Oberkirch, Schwesternsammlung »Klause in dem Oberndorf« 

Kurzbeschreibung:

1316 Ersterwähnung – 1492 Aufhebung durch den Bischof von Straßburg

Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Offenburg

Ortsbezüge:
  • Oberkirch
  • Oberdorf, Oberkirch, Ortenaukreis
Ordensregel:
  • Schwesternsammlung »Klause in dem Oberndorf« 1316-1492
Beschreibung:

Name: die closen in dem Oberndorfe nahe bi Oberkirche in dem bistume von Straßburg (1316);1 clusorio seu domo (1491)2

Geschichte

1316 vermachte Graf Konrad von Freiburg (1236–1271) auf Bitten des Johannes Bock von Kolbenstein den erbern göttlich vrowen in die closen in dem Oberndorfe nahe bi Oberkirche in dem bistume von Straßburg als Seelgerät ein Gut zu Bechelin bei Bottenau, das Bock von Kolbenstein zuvor zu Lehen gehabt hatte. Am selben Tag bestätigten die Grafen Egen und Heinrich von Fürstenberg (1303–1337) die Übertragung und verzichteten auf ihre Ansprüche an den geschenkten Gütern.3 Die hier erstmals erwähnte Klause befand sich in unmittelbarer Nähe der Oberdorfer Pfarrkirche, die im 19. Jahrhundert umgebaut wurde und heute Friedhofskapelle ist.

Eine genaue Bestimmung der Lebensweise der Frauengemeinschaft in Oberdorf ist nur schwer möglich, da in sämtlichen Quellen immer nur von der klose die Rede ist. In der Literatur werden die Frauen häufig als Beginen bezeichnet, dies geht allerdings auf eine Verwechslung bzw. Vermengung mit einer weiteren in →Oberkirch selbst gelegenen Gemeinschaft zurück.4 Die Gemeinschaft in Oberdorf besaß dagegen mehrere Merkmale, die über ein Beginenhaus hinausweisen, so wurde die Vorsteherin als Priorin bezeichnet und man besaß ein eigenes Siegel. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ist zudem belegt, dass eine Schwester vor dem Prior der Straßburger Dominikaner die Gelübde ablegte und ihr im Gegenzug versprochen wurde, dass sie myn leben lang in der selben clusen min wonnung und pfrund haben solt.5 Viele namentlich bekannte Frauen entstammten den Familien der Ortenauer Ritterschaft wie den Bock von Kolbenau, von Widergrün, von Schauenburg oder von Neuenstein. Diese Familien unterstützten die Gemeinschaft auch immer wieder mit Stiftungen und Schenkungen.6 So kann man die Klause wohl am ehesten als eine vor allem von der Ortenauer Ritterschaft getragene Frauengemeinschaft mit stiftischen Elementen ansprechen.

Der Straßburger Bischof Albrecht von Pfalz-Mosbach (1478–1506) hob die Oberdorfer Klause 1491 auf Bitten des Propstes von →Allerheiligen und der →Lautenbacher Kirchenfabrik auf und übertrug ihre gesamten Güter und Einkünfte der in Lautenbach neu errichten Kirche.7 In seiner von entsprechenden Topoi durchsetzen Urkunde warf der Bischof den Frauen die Vernachlässigung ihres Besitzes und schwere moralische Verfehlungen vor. Letztlich sollte mit der Aufhebung vor allem der Unterhalt der kurz zuvor in Lautenbach fertiggestellten Stiftsanlage gesichert werden, nachdem sich die Pläne eines Umzuges der Prämonstratenser aus Allerheiligen dorthin zerschlagen hatten. Widerstand gegen die Entscheidung kam von der Ortenauer Ritterschaft, deren Toten in der Klause gedacht wurde und die für ihren Unterhalt umfangreiche Stiftungen getätigt hatten. Wohl auch deshalb wandte sich der Propst von Allerheiligen nach Rom und ließ sich die Aufhebungsurkunde des Bischofs von Straßburg päpstlicherseits bestätigen.8 In einem Kompromiss zwischen der Ritterschaft und dem Bischof vom April 1492 stimmte diese der Aufhebung der Klause zu, dafür sollten die Seelenmessen für die verstorbenen Mitglieder der Ritterschaft künftig in der Kirche in Lautenbach abgehalten werden. Auf deren dortige Durchführung weist ein Eintrag in einem Anniversar hin, der sich explizit auf das in der einstigen Klause durchgeführte Totengedenken bezieht.9 Ein Konventsmitglied wurde mit 12 Gulden abgefunden.10 Über das Schicksal weiterer Bewohnerinnen ist nichts bekannt. Das Archiv der Gemeinschaft fiel sehr wahrscheinlich an das Kloster Allerheiligen, in dessen Bestand im Generallandesarchiv sich heute die wenigen erhaltenen Urkunden der Klause befinden.

Bau- und Kunstgeschichte

Die ehemalige Nikolauskirche, die den Oberdorfer Schwestern für die Gottesdienste diente, lag südlich der Rench auf der gleichnamigen Gemarkung (heute Oberdorfstraße 45). Bauliche Reste ihres romanischen Chorturms haben sich in der heutigen Friedhofskapelle als quadratischer Altarraum (5,4 × 5,4 m) erhalten. Säulen mit Würfelkapitellen und das Kreuzrippengewölbe mit breiten, flachen Gurten bezeugen den architektonischen Anspruch. 1818 wurde das breite Kirchenschiff abgebrochen und stark verkleinert neugebaut, der Turm bis zum Erdgeschoss abgetragen. Pläne und Aufzeichnungen des frühen 19. Jahrhunderts geben Auskunft über die ehemalige Baugestalt.11 Es war eine große Saalkirche mit südlich an den Altarraum anschließender Sakristei und drei Altären. Schlichte frühgotische Maßwerkfenster belegen Umbauten im 13. Jahrhundert. Die Kanzel und die vielleicht von den Schwestern genutzte Empore müssen von dem südwestlich anschließenden Konventsbau aus zugänglich gewesen sein, dessen Abbruchkante in historischen Plänen nachvollziehbar geblieben ist.

Bibliographie

Quellen: Ruppert 1895.

Handbuch und Lexika: KDM Bd. 7, S. 275 f. (Max Wingenroth).

Literatur: Heizmann 1925; Pillin 1978 (a); Bühler 2019.

Anmerkungen

  • 1 GLA 34 Nr. 334.
  • 2 GLA 34 Nr. 725.
  • 3 GLA 34 Nr. 335, Druck: FUB II, Nr. 85 S. 56 f.
  • 4 So bei Pillin 1978 (a) und Bühler 2019.
  • 5 GLA 34 Nr. 962.
  • 6 So bspw. GLA 34 Nr. 815, 1461, 1462; GLA 37 Nr. 961.
  • 7 GLA 34 Nr. 725; Druck dieser und weiterer Urkunden in diesem Kontext bei: Ruppert 1895, S. 28 7-290.
  • 8 GLA 34 Nr. 727.
  • 9 BLB Cod. Allerheiligen 7, fol. 3 r.
  • 10 GLA 34 Nr. 962.
  • 11 Stadtmuseum Oberkirch Ms. 1871
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Johannes Krämer [Autor]
  • Ellen Schumacher [Autor]
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)