Konstanz, Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen »im Turm« 

Kurzbeschreibung:

um 1340 Gründung – spätestens 1446 Dritter Orden der Franziskaner – nach 1526 Aufhebung in der Reformationszeit

Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) Minoritenprovinz, Kustodie Bodensee
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, kein Landkapitel

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung, Franziskanerterziarinnen »im Turm« 1340-1526
Beschreibung:

Name: magistra et pauperes sorores in domo congregationis nuncupata im Turn (1419);1 swestern jm Thurn (1444);2 schwoesterhus ze den Barfueßen, genant im Thurn (1493);3 swesteren byen Barfussern (1508);4 swesterhus zum Thurn (1509)5

Geschichte

Kurz nachdem ihr Mann verstorben war, schenkte Elisabeth, die Witwe des Schaffhauser Schultheißen Friedrich von Randegg († 1336), ihr in der Stadt Konstanz gegenüber dem →Franziskanerkloster gelegenes Haus, die eine Hälfte dem Spital von Schaffhausen, die andere den zwei Schwestern Willinen von Arbon und Elisabeth von Rottweil. Im Jahr 1340 verkaufte das Spital seine Haushälfte an die beiden Schwestern und deren gespilinen, die got dienen went in dem selben hus mit iro gebeten. Die Rede ist noch von wollen (went), noch nicht von dienen. Präzisiert wird überdies, dass das besagte Haus zwischen dero húser in dem Turm vor der bruederkilchen läge.6 Am 6. September 1342 erfolgte die nach Konstanzer Stadtrecht notwendige Übergabe der Eigenschaft von Haus und Hofstatt an die drei Salleute Uolrich in der Búnde, Hug in der Búnd und Ruodolf der Ruhe.7

Ob die räumliche Nähe zu den Franziskanern auch die Spiritualität der Gemeinschaft beeinflusste, ist für die Anfangsphase der Schwestern im Turm nicht klar. In der Jahrzeitstiftung der Ursula von Roggwil vom 2. Februar 1419 werden die Schwestern als deodatis et in Christo devotis magistre et pauperibus sororibus in domo congregationis nuncupata im Turn adressiert.8 Erst rund einhundert Jahre nach der Ersterwähnung der Gemeinschaft wird aus der Anordnung des bischöflichen Generalvikars an den Leutpriester zu →St. Stephan in Konstanz deutlich, dass die Schwestern dem Franziskanerorden zugehörten.9

Unter den vier Konstanzer Schwesternhäusern des 15. Jahrhunderts ist das Haus im Turm die Einrichtung, die am seltensten bedacht wurde. Waltpurg Moltzin verband 1493 ihre Erbeinsetzung (alles, das ich denn verlon, es sig barschafft, claider, húsrat, werck vnnd annders) zugunsten des Schwesternhauses mit der Auflage, dass die Schwestern in Gemeinschaft leben müssten, das sy ain gemaind habint mit ain andern als gaistlichen lútten zuogehort.10 Sollte dies nicht der Fall sein, sollten die vom Rat bestellten Pfleger mit den Schwestern reden. Ließen sie sich nicht dazu bewegen, in Gemeinschaft zu leben, solle ihr Gut an die schwoestren in der Mettenleren hus [= Mäntellerinnenhaus] gehen.

Wie alle anderen Konstanzer Schwesterngemeinschaften war das Haus im Turm 1478 unter die Pflegschaft des Rates gestellt worden,11 der zu Beginn des 16. Jahrhunderts auch über die Aufnahme und den Ausschluss der Schwestern beschied.12 Die Überlieferung bleibt aber dürftig; auch über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Hauses ist wenig bekannt. Diese Verhältnisse scheinen insgesamt eher bescheiden gewesen zu sein.13

1508 und 1526 erscheinen die Pfleger der swesteren byen Barfussern vor Gericht wegen ausstehenden Hauszinsen.14 Am linken Rand des Eintrags finden sich verschiedene Figürchen sowie durch Farbe und Größe hervorgehoben das Bild eines Turmes.15 In der Reformation scheint sich die Gemeinschaft aufgelöst zu haben; ihr bescheidener Besitz wurde aber erst 1547 der städtischen Almosenstiftung übergeben.16

Bibliographie

Handbücher und Lexika: HelvSac IX,2, S. 437–442 (Andreas Wilts); kloester-bw, Franziskanerinnenkloster im Turm Konstanz (Elmar L. Kuhn).

Anmerkungen

  • 1 StadtA KN Urkunde Nr. 8630.
  • 2 StadtA KN Gemächtebuch A IX 1, S. 150.
  • 3 StadtA KN Gemächtebuch A IX 2, S. 272.
  • 4 StadtA KN Ratsprotokolle B I 27, fol. 160 r.
  • 5 StadtA KN Ratsprotokolle B I 27, fol. 303 r.
  • 6 Beyerle 1902, Nr. 212 S. 275.
  • 7 Beyerle 1902, Nr. 214 S. 276 f.
  • 8 StadtA KN Urkunde Nr. 8630.
  • 9 REC IV, Nr. 1120 (1446).
  • 10 StadtA KN Gemächtebuch A IX 2, S. 272.
  • 11 StadtA KN Ratsprotokolle B I 13 a, S. 63, 121, 190 etc. (1478, 1479, 1480 etc.)
  • 12 StadtA KN Ratsprotokolle B I 21, S. 98 (1501).
  • 13 StadtA KN Gemächtebuch A IX 2, S. 412 ‒ 415, 439 ‒ 441, 486, 516.
  • 14 StadtA KN Ratsprotokolle B I 27, fol. 160 r‒ 160 v; StadtA KN Ratsprotokolle B I 34, fol. 171 v‒ 172 r (1526).
  • 15 StadtA KN B I 34, fol. 172 r.
  • 16 StadtA KN G II Nr. 194/4, 346, 351, 354, 357 f
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Gabriela Signori [Autor]
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)