Bad Liebenzell - Altgemeinde~Teilort 

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Typauswahl: Ortsteil – Historisches Ortslexikon
Typ: Teilort
Ersterwähnung: 1100 [im frühen 12. Jahrhundert]

Ortslage und Siedlung
(bis 1970):
Die Stadt mit ihrem dichtbebauten mittelalterlichen Kern mit teils noch steilgiebligen gotischen Häusern liegt im Nagoldtal an der Einmündung des Lengenbachs unmittelbar unterhalb des Burgbergs, dessen Burgruine die mächtige Schildmauer der Bergseite zuwendet. Die jüngeren Stadtbereiche im Nagoldtal und am südlichen Hang des Lengenbachtals werden durch die moderne Bäderstadt- und Fremdenverkehrsfunktion geprägt. Teils größere Neubauten von Kurhäusern, Pensionen und Hotels heben sich dort von der Wohnbebauung ab. Im nördlichen Stadtbereich entstand am linken Hang des Na­goldtals unterhalb der Burg ein Neubaugebiet mit Ein- und Mehrfamilienhäusern so­wie dem großen, zum Teil hochhausartigen Baukomplex des Kurheims der Landesversi­cherungsanstalt Württemberg und das im Stadtbild hervorstechende Hochhaus der Liebenzel­ler Mission. Auf dem benachbarten Talboden der Nagold dehnen sich Sportanlagen, ein Freibad und ein Campingplatz aus. Zwei größere geschlossene Neubaugebiete zie­hen am teils steilen rechtsseitigen Hang des Nagoldtals hinauf, eines ganz im Norden der Stadt, das andere östlich und südöstlich des Stadtkerns.
Historische Namensformen:
  • Chele 1100 [im frühen 12. Jahrhundert]
  • Celle 1130 [um 1130]
  • Zell 1190 [um 1190]
  • Liebenzella 1250
Geschichte: Frühes 12. Jahrhundert (Кор. 16. Jahrhundert) Chele, um 1130 (Chronik) Celle, um 1190 (Кор. 16. Jahrhundert) Zell. Der Name meint eine geistliche Niederlassung, die vielleicht im 9. Jahrhundert durch Hirsau gegründet wurde. Daß es ein Nonnenkonvent gewesen sei, ist reine Vermutung. Die erst ab 1250 greifbare Form Liebenzell (Liebenzella) kann nicht auf die Heilige Lioba zurückgeführt werden. Aus dem Besitz der Calwer Grafen ging durch Schenkung Utas, der Gemahlin Welfs VI., um 1190 das »oppidum« Zell an Kloster Hirsau über. Die Herrschaftsrechte kamen aber wohl über die Vogtei bald danach an die Herren von Eberstein, die hier ein ab 1250 bis etwa 1350 bekanntes Ministerialengeschlecht hatten. Insgesamt sind in Liebenzell drei Burgen beziehungsweise burgartige Befestigungen bekannt: Die Burg Liebenzell selbst, eine Anlage des 13. Jahrhunderts mit in die Schildmauer eingefügtem Bergfried und unregelmäßigem, später er­weitertem Bering auf einem Bergsporn nördlich des Langenbachs. Südlich davon auf dem Fin­kenberg, nahe dem Ort, eine durch tiefen Graben gesicherte Anlage, in der Überlie­ferung Kloster genannt. Vielleicht dies das oppidum von etwa 1190. Darüber am Steinberg Spuren eines Burgstadels. Ludwig von Liebenzell, der in den Deutschen Orden ein­trat und im Kampf gegen die Heiden in Preußen große Verdienste erwarb, überließ Burg und Herrschaft 1272 dem Orden. Von diesem hat sie Markgraf Rudolf als Erbe der Grafen von Eberstein sogleich 1273 wieder ausgelöst. 1358 wurde Liebenzell an Pfalzgraf Ru­precht I. verpfändet. Obwohl dieser erst 1390 auf seine Rechte verzichtete, waren die Markgrafen bereits 1388 wieder im Besitz von Burg und Herrschaft. Damals wurde Liebenzell erstmals als Stadt bezeichnet. Diese Stadt war eine kleine, etwa ovale Anlage, in loser Verbindung mit der Burg stehend, von einer Straße an der Schmalseite durch­zogen und mit einem dritten Ausgang zur Burg hin versehen. Der Wiederaufbau nach dem Brand von 1785 vernichtete die alte Grundstückseinteilung. Liebenzell erscheint im 15. Jahrhundert als badisches Amt und Sitz eines Vogtes. Die Burg zerfiel im Lauf des 16. Jahrhunderts. Bei der Landesteilung von 1535 kam Liebenzell zum Pforzheim-Durlacher Landesteil und im gro­ßen Austausch von 1603 an Württemberg. Es blieb eigenes Amt, wurde aber 1807 Calw un­terstellt, 1810 Neuenbürg zugeschlagen. Die Stadt selbst und wenige Gemeinden ka­men 1842 wieder zum Oberamt Calw.
Ersterwähnung als Stadt: 1388 [um 1388]
Wirtschaft: Von wirtschaftlicher Bedeutung war der bereits Ende des 14. Jahrhunderts bekannte Badebetrieb, 1403 das untere Bad bezeugt, das obere noch 1415 als neues Bad bezeichnet. Außer den Mühlen Holzhandel und in der frühen Neuzeit Tätigkeit für die Calwer Textilindustrie. 1727 das erste Kurhaus errichtet, um 1800 Rückgang des Kurbetriebs, seit etwa 1890 Wiederaufbau mit neuen Anla­gen. 1926 die Stadt zum Bad erhoben.

Name: Burg auf dem Finkenberg, sogenanntes Kloster / Burg Liebenzell / Burgstadel (Reste)
Datum der Ersterwähnung: 1190 [um 1190]

Ersterwähnung: 1190 [um 1190]
Kirchengeschichte: Die Kirche, schon in der Schenkung Utas an Hirsau erwähnt, steht außerhalb der Stadtfläche, wie überhaupt die ältere Besied­lung großenteils nicht in die Stadt einbezogen wurde. Patrozinium St. Blasius (1423). Das Patronat trat Hirsau nach der Reformation von 1556 an Baden ab, von 1603 an war es württembergisch. Der alte Pfarrsprengel, vielleicht selbst ursprünglich von Möttlingen abhän­gig, aber wohl noch im Hochmittelalter selbständig, reichte bis Monakam, Dennjächt, Un­terreichenbach, Bieselsberg, Schwarzenberg, Schömberg, Höfen, Calmbach, Wildbad, Igelsloch, Unterkollbach und Ernstmühl. Zur evangelischen Pfarrei gehört heute lediglich die Stadt. Die Kirche hat noch einen frühgotischen Chor, einen spätromanischen Turm und ist sonst ein Bau von 1891. Seit 1902 ist Liebenzell Sitz einer evangelischen Missionsgesellschaft. Seit 1963 katholische Pfarrei St. Lioba mit Kirche von 1961, auf unregelmäßigem polygonalem Grundriß mit tief herunter­gezogenem Satteldach und Dachreiter. Zum Pfarrsprengel gehören Beinberg, Bieselsberg, Hirsau, Kapfenhardt, Möttlingen, Monakam, Ottenbronn, Unterhaugstett, Unterlengenhardt und Unterreichenbach.
Patrozinium: St. Blasius / St. Lioba
Ersterwähnung: 1423

GND-ID:
  • 4126428-9
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