Hohentwiel, Benediktiner 

Kurzbeschreibung:

vor 973 oder vor 994 Gründung durch Herzog Burchard von Schwaben und/oder seine Gemahlin Hadwig – 994 Tod Hadwigs – 1005 Verlegung nach Stein am Rhein

Patrozinium: Maria, Georg und Cyrill
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Engen

Ortsbezüge:
  • Hohentwiel
  • Singen (Hohentwiel), Landkreis Konstanz
Ordensregel:
  • Benediktiner 973-1005
Beschreibung:

Namen: nomina fratrum de monasterio quod dicitur Duellum (2. Hälfte 10. Jh.);1 de monte Duello antiquioris scilicet monasterii loco (1005);2 in castello suo quod est in monte Duello monasterium constituerunt (1156)3

Geschichte

Nach chronikalischer Überlieferung aus dem 11. und 12. Jahrhundert wurde auf dem Hohentwiel entweder durch Herzog Burchard II. von Schwaben (954–973) und seine Gemahlin Hadwig († 994) gemeinsam vor 973 ein Kloster gegründet4 oder durch letztere allein, nach dem Tod ihres Gemahls, also vor 994.5 Ein zeitgenössischer Eintrag des →Reichenauer Verbrüderungsbuches, sicher noch aus dem 10. Jahrhundert, belegt einen Konvent von 27 Mönchen auf dem Berg.6 Das ist eine durchaus respektable Größe, denn für das weitaus bedeutendere Kloster auf der Reichenau wurden um dieselbe Zeit 76 Namen eingetragen, für Einsiedeln ähnlich viele wie für das Hohentwielkloster. In den Erzählungen des um 1050 schreibenden St. Galler Mönches Ekkehart IV. treten Herzogin Hadwig, ihr Hof und das Kloster auf dem Hohentwiel in den Szenen plastisch hervor, in denen er von dem Wirken des St. Galler Mönchs und Lateinlehrers der Herzogin Ekkehard II. erzählt.7 Die St. Galler Klostergeschichten offenbaren dabei die Stellung der Herzogin Hadwig in Schwaben und verweisen indirekt auch auf die Funktion des Burgklosters. Hadwig übte als Witwe Herzog Burchards offenkundig eine herzogliche Herrschaft über den Bodenseeraum und angrenzende Gebiete aus, und damit über die Kernlandschaft des Herzogtums mit dem Bistumssitz Konstanz, der Pfalz Bodman, den Königsklöstern auf der Reichenau und in St. Gallen. Die Burg auf dem Hohentwiel, einem weithin sichtbaren, raumbeherrschenden Vulkankegel, war der repräsentative Sitz der Herzogin. Burg und Kloster waren aufeinander bezogen. Da der Gemahl der Herzogin, Herzog Burchard II., auf der Reichenau bestattet wurde, war das Kloster wohl nicht als Grablege gedacht. Vielmehr hatte es eine Funktion für die Hofhaltung Hadwigs, war somit Teil einer durchaus nicht unüblichen Doppelstruktur aus (Herzogs-)Pfalz und Kloster bzw. Stift. Auf eine besondere Bedeutung des Klosters weisen auch seine Patrozinien und die Reliquien hin. Schon ein Hymnus des 10. Jahrhunderts besingt das Kloster als Ort der Georgsverehrung.8 Die im Reich sonst nicht belegte Verehrung des Hl. Cyrill offenbart weitgespannte, byzantinisch-griechische Bezüge.

Nach dem Tod Hadwigs im Jahr 994 wurde der Hohentwiel zwei Mal von Kaiser Otto III. (983–1002) besucht (994 und 1000), er behielt also seine Funktion als Burgpfalz.9 Sein Nachfolger Heinrich II. (1002–1024) verlegte das Kloster 1005 nach Stein am Rhein und übertrug es wenig später an das von ihm gegründete Bistum Bamberg.10 In Stein am Rhein bestand es bis 1525 bzw. bis zu seiner Inkorporation in Petershausen 1581 fort.

Aus Königsurkunden Heinrichs II., von 1005 und 1007, von denen allerdings eine im 12. Jahrhundert deutlich verfälscht wurde, wird Begüterung des Klosters sichtbar, die zu dieser Zeit als Reichsgut angesehen wurde. Von 14 genannten Orten lagen drei in unmittelbarer Nähe des Berges, weitere im mittleren Hegau, der überwiegende Teil aber nördlich der Donau im Schwarzwald und auf der Baar.

Über Lage und Gestalt des Klosters auf dem Hohentwiel lässt sich nach dem Ausbau der mittelalterlichen Burg zu einer frühneuzeitlichen Festung nichts Sicheres sagen.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Deutsche Königspfalzen Bd. 3,4, S. 220–234 (Helmut Maurer); GermBen V, S. 309–312 (Franz Quarthal); HelvSac III,1, S. 1546–1563 (Heinrich Waldvogel); KB Konstanz Bd. 4, S. 215–220 (Kurt Andermann).

Literatur: Beyerle 1957; Maurer 1977; Bumiller 21997; Dendorfer 2013.

Anmerkungen

  • 1 Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau (MGH Libri mem. N.S. 1), S. 149.
  • 2 MGH D H II., Nr. 511 S. 65 4-656.
  • 3 Chronik des Klosters Petershausen, c. 43 S. 74 f.
  • 4 Chronik des Klosters Petershausen, c. 43 S. 74 f.
  • 5 Ekkehart IV., St. Galler Klostergeschichten (MGH SS Rer. Germ. 82), c. 94 S. 410.
  • 6 Verbrüderungsbuch der Abtei Reichenau (MGH Libri mem. N.S. 1), S. 149.
  • 7 Ekkehart IV., St. Galler Klostergeschichten (MGH SS Rer. Germ. 82), c. 9 0-98 S. 39 8-422, c. 116 S. 462.
  • 8 Drewes/Blume 1908, Nr. 155 S. 180.
  • 9 MGH D O III., Nr. 154 S. 37 0-72.
  • 10 MGH D H II., Nr. 171 S. 20 1-203, Nr. 511 S. 65 4-656
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Jürgen Dendorfer [Autor]
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