Seelbach, Franziskaner 

Kurzbeschreibung:

1732 Gründung im Rang eines Hospizes – 1813 Aufhebung

Patrozinium: Michael
Ordensgliederung: Tiroler Observantenprovinz; 1782 Vorderösterreichische Observantenprovinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Straßburg, Archidiakonat Ultra Rhenum, Landkapitel Lahr

Ortsbezüge:
  • Seelbach
  • Seelbach, Ortenaukreis
Ordensregel:
  • Franziskaner 1732-1813
Beschreibung:

Name: Franciscaner clösterle in loco Seelbach (1730), monasterioli in loco Seelbach (1731);1 […] erbawung des clösterles oder hospitum (1730);2 [] errichtung eines Franciscaner clösterles in loco Seelbach (1730);3 super erectione novi monasterioli sive hospitii in lago [sic] Seelbach hujius diocesis Argentinensis (1732);4 monasteriolum Selbacense ad S. Michaelem Archangelum (1781)5

Geschichte

Nach langen Vorgesprächen willigte Graf Karl Kaspar von der Leyen 1730 (1692–1739) als Ortsherr ein, in Seelbach eine Niederlassung der reformierten Franziskaner zu errichten, um die umliegenden Gemeinden mit Gottesdienst, Katechese und Seelsorge zu versorgen. Dies war die letzte Gründung der Tiroler Ordensprovinz und zugleich ihr letztes Neubauunternehmen im 18. Jahrhundert. Die Verfügung des Provinzials stammt wie die dazu vom Straßburger Bischof Armand I. Gaston (1704–1749) aufgesetzte Urkunde aus dem Herbst 1731. Der Gründungsvertrag zwischen dem Grafen und der Tiroler Ordensprovinz vom 27. September 1731 formulierte in zwölf Punkten die Zuständigkeiten, Pflichten und Rechte rund um das Vorhaben im Zuge der Gegenreformation (Abb. 1).6 Im Vordergrund sollte nicht die klösterliche Gemeinschaft, sondern die Seelsorge stehen. Weitere Verabredungen bezogen sich auf den Unterhalt, die Abtretung der Terminierbezirke und die Unterstützung durch den Orden, falls der von den Bettelmönchen eingesammelte Unterhalt nicht ausreicht.

Die Gründung des Klosters wurde am 12. Januar 1732 von Kaiser Karl VI. (1711–1740) als Lehensherr der Herrschaft Geroldseck bestätigt.7 Am 30. Januar 1732 erfolgte die kirchenrechtlich verbindliche Übereignung des Grundstücks, auf dem zuvor das Seelbacher Pfarrhaus gestanden hatte. Pfarrer Sigbert Dornblüet wechselte nach Schuttertal, wo ihm der Orden ein neues Pfarrhaus errichtete. 1732 formulierte der Generalvikar von Straßburg die Arbeitsbedingungen der Klosterinsassen gemäß den zuvor getroffenen Vereinbarungen. Pater Adalbert Kleinhans (1685–1751) wurde zum ersten Präses bestellt.8 Die Niederlassung hatte den Status eines vom Kloster in →Kenzingen abhängigen Hospizes.9 Bezogen wurde der teils unterkellerte, mit eigenem Brunnen und Garten versehene Klosterbau nach der Einweihung am 29. September 1735 von vier Patres und zwei Laienbrüdern, die aus Kenzingen abgesandt und vom Generalvikar als vicarii curati approbiert waren.

Offenbar war der Konvent nicht immer vollständig besetzt. Aus Kenzinger Akten geht hervor, dass Adam Pelle, ab 1802 der letzte Provinzialminister der vorderösterreichischen Franziskanerprovinz, 1799 als Superior nach Seelbach abgeordnet war, dazu Pater Fulgentius Baumgartner als Kooperator, Pater Desiderius Schwenk als Katechet und zwei Konversen. Nach einer Personalliste vom Juni 1803 lebten neben dem Superior zwei Patres und zwei Laienbrüder im Konvent, die ebenfalls aus dem Kenzinger Kloster kamen.10 Für 1812 sind keine Laienbrüder mehr nachweisbar, stattdessen vier Mönche, darunter Superior Kylian Neßler und Philipp Rogg, der seit Herbst 1812 letzter Vorsteher und Vermögensverwalter des Klosters war.11

Im Rahmen der kirchenpolitischen Reformen unter Kaiser Joseph II. (1765–1790) wurde auch das Kloster Seelbach von seinen alten Bindungen gelöst und mit Freiburg, Kenzingen und anderen Niederlassungen zu einer vorderösterreichischen Provinz zusammengeschlossen. Als eine Kommission des Oberamtes Seelbach am 16. Juni 1803 eine Inventur vornahm und die Säkularisation drohte, berichtete Pelle in Kenzingen, dass die Familie von der Leyen die Ordensniederlassung nicht aufheben wolle. Ein Jahrzehnt später, am 25. September 1813, erklärte der inzwischen in den Fürstenstand erhobene Philipp von der Leyen das Kloster samt Garten dann doch für aufgehoben und konfiszierte den Besitz.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Hospiz liegt unmittelbar an der Straße, die von Schweighausen nach Lahr führt. Im modern renovierten Gebäudekomplex des ehemaligen Klosters im Zentrum des Dorfes befinden sich heute das Rathaus und die Gemeindeverwaltung. Neben dem Gebäude der ehemaligen Kirche liegt der Klosterplatz mit dem Brunnen; ein Vorratskeller im ehemaligen Klostergarten ist noch sehr gut erhalten.

Kirche und Konventsbauten

Über das Bauvorhaben unterrichten die zwischen 1730 und 1732 angefertigten Pläne von dem franziskanischen Baumeister Cletus Schaller mit drei Erdgeschoss- und zwei Obergeschossgrundrissen.12 Trotz der Mitteilung, dass »man seine ursprüngliche Gestalt heute nur mehr mit Mühe ausmachen kann«,13 lässt sich die Grundanlage des Konvents anhand dieser Zeichnungen gut nachvollziehen, auch wenn die Ausführung besonders beim Ostflügel von den Plänen abweicht.

Die dreiflügelige Anlage bestand aus der Saalkirche im Süden und den anschließenden Konventsbauten im Norden und Westen. Von einer Mauer, die den Garten einfasste und die Klausur einschloss, sind Reste erhalten. Der einschiffige Kirchenbau mit Saal, Altarraum und Psallierchor lag in nordöstlicher Ausrichtung. Die drei Gebäudeteile um den 9,6 × 9,6 m großen Innenhof wiesen im Erdgeschoss einen Kreuzgang auf. Wie in Kenzingen bildet die Kirche den Westflügel der Klosteranlage. Ähnlich reduzierte Lösungen hatte es beim Bau der Franziskanerklöster in Waldsee (1655–57) und in Brixen (1671–76) gegeben.

Laut einem 1810 angefertigten Grundriss (geometrischer entwurf)14 des Forst-Geometers Eberenz gehörte zu der Anlage neben kleineren Funktionsbauten (Holzschopf, Salzhäuschen) auch ein ummauerter Obst- und Gemüsegarten mit unterirdischem Vorratsbau (gartenhauß, worunter eine lergrube), der noch erhalten ist. Die Erdgeschossräume dienten wirtschaftlichen Zwecken (Küche, Vorratskammer, Refektorium, Waschküche, Pförtnerstube). Im Obergeschoss befanden sich Oratorium, Archiv, Bibliothek, Krankenzimmer und fünf Zellen. Das Material für den Bau lieferten Sandsteinbrüche und Tannenwälder im Schuttertal. Unter Berufung auf die kaiserliche Genehmigung baten die Mönche noch 1736 um Bauholz aus dem Friesenheimer Wald.

Den Kirchenbau hatten die Franziskaner offenbar längst vorangetrieben, als am 20. Juli 1738 die Errichtung einer capella privata beantragt und am 21. August vom Straßburger Bischof genehmigt wurde, denn schon am 29. September 1738 benedizierte Dekan Lindenmaier die Sankt Michael geweihte Klosterkirche.15 Um der Pfarrkirche im Ort den Vorrang einzuräumen, sollte dort allerdings nur zu Ordensfesten gepredigt werden. Erwähnenswert ist der hängend konstruierte Dachstuhl.

Der acht Meter tiefe Vorratskeller des Klostergartens befindet sich heute unter dem Wohnhaus Hauptstraße 17a. Er wurde um 1735 in Trockenbauweise aus Sandstein errichtet. Im Winter bestückten die Mönche den Keller wohl mit Eisblöcken aus der nahegelegenen Schutter. Über einen auf der Sohle befindlichen Schacht floss das Schmelzwasser allmählich ab, so dass der Keller ganzjährig zur Kühlung von Obst und Gemüse diente.

Das Gebäudeensemble wurde nach der Auflösung des Konvents mehrfach umgebaut und erweitert. 1815–34 befand sich darin eine Textilmanufaktur.16 Das Anwesen ging anschließend in den Besitz der Gemeinde über und wurde unter anderem als Armenhaus und Gefängnis genutzt. Von 1895 bis 1958 beherbergte die Klosterkirche auf drei eingezogenen Stockwerken die einzige Schule der Gemeinde.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

In der schlichten Klosterkirche soll es drei seit 1738 von Schaller geschaffene Altäre und eine Kanzel aus seiner Werkstatt gegeben haben. Sämtliches Inventar fiel 1813 zurück an die Familie von der Leyen. Lediglich ein Messkelch, der 1733 als Geschenk aus dem Brixener Klarissenkloster nach Seelbach kam, befindet sich noch in der Pfarrkirche.17

Bibliographie

Literatur: Müller 1978 (i); Singler 1979; Brinktrine 1979; Schmid 1979 (a), (b), (c).

Anmerkungen

  • 1 GLA 27 Nr. 1079; GLA 229 Nr. 96829.
  • 2 GLA 229 Nr. 96830.
  • 3 GLA 229 Nr. 96831.
  • 4 GLA 27 Nr. 1083.
  • 5 Greiderer 1781, S. 97.
  • 6 GLA 27 Nr. 1080 (27. 9. 1731), Nr. 1081 (13. 11. 1731); PfA Zell am Harmersbach, Bischöfliches Statut betreffend die Errichtung der Franziskanerniederlassung in Seelbach und die seelsorgerische Betreuung von Prinzbach von 1731 (entspricht GLA 27 Nr. 1081).
  • 7 GLA 27 Nr. 1082 (12. 1. 1732).
  • 8 GLA 27 Nr. 107 9-1083; GLA 111 (172 7-1731); Provinzarchiv Hall in Tirol Cista 7 (173 1-1735).
  • 9 GLA G Seelbach 3, 5.
  • 10 GLA 229 Nr. 96832; GLA 208 Nr. 555.
  • 11 Schmid 1979 (b).
  • 12 GLA G Seelbach 1-5, Abb. 1 u. 2 online sowie bei Müller 1978 (i), S. 567. Die Pläne waren nach Auskunft des Archivs ursprünglich Bestandteil der Akte GLA 229 Nr. 96831.
  • 13 Brinktrine 1978.
  • 14 GLA 111 P A 206 (Abb. bei Schmid 1979 (c), S. 269), unter dieser Signatur auch eine Abschrift von 1817 mit Legende (olim GLA Waal 5136); eine weitere Abschrift liegt im PfA Zell am Harmersbach o.S.
  • 15 Provinzarchiv Hall Cista 7/W 339, Ea 4.
  • 16 Schmid 1979 (b); Schmid 1979 (c).
  • 17 Provinzarchiv Hall Cista 20, Fasz. K 58 (1731); abgebildet bei Singler 1979, S. 260
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Wolfgang Achnitz [Autor]
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