Tauberbischofsheim, Benediktinerinnen
| Kurzbeschreibung: | vor 865 Erwähnung in der Vita der Hl. Lioba Kirchliche Zugehörigkeit: vermutlich ab 741/42 Bistum Würzburg |
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| Beschreibung: | Name: monasterium in loco qui vocatur Biscofesheim (vor 865)1 GeschichteVon dem Kloster des 8. Jahrhunderts erfahren wir nur aus der Vita Leobae, also einer Heiligenvita, die von dem Fuldaer Mönch Rudolf († 865) stammte. Da die Gebeine der Lioba 836 vom Kloster Fulda in die Krypta auf dem benachbarten Petersberg überführt wurden, dürfte die Vita zu diesem Zeitpunkt oder kurz danach geschrieben worden sein. Die zeitliche und lokale Distanz ist also zu beachten. Lioba wurde demnach von ihrem Verwandten, dem Hl. Bonifatius, als Äbtissin im vermutlich bereits bestehenden Kloster Bischofsheim, vermutlich in den 730er Jahren, eingesetzt: Leobam vero virginem spiritalem virginum matrem esse decrevit, statuitque ei monasterium in loco qui vocatur Biscofesheim.2 Dort gab es, so die Vita, bereits eine größere Gruppe von Kanonissen oder Nonnen (ancillae Dei), die vermutlich regionalen Adelsfamilien entstammten. In ihrer Regierungszeit sei, so die Vita, das Kloster zum Ausbildungsort vieler zukünftiger Äbtissinnen geworden, ohne dass hier aber die Namen genannt werden. In einem Brief des Bonifatius an Lioba, die auch einmal als abbatissa bezeichnet wird, soll diese ein (adeliges?) Mädchen zeitweise zur Ausbildung in ihrem Kloster aufnehmen.3 Es bleibt nicht beweisbar, ob mit Biscofesheim letztlich Tauberbischofsheim gemeint war, da Rudolf hier keine genaueren Ortsangaben macht. Lediglich ein Wunder Liobas berichtet von der Tauber (cap. 15: Tuberaha).4 Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes, curtis Piscovesheim in pago Tubercowe, stammt aus dem Jahre 978. Die spezifische Lage des Klosters bleibt unbekannt. Es gibt auch keine zeitgenössischen Quellenhinweise, dass Bonifatius mehrere (angelsächsische) Frauenklöster gegründet habe. Über Liobas Wirken als Lehrerin sind wir nur annäherungsweise informiert, die Vita lobt überragende Kenntnisse des Alten und Neuen Testamentes sowie bei den Kirchenvätern und den Canones. In den Wundern Liobas wird deutlich, dass das Kloster für die Bevölkerung ansprechbar war (cap. 12: Vorwurf der Kindstötung), also wohl keine strenge Klausur herrschte. Die Dorfbewohner halfen auch, als im Kloster ein Feuer ausbrach (cap. 13).5 An einem 28. September, vermutlich im Jahre 782, verstarb Lioba, interessanterweise nicht in ihrem Kloster, sondern auf dem Königsgut Schornsheim bei Mainz,6 ihr Körper wurde nach Fulda transferiert, um in der Nähe des Bonifatius begraben zu werden. Eine Reliquie von ihr war für Biscofesheim nicht vorgesehen, ein Heiligengrab von Lioba ist also in Tauberbischofsheim nicht vorhanden. Fraglich bleibt, ob mit diesem Akt auch der bisherige Frauenkonvent aufgelöst und nach Fulda transferiert wurde oder noch länger bestand. Der Steinsarkophag in der Petersberger Krypta trägt die Inschrift: RELIQ[UIAE] S[AN]C[T]AE LIOBAE. Das 1629 gegründete →Franziskanerkloster in Tauberbischofsheim hält mit der 1656 erbauten Liobakapelle die Erinnerung an die Heilige bis heute wach. Die Haustradition behauptet, dass das Klosterareal mit jenem des Lioba-Klosters übereinstimme. Aufgrund der fehlenden Informationen finden sich zahlreiche Mutmaßungen in der Literatur, die zum einen die Vita Leobae kritiklos übernehmen, zum anderen weite Spekulationen daraus ziehen. Gabriel Bucelin hat in seinem Menologium Benedictinum Sanctorum von 1655 Lioba erwähnt, nicht aber Tauberbischofsheim als Ort des Nonnenklosters.7 Bau- und KunstgeschichteEin großes, sorgfältig gearbeitetes, frühmittelalterliches Kompositkapitell mit zweizonigem Aufbau wurde im Tauberbischofsheimer Spital und späteren Franziskanerkloster als Brunnentrog genutzt (heute im Tauberfränkischen Landschaftsmuseum, Tauberbischofsheim). Es gehörte zu einer Säule von ca. 65 cm Durchmesser und trug eine Mauer von ca. 90 cm Dicke. Das Kapitell stammt von einem archäologisch bislang nicht nachgewiesenen, ansehnlichen Kirchenbau karolingischer Zeit. Seine nächsten Parallelen findet es an der ca. 790–819 erbauten Klosterkirche in Fulda und wurde von denselben Werkleuten, aber aus lokalem Mainsandstein gefertigt. Das Werkstück könnte ein wichtiges Indiz für die Existenz eines frühmittelalterlichen, mit Fulda verbundenen Klosters sein. Da die ältere Lokalforschung annahm, dass in Tauberbischofsheim allenfalls ein kleines, hölzernes Kloster existiert hatte, wurde das Kapitell hypothetisch als Spolie aus Fulda oder aus dem 17 km entfernten fuldaischen Nebenkloster Holzkirchen gedeutet; dafür fehlen weitere Indizien. Für die seit 1635 behauptete Lage des Lioba-Klosters im Spitalbereich bot wohl das damals dort befindliche Kapitell den Anlass.8 BibliographieHandbücher und Lexika: DI 1 (Ernst Cucuel/Hermann Eckert); KDM Bd. 4,2, S. 165 (Adolf von Oechelhäuser). Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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