Reichenau, Kanonikerstift St. Johann
| Kurzbeschreibung: | 1008 (?) erste Erwähnung von Brüdern in St. Johann – 1251 Inkorporation in die Abtei Reichenau – vor 1464 (?) Auflösung – 1812 Abbruch der Kirche Patrozinium: Johannes der TäuferKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Reichenau |
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| Beschreibung: | Name: brüder sant Johanns des töffers (1008, Übersetzung Öhems);1 fratres apud sanctum Johannem deo studiose famulantes (1142)2 GeschichteUnter dem Reichenauer Abt Ekkehard I. (958– 972) entstand die Kirche St. Johann als Pfarr- und Taufkirche für die familia des Klosters. Der archäologisch gesicherte Friedhof bekräftigt diese Funktion. In den Quellen tauchen spärliche Hinweise auf, die es erlauben, St. Johann zeitweilig als Stift zu bezeichnen. Allerdings sind diese Belege dürftig und sie werden in der Forschung unterschiedlich gedeutet. Die nur bei Gallus Öhem überlieferte Urkunde Abt Berns von 1008, in der umfangreiche Bestimmungen zu den korherren inderthalb der insul getroffen werden, finden auch brüder sant Johanns des töffers Erwähnung.3 Im Jahr 1142 sind fratres apud sanctum Johannem deo studiose famulantes4 genannt und 1194 schließlich werden neben dem plebanus sancti Iohannis auch drei Kanoniker genannt, die in den folgenden Jahren mehrmals auftauchen.5 Anfang des 13. Jahrhunderts kann man wohl von mindestens vier Kanonikaten bei St. Johann ausgehen. Der rechtliche Charakter dieser Klerikergemeinschaft bleibt undeutlich, auffällig ist zumindest, dass kein Propst in den Quellen erwähnt wird. Das kann als Hinweis gesehen werden, dass die Dominanz des Klosters in dem »stiftsartigen Konvent«6 vorherrschend war. Diese Unsicherheit in der Bewertung lässt bereits Gallus Öhem durchscheinen: Die ander ist ain pfarrkilch in der ere sant Johannes, von Eggenhardo, dem dry und zwaintzigsten abt in der Ow, ganz costlich und herlich gestifft. Ich erfind aber nit, das sy ain brobstey gewesen sy; sy hat aber gehept vor jaren sechs und jetz dry priester.7 Eine weitere Einschränkung bedeutete die Inkorporation in die Abtei 1251, die damit die finanziellen Nutzungsrechte des Vermögens von St. Johann übernahm. Der Abt von Mittelzell konnte nun die Pfründen von St. Johann vergeben. Überblickt man die Präbendare von St. Johann, so ist festzustellen, dass bei der Pfründenvergabe verstärkt Abkömmlinge der umliegenden Ministerialenfamilien berücksichtigt wurden. Als Annex der Abtei bezeichnete Abt Johannes Pfuser noch 1453 St. Johann: Item die pffarkirch in der Ouw zů sant Johanns annexa monasterio ist dem gotzhuß gantz mit allen rechten incorporiert vnd ist ain lúpriester da selbß nit denn ain vicary ainß herren von Ouw, und segnett ain abbt den toff, kertzen, balmen vnd andere ding etc.8 Wegen der geringen Einkünfte wurden unter Abt Johann von Hinwil (1454–1464) die fünf Chorherrenpfründen auf eine vereinigt. Art und Umfang des stiftsartigen Konvents bleiben schemenhaft. Bau- und KunstgeschichteDie Stifts- und Pfarrkirche stand südlich oberhalb der →Benediktinerabtei St. Maria und Markus am Rand des Laienfriedhofs (→Lageplan, Reichenau, Benediktiner (Mittelzell), Abb. 8). Auf dem großformatigen Pirminsbild (um 1624) ist die Kirche von Nordosten sichtbar; der Gemarkungsplan von 1707 (Abb. 1) überliefert den Grundriss, eine Südostansicht und einen Blick von Norden.9 Dargestellt ist eine dreischiffige romanische Kirche mit quadratischem Altarraum, der in einen hohen Turm integriert war. Treppengiebel, eine große Uhr und das quergestellte Satteldach machten den spätmittelalterlich aufgehöhten Turm zu einer weithin sichtbaren Landmarke. Die gleichmäßig gereihten Fenster sprechen dafür, dass das Langhaus nicht gewölbt war. Das zeitweise wohl vorhandene Gestühl der Kanoniker dürfte im Ostteil des Mittelschiffs gestanden haben. Türen führten 1707 in den Südteil der Westfassade sowie durch eine Südvorhalle ins Südseitenschiff. Nach der Aufhebung der Pfarrei 1809 wurde die Kirche schließlich 1812 abgebrochen. Ob es angrenzende Stiftsbauten gab, ist unbekannt; sie könnten wohl nur an der Nordseite gelegen haben. Der spätmittelalterliche Pfarrhof steht südöstlich der Kirche an der Hauptstraße; dort waren Wandmalereireste erhalten. Teile des an die Kirche angrenzenden Laienfriedhofs wurden 1974/75 archäologisch dokumentiert. BibliographieHandbücher und Lexika: SKHB, S. 524 f. (Erwin Frauenknecht). Literatur: Beyerle/Manser 1925; Untermann 2001; Zettler 2005; Badisches Landesmuseum 2024, S. 290–301; Zimmermann/Siart/Gedigk 2024, S. 130–134. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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