Mühlbach, Wilhelmiten 

Kurzbeschreibung:

1290 Gründung – 1454 Kloster – vor 1546 Aufhebung – 1546 Verkauf der Gebäude

Patrozinium: Maria
Ordensgliederung: Deutsche Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropsts bei St. Guido, Landkapitel Bretten

Ortsbezüge:
  • Mühlbach
  • Mühlbach, Eppingen, Landkreis Heilbronn.
Ordensregel:
  • Wilhelmiten 1290-1546
Beschreibung:

Name: prior und der convent gemeinlichen zu Mulenbach S. Wilhelms orden (1312);1 closter zu Mülbach (1454);2 monasterium ordinis sancti Wilhelmi in Mülnbach (1468/70)3

Geschichte

Das am Südwestfuß der Eppinger Hardt gelegene Dorf Mühlbach ist ein Ausbauort der fränkischen Zeit oder des beginnenden Hochmittelalters. Es war teils gräflich oettingisches Lehen (Niedermühlbach), teils Allod (Obermühlbach) und gelangte 1290 im Zuge der Gründung des hiesigen Klosters als Schenkung vollständig in den Besitz des Wilhelmitenordens.4 Der Stifter und bisherige Besitzer dieser Güter, der Ritter Heinrich von Brettach († 1295), gehörte zum Gefolge der Herren von Weinsberg und entstammte offenbar wie diese selbst der an der Königspfalz Wimpfen engagierten Ministerialität; sein in der ehemaligen Klosterkirche bewahrtes relieffigürliches Epitaph zeugt in der Art seiner Darstellung von einem hohen, beinahe ungebührlichen Anspruch.5 Der Gründungskonvent kam aus Marienthal bei Hagenau im Elsass.

Mühlbach und seine Kapelle, die fortan als Klosterkirche diente, waren zur Zeit der Klostergründung Filial der Pfarrei Eppingen.6 Die pfarrlichen Befugnisse der Ordensleute waren daher wohl von Anfang an umstritten; bezüglich der Aufteilung der am Marien-Altar dargebrachten Opfergaben an Geld und Naturalien schlossen Kloster und Bürgergemeinde 1454 eigens einen Vertrag.7 An der Spitze des Klosters stand ein Prior. Die Zahl der Mönche ist nicht überliefert, wird aber kaum je sehr groß gewesen sein. Gleichwohl entwickelte sich der Konvent, der am Ort selbst und auf dem benachbarten Ottilienberg Wallfahrten betreute, zunächst offenbar durchaus positiv; seine Vorsteher fungierten im 14. Jahrhundert bisweilen als Ordensprovinziale für Deutschland. 1317 ging von Mühlbach die Gründung eines Tochterklosters in Speyer aus, das allerdings um 1470 wieder aufgegeben wurde. Ebenfalls 1317 verkaufte der Prior seine ortsherrlichen Befugnisse sowohl in Ober- als auch in Niedermühlbach in ritteradlige Hand,8 und ein halbes Jahrhundert später war die ganze Herrschaft im Besitz der Eppinger Bürgergemeinde.

Auch in Mühlbach begann im 15. Jahrhundert der Niedergang; die Speyrer Diözesanmatrikel von 1468/70 bezeichnet das Kloster als nahezu verlassen (quasi desolatum).9 Selbst mit Hilfe eines 1521 erlangten hunderttägigen Ablasses für die Klosterkirche10 ließ die Krise sich nicht mehr abwenden, zumal inzwischen auch das elsässische Mutterhaus Marienthal erloschen war. Nachdem schließlich die letzten Konventualen das Kloster verlassen hatten, verkaufte 1546 der Prior von Hagenau die leerstehenden Gebäude samt Gütern, Rechten, Einkünften und Vorräten sowie allem Inventar an Kirchengerät, vasa sacra, Kirchenschmuck und dergleichen mehr um 600 Gulden auf Wiederkauf an die Stadt Eppingen;11 die vorbehaltene Wiederlösung wurde nie realisiert.

Bau- und Kunstgeschichte

Das Kloster lag am Nordhang des Kraichgauer Hardtwalds im Tal des Himmelreichbachs, ursprünglich außerorts zwischen den ehemaligen Ortsteilen Ober- und Niedermühlbach. Heute prägt die evangelische Pfarrkirche das Ortszentrum. Die Struktur des ehemaligen Klosters ist partiell in einem Plan von 1801 überliefert, von der Kirche blieben beim Teilneubau 1871 nur Chorjoche, Altarraum und Sakristei erhalten; Turm und Vorhalle waren nach der Auflassung des Klosters (1543) in der Reformationszeit zugefügt worden, als die Kirche zur Pfarrkirche für Mühlbach wurde; das Kirchenschiff ersetzte ein älteres, höheres und breiteres Langhaus. Der etwa rechteckige Klosterbezirk war von einer Mauer umschlossen; diese ist in den Parzellengrenzen, auf der Südseite als Stützmauer noch erhalten. Der Zugang befand sich im Westen der Nordseite, unweit der Straßenbrücke über den Bach.

Die Kirche ist um 1290/1300, also gleich nach der Gründung, als anspruchsvolle, hohe Saalkirche mit einer gewölbten Sakristei gebaut worden. Die zwei Chorjoche und das außen kompliziert eingezogene 5/8–Polygon des Altarraums zeigen zierliche Maßwerkformen und Rippenprofile der späten Hochgotik. Auf einem Schlussstein des Chors ist der Engel des Jüngsten Gerichts dargestellt, der das Schofarhorn bläst. Die Sockelzone des Polygons ist innen mit segmentbogigen, von schlanken Säulchen getragenen Blendbögen gegliedert. Eine eigentümlich verspringende Wandvorlage belegt wohl die teilweise Übernahme der 1290 schon bestehenden Kapelle. Vom Langhaussaal ist der nördliche Ansatz im Bild überliefert. Das Nordportal war mit einem Tympanon verziert; dieses zeigt in einem runden Feld das Lamm Gottes mit Kreuznimbus, das eine an einem Kreuz befestigte Fahne hält, umgeben von einer sorgfältig ausgeführten Ranke mit Eichblättern und Eicheln (heute im Kirchenraum). Der genaue Standort der 1454 genannten Marienkapelle, die den Laien zugänglich war,12 ist unbekannt. Ein Ablass 1521 nennt als Weihetitel die Hll. Anna, Sebastian, Wilhelm und Mariä Verkündigung.13 Von der Ausstattung erhalten ist das Figurengrabmal des Klosterstifters Heinrich von Brettach († 1295) aus derselben Bildhauerwerkstatt wie die Schlusssteine des Kirchengewölbes. Vor 1871 sollen Spuren eines Lettners zwischen Chor und Schiff sichtbar gewesen sein.

Das Kloster stand südlich der Kirche; im 18. Jahrhundert diente ein größeres Gebäude im Westen (wohl: Priorat) als Pfarrhaus, im Bereich des Südflügels stand ein Wirtschaftsgebäude (Rest erhalten). Heute sind dort keine Baureste der Klosterzeit sichtbar erhalten. Südlich der Klausur wurde der große Klostergarten von der Mauer umschlossen (heute Friedhof und Kindergarten). Das Anwesen nördlich der Kirche gilt als ehem. Klosterherberge.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: KB Heilbronn, S. 461 (Kurt Andermann); KDM Bd. 8,1, S. 186 f. (Adolf von Oechelhäuser).

Literatur: Elm 1962; Dettling 1990, S. 60–83.

Anmerkungen

  • 1 Acta Academiae Theodoro-Palatinae II, S. 83.
  • 2 Mone 1862, S. 317.
  • 3 Glasschröder 1907, S. 103.
  • 4 Acta Academiae Theodoro-Palatinae II, S. 82.
  • 5 Assfahl 1977; Dambacher 1851, S. 480.
  • 6 Acta Academiae Theodoro-Palatinae II, S. 82.
  • 7 Mone 1862, S. 317; GLA 43 Nr. 4177.
  • 8 Acta Academiae Theodoro-Palatinae II, S. 83 f.
  • 9 Glasschröder 1907, S. 103.
  • 10 GLA 43 Nr. 1673.
  • 11 Acta Academiae Theodoro-Palatinae II, S. 87 f.
  • 12 GLA 43 Nr. 4177; Mone 1862, S. 31 7-319.
  • 13 GLA 43 Nr. 1673, fol. 2
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Kurt Andermann [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)