdern Jakob Amrhein und Josef Guldimann spätbarock erbaut, einschiffiger Raum mit Kapellen und Emporen an den Abseiten. Illusionistisch ausgemalt 1726 durch den Asamschüler Christoph Thomas Scheffler. Kunstvolles Vorhallengitter. Jesuitenkollegium im Régencestil 1720 fortfolgend; im Kongregationssaal Fresken von Scheffler, in der Bibliothek Fresken von Anton Haffner, Stukkaturen von Melchior Paulus.
Patrozinium: St. Petrus und Paulus, später St. Veit / St. Maria / St. Wolfgang
Ersterwähnung: 0764

GND-ID:
  • 4014491-4
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