Durbach, Bruderhaus St. Anton 

Kurzbeschreibung:

1455 Ersterwähnung – 1478 franziskanische Drittsordensregel belegt - 1575 letztmalige Nennung

Patrozinium: Antonius
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Offenburg

Ortsbezüge:
  • Durbach
  • Durbach, Ortenaukreis
Ordensregel:
  • Bruderhaus St. Anton 1455-1575
Beschreibung:

Name: bruderhus sant Anthonien gelegen in der hart zu Stauffenberg und by sunder den armen brüdern, die denn ir wonung do haben (1455);1 bruder Lorentzen Siving von Phaffenhoffen der dritten regel (1478)2

Geschichte

1455 vermachte Hans Vittel von Nesselried seinen gesamten Besitz dem bruderhus sant Anthonien gelegen in der hart zu Stauffenberg und by sunder den armen brüdern, die denn ir wonung do haben.3 Eine Gründung des Bruderhauses, das sich neben einer Kapelle befand, als Terziarengemeinschaft durch die Offenburger →Franziskaner in den 1450er Jahren wird von der älteren Literatur angenommen, ist aber nicht belegbar. Erst 1478 ist die Zugehörigkeit zum Dritten Orden der Franziskaner nachweisbar.4 In einem Streit mit Melchior Widdergrün von Stauffenberg, Pfleger der Kapelle und des Bruderhauses, wurde der Bruder Lorenz Siving von Pfaffenhoffen von dem Pfleger gefangengesetzt, sehr wahrscheinlich wegen Auseinandersetzungen über die Rechnungslegung und das Betteln, und erst nach einem Vergleich vor Jörg Summer, Visitator der Brüder und Schwestern des Dritten Ordens der Franziskaner, wieder frei gelassen.5 Aus der Urkunde geht auch hervor, dass zu diesem Zeitpunkt noch weitere Brüder in Durbach lebten, die genaue Anzahl ist allerdings unbekannt. Es ist das einzige Mal, dass Bewohner des Hauses fassbar werden, so dass nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, wann dort das religiöse Leben erlosch. 1528 wurde letztmals ein Pfleger des Bruderhauses erwähnt und nach 1575 verschwand auch dieses aus den Quellen, während die Kapelle weiterhin präsent bleibt.6

Bau- und Kunstgeschichte

Das Bruderhaus mit Kirche wurde im südlichen Bereich des Staufenberger Hardtwalds auf einer Kuppe errichtet. Die als Ruine erhaltene, annähernd geostete Kirche steht nahe der nordwestlichen Hangseite, an der der Stöckweg aus Ebersweier und Wiedergrün hinaufführt. Das Bruderhaus befand sich südwestlich der Kirche, höher am Hang gelegen. Es ist modern überbaut, historische Bausubstanz ist in einem Erdkeller ablesbar geblieben.

Die baulichen Reste der 17,5 m langen Saalkirche mit eingezogenem Altarraum und halbrunder Apsis gehen wohl auf einen Neubau von 1524 zurück, auf kriegsbedingte Beschädigungen in den 1630er Jahren und um 1704 erfolgten Wiederaufbaumaßnahmen. In der Südwand ist der Konsolstein einer barockzeitlichen Außenkanzel erhalten, in der Westwand öffnen sich barocke Okuli.

Spätestens seit der 1790 erfolgten Weihe der nahegelegenen Pfarrkirche St. Heinrich in Durbach befindet sich das Areal in Privatbesitz. In der Folgezeit wurden für bauliche Erweiterungen des Hofareals mehrfach Werksteine entnommen. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte eine Umnutzung des Kircheninneren für landwirtschaftliche Zwecke durch Einbauten sowie Teilniederlegungen der Nord- und Südwand des Kirchenschiffs für einen Fahrweg. Das Bewusstsein um die historische Bedeutung führte in den Jahren 1988–95 zu einer Sanierung und romantisierten Neuinszenierung der Kirchenruine, die prägend für das heutige Erscheinungsbild sind. Fragmente von Tür- und Fenstergewänden wurden als Spolien verwendet.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: KDM Bd. 7, S. 333 (Max Wingenroth).

Literatur: Heizmann 1925; Müller 1978 (d).

Anmerkungen

  • 1 GLA 37 Nr. 980.
  • 2 GLA 37 Nr. 982.
  • 3 GLA 37 Nr. 980.
  • 4 Heizmann 1925; Müller 1978 (d), S. 481 f.
  • 5 GLA 37 Nr. 982.
  • 6 GLA 37 Nr. 2995, 4428
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Johannes Krämer [Autor]
  • Ellen Schumacher [Autor]
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