Schlatt, Lazariter 

Kurzbeschreibung:

um 1250 Gründung – 1271 Ersterwähnung – 1297 erster Beleg für eine Frauengemeinschaft – 1362 Anschluss an den Johanniterorden

Patrozinium: Sebastian
Ordensgliederung: Provinz Alemannia, Regionalverband Schlatt, Gfenn, Seedorf
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Breisach

Ortsbezüge:
  • Schlatt
  • Schlatt, Bad Krozingen, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Ordensregel:
  • Lazariter 1250-1362
Beschreibung:

Name: fratribus in Slatte (1271);1 domus sancti Lazari in Schlatte (1275);2 magistro et fratribus domus hospitalis leprosorum sancti Lazari Jerosolymitani in villa Slat (1360)3

Geschichte

Das Gründungsjahr der Lazariterkommende in Schlatt ist nicht bekannt, konnte jedoch jüngst nach vor allem diplomatischen Überlegungen auf die Zeit um 1250 eingegrenzt werden. Der älteste Beleg für die Gemeinschaft liegt aus dem Jahr 1271 vor.4 Eine im ausgehenden 13. Jahrhundert auf das Jahr 1220 gefälschte Urkunde referiert die Gründungsvorgänge in Teilen glaubhaft.5 Demnach hatten verschiedene Herren von Staufen auf einer Fahrt ins Heilige Land die Lazariter kennengelernt und unter diesem Eindruck die Stiftung einer Niederlassung des Ordens gelobt. Zurück im Breisgau führte man das Vorhaben aus und übergab die Sebastians-Kirche in Schlatt samt Zubehör an den Lazariterbruder Heinrich von Ambringen, der vermutlich als erster Komtur die Niederlassung aufbaute. In einer echten Urkunde Gottfrieds, Werners und Diethelms von Staufen des Jahres 1277 wurde diese Stiftung im Wesentlichen bestätigt.6

Vermutlich bereits von Beginn an sollten in Schlatt sowohl eine Männer- als auch eine Frauengemeinschaft eingerichtet werden, wie die gefälschte Urkunde bestimmte. Dies dürfte zumindest den Zustand aus ihrer Entstehungszeit gegen Ende des Jahrhunderts widerspiegeln. Die früheste Lazariterschwester ist im Jahr 1297 belegt.7 Eine soror Ita de Wassen aus dem Jahr 1362 gilt als Vorsteherin der Frauengemeinschaft.8

Da sich der Lazariterorden dezidiert der Versorgung Aussätziger widmete und sogar Leprose als Kämpfer aufnahm, wird die Einrichtung eines Leprosenspitals in Schlatt gemeinhin angenommen, nicht zuletzt auch wegen der Lage bei einer als heilkräftig geltenden Quelle und dem Vorhandensein der Lazariterschwestern. In den Quellen findet sich jedoch kein Beleg für ein dortiges Spital.

Im Jahr 1271 stand ein Bruder Volbert sowohl der Kommende in Schlatt, als auch den Kommenden in Gfenn (Kt. Zürich) und Seedorf (Kt. Uri) als Komtur vor. Da für die beiden letzteren Häuser aus der Zeit auch eigene Komture belegt sind, interessanter Weise mit Namen, die auf eine Herkunft aus dem Breisgau hindeuten (von Merdingen, von Staufen), wirkte der in Schlatt residierende Volbert offenbar als Provinzial; die drei genannten Kommenden bildeten einen eigenen Verband. Zwischen 1277 und 1321 wirkte ein Siegfried von Schlatt als Komtur, teilweise ebenfalls als Provinzial.

Im Lauf der Jahre verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Kommende, wohl nicht zuletzt deshalb, weil die Herren von Staufen, die anfänglichen Stifter und Förderer, nicht mehr den Lazariter- sondern den Johanniterorden förderten. So war Komtur Konrad von Friesen im Jahr 1362 gezwungen, die gesamten Güter an die Freiburger →Johanniter zu verkaufen,9 die obendrein auch für die Schulden der Lazariter aufkommen mussten. Konrad und der Konvent traten daraufhin mit bischöflicher Erlaubnis in den Johanniterorden über.10

Das Archiv der Lazariter ging nach dem Verkauf an die Johanniter. Die Urkunden aus Schlatt befinden sich heute in der Abteilung 20 (Johanniterarchive) des Generallandesarchivs in Karlsruhe.

Die Sebastianskirche am südöstlichen Rand des Dorfes liegt unmittelbar unterhalb des im Osten steil ansteigenden Schlatter Berges. Sie ist in ihrer heutigen Gestalt ein einfacher Bau mit 5/8–Chorschluss, an den südlich der Kirchturm mit Satteldach und nördlich die Sakristei angebaut sind. Die ältesten erhaltenen Bauteile des Turms entstammen möglicherweise noch der Zeit der Lazariter. Die ehemaligen Gebäude der Kommende sind nicht erhalten. Aus dem 19. Jahrhundert gibt es Berichte, dass bei Bauarbeiten im Bereich nördlich der Kirche zahlreiche Grundmauern beobachtet wurden, die jedoch undokumentiert blieben.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 649 (Dagmar Zimdars); KDM Bd. 6,1, S. 460–462 (Franz Xaver Kraus); HelvSac IV,7, S. 873–886 (Brigitte Degler-Spengler).

Literatur: Schulte 1886; Heggelbacher 1954.

Anmerkungen

  • 1 GLA 20 Nr. 1851.
  • 2 GLA 20 Nr. 1852 f.
  • 3 GLA 67 Nr. 655 f., fol. 42 r-v.
  • 4 GLA 20 Nr. 1851.
  • 5 Druck: Schulte 1886, S. 46 3-465.
  • 6 Druck: Schulte 1886, S. 46 7-469.
  • 7 Fr UB (Hefele) II, Nr. 224 S. 268 f.
  • 8 Druck: Rieder 1901, Urk. 3 S. 250.
  • 9 GLA 20 Nr. 131; Druck bei Rieder 1901, Urk. 1 f. S. 249 f.
  • 10 Wie Anm. 8
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Boris Bigott [Autor]
Suche
Durchschnitt (0 Stimmen)