Kaltbrunn, Bruderhaus »im Türrain« 

Kurzbeschreibung:

1390 als Einsiedelei gegründet – 1489 vielleicht von einer Frauengemeinschaft bewohnt – im frühen 16. Jh. Leprosorium der Abtei Reichenau – 1538 letztmals Brüder erwähnt

Patrozinium: Leonhard
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Reichenau

Ortsbezüge:
  • Kaltbrunn
  • Kaltbrunn, Allensbach, Landkreis Konstanz
Ordensregel:
  • Bruderhaus »im Türrain« 1390-1538
Beschreibung:

Name: Türrain (1390)1

Geschichte

Der Reichenauer Abt Werner von Rosenegg (1385–1402) verlieh die Hofstatt im Türrain (bei Kaltbrunn auf dem Bodanrück) 1390 einem Bruder Sitzo von Öhringen mit gleichem Recht wie →St. Katharina am Überlinger See, →St. Katharina im Mainauwald und →Adelheiden. Die Bestätigung dieser Rechte erfolgte 1415 durch König Sigismund (1411–1437) für Bruder Sitzo, 1417 durch Papst Martin V. (1417–1431) für den Augustinerchorherrn Johann Schönbel, Rektor der Kapelle St. Leonhard im Türrain, der dort mit einem weiteren Bruder gemeinschaftlich lebte; Abt Friedrich von Zollern (1402–1427) verlieh ihnen eine Ordnung und vergrößerte die Ausstattung um den nahen Mühlhaldenhof (bei Dettingen).2 Der Zürcher Chorherr und Kanonist Felix Hemmerli († 1459) berichtet von einem Häretiker Heinrich von Türrain, der sich mitsamt seinen Anhängern einer öffentlichen Buße unterzogen hätte.3 Dieser Vorgang mag das geistliche Leben auf dem Türrainhof vorerst beendet haben. 1489 ist beiläufig einmal eine weiter nicht bekannte Frauengemeinschaft im Türrain genannt.4 Von 1518 bis zu seinem Tod 1538 lebte Januarius von Reischach, der letzte edelfreie Konventuale der Abtei Reichenau, auf dem Türrainhof, der zu diesem Zeitpunkt als Leprosorium diente und bis 1538 von zwei Brüdern betreut wurde.5 Von 1539 an wurden der Hof und die dazugehörigen Güter an Laien verliehen, die für den Unterhalt der Kapelle sorgten. In der 2004 abgerissenen Kapelle las bis 1834 ein Allensbacher Kaplan wöchentlich die Messe.6

Bibliographie

Handbücher und Lexika: KB Konstanz Bd. 3, S. 623 f. (Anneliese Müller).

Literatur: Wilts 1994, S. 268; Kuhn 2019; Derschka 2023, S. 203.

Anmerkungen

  • 1 GLA 5 Nr. 16728.
  • 2 GLA 5 Nr. 1672 8-16731.
  • 3 Hemmerli [ 1497 ], fol. 18 r-v.
  • 4 Derschka 2022, S. 251.
  • 5 GLA 5 Nr. 16717; GLA 5 Nr. 16732; BSB Clm 15016, S. 573 f.
  • 6 GLA 5 Nr. 1671 9-16726; Bader 1960, S. 55; Kuhn 2019, S. 15
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Harald Derschka [Autor]
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