Honau, Kollegiatstift St. Michael 

Kurzbeschreibung:

um 722 Ansiedlung irischer Mönche auf einer nördlich von Straßburg gelegenen Rheininsel – Ende des 11. Jahrhunderts Kollegiatstift – 1290–1292 Umsiedlung nach dem elsässischen Rheinau – 1398 Umsiedlung in Pfarrkirche Alt-St. Peter in Straßburg

Patrozinium: Erzengel Michael, alle Heiligen, Peter und Paul
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Offenburg

Ortsbezüge:
  • Honau
  • abgegangene Rheininsel bei Rheinau, Ortenaukreis und La Wanzenau, arr. Strasbourg
Ordensregel:
  • Benediktiner 722-1100
  • Kollegiatstift St. Michael 1100-1290
Beschreibung:

Name: (alle Namensformen des 8. Jahrhunderts sind ausschließlich aus viel jüngerer Überlieferung bekannt) monasterio quod est constructum in insula Hohenaugiensi in honore beatissimi Archangeli Michaëlis (722);1 ecclesia Scotorum quae est in insula Honaugia (772–774);2 ex monasterio Scotorum quod vocatur Honaugia (775);3 Hoinowa (870);4 ex monasterio quod vocatur Hohanoua (884);5 canonici de Hanoe (1290)6

Geschichte

Historische Entwicklung

Kurz vor 722 siedelten sich irische Mönche auf der ca. 10 km nördlich von Straßburg gelegenen Rheininsel Honau (hōh-ouwa = hohe Insel) an, wo mithilfe des elsässischen Herzogs Adalbert und unter der Leitung des Abtbischofs Benedikt ein Kloster zu Ehren des bei den Iren beliebten Erzengels Michael eingerichtet wurde.7 Sukzessive bis 749 gelangte die gesamte Insel Honau, die als durch die Etichonen entfremdetes Königsgut zu betrachten ist, zusammen mit weiteren Gütern durch mehrere Schenkungen Adalberts, seiner Söhne und ihrer näheren etichonischen Verwandtschaft in den Besitz der jungen Mönchsgemeinschaft.8 Ferner soll laut einer späteren Überlieferung Herzog Liutfried, Adalberts Sohn und letzter elsässischer Herzog, Laienabt von Honau gewesen sein.9 Im Zuge der Aufhebung des elsässischen Herzogtums zwischen 739 und 751 stellte sich das Inselkloster unter den Schutz der Karolinger, die zunächst als Hausmeier und dann als Könige die Honauer Mönche mit Privilegien bedachten.10 Nach iro-schottischer Tradition waren die ersten fünf Äbte Honaus zugleich Bischöfe, doch unter Karl dem Großen wurde dieses Institut abgeschafft. Welche Regel die Honauer Mönche befolgten – im Testament des Abtes Beatus ist die Rede von einer regula ecclesiastica11 –, ist unbekannt und dementsprechend umstritten, ob sie irischer Herkunft war oder ob von Anfang an die regula mixta, also die Benedikt-Columban-Regel, in Honau angenommen worden war. Bemerkenswerterweise ist das Kloster Honau, das nach späterer Tradition am Ende des 8. Jahrhunderts ca. 150 Konventualen umfasst haben soll,12 in keinen der noch erhaltenen karolingischen Verbrüderungslisten vertreten, was von der Forschung unterschiedlich interpretiert wird: Entweder stand der Konvent damals noch wenig unter fränkischem Einfluss und folgte deshalb auch nicht der Benediktsregel, oder aber das Kloster war bereits in ein Kanonikerstift umgewandelt worden. Der altsanktpetrinische Stiftsherr Nicolas Reyner behauptete im 15. Jahrhundert, die Klöster Beromünster, Lautenbach im Elsass und Aschaffenburg seien von Honau gegründet worden.13 Im Teilungsvertrag von Meersen 870 wird Honau unter den Klöstern genannt, die der Herrschaft Ludwigs des Deutschen zugewiesen wurden,14 und Karl III. bestätigte 884 den Mönchen ihren Besitz und die freie Wahl des Priors,15 danach jedoch schweigen die Quellen bis Mitte des 11. Jahrhunderts.

Spätestens in diesem Zeithorizont (1047–1065) wurde das Inselkloster in ein Kanonikerstift unter der Leitung eines Propstes umgewandelt und stand in enger Verbindung zum Straßburger Bischof.16 Wohl im Zusammenhang mit diesem sicherlich nicht ohne Widerstand vollzogenen Prozess ist eine Fälschung auf König Theuderich (IV.) entstanden.17 Ferner wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt das noch im 18. Jahrhundert erhaltene Original vom Diplom Karls III. aktualisiert, indem ein Schreiber darin die monachi durch canonici ersetzte.18 Neben der Dignität des Propstes sind im 11. Jahrhundert auch die des Dekans19 und des Kellerars20 und Anfang des 12. Jahrhunderts die des Pförtners und des Schulmeisters zu belegen.21 Ein Honauer Kantor wird erstmals 1180 fassbar.22 In der bewegten Zeit des früheren Investiturstreits wurde im Jahr 1079 vom caenobita Leo ein sehr umfangreiches Chartular beziehungsweise Traditionsbuch verfasst, das über 1.000 Urkunden und Notizen aus der Zeit Theuderichs (IV.) bis Karl den Großen beinhaltet haben soll.23 Da das Inselkloster bis zum letzten Viertel des 11. Jahrhunderts wohl bereits viel von seinem reichen frühmittelalterlichen Besitz unwiederbringlich eingebüßt hatte, diente das Werk dem Konvent vermutlich zu einem Großteil der eigenen Selbstvergewisserung und Rückbesinnung auf die prestigevolle Vergangenheit in einer Zeit, als das Kanonikerstift immer stärker in die Herrschaft der Straßburger Bischofskirche eingebunden wurde. Bischof Otto von Straßburg (1082/84–1100) weihte die Klosterkirche, möglicherweise weil die Vorgängerkirche während der kriegerischen Auseinandersetzungen am Oberrhein zu Beginn seines Episkopats zerstört worden war.24

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts dürften die Honauer Kanoniker im Austausch mit dem Augustinerchorherrenstift Marbach gestanden haben, denn der Leiter der Honauer Stiftsschule Hugo wechselte dorthin, wo er gemäß dem Marbacher Nekrolog von 1241 auch bestattet wurde.25 Hugo, der sich selbst als Honaugiensis scholasticus und Pfalzdiakon bezeichnete,26 reiste zwischen 1170 und 1179 als Gesandter Friederich Barbarossas zweimal nach Konstantinopel. Ein eindrückliches Zeichen von Hugos Herrschernähe ist seine Schenkung von kostbaren Purpurornamenten oder gar eines Purpurmantels an das Kanonikerstift Honau, die zu seinem Todestag am 16. April in ein nur bruchstückhaft erhaltenes Honauer Kalendar-Nekrolog eingetragen wurde.27 1215 nahm Friedrich II. das Stift und dessen Besitz unter seinen Schutz und beauftragte die Schultheiße von Hagenau und Oberenheim, für die Einhaltung dieser Rechte zu sorgen.28 Die Vogteirechte über Honau, die 1102 singulär bei einem Hugo bezeugt sind29 – womöglich der junge Graf Hugo VII. von Dagsburg –, wurden wohl seit der Wende zum 13. Jahrhundert vom Marschall der Straßburger Kirche Werner († nach 1229,30 aber vor 123331) ausgeübt: Als Vogt ist er zwar erstmals 1221 zu fassen,32 doch bereits 1199 erscheint er in enger Beziehung zum Kloster, wo er eine Priesterpfründe einrichtete, damit zu seinem Seelenheil und dem seiner Verwandten Messen gelesen wurden. Zudem plante er zusammen mit seiner Familie im Chor der Stiftskirche bestattet zu werden.33 Dementsprechend memorierte der Konvent Werners Todestag, wie ein Eintrag zum 5. Januar im Honauer Kalendar-Nekrolog belegt.34 Allerdings gerieten später Werner wie auch Egilolf von Mundingen, sein Schwestersohn und Nachfolger im Marschallamt der Straßburger Kirche (1233–123935), und dessen Bruder Werner von Mundingen mit den Stiftsherren in einen derart schweren Konflikt,36 dass letztere um 1220 zweitweise Honau verlassen mussten und der Straßburger Bischof zusammen mit seinem Domkapitel den Kanonikern beim Ausbleiben einer Aussöhnung mit dem Vogt die Verlegung ihres Konvents nach Straßburg erlaubte.37 Dazu kam es jedoch nicht, weil Marschall Egilolf und der Konvent 1233 sich schließlich verglichen und Egilolf das Kloster für die verursachten Zerstörungen entschädigte.38 Die immer engere Verflechtung Honaus mit dem Straßburger Domkapitel zeigt sich daran, dass einige Straßburger Domkapitulare zugleich Honauer Stiftsherren waren, wie der Domdekan Hartwig39 (1089)40 oder die Honauer Pröpste Adalbert von Schneckenberg senior (1156–1162) und junior (1199) wie auch Berthold von Ochsenstein (1208–1265), der im Domkapitel verschiedene Dignitäten durchlief. Im Jahr 1243 traf Bischof Bertold I. von Straßburg Bestimmungen zur Abstellung verschiedener Missbräuche, die er bei einer Visitation des Inselklosters aufgedeckt hatte.41 Unter anderem vernachlässigten einige Kanoniker ihre Residenzpflicht, so dass der Bischof ihnen mit Exkommunikation und dem Entzug ihrer Pfründe drohte. Nach der existenziellen Krise der 1220er- und beginnenden 1230er-Jahre wurden Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stärkung des Konvents getroffen,42 doch wie andere Klöster im Bistum Straßburg wurde auch Honau in den kriegerischen Auseinandersetzungen der Stadt Straßburg gegen ihren Bischof zwischen 1261–63 geschädigt.43 Im Jahr 1264 bezifferte sich die Anzahl der Kanoniker immerhin auf 20 mit den Dignitären Propst, Dekan, Kantor, Scholaster, Kustos, Kellerar und Pförtner. Zu diesen Kanonikerpfründnern kamen zudem noch vier Klerikerpfründner hinzu: der Kaplan des Bischofs, der des Marschalls und zwei clerici eleemosinarii.44 Gemäß einer Urkunde von 1199 wählten die Honauer Kanoniker den mit der Pfründe des Straßburger Marschalls alimentierten Kaplan und der Propst setzte ihn ein.45 Bis 1290 gelangte die Honauer Vogtei in die Hände des Straßburger Bischofs, während das ius dominii, damit ist wohl das Eigentumsrecht gemeint, beim Propst verblieb.46

Als die Klosteranlage zunehmend vom Rhein bedroht wurde, ermöglichte Bischof Konrad III. von Lichtenberg am 7. September 1290 die Umsiedlung des Konvents ins elsässische Rheinau und besiegelte somit nach rund 570 Jahren das Ende des klösterlichen Lebens auf der Insel Honau.47 Im Gegensatz zu dieser Urkunde und dem Colmarer Dominikanerannalist48 datieren die Annalen der Straßburger Dominikaner die Verlegung allerdings in das Jahr 1292 und fügen polemisch hinzu, die Kanoniker seien aufgrund ihrer magna insolencia umgesiedelt worden.49 Der Besitz und die Rechte des ehemaligen Inselklosters in Honau, Abertsheim und Wanzenau wurden später zum Zankapfel zwischen dem Nachfolgerkonvent von Honau und Rheinau, den Kanonikern von Alt-St. Peter zu Straßburg, und der Straßburger Bischofskirche.50

Besitz und Wirtschaft

Zum frühesten Besitz neben der Insel Honau und den mit ihr eng verbundenen Gebieten von Wanzenau (La Wantzenau) und dem heute abgegangenen linksrheinischen Abertsheim zählten Kilstett (arr. Haguenau-Wissembourg),51 Joahbagine,52 Nieffern (Niefern, zu Uhrwiller, arr. Haguenau-Wissembourg)53 und Diersheim (zu Rheinau OG)54 wie auch Osthofen (Osthoffen, arr. Strasbourg) und Hohengöft (Hohengœft, arr. Molsheim).55 778 oder 810 schenkte der Honauer Abt Beatus, der als irischer Missionar tätig gewesen war, seinem Kloster acht Kirchen samt Zubehör in Mainz und in der Wetterau.56 In der Bestätigungsurkunde Karls III. aus dem Jahr 88457 wird von diesem Fernbesitz nur noch wenig angeführt. Die restlichen Güter lassen sich einerseits um Honau lokalisieren, während sich andererseits reicher Besitz in einem weiten Kreis um den Hagenauer Forst und um Straßburg bis zum Gebiet um das alte Fiskalgut Kirchheim und die merowingische Pfalz Marlenheim reiht. Wohingegen weiter im Süden und am Fuße des Ottilienbergs nur zwei Besitzorte genannt werden. Schließlich kommen noch weitere rechtsrheinische Güter bis Sinzheim RA im Norden und Endingen im Süden hinzu. In dem im 11. Jahrhundert angelegten Honauer Kalendar-Nekrolog sind manche der zuvor belegten Besitzorte weiterhin zu greifen.58 Für die Besitz- und Wirtschaftsgeschichte des Stiftes bis zu seiner Verlegung 1290–1292 sind neben den im Original erhaltenen Urkunden59 noch die vom Stiftsherrn von Alt-St. Peter Jean le Laboureur verfassten Regesten von 1702,60 die teils auf heute verschollene Dokumente zurückgehen, hinzuzuziehen. Im großen Urbar der Straßburger Kirche aus dem 14. Jahrhundert bilden die Orte Honau, Killstett, Bettenhofen (abgegangen, nördlich von Killstett), Gambsheim und zum Teil Offendorf den Verwaltungsbezirk (districtus) Honowe zwischen Straßburg und der Moder.61 Dies dürfte zumindest in Teilen die Schwerpunkte des Besitzes und verschiedener Herrschaftsrechte des Stiftes vor seiner Verlegung nach Rheinau, die in späterer Zeit nochmals verdichtet worden waren, wiedergeben. Der heftige Konflikt Marschall Werners und seiner Neffen mit Honau war vornehmlich um die Rechte an der Insel Wolfwert, der daran angrenzenden Wasserfläche und am wöchentlichen Fischfang in Leutesheim (heute rechtsrheinisch südlich von Honau, zu Kehl) entbrannt: In einem Vergleich von 1233 werden diese Rechte Egilolf von Mundingen zu Lebzeiten zugestanden, dafür teilten sich beide Parteien ein Drittel des Fanges.62 Die Bedeutung der Lachsfischerei in Leutesheim ist später noch greifbar.63 In der Urkunde von 1290, die dem damaligen Konvent von Honau und künftigen von Rheinau das Eigentumsrecht über die Honauer Kirche verbriefte, werden den Stiftsherren insbesondere auch die Rechte am halben Rheinfischfang und am hebe, das heißt das Recht des eintägigen Fischfangs vor Ostern, Pfingsten und Weihnachten, die Hälfte der Geldeinträge aus der Allmende, dem Wiesenland (winemuode)64 und den Schafsweiden, aus dem Wald die Hälfte der Zinsen und das Eckerrecht und die halben Abgaben aus Hart und Weiden bekräftigt. Dem Kapitel sind Erträge des bereits genannten Wolfwert und des angrenzenden Sees und dem Kellerar die Gerichtsbarkeit in der augia dusgerihte vorbehalten. Bemerkenswerterweise sind in einer wohl in der Mitte des 15. Jahrhunderts entstandenen schematischen Karte der Gemarkung um Honau, Wanzenau und Abertsheim einige der genannten Fluren zu fassen, so sind nördlich von Abertsheim die Insel Wolfert und die angrenzende Wasserfläche (der Wog oder der Se) wie auch ein Kellersacker eingezeichnet;65 Wolfert und Wog – als Wooggrund – existieren heute noch als Fluren und liegen nordöstlich von Wanzenau.

Religiöses und kulturelles Wirken

Die ursprüngliche Gemeinschaft von irischen Missionaren trug wohl nicht unwesentlich dazu bei, von der Insel Honau aus den Straßburger Raum und das nördliche Elsass sowie Teile der Ortenau endgültig zu christianisieren. Der missionarische Eifer der irischen Mönche zeigt sich auch daran, dass der Honauer Abt Beatus nicht weniger als acht Kirchen in der Wetterau und in Mainz dem Kloster schenken konnte.66 Das frühe Mönchskloster wurde zwar nicht in die bekannten karolingischen Verbrüderungslisten aufgenommen, doch Spuren einer Gebetsverbrüderung sind wohl in einer kleinen Handschrift des 15. Jahrhunderts, die auch eine Genealogie der Etichonen beinhaltet, zu erkennen: Mit einer Liste der ersten Äbte werden verschiedene Namen von Bischöfen gereiht, die entweder irischer Herkunft sind (Fergal, Doilgus, Aydanus) oder sich als Straßburger Ordinarien identifizieren lassen (Radaldus, Wernherus, Recho, Bernoldus, Adollohc).67 Auch in der in Mainz ausgestellten Urkunde des Abts Beatus für Honau haben die Zeugen irische Namen, was zeigt, dass an der Wende zum 9. Jahrhundert der Honauer Abt noch eng ins Netzwerk der irischen Missionare und Mönche eingebunden war.68 Im Honauer Nachfolgekonvent Alt-St. Peter wahrten die Stiftsherren nicht nur die Reliquien der beiden ersten Äbte von Honau Benedikt und Duban auf, sondern auch die des Agidanus – der Aydanus der fraglichen Liste –, wobei dieser ebenfalls als Honauer Bischof bezeichnet wurde; das Fest dieser drei Honauer Heiligen begingen die Straßburger Stiftsherren am 19. September.69 Das Stift Alt-St. Peter besaß ferner die Reliquien des Abts Beatus und das Haupt der irischen heiligen Brigida von Kildare, die 1646 als benefactrix collegii bezeichnet wird.70 Schließlich sollen gemäß einer Rheinauer und altsanktpetrinischen Traditionsbildung bereits die Stiftsherren von Honau im Besitz der Reliquien des heiligen ersten Bischofs von Straßburg Amandus gewesen sein.71 Eine Wallfahrt zur heiligen Brigida in Honau ist gemäß dem Liber rufus von Alt-St. Peter von 1654 für das Jahr 1264 belegt.72 Die erste zeitgenössische Erwähnung der Heiligen in Verbindung mit Honau datiert aus dem Jahr 1241, als eine Regelung bezüglich zweier Stiftspfründe getroffen wurde, darunter das beneficium (claustralium) sancte Brigide.73 Ob die Mönche für den Etichonen Adalbert, als weltlichen Gründer Honaus, und seine engste Verwandtschaft ein besonderes Totengedenken pflegten, ist nicht zu belegen; die Rekonstruktion der Klosteranfänge und die Genealogie der Etichonen als Gründergeschlecht sind jedenfalls ein Produkt späterer Zeit, wahrscheinlich des 11. Jahrhunderts.74 Im erhaltenen Teil des Nekrologs ist keine Spur einer solchen Memoria zu finden. Der Marschall Werner der Straßburger Kirche, der zusammen mit seiner Familie im Chor der von ihm bevogteten Klosterkirche ruhen wollte, wurde zwar im Kalendar-Nekrolog gedacht, doch der schlichte Eintrag lässt keine hervorgehobene Memoria des zeitweiligen Peinigers der Gemeinschaft erkennen. Aufgrund der Verehrung der heiligen Brigida neben dem Patron St. Michael in Honau werden Kirchen mit diesen Patrozinien an Orten, die in der Nähe von Honau gelegen sind und/oder wo alter Honauer Besitz zu belegen ist, mit dem Kloster in Verbindung gebracht. Vor der Verlegung des Stifts sind allerdings lediglich die Inkorporation der Kirchen in Hatten und Bodersweier zu fassen.75 Zum Honauer Pfarrsprengel gehörten die Einwohner von Abertsheim und Wanzenau, für die der Pfarrzwang dramatisch sein konnte, da sie zu jeder Jahreszeit und bei Hochwasser unter Lebensgefahr nach Honau übersetzen mussten. Erst im Jahr 1469 erlangten sie beim Bischof von Straßburg die endgültige Trennung von Honau und die Einrichtung einer eigenen Pfarrkirche in Wanzenau. Das Stift Honau erreichte seinen kulturellen Höhenpunkt, als die Klosterschule unter der Leitung des Magisters Hugo stand, der als herausragender Theologe und Philosoph zum Wissenstransfer von Byzanz in den lateinischen Westen beitrug.

Bibliothek und Archiv

Die wenigen erhaltenen Archivalien der Honauer Stiftszeit, wie auch die der Nachfolgestifte Rheinau und Alt-St. Peter, gelangten während der Französischen Revolution vornehmlich ins Straßburger Departementalarchiv. In Schlettstadt ist ein Codex Honauer Provenienz erhalten, der unter anderem ein unvollständiges Kalendar mit nekrologischen Notizen enthält.76

Bau- und Kunstgeschichte

Von der 1290–1292 aufgegebenen Klosteranlage und der Stifts- und Pfarrkirche ist nichts erhalten. Letztere wurde wohl um 1480 durch den Rhein zerstört.77 Zu Beginn des 20. Jahrhunderts will man bei niedrigem Wasserstand noch Spuren der Kirche gesehen haben.78 Andere vermuten die abgegangene Kirche am südwestlichen Ortsrand des heutigen Honau, wo eine ehemalige Altrheininsel zu erkennen sei.79 Bezeugt ist eine Kirchweihe durch Bischof Otto von Straßburg Ende des 11. Jahrhunderts.80 Ein Jahrhundert später war die Kirche baufällig oder gar zerstört worden, denn Bischof Heinrich I. (1180/81–1190) ließ den Turm und aus Holz das Kirchenschiff (wiederauf-)bauen.81 Im 11. oder 12. Jahrhundert wurde ein dem Evangelisten Johannes geweihter Altar gestiftet.82 1259 ist erstmals eine Kapelle zu Ehren der heiligen Brigida von Kildare belegt,83 die sich außerhalb der Stifts- und Pfarrkirche befand.84

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Barth I, Sp. 599–602; Clauss, S. 493 f.; GermBen V, S. 313–317 (André Marcel Burg); KDM Bd. 7, S. 9–11 (Max Wingenroth); Monastères d’Alsace I, S. 391–427 (René Bornert).

Literatur: Burg 1978; Eberl 1982; Wilsdorf 2011.

Anmerkungen

  • 1 Coccius 1623, S. 132 f.
  • 2 MGH D Karol. I, Nr. 77 S. 110 f.
  • 3 MGH D Karol. I, Nr. 100 S. 143.
  • 4 Regesta Alsatiae, Nr. 583.
  • 5 Schöpflin 1772, Nr. 115 S. 92 f. u. Taf. XIII.
  • 6 Annales Colmarienses maiores, in: MGH SS 17, S. 217.
  • 7 Coccius 1623, S. 132 f.
  • 8 Schöpflin 1772, Nr. 6 S. 6, Nr. 7 S. 6, Nr. 5 S. 5, Nr. 17 S. 20, Nr. 18 S. 21, Nr. 19 S. 21; Monastères d'Alsace Bd. 1, D 5 a S. 418, D 8 a S. 419.
  • 9 ADBR G 1509; Wilsdorf 2011, S. 188.
  • 10 Monastères d'Alsace Bd. 1, D 9-18 S. 419 f.
  • 11 Regesta Alsatiae, Nr. 275.
  • 12 Reyner 1698, § 5 S. 1142.
  • 13 Reyner 1698, §§ 6 f. S. 1142.
  • 14 Regesta Alsatiae, Nr. 583.
  • 15 Schöpflin 1772, Nr. 115 S. 92 f.
  • 16 RBS I, Nr. 291.
  • 17 MGH D Merov. 1, Nr. 189 S. 47 1-473.
  • 18 Schöpflin 1772, Taf. XIII.
  • 19 Bibliothèque municipale Sélestat ms. 100, fol. 66 r.
  • 20 RBS I, Nr. 291.
  • 21 Bibliothèque municipale Sélestat ms. 100, fol. 49 v; ADBR G 1509, fol. 6 v.
  • 22 GLA C Nr. 68.
  • 23 Coccius 1623, S. 133.
  • 24 RBS I, Nr. 362.
  • 25 Hoffmann 1902, S. 194.
  • 26 Haring 1962, S. 16, 18.
  • 27 Bibliothèque municipale Sélestat ms. 100, fol. 67 v: Magister hugo presbyter et canonicus obiit qui purpuram S. Michaeli dedit.
  • 28 ADBR G 4213/2.
  • 29 Bibliothèque municipale Sélestat ms. 100, fol. 49 v; ADBR G 1509, fol. 6 v; vgl. GLA 33 Nr. 625.
  • 30 RBS II, Nr. 955.
  • 31 ADBR G 4226/3.
  • 32 ADBR G 4213/3.
  • 33 ADBR G 4209/2.
  • 34 Bibliothèque municipale Sélestat ms. 100, fol. 64 r.
  • 35 RBS II, Nr. 1067.
  • 36 ADBR G 4213/3; G 4209/3; G 4226/3.
  • 37 ADBR G 4213/3.
  • 38 ADBR G 4226/3.
  • 39 Bibliothèque municipale Sélestat ms. 100, fol. 69 v: hartuuic argentinensis decanus honaugensis frater obiit; vgl. Mone 1853, S. 251, der hier Hartunc liest. Im ältesten Nekrolog der Straßburger Kirche ist sein Todestag ebenfalls zum 13. Juni eingebucht, siehe Burg 1975, S. 64.
  • 40 RBS II, Nr. 341.
  • 41 Grandidier III, Nr. 399 S. 36 3-365.
  • 42 ADBR G 4213/5, G 4213/5 a, G 4213/5 b, G 4213/6 a, G 4213/6 b; GLA 33 Nr. 613, 616.
  • 43 UB Straßburg I, Nr. 578 S. 439 f.
  • 44 Grandidier III, S. 161 mit Anm. 2; vgl. auch Bibliothèque du Grand Séminaire Strasbourg ms. 145 (olim 92), S. 15; wie auch die Abschrift dieser Handschrift: ADBR Sous-Série 1 V 518, S. 15.
  • 45 ADBR G 4209/2.
  • 46 ADBR G 69/1.
  • 47 Ebd.
  • 48 Annales Colmarienses maiores, in: MGH SS 17, S. 217.
  • 49 Annales Argentinenses fratrum praedicatorum, in: MGH SS rer. Germ. 9, S. 132.
  • 50 Vgl. ADBR G 1509, G 4348, G 4354; AVES VIII 188.
  • 51 Monastères d'Alsace Bd. 1, D 2 S. 418.
  • 52 Monastères d'Alsace Bd. 1, D 6 S. 418.
  • 53 Monastères d'Alsace Bd. 1, D 6 S. 418.
  • 54 Monastères d'Alsace Bd. 1, D 8 a S. 419.
  • 55 MGH D Karol. I, Nr. 110 S. 155 f.
  • 56 Regesta Alsatiae, Nr. 275.
  • 57 Schöpflin 1772, Nr. 115 S. 92 f.
  • 58 Bibliothèque municipale Sélestat ms. 100, fol. 6 4-69.
  • 59 Bibliothèque municipale Sélestat ms. 100, fol. 49 v; ADBR G 69/1, G 4209/2, G 4213/1, G 4213/5, G 4213/5 a, G 4213/5 b, G 4213/6 a, G 4213/6 b, G 4218/1, G 4226/2, G 4226/3; GLA C 68.
  • 60 Bibliothèque du Grand Séminaire Strasbourg ms. 145 (olim 92); vgl. auch ADBR Sous-Série 1 V 518, S. VII.
  • 61 ADBR G 377.
  • 62 ADBR G 4226/3.
  • 63 AVES 2 PL 95.
  • 64 Vgl. Reyner 1698, § 10 S. 1143: wunne weide.
  • 65 ADBR G 4227/8.
  • 66 Regesta Alsatiae, Nr. 275.
  • 67 ADBR G 1509; Wilsdorf 2011, S. 188.
  • 68 Regesta Alsatiae, Nr. 275.
  • 69 Bibliothèque du Grand Séminaire Strasbourg ms. 145 (olim 92), S. 155, S. 234.
  • 70 Bibliothèque du Grand Séminaire Strasbourg ms. 111 (olim 91), fol. 8.
  • 71 Grandidier 1776, S. 140 f.; ADBR G 4348 fol. 41; Pfister 1892, S. 116.
  • 72 Bibliothèque du Grand Séminaire Strasbourg ms. 111 (olim 91), fol. 8.
  • 73 ADBR G 4213/5.
  • 74 Coccius 1623, S. 13 2-133.
  • 75 GLA 33 Nr. 28; GLA E 253; vgl. auch Bibliothèque du Grand Séminaire Strasbourg ms. 145 (olim 92), S. 15.
  • 76 Bibliothèque Municipale Sélestat, ms. 100.
  • 77 Kauss 1973, S. 123.
  • 78 Clauss, S. 493 f.
  • 79 Kauss 1973, S. 125.
  • 80 RBS I, Nr. 362.
  • 81 Bibliothèque Municipale Sélestat ms. 100.
  • 82 Bibliothèque Municipale Sélestat ms. 100, fol. 69 r.
  • 83 GLA 33 Nr. 27.
  • 84 GLA 33 Nr. 575
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Tobie Walther [Autor]
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