Freiburg, Augustinereremiten 

Kurzbeschreibung:

1229 Ersterwähnung – 1515 Übertritt zur Observanz – 1784/1806 Aufhebung

Patrozinium: Martin
Ordensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) Provinz, Kustodie Basel; 1515 Oberdeutsche Observantenvikarie, 1517 Oberdeutsche Observantenprovinz, Kustodie Rhein; 1580 Tiroler Observantenprovinz (Innsbruck); 1627 Anschluss der Provinz an den Zweig der Reformaten, Tiroler Provinz St. Leopold; 1783 Vorderösterreichische Observantenprovinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg

Ortsbezüge:
  • Freiburg
  • Freiburg im Breisgau
Ordensregel:
  • Franziskaner 1229-1806
  • Augustinereremiten 1784-1810
Beschreibung:

Name: domus fratrum Minorum (1258);1 claustrum fratrum Minorum (1258);2 convent gemeinlich der Minren brueder (1318);3 conventus fratrum Minorum observantium reformatorum discalceatorum Friburgi Brisgoviae Provinciae S. Leopoldi (nach 1627)4

Geschichte

Historische Entwicklung

Erstmals werden die Franziskaner in Freiburg in einem Schreiben Papst Gregors IX. (1227–1241) an den Bischof von Konstanz vom 20. Februar 1229 erwähnt, in dem er diesen energisch anweist, die Kirche der Minderbrüder iuxta Friburc zu weihen, da sie ungeweiht von der Bevölkerung als Synagoga Judaica verspottet würde. Graf Konrad I. von Freiburg (1236–1271) beschenkte sie 1246 mit vier Hofstätten im Stadtzentrum, wo bereits eine dem Hl. Martin geweihte Kapelle bestand. 1262 überließ Graf Konrad den Brüdern das Grundstück der Bürgerin Mechtild Muchterin zum Bau des Chors, 1271 ein weiteres aus dem Besitz des Bürgers Heinrich Morhard.5

Über die Zahl und die Herkunft der Konventsangehörigen liegen keine belastbaren Daten vor. Namentlich bekannte Brüder stammten aus der näheren Umgebung Freiburgs. Eine nicht repräsentative Auflistung vom Jahre 1514 nennt XIII priester, 1 ewangeliar, IX knaben vnd ein frow die den siechen wartet, ein koch=XXV personen.6 Im 13. und 14. Jahrhundert dürfte die Zahl höher gewesen sein. 1382 starben neun Brüder und zwei famuli an der Pest, darunter der Guardian Snewlinus Fürstenberg.7

Ein einschneidendes Datum in der Geschichte des Konvents war der 6. August 1515. An diesem Tag wurde das Kloster auf Geheiß Kaiser Maximilians I. (1493–1519) und Papst Leos X. (1513–1521) unter Leitung des Abts des Benediktinerklosters →Schuttern, Johannes Widel (1491–1518), mit tatkräftiger Beteiligung weltlicher Autoritäten reformiert und der Oberdeutschen Observantenvikarie unterstellt. Anstelle der zuvor vertriebenen Konventualen zogen 27 Observanten unter Leitung des Provinzials Kaspar Schatzgeyer ein. Als erster Guardian des neuen Konvents wurde der Tübinger Werner Zachmann eingesetzt, als Lesemeister Johannes Hafenbrack und als Prediger Heinrich Kastner. Es war die letzte Übernahme eines Konventualenklosters durch die Observanten vor der endgültigen Trennung der beiden Ordenszweige durch Papst Leo X. im Jahre 1517.

Vorausgegangen war ein jahrelanger Konflikt mit den städtischen Autoritäten, der sich vielleicht daran entzündete, dass das Kloster im Februar 1496 einem flüchtigen Mörder Asyl gewährt hatte. Zwei Protagonisten der künftigen Reforminitiative, Zunftmeister Peter Sprung und der spätere Stadtschreiber Ulrich Wirtner, wurden kurz darauf zu Pflegern bestellt. Streit um die Kastvogtei und das Reisgeld dürfte die Spannungen verstärkt haben. Entscheidend war wohl die Persönlichkeit des Asketen und Mystikers Hans von Schönau, der als Pfründner im nahegelegenen Reuerinnenkloster →St. Maria Magdalena lebte und als eifriger Förderer von Reformbestrebungen vß jnpflanntzung des allmechtigen bekannt war.8

Erste Initiativen wurden schon vor 1504 ergriffen, in die auch König Maximilian I. einbezogen wurde. Eine Missive des Rats an den König führt aus, dass die Stadt mit den Klöstern vberlastiget sei, zumal die Barfüßer aufgrund ihres Lebenswandels den Bürgern kein gutes Vorbild seien. Die guten Beziehungen der Freiburger zum Hof in Innsbruck sollten in der Folge für die Durchführung der Reform entscheidend sein. Ein formeller Ratsbeschluss erfolgte am 6. September 1505, durch den Peter Sprung mit einer instruction9 und detaillierten Vorstellungen an den Guardian des reformierten Basler Klosters und Inhaber der Kustodie gesandt wurde. Das Vorgehen verlief aber aus unbekannten Gründen im Sand. Erst nach der Eröffnung des 5. Laterankonzils 1512 erfolgte ein neuer Anlauf. Ulrich Wirtner führte in Mailand Verhandlungen mit dem päpstlichen Nuntius Lorenzo Campeggio, der für seine Mühen ein Geschenk von 300 Gulden erhielt. Papst Leo X. erließ am 27. März 1514 ein Breve Ex ministerio operationis10 an den Provinzial der Oberdeutschen Provinz, Georg Hoffmann, mit der Anweisung, das heruntergekommene Freiburger Kloster »auf Wunsch Kaiser Maximilians« zu reformieren. Der Kaiser setzte sich beim Papst, bei der Regierung der Vorlande in Ensisheim und der Stadt Freiburg energisch für die Reform ein, gegen die die Konventualen trotz hartnäckigen Widerstands schließlich machtlos waren. Ein Reformpamphlet hatte sie auch moralisch diskreditiert.11 Als Gegenleistung für die Enteignung des Klosterguts war die Stadt künftig zum Unterhalt der Brüder verpflichtet, wie ein späterer Eintrag im Anniversar des Konvents dokumentiert.12

Mit dem Übergang zur Observanz ging auch eine Veränderung der tragenden Bevölkerungskreise einher, die sich an den Einträgen im Anniversar manifestiert (Abb. 3). Die Observanten hatten nach der Übernahme des Klosters die Namen der Stifter in dem Pergamentband getilgt – sogar den Konrad Stürtzels, des Kanzlers König Maximilians – und neue Wohltäter eingetragen. Diese rekrutierten sich fast ausnahmslos aus den neuen Eliten des akademischen Bürgertums, Universitätsangehörigen, Vertretern der habsburgischen Administration der Vorlande und Mitgliedern des Basler Domkapitels, das seit 1529 in Freiburg residierte.13

1579 war der Konvent Gegenstand eines Skandals, als die Heimlichen Räte eine inquisitio mehrerer Zeugen vornahmen, die wegen des ungebührlichen Predigens eines Bruders im Zusammenhang mit zwei Hexenprozessen angehört wurden. Dieser soll an Pfingsten seine Zuhörer ermahnt haben, sie sollten wegen des Unwetters und der Kälte nicht verzagt und kleinmütig sein. Man habe eine Frau festgenommen, die dan ein vnholdin sein solt; sie sei aber freigelassen und der Stadt verwiesen worden. Der Prediger weist auf den Widerspruch hin: Wenn sie unschuldig war, warum hat man sie der Stadt verwiesen? Wenn sie schuldig war, sollte man das vbell der gepür nach straffen. Der Prediger war wohl von letzterem überzeugt und bemühte das Beispiel des Hohenpriesters Kaiphas, der gesagt hatte, es sei besser, dass ein Mensch sterbe dan das gantz folckh.14

Der Observantenkonvent wurde im Jahre 1580 der neuen Tiroler Provinz zugeordnet, die auf Betreiben von Erzherzog Ferdinands II. am 12. Mai 1580 in Innsbruck gegründet worden war. Der neue Provinzial Heinrich Sedulius vollzog am 6. Juli 1580 die Trennung des Konvents von der Oberdeutschen und den Anschluss an die neue Provinz. Sedulius wurde 1581 auch Guardian des Freiburger Konvents. Zu seinem Abschied 1584 verfassten Bürgermeister und Rat eine Würdigung, in der sie das Bedauern über sein Ausscheiden ausdrückten. Er habe wegen seiner haußhaltung seins conuents jn zeitlichen als christlichen nit gering lob verdient [] das vns sein weg scheiden leid sei.15 Dem Anschluss an die Tiroler Provinz folgte eine weitere Reform durch die Übernahme einer neuen Observantenregel (reformatorum discalceatorum), die 1627 vollzogen wurde.16 In den folgenden Jahrzehnten herrschten offensichtlich wiederum prekäre Verhältnisse. Mehrere supplicationes der Guardiane für ihr armes und verlaßnes gottshaus zeugen davon.17

Die Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs waren auch für die Franziskaner einschneidend. Die mehrfachen Belagerungen und jahrelangen Besetzungen der Stadt bedeuteten Einschränkung und Gefährdung; der Zuzug aus anderen Klöstern der Provinz ließ spürbar nach, sodass zeitweilig nur drei oder vier Patres im Kloster lebten. Aber dank seiner zentralen Lage blieb ihm die vollständige Zerstörung erspart, anders als dem →Klarissenkloster in der Lehenervorstadt, das 1644 abgerissen wurde. 1647 übernahm Bernardin Schubert das Amt des Guardians. Über die letzte Belagerung durch französische Truppen im Jahre 1648 hat er in dem von ihm begonnenen protocollum einen kurzen Bericht verfasst.18 Die Kriegsschäden machten 1669–72 umfangreiche Renovierungen notwendig, die schon 1677 durch die erneute Eroberung durch die französischen Truppen im Holländischen Krieg unterbrochen wurden. Die Belagerung wurde von dem Guardian Germanus Eggestein dramatisch beschrieben:19 Dreißig Granaten seien auf Kloster und Kirche niedergegangen, die Bevölkerung habe sich in die Klöster geflüchtet, die so voll waren, dass man die Zellen habe räumen müssen. Infolge des Übergangs der Stadt an die französische Krone war der Konvent bis zum Frieden von Rijswijk 1697 von seiner Provinz Tirol abgeschnitten; ein Anschluss an die lothringische Provinz ließ sich nicht realisieren. Die Annexion Straßburgs 1681 fand aber die Zustimmung des Protocollum: vivat Argentinensis ecclesia – da sie nun dem katholischen Glauben restituiert sei.20 Der unbekannte Autor der Synopsis historica berichtet nicht nur über die Vaubanschen Festungsanlagen (Fortalitia Friburgensia), die die Frauenklöster in den Vorstädten endgültig zerstörten, sondern auch über die Belagerung im Spanischen Erbfolgekrieg 1713 (Friburgensis obsidio).21

Das Ende des Konvents wurde durch die Reformen Kaiser Josephs II. (1765–1790) eingeleitet, durch die »unnütze« Klöster, kontemplative Gemeinschaften und Bettelorden aufgehoben oder zumindest eingeschränkt wurden. Der Freiburger Konvent wurde in eine kurzlebige Vorderösterreichische Provinz eingegliedert, deren Provinzial 1783 in Freiburg residierte. 1784 wurde die Kirche zur zweiten Freiburger Pfarrkirche umgewidmet, zu deren Hilfspriestern jedoch die Augustinereremiten bestallt wurden. Die Franziskaner zogen daher in deren Kloster um. Mit dem Übergang Freiburgs in das neue Großherzogtum Baden wurde der Konvent, wie alle Bettelorden, aufgehoben. Die verbliebenen Patres wurden 1821 in das aufgehobene Kapuzinerkloster und ein Jahr später wieder an ihre alte Wirkungsstätte zu St. Martin verlegt. Der Plan der Regierung, die verbliebenen Brüder in das Heiliggeist-Spital zu verlegen, scheiterte am Einspruch der Stadt. 1832 wurden sie mit staatlichen Pensionen versehen. Der letzte Bruder starb im Jahre 1850.

Besitz und Wirtschaft

Adel und Bürger bedachten den Konvent mit Gülten und Zinsen aus umfangreichen Stiftungen und Seelgeräten. Das Anniversar des Klosters, das Einträge vom Ende des 13. bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts enthält (Abb. 3), zeugt von einer engen Bindung des Konvents an die städtischen und regionalen Führungsschichten, angefangen vom Adel aus dem Umfeld der Grafen von Freiburg, den Ratsfamilien der »Alten Vierundzwanzig« und, nach der Reform von 1248, der »Nachgehenden Vierundzwanzig«, nach dem Herrschaftswechsel zu den Habsburgern 1368 Vertretern der habsburgischen Landesherrschaft, die sich auch oft im Kloster bestatten ließen.22 Im Lauf des 14. Jahrhunderts treten die Zünfte, die im Stadtrecht von 1293 erstmals erwähnt sind, als städtische Führungsschicht und Unterstützer der Barfüßer hervor.

Über die Vermögensverhältnisse des Konvents liegen keine vollständigen Quellen, etwa Urbare oder Zinsbücher, vor. In den wenigen Urkunden sind Liegenschaften in der näheren Umgebung der Stadt erfasst.23 Der Rat hatten 1416 verkündet, dass niemand Stiftungen, Zinsen und Pfründen von Grundstücken innerhalb der Stadt geben solle, sondern nur in baren pfenningen oder mit guotern vsserthalb vnser stette.24

Andere Quellen und das Jahrzeitbuch geben, wenn überhaupt, fast nur Zinsen und Gülten von bäuerlichen Gütern in der näheren Umgebung der Stadt an, später Zinserträge von Geldstiftungen und Testamenten, selten Grund- und Hauseigentum. Dieses wurde innerhalb der Stadt von der Stadtgeschichtsforschung mit 3.780 m2 berechnet, während die Dominikaner über das Dreifache verfügten. Die Steuer- oder Gewerftbücher weisen daher für die Barfüßer erheblich niedrigere Beträge aus als für die Prediger. Der Erlös aus der Enteignung durch die Stadt nach der Reform 1515 betrug 12.000 Gulden, ohne genaue Auflistung der einzelnen Posten. Das Geld wurde zur Errichtung der Elendenherberge verwendet.25 Der Observantenkonvent erhielt fast ausschließlich Geldstiftungen, zum Teil in erheblicher Höhe.

Religiöses und kulturelles Wirken

Die Franziskaner hatten das päpstlich verbriefte Recht, Seelsorge zu betreiben, Beichte zu hören und zu predigen. Friedhof, Kirche und Kreuzgang waren gesuchte Begräbnisplätze;26 Verzeichnisse der Grabmäler sind aus späteren Quellen überliefert. Guardiane und Lektoren des Konvents wurden häufig bei Jahresbeginn zu Münsterpredigern berufen.27 Die Brüder betrieben im Kloster eine infirmaria. In ihren Räumen fanden Gerichtstermine und, nach der Gründung der Universität (1457), Vorlesungen statt. In den Auseinandersetzungen um die Reform von 1515 wies der Konventualenprovinzial Georg Hoffmann darauf hin, er habe zuo eren einer statt zuo Friburg ein studium vffgericht, aus dem acht Doktoren, darunter er selbst, hervorgegangen seien.28 Während des Freiburger Reichstags 1498 wurden in den Räumen des Klosters auf Geheiß König Maximilians I. drei Gelehrte zu Dichtern gekrönt. Hans Baldung Grien richtete dort zeitweilig seine Malerwerkstatt ein. Der 1272 gegründete →Klarissenkonvent St. Klara in der Lehenervorstadt war der cura monialium der Brüder von St. Martin anvertraut.29 Die enge Bindung an die Freiburger Bürgerschaft zeigt sich auch an den Beziehungen zu der St. Sebastianus-Bruderschaft, die nach einem Pestausbruch 1480 zu Ehren des Pestheiligen gegründet und dem Orden assoziiert wurde.30 Das 1315 gegründete Haus der →›Willigen armen Brüder‹ in der Neuburg gehört ebenfalls in das Umfeld des Konvents. Die Gemeinschaft, die sich um 1474 den Minoritenterziaren anschloss, betätigte sich vorwiegend in der Krankenpflege; seit 1494 diente das Haus als Blatternspital.

Unter den Mönchen sind nur zwei Namen von überregionaler Bedeutung überliefert. Thomas Murner ist als Theologe, Jurist, Prediger und Schriftsteller bekannt. Er wurde 1494 an der Freiburger Universität immatrikuliert und erwarb den Grad des Magister Artium. Nach Studien in Krakau und anderen Universitäten wurde er 1506 in Freiburg zum Dr. theol. promoviert und lehrte dort bis 1510. Johannes Pauli ist mehrfach als Lesemeister und Guardian bezeugt und wurde als Autor, Prediger und Herausgeber von Werken Johannes Geilers von Kaysersberg bekannt.

Bibliothek und Archiv

Die Bibliothek ist zum größten Teil verloren. Sie wurde von dem Guardian Bernardin Schubert nach dem Dreißigjährigen Krieg 1648 als supra modum confusa befunden31 und neu katalogisiert; der Katalog ist ebenfalls verloren. Die Universitätsbibliothek Freiburg besitzt noch 39 Inkunabeln aus dem Kloster, von denen die meisten im Jahre 1648 mit einem Besitzvermerk versehen wurden. Es handelt sich zum größten Teil um theologische Werke, aber auch um juristische Schriften wie Dekretalen und Konstitutionen, das Corpus iuris civilis, ferner die Opera Vergils und sogar das Handbuch der Chirurgie von Hieronymus Brunschwig.32

Das Archiv des Konvents ist nur unvollständig erhalten. Teile der älteren Urkunden und Akten sollen die vertriebenen Konventualen 1515 mitgenommen haben. 1616 stellte P. Bernardin Lackner die Bestände des Observantenkonvents zusammen. Bernardin Schubert hielt schon 1647 fest, dass viele Schriftstücke fehlten.33

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Die gestiftete Martinskapelle stand archäologischen Untersuchungen zufolge am Ort der Klosterkirche am heutigen Rathausplatz.34 Die Schenkungen von 1262 und 1271 sowie eine Genehmigung zum Weiterbau nach Westen von 131835 legen Bautätigkeiten am Chor und anschließend am Langhaus nahe.36

Kirche und Konventsbau

Die ehemalige Klosterkirche (heute Pfarrkirche) besteht aus einem dreijochigen gewölbten Langchor mit 5/8 Polygonabschluss und einem holzgedeckten Langhaus, strukturiert von schlichten Arkaden zwischen Haupt- und Seitenschiffen. Fehlende Strebepfeiler verweisen auf eine gedeckte Anlage von Beginn an. Zudem sind 1481 Arbeiten an hölzernen Gewölben belegt.37 Das nördliche Seitenschiff des Langhauses verjüngt sich, dem Straßenverlauf folgend nach Westen. Die Klosterkirche weist mit steingewölbtem Langchor und holzgedecktem Langhaus einen häufigen Bautyp oberrheinischer Bettelordenskirchen auf.

Von den Klostergebäuden sind nur wenige Teile erhalten. Klosterräume werden in Schriftquellen erwähnt: 1292 die Fertigstellung des Kapitelhauses, 1402 und 1403 Stiftungen zugunsten des Refektoriums beziehungsweise der conuent stuben und der Bibliothek. Die Übergabe des Klosters an die Franziskaner-Observanten 1515 wurde in einer Inschrift am Türsturz des Kapitelsaals oder an der Klosterpforte festgehalten. 1598 gab es ein Häuschen zum Baden und Schröpfen.38 Mitte des 17. Jahrhunderts werden eine Kapitelskapelle mit figürlich gestalteten Glasfenstern, ein »Kasten im Secret«, ein Waschhaus, Zellen über dem Kreuzgang und eine vom Refektorium ausgehende Luftheizung für das Obergeschoss erwähnt.

Der Klosterchronik zufolge wurde das Kloster 1672 zum Markt hin erweitert. Das Dach über dem Dormitorium wurde fachkundig an eine neue Stelle versetzt und dabei erhöht.39 Weitere Bauarbeiten betrafen die Pforte, das »Kapitelhaus«, die Küche, den Karzer, eine Versorgungskammer für die Küche, ein »Lavatorium«, ein beheiztes Refektorium und einen Garten sowie im Keller einen Weinkeller, eine Speisekammer und eine Kräuterkammer samt Treppe. Im Obergeschoss des Klosters wurden alle Räume mit Ausnahme der Bibliothek erneuert – das Dormitorium mit etlichen Zellen, eine Pflegerei, drei Treppen sowie ein Archiv mit gemauertem Geheimfach.

Aus dem 19. Jahrhundert gibt es einen Grundrissplan des Erdgeschosses. Eine genaue Bezeichnung der Klosterräume fehlt allerdings. Angesichts der teils geringen Wanddicke, wäre ein Vorzustand mit einem größeren Raum im Ostflügel (Konventstube / beheiztes Refektorium?) und in einem nach Südosten abgehenden Bauteil denkbar. Eine Ansicht um 1840 zeigt das Kloster mit vorgelagertem Laubengang gen Westen (Abb. 5).

Der erhaltene Gebäudeteil enthält als ehemaliger Ostflügel den ehemaligen Kapitelsaal mit einer Tür- und zwei flankierenden maßwerkgeschmückten Fensteröffnungen zum Kreuzgang. Die Gewölbe entsprechen einer Baunachricht um 1672,40 die Mittelstütze und die Außenfenster scheinen erneuert. Der hinter einem schmalen Durchgang anschließende Saal weist eine enge Folge gekuppelter Rechteckfenster auf; ein Gewände trägt die Inschrift »I W B« und die Jahreszahl 1692.

Nach Auflösung des Konvents und der anschließenden Entbarockisierung des Kircheninneren wurden 1845 die südlich der Kirche befindlichen Konventsbauten und ein Teil des Kreuzgangs abgerissen, um den heutigen Rathausplatz zu schaffen. Der inzwischen als Pfarrkirche genutzte Sakralraum erfuhr im späten 19. Jahrhundert zahlreiche historisierende Umbaumaßnahmen im neogotischen Stil. Unter anderem durch eine neue Orgel, Buntglasfenster, Wandmalereien und die Ergänzung eines hohen Glockenturms südlich des Sanktuariums. Wiederaufbaumaßnahmen 1949–51 nach kriegsbedingten starken Beschädigungen prägen bis heute den Raumeindruck.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die Klosterchronik beschreibt um 1650 die Kirchenausstattung: Über dem Presbyterium schwebte eine steinerne Engelsfigur, die Chorwände waren mit »Stationales« ausgestattet. Der Hauptaltar nahm im Zentrum ein Bildnis der Maria mit Jesuskind auf, flankiert vom Hl. Bonaventura und dem Hl. Bischof Ludwig. Am »Fuß« des Altars war Christus mit den Aposteln abgebildet, der obere Teil nahm eine Figur des Heiligen Franziskus auf.41

Auf dem Lettner war eine Orgel platziert. Chorseitig war der Lettner mit Wandmalereien von Ordensheiligen gestaltet. Vor der zum Langhaus gerichteten Seite des Lettners standen Altäre der Hl. Anna und der Hll. Barbara und Katharina.42 Ein Altar der Sebastiansbruderschaft befand sich wahrscheinlich ebenfalls im Langhaus.43 Eine Erneuerung der Innenausstattung erfolgte Anfang des 18. Jahrhunderts.

Im Kloster gab es um 1518 Altäre in der Sakristei, im Kapitelsaal und in der Infirmarie.44 Im 17. Jahrhundert wird erneut ein Altar in der Kapitelsaalkapelle genannt.

Bibliographie

Quellen: Straganz 1891; 1900.

Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 220 f. (Dagmar Zimdars); KB Freiburg Bd. 1,2, S. 920 f. (Wolfgang Stülpnagel); kloester-bw, Franziskanerkloster Freiburg (Ulrich P. Ecker).

Literatur: Eubel 1886; Hansjakob 1890; Schlippe 1970; Brommer 1985; Frank 1985; Schmidt-Thomé 1985; Rohde 1994; Schadek/Treffeisen 1996; Silberer 2016; Kraume (in Vorbereitung).

Anmerkungen

  • 1 Fr UB (Hefele) I, Nr. 162 S. 135.
  • 2 Fr UB (Hefele) I, Nr. 171 S. 143.
  • 3 Fr UB (Hefele) III, Nr. 483 S. 364.
  • 4 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 3.
  • 5 Fr UB (Hefele) I, Nr. 44 S. 31 (20. 2. 1229), Nr. 102 S. 8 8-90 (25. 5. 1246), Nr. 191 S. 162 (22. 8. 1246), Nr. 240 S. 214 (16. 5. 1271).
  • 6 StadtA FR C 1 Kirchensachen 67 Nr. 30 (14. 5. 1514).
  • 7 StadtA FR B 1 Nr. 186, fol. 5 v.
  • 8 StadtA FR C 1 Kirchensachen 67 Nr. 40.
  • 9 StadtA FR C 1 Kirchensachen 67 Nr. 40 (10. 9. 1505): Instruction was der fursichtig wyß Petter Sprung [...] by dem gardion z u Basel der reformacion halben der Mindern brüder allhir hanndlen soll.
  • 10 StA Luzern Urk. 515/9165.
  • 11 StadtA FR C 1 Kirchensachen 67 Nr. 40: Instructio ad venerabilem Dominum Steffanum Rosinum (kaiserlicher Auditor an der Kurie) o. O. u. J. (nach Aug. 1515).
  • 12 StadtA FR B 1 Nr. 186, Vorsatzblatt.
  • 13 StadtA FR B 1 Nr. 186, fol. 5 v.
  • 14 StadtA FR C 1 Kirchensachen 67 Nr. 4 (28. 6. 1579).
  • 15 StadtA FR C 1 Kirchensachen 6 (23. 1. 1584).
  • 16 StadtA FR C 1 Kirchensachen 67 Nr. 37 (158 1-1608).
  • 17 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 146: Provincia ista Tyrolis totaliter reformata fuit.
  • 18 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 20 2-225.
  • 19 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 37 9-386, gedruckt bei Hansjakob 1890, S. 9 6-106.
  • 20 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 392.
  • 21 Synopsis historica § 5-6.
  • 22 Stiftungen StadtA FR A 1 XVI A f (Urkunden, lückenhaft); Anniversar StadtA FR B 1 Nr. 186; das »Todtenbuch« bei Hansjakob 1890, S. 10 7-114 sowie die Auszüge daraus bei Frank 1985, S. 37 f. sind kein Anniversar, sondern ein Verzeichnis der Grabmäler, s. o.
  • 23 Buchheim, StadtA FR A 1 XVI A f 1389 November 19; Munzingen, StadtA FR A 1 XVI A f 1430 Dezember 19; Hochdorf, StadtA FR A 1 XVI A f 1431 Februar 23; Ufhausen, StadtA FR A 1 XVI A f 1433 Dezember 1; Offnadingen, StadtA FR A 1 XVI A f 1446 Juni 27; Adelhausen, StadtA FR A 1 XVI A f 1455 November 13; Hausen StadtA FR A 1 XVI A f 1363 Januar 30, 1482 März 20; Zarten, StadtA FR A 1 XVI A f 1486 März 1; Krozingen, StadtA FR A 1 XVI A f 1489 November 12; Neuershausen, StadtA FR A 1 XVI A f 1502 Februar 1. 24 StadtA FR B 5 Ia Nr. 2, fol. 32 v.
  • 25 StadtA FR B 1 Nr. 186, Vorsatzblatt, Nr. 185, S. 63.
  • 26 StadtA FR B 5 Nr. 185, S. 24 4-256; GLA 65 Nr. 214, S. 12 7-138; Provinzarchiv der Franziskanerprovinz Austria Hall in Tirol Cod. 491, § 11.
  • 27 StadtA FR B 5 XIII a Nr. 8, fol. 180 v (1501), fol. 250 r (1502); StadtA FR B 5 XIII a Nr. 9, fol. 41 r.
  • 28 StadtA FR C 1 Kirchensachen 67 Nr. 40, 1515 Aug. 13
  • 29 Frank 1985, S. 4 0-42; das Anniversar nennt mehrere Beichtväter zwischen 1362 und 1552; der Beichtvater Jakob Wiler beteiligte sich am Widerstand der Konventualen gegen die Reform 1515. Unterstützung wurde auch in weltlichen Dingen geleistet, z. B. bei einem Immobilienverkauf 1301, Fr UB (Hefele) III, Nr. 7 S. 6 f.
  • 30 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 2 9-35; 1710 wurden die Statuten der Bruderschaft von 1480 detailliert festgehalten, ebd. S. 58 3-590.
  • 31 StadtA FR B 1 Nr. 185 (1648).
  • 32 Sack 1985, S. 24.
  • 33 Die Hs. liegt im Provinzialarchiv in Hall/Tirol (Cod. 494); Abschriften StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 3-19; GLA 65 Nr. 214, S. 1-28; Straganz hat die Synopsis 1900 veröffentlicht, Straganz 1900; s. auch Straganz 1891. Die in der Devolutio Conuentus S. Martini aufgelisteten Urkunden sind nur teilweise erhalten.
  • 34 Schmidt-Thomé 1985.
  • 35 Frank 1985, S. 33.
  • 36 Vgl. Brommer 1985, S. 138; Schmidt-Thomé 1985, S. 125.
  • 37 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 74.
  • 38 Hansjakob 1890, S. 50.
  • 39 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 364 f.
  • 40 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 364.
  • 41 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 69.
  • 42 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 70.
  • 43 StadtA FR B 1 Nr. 185, S. 71.
  • 44 Hansjakob 1890, S. 50
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Herbert Kraume [Autor]
  • Leonie Silberer [Autor]
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