Neudingen, Zisterzienserinnen »Auf Hof«/»Maria Hof«
| Kurzbeschreibung: | 1274 Ersterwähnung »Auf Hof« – 1287 Annahme der Augustinusregel – 1305(–1307) Inkorporation in den Dominikanerorden – 16. Jh. Niedergang und drohende Auflösung – ab 1562 Neubelebung des Klosters durch die Fürstenberger – Aufnahme von Zisterzienserinnen aus Lauingen – 1584 Eingliederung in den Zisterzienserorden, Paternität von Salem – 1802/03 Aufhebung – 1852 Zerstörung der Klosteranlage bei einem Brand Patrozinium: NikolausOrdensgliederung: 1305 Dominikanerprovinz Teutonia, Nation Suevia; 1584 Paternität der Zisterzienserabtei Salem; 1623 Oberdeutsche Zisterzienserkongregation, Schwäbische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Villingen |
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| Beschreibung: | Name: capella dicta super curiam (1274);1 das kloster zu Neudingen uf Hof […] fürdershin […] Maria Hof benannt (1584)2 GeschichteHistorische EntwicklungDer erste Quellenbeleg für eine klosterähnliche Niederlassung bei Neudingen besteht in einer bischöflichen Exemtion aus dem Jahre 1274.3 In zwei fast gleichlautenden Urkunden trifft der Konstanzer Bischof Rudolf II. von Habsburg-Laufenburg (1274–1293) die Verfügung, dass die bisher schon bestehende Kapelle »Auf Hof« (capella dicta super curiam), die dem Hl. Nikolaus geweiht war, aus der Zuständigkeit der Pfarrkirche Neudingen herausgenommen wird. Zugleich erlaubte der Bischof einem conventus religiosarum dominarum in unmittelbarer Nähe der besagten Kapelle eine klösterliche Anlage aufzubauen. Dies bezog sich auf eine flache Anhöhe über der Donau, wo sich Jahrhunderte zuvor bereits ein karolingischer Königshof befunden hatte; im 13. Jahrhundert gehörte dieser Ort zum Besitz der Grafen von Fürstenberg. Die oben genannten dominae religiosae, eine unregulierte Frauengemeinschaft, waren offenbar bereits einige Jahre vor der Entstehung des Klosters auf der Baar bzw. in Neudingen ansässig. Die beiden Urkunden der Exemtion von 1274 sind außer von Bischof Rudolf vom Patronatsherren der Neudinger Pfarrkirche, Graf Heinrich I. von Fürstenberg (1250–1284), und vom Pfarrrektor Konrad von Herblingen besiegelt. Es ist naheliegend, dass die Initiative zur Errichtung dieses Klosters vom Haus Fürstenberg ausging. Graf Heinrich I. und seine Gemahlin Agnes von Truhendingen förderten die Neugründung so nachhaltig, dass die Fürstenberger, besonders Heinrich I., schon bald als Stifter des Klosters Auf Hof galten.4 Der päpstliche Legat Bischof Johannes von Tusculum verlieh dem Neudinger Konvent 1287 die Augustinusregel und bestätigte alle Rechte und Privilegien der bischöflichen Verfügung von 1274. Zugleich wies er die Dominikaner in Rottweil an, die Neudinger Frauen, die anfangs nicht mehr als zehn bis zwölf Schwestern zählten, unter die Führung ihres Ordens zu stellen und ihre geistliche Betreuung zu übernehmen.5 Diese Maßnahme leitete die Zuordnung der Neudinger Gemeinschaft zum Dominikanerorden ein. Die Inkorporation erfolgte 1305 durch den Magister Aymericus, Ordensgeneral der Prediger, in Genua. Sie wurde 1306 vom Pariser Generalkapitel wiederholt und 1307 vom Generalkapitel in Straßburg gemäß der Ordenssatzung bestätigt.6 An der inneren Organisation des Klosters Auf Hof in den ersten Jahrzehnten war der Dominikanerorden nur wenig beteiligt. Ebenso tritt er in den mehr als 200 Jahren seiner Zuständigkeit verhältnismäßig selten in Erscheinung. Von Anfang an aber wurde das Kloster großzügig unterstützt vom Haus Fürstenberg, das ihm am 13. Januar 1299 ein gräfliches Privileg erteilte.7 Das Kloster und der gesamte Klosterverband wurden von allen Abgaben und Dienstpflichten befreit. Die Grafen gaben überdies alle Rechte auf, die ihnen ansonsten in Bezug auf Personen und Güter des Klosters zustanden. Der Verzicht auf diese Vorrechte bewirkte frühzeitig eine enge Bindung des Klosters zum Grafenhaus. Diese Nähe zeigte sich auch darin, dass bereits 1340 zwei fürstenbergische Gräfinnen dem Konvent Auf Hof angehörten. Insgesamt nahmen in der dominikanischen Zeit sogar elf oder zwölf Grafentöchter den Schleier in Neudingen. Zwei von ihnen – Martha von Fürstenberg (seit 1341) und Anna von Fürstenberg (um 1390 )– standen dem Kloster Auf Hof als Priorinnen vor. Drei Gräfinnen hatten hier ihren Witwensitz. Die Sonderstellung des Neudinger Klosters wurde wenige Jahre später noch verstärkt, indem die Fürstenberger 1303 »ihrem« Kloster u. a. den Kelnhof in Neudingen mit dem Kirchensatz der dortigen Kirche verkauften.8 Dabei verzichteten sie auch auf weitere Rechte, die zu ihrem Besitz gehörten. Durch Schenkungen von Gütern und Ländereien, die in den nächsten Jahren außer von den Grafen auch vom niederen Adel und von Angehörigen des städtischen Patriziats, vornehmlich aus Villingen, Schaffhausen und Rottweil, erfolgten, setzte sich diese positive Entwicklung fort. Auch die Begeisterung religiöser Frauen für die neue Gemeinschaft war zu Beginn des 14. Jahrhunderts sehr groß. Die Zahl der Nonnen stieg stark an. Zur gleichen Zeit erfuhr das Kloster eine weitere Aufwertung dadurch, dass Graf Heinrich II. von Fürstenberg das Kloster Auf Hof zur Grablege seines Geschlechts erwählte, wo er selbst 1337 als erster aus der Grafenfamilie beigesetzt wurde.9 Danach blieb das Kloster bis zu seinem Ende die Erbbegräbnisstätte der Fürstenberger. Diese frühe Blüte, wenige Jahrzehnte nach der Gründung, machte das Neudinger Gotteshaus zu der zentralen Einrichtung von klösterlicher und kultureller Bedeutung auf der Baar. Doch diese gefestigten Verhältnisse schienen schon bald ungesichert. Auf Bitten von Priorin und Konvent sah sich nämlich Papst Clemens VI. (1342–1352) veranlasst, dem Kloster, das in Not und Armut geraten sei, 1344 durch die Inkorporation der Pfarreien Neudingen und Gutmadingen aus finanziellen Schwierigkeiten zu helfen.10 Die päpstliche Urkunde führt zur Begründung der misslichen Situation Auf Hof als Hauptgrund die zu große Zahl der Neudinger Nonnen an, für deren Versorgung die Einkünfte des Klosters nicht mehr ausreichten. Ob das erwähnte Bittgesuch nur ein Vorwand war, um die Inkorporation der beiden Pfarreien zu erreichen, oder ob tatsächlich eine tiefgreifende wirtschaftliche Notlage vorlag, sei dahingestellt. Seit dieser Zeit jedenfalls überwogen bis ins nächste Jahrhundert längere Zeiträume, in denen die Klosterführung mit Geldsorgen und Entbehrungen konfrontiert wurde. Dies belegen u. a. auch ein in Avignon ausgestellter Ablassbrief von 136211 und ebenso ein Erlass des Generalvikars des Konstanzer Bischofs aus dem Jahre 1413,12 mit dem der Priorin und ihren Konventualinnen erlaubt wurde, für ihr verarmtes Gotteshaus öffentlich Almosen (elemosinae) zu sammeln. In diesen bedrückenden Zeitläuften lockerte sich auch das freundschaftliche Verhältnis der Dominikanerinnen, deren Anzahl in den Pestzeiten zurückgegangen war, zum Haus Fürstenberg. Dabei ist anzumerken, dass die Grafen – trotz aller früheren Rechtsverzichte – etwa seit 1350 Auf Hof unbehindert Herrschaftsrechte an sich zogen. Ihr Einfluss auf das klösterliche Leben verstärkte sich, je mehr auch die Kastvogtei des Klosters in der Hand der Grafen zu einem wichtigen Machtinstrument wurde, um ihre Territorialherrschaft zu entwickeln. Irritationen zwischen Kloster und Grafenhaus traten deswegen zwar für kurze Zeit auf, blieben aber ohne tiefere Wirkung. In der fast zwanzigjährigen Amtszeit der Priorin Agnes von Almshofen (1433–1452) hörten die Verstimmungen dann völlig auf. Dazu trug vor allem bei, dass 1443 die gemeinsam regierenden Grafen Egen (gest. 1449) und Heinrich VI. (1432–1490) das Privileg von 1299 – auf Bitten der geistlichen Frauen – erneuerten.13 Die fürstenbergische Begräbnistradition wurde dabei zum Motiv für die Klostergründung 1274 uminterpretiert. Danach besserte sich die Wirtschaftslage des Klosters. Die Größe des Konvents blieb bis in die ersten beiden Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts stabil bei etwa 25 bis 30 Klosterfrauen.14 Übrigens gehörten dem Neudinger Konvent während der 300–jährigen Zugehörigkeit zum Dominikanerorden schätzungsweise 330–360 Nonnen an, von denen 213 mit Namen bekannt sind. Während des genannten Zeitraums war die Hälfte der Nonnen adliger Abstammung, die anderen Frauen kamen aus dem städtischen Bürgertum, vor allem aus Villingen und Rottweil, sowie aus dem Bauernstand. Ebenso gehörten dem Konvent, je länger das Kloster bestand, immer mehr Frauen und Mädchen aus einfachen Familien an. Um 1480 erreichten die tiefgreifenden Reformen des Dominikanerordens das Neudinger Kloster, das damals zu den Niederlassungen des Ordens in Deutschland zählte, die sich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht den strengen Forderungen der Observanzbewegung unterworfen hatten. Zugleich nahmen, besonders nach 1500, auch die Übergriffe durch die Grafen von Fürstenberg als Landesherren zu. Als nach Beginn der Reformation die Geschäftstätigkeit in der klösterlichen Verwaltung und ebenso das religiöse Wirken des Konvents erheblich nachließen, zudem um 1550 nur noch wenige Frauen in der Klosteranlage lebten, zog Graf Friedrich II. von Fürstenberg (1510–1559) immer offener die Geschicke Auf Hof an sich. Das Kloster stand unmittelbar vor seiner Schließung. In der Folge verhinderten zwei Ereignisse die Auflösung. Zum einen starb 1559 Graf Friedrich II. Sein Sohn und Nachfolger in der Baarer Linie, Graf Heinrich VIII. (1559–1596), verfolgte kirchenpolitisch andere Ziele als sein Vater. Er äußerte schon bald nach seiner Regierungsübernahme die Absicht, das Neudinger Kloster, die Grablege seiner Familie, wiederzubeleben. Zum anderen fanden sich 1562 neun Klosterschwestern, Zisterzienserinnen, die nach geheimer Absprache mit Graf Heinrich aus Lauingen geflohen waren, auf der Baar ein. Ihr bisheriges Kloster St. Agnes in Lauingen lag im Fürstentum Pfalz-Neuburg, wo das protestantische Bekenntnis eingeführt wurde und das Kloster geschlossen werden sollte. Den Lauinger Nonnen überließ der Fürstenberger die ungenutzten Gebäude des Klosters Auf Hof als neue Wirkungsstätte. Als logische Konsequenz davon betrieb er umgehend und mit Nachdruck die Umwandlung des Dominikanerinnenklosters in ein Haus der Zisterzienser. Gegen dieses Ansinnen gab es allerdings erhebliche Widerstände, vor allem von Seiten der Dominikaner, obwohl diese seit 1520 kaum noch in Neudingen in Erscheinung getreten waren. Die Situation des Klosters wurde in der Folgezeit durch die fehlende Zuordnung zu einem Orden erheblich erschwert. Der Konvent spaltete sich in zwei Gruppen von Nonnen, die ihre klösterlichen Pflichten unterschiedlich beurteilten. Dennoch hielt Graf Heinrich an seiner Absicht fest. 1578 versuchte er den Ordenswechsel dadurch zu beschleunigen, dass er »sein« Kloster formal dem Zisterzienserorden übergab.15 Doch auch danach zog sich der Neuanfang noch hin. Erst als es dem Grafen von Fürstenberg gelang, von Papst Gregor XIII. (1572–1585) am 1. Juli 1584 eine Bulle zu erwirken, worin das Kloster dem Zisterzienserorden unterstellt wurde, war der Ordenswechsel vollzogen.16 Zugleich wurde das Neudinger Kloster mit dem Prädikat »Maria« ausgezeichnet, weshalb es sich künftig »Maria Hof« nannte. Die ersten Maßnahmen, die nun im Neudinger Kloster erfolgten, galten der Neuordnung der innerklösterlichen Verhältnisse. Während zur Zeit des Dominikanerordens die Bewirtschaftung des Klosterbesitzes und auch die tägliche Versorgung des Konvents zum kleineren Teil in Eigenwirtschaft erfolgte, hauptsächlich aber hilfsbereiten Wohltätern, vornehmlich den Grafen von Fürstenberg, überlassen worden war, änderte sich dies nun gemäß den Statuten der Zisterzienser. Dieser Orden trat bekanntlich entschieden für die Unabhängigkeit seiner Klöster ein und wehrte sich nachdrücklich gegen jede Einmischung der weltlichen Obrigkeit in das Klostergeschehen. In diesem Sinne betrieb er auch seinen Klosterbesitz in Neudingen, der ja zu einem Großteil aus landwirtschaftlichen Gütern und Höfen bestand, nun fast ausschließlich in Eigenbewirtschaftung. Zur Bearbeitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen aber war fachkundige Handarbeit notwendig, die von den Klosterschwestern neben den täglichen Gebetszeiten und den religiösen Aufgaben nicht geleistet werden konnte. Daher bildete sich auch in Maria Hof im Laufe der Zeit neben den eigentlichen Nonnen – meist waren es zur Zisterzienserinnenzeit etwa 15 Chorfrauen – eine zweite Gruppe von fünf oder sechs Laienschwestern, die sog. Konversinnen. Ihr Leben bestand vornehmlich in körperlicher Arbeit. Die Gesamtzahl der zisterziensischen Frauen, die zwischen 1562 und 1803 in Neudingen dienten, war geringer als die in der Klostergemeinschaft zur Zeit der Dominikanerinnen. Die meisten Zisterzienserinnen stammten aus der Baar oder dem angrenzenden Umland. Sie kamen fast alle aus dem Bauernstand oder waren bürgerlicher Abstammung, adlige Klosterfrauen traten kaum noch in Erscheinung. Nach dem Neubeginn wirkte der Konvent, in dem sich der größere Teil der Nonnen zu Maria Hof, eine Minderheit aber noch immer zum Kloster St. Agnes in Lauingen bekannte, um 1590 fast führungslos und vernachlässigt. Der Zisterzienserorden wies deshalb die Betreuung des Klosters dem Abt der Zisterzienserabtei Salem zu, dem Paternität und Visitation in Maria Hof übertragen wurden. Salem aber nahm Maria Hof erst in seine Obhut, als die Zuständigkeit zwischen dem Orden und den Grafen von Fürstenberg als Kastvögten 1591 im Sinne der Zisterzienser vertraglich festgeschrieben war.17 Danach beruhigte sich die innere Situation des Klosters. Die Veränderungen unter dem neuen Orden beeinträchtigten schon bald auch das Verhältnis zwischen Kloster und Grafenfamilie, bei der diese Entwicklung Enttäuschung und Befremden hervorrief. Man hatte angenommen, als weltliche Obrigkeit wie vor 1584 in die klösterlichen Belange eingebunden zu werden, zumal zweifellos Graf Heinrich VIII. das größte Verdienst an der Wiederbelebung des Neudinger Klosters zukam. An die Stelle der engen Verbindung von früher trat nun aber zwischen den Grafen und den Klosterfrauen – diese meist unterstützt vom Zisterzienserabt in Salem – eine dauerhafte Missstimmung ein, die im Grunde bis zur Säkularisation spürbar blieb. Nach dem Neubeginn legte kein weibliches Familienmitglied des Grafen- bzw. Fürstenhauses in Neudingen mehr Profess ab. Die Beziehungen wurden durch grundsätzliche Differenzen jahrzehntelang belastet. Ein Streitpunkt bildete die Wahl der Äbtissinnen. Die Grafen beanspruchten als Kastvögte, bei der Äbtissinnen-Wahl mitzubestimmen. Von Anfang an aber lehnte der Zisterzienserorden die gräflichen Ansprüche ab. Seit 1591 kam es danach bei fast allen Wahlhandlungen bis ins späte 18. Jahrhundert zu heftigen Kontroversen. Seit dem dritten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts vergrößerte sich zudem die Kluft zur Grafenfamilie wegen finanzieller Streitigkeiten. Die Rückzahlung ausgeliehener Geldmittel vom Grafenhaus an das Kloster unterblieb und wurde zum Anlass eines erbitterten Streites, der die Klosterfrauen wirtschaftlich in arge Bedrängnis brachte. Die prekäre Lage verschärfte sich noch erheblich in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges und später durch die Einfälle französischer und bayrischer Truppen in den Kriegen Ludwigs XIV. (1643–1715). Zeitweilig geriet Maria Hof in Existenznot. Zeitgleich wurde die Flucht der Lauinger Ordensfrauen von 1562 noch einmal zum aktuellen Thema. Bereits 1626 war nämlich die Rekatholisierung des Fürstentums Pfalz-Neuburg erfolgt. Damit wurden die früheren Verhältnisse im Kloster St. Agnes in Lauingen, das mit allen Gütern an den Zisterzienserorden zurückfiel, wiederhergestellt. Nach 1640 drängte nun St. Agnes auf die Herausgabe der noch in Neudingen vermuteten Geld- und Sachwerte, welche die flüchtigen Klosterfrauen vor rund siebzig Jahren angeblich auf die Baar mitgebracht hatten. Eine entsprechende Regelung erfolgte 1649 dahingehend, dass sich Maria Hof verpflichten musste, beachtliche Vermögenswerte (mobilien und capitalien) an das Kloster in Lauingen zu übergeben.18 Während der Amtszeit der Äbtissin Maria Antonia Zoll (1699–1727) kam es aufgrund ihrer Bemühungen zu einer Annäherung an das Haus Fürstenberg. Maria Hof und die fürstenbergische Herrschaft schlossen am 25. Okt. 1714 in Meßkirch den sog. Eventual-Rezess, einen Vertrag, der die offenen Fragen zwischen ihnen zu klären versuchte und das getrübte Verhältnis normalisieren sollte.19 Beim Neubau des Neudinger Klosters, der ebenfalls auf Initiative von Äbtissin Maria Antonia kurz vor 1720 erfolgte, stellten die Fürstenberger zwar Baumaterialien bereit, an den Baukosten in Höhe von über 36.000 Gulden aber beteiligten sie sich nur wenig. Dagegen kam die Abtei Salem den Neudinger Klosterfrauen mit hohen Geldbeträgen zu Hilfe, wodurch der Orden seinen Einfluss in Maria Hof erheblich vergrößerte. Die Situation des Klosters schien seit der Mitte des 18. Jahrhunderts entspannt. 1785/86 entstand jedoch unerwartet noch einmal ein Konflikt zwischen Fürstenhaus und Klosterführung. Diese hatte in guter Absicht die Aufnahme von drei Novizinnen in die Wege geleitet, um den Konvent personell aufzufrischen. Die fürstliche Regierung jedoch bewertete diese professions- und einkleidungssache als schweren Verstoß gegen landesfürstliche Rechte20 und erließ eine Verordnung, welche für die Aufnahme von Novizinnen künftig die Zustimmung des Landesherrn voraussetzte. Die Verwaltung des Fürsten benutzte diesen Vorgang zu einer Machtdemonstration und verurteilte das Kloster zu einer Geldstrafe von 1.000 Gulden. Der formale Bestand des fürstenbergischen Hausklosters Maria Hof endet mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803. Die Fürstlich Fürstenbergische Regierung führte auf dieser Rechtsbasis die Säkularisation des Klosters durch.21 1802/03 endete somit nach 529 Jahren die Geschichte des Neudinger Klosters. Nach Übernahme des Klostervermögens waren die Fürstenberger verpflichtet, für die Lebenshaltung der Nonnen zu sorgen. Bei der Schließung von Maria Hof umfasste der Personalbestand: die Äbtissin, die Priorin, zwölf Chorfrauen und sechs Konversen, den Beichtvater, einen Vikar und den Verwalter. Die letzte Klosterfrau, Maria Afra Weggerlin starb erst 1852. Besitz und WirtschaftDas Kloster Auf Hof verfügte schon bald nach seiner Gründung über beachtlichen Klosterbesitz. Begüterte einflussreiche Gönner, besonders das Haus Fürstenberg, bestimmten schon bald nach 1274 durch Schenkungen und finanzielle Zuwendungen die wirtschaftliche Entwicklung.22 Landwirtschaftliche Güter wurden danach als Lehen ausgegeben, um dem Kloster feste Einkünfte zu sichern. Einnahmen aus Zinsen, Zehnten und Gülten, aus Jahrtagstiftungen und Kirchensätzen machten es möglich, dass die Konventualinnen aus eigenen Mitteln weitere Güter erwerben konnten. Das Kloster besaß nach wenigen Jahren in Neudingen den Kelnhof, die Neudinger Mühle und die sog. Wildenmühle, zudem durch Schenkung den Meierhof in Hondingen und durch Kauf den Meierhof in Aasen. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts verfügten die Dominikanerinnen, wie auch aus dem Güterrodel von 1364 hervorgeht,23 über nahezu 50 Güter und Höfe. Hinzu kam beachtlicher Waldbestand, u. a. das Bruderholz bei Neudingen und das Habseck bei Hubertshofen. Der Klosterbesitz, der seinen Schwerpunkt in Neudingen hatte, verteilte sich auf 36 Orte in der gesamten Raumschaft der Baar.24 Nach 1350 erweiterte sich der Besitzstand zunächst kaum noch. Man sah sich sogar mehrfach gezwungen, eigene Güter und Rechte zu verkaufen. Finanzielle Erleichterungen brachten lediglich zwei ansehnliche Kaplaneistiftungen: 1370 die sog. Hohenlohesche Stiftung25 und 1433 die Egesheimer Stiftung.26 Mitte des 15. Jahrhunderts war man Auf Hof frei von Not und Armut. Doch im Niedergang des 16. Jahrhunderts und später geriet der Konvent wieder in bedrohliche finanzielle Schwierigkeiten. Zur Wirtschaftslage nach dem Ordenswechsel ergibt sich aus den Quellen für die Frauenzisterze Maria Hof lange Zeit ein einseitig tristes Bild: Aus Geldnot mussten nach 1610 selbst die Bemühungen für die dringend gebotene Renovierung der Klosteranlage aufgegeben werden.27 Die Besitzungen verminderten sich zudem in den unruhigen Zeiten des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts, danach stabilisierte sich die Situation. Das nach 1803 konfiszierte Vermögen von Maria Hof war noch immer beachtlich. Religiöses und kulturelles WirkenDie Nonnen in Neudingen befolgten zur Dominikanerinnenzeit ebenso ordenskonform die Augustinusregel wie die späteren Zisterzienserinnen die Benediktsregel. Für die seelsorgerische Betreuung legte bereits die bischöfliche Urkunde von 1274 fest, dass es den Frauen erlaubt war, einen Priester (sacerdos) einzustellen – häufig war es ein Weltkleriker –, der für den täglichen Gottesdienst, Beichte und Kommunion etc. zur Verfügung stand. Die geistliche Fürsorge der Rottweiler Dominikaner für den Neudinger Konvent bestand hingegen vornehmlich in gelegentlichen Visitationen und Beratungen. Dass es zwischen Klosterkaplänen am Ort, die meist lange im Amt waren, und Predigerbrüdern aus Rottweil in geistlichen und organisatorischen Fragen hin und wieder zu unterschiedlichen Auffassungen und Spannungen kam, ist anzunehmen. Für beide Ordensperioden fehlen die Hinweise auf erwähnenswerte Besonderheiten in der Liturgie oder besondere Berichte über die Seelsorge in den inkorporierten Pfarreien. Das Kloster Auf Hof richtete schon bald nach seiner Gründung eine Wallfahrt aus. Denn bereits 1276 wurde dem Konvent von den Augustinerchorherren in →Öhningen die Wallfahrt im nahegelegenen Gnadental übertragen.28 Seit 1767 kam dann für 40 Jahre die Wallfahrt zum Kreuzaltar in Maria Hof hinzu. Bei einem Brand 1756 im Wirtschaftsbereich des Klosters,29 wurde ein Ölgemälde mit dem Abbild des Gekreuzigten aus einem Fenster der Klostergaststätte hoch in die Luft getragen. Es ging östlich hinter der Klostermauer unbeschädigt nieder. Den Vorgang bewertete eine kirchliche Prüfkommission als Wunder. Neudingen wurde zum Wallfahrtsort. Die junge Wallfahrt passte aber wohl nicht mehr in das aufgeklärte Zeitalter. Der Generalvikar des Bistums Konstanz, Ignaz von Wessenberg, empfahl 1809, keine Wallfahrten mehr durchzuführen. In Neudingen befolgte man diesen Rat. Die wichtigste Aufgabe der Klosterfrauen bestand aber seit 1337 zweifellos in der Ausrichtung der Erbbegräbnisse der Grafenfamilie und in der Memoriapflege. Bis zur Säkularisation fanden hier mindestens 45 Angehörige der fürstenbergischen Familie ihre letzte Ruhestätte.30 Diese enge Verbindung wurde noch vertieft durch die Memorialverpflichtung, die das Haus Fürstenberg dem Kloster Auf Hof übertragen hatte. Mitte des 16. Jahrhunderts hatten die Dominikanerinnen jährlich 41 fürstenbergische Jahrtagsfeiern auszurichten, und für die kürzere Zisterzienserinnen-Epoche enthalten die Quellen 26 weitere liturgische Jahrtage.31 Für die Fürstenberger blieb also – trotz aller Entfremdung und Distanz – das Neudinger Kloster auch nach 1584 »ihr Hauskloster«. An dieser Tatsache ändert auch nichts, dass im 18. Jahrhundert für mehrere Äbte der Salemer Vaterabtei in Neudingen jährliche Gedächtnisfeiern erfolgten. Bibliothek und ArchivUrkunden aus der Anfangszeit des Klosters deuten darauf hin, dass es in Neudingen schon frühzeitig schreibkundige Personen/Nonnen gab, die, möglicherweise unter Anleitung eines Schreibers in gräflichen Diensten, Urkunden ausfertigten, ein Umstand, aus dem sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte wohl ein bescheidenes Skriptorium entwickelte. Für die Zeit des Zisterzienserordens liegen neben einzelnen Urkunden im Fürstlich Fürstenbergischen Archiv auch mehrere Sammelbücher vor, zum Beispiel zwei protokollbücher des löblichen gotteshaußes Maria Hof (1675 bis 1784) und zwei Repertorien mit Klosterakten. Zudem sind etwa 20 Gebets- und Andachtsbücher (meist mit 200–400 Seiten) aus dem 18. Jahrhundert in deutscher Sprache vorhanden, die von Konventualinnen handschriftlich zur täglichen Nutzung angefertigt wurden. Weiter sind zwei Chroniken zu nennen: Zum einen: Idea laudabilis monasterii super Curia Mariae prope Neidingen, eine umfangreiche Papierhandschrift von Martin Antoni Arres, der von 1766 bis 1770 als Verwalter in Maria Hof tätig war. Zum anderen: Untersuchung der jahrtägen. löbl. gotteshaus Mariahof von Franz Anton Beron 1767.32 Auf Hof hatten schon die Dominikanerinnen eine Bibliothek mit meist sakralen Büchern, für deren Reparatur 1448 sogar ein Teil des Jahresertrags von einem Gut in Pfohren zur Verfügung gestellte wurde.33 Die Bücherei der Zisterzienserinnen in Maria Hof war umfangreich. Das Bücherverzeichnis von 1799 führt detailliert 950 Werke der Bibliothek auf.34 Wo diese Bücher sich heute befinden, lässt sich kaum noch feststellen. Dem Vernehmen nach wurde die Klosterbücherei nach 1803 in den Buchbestand der Fürstlichen Hofbibliothek in Donaueschingen formlos eingegliedert. Nachdem vom Haus Fürstenberg im Laufe der Zeit viele Werke der Hofbibliothek veräußert wurden, ist davon auszugehen, dass ein Großteil der Bücher, die ursprünglich Maria Hof gehört hatten, heute verstreut in Privatbesitz sind. Bau- und KunstgeschichteVom Kloster Auf Hof/Maria Hof gibt es oberirdisch keine sichtbaren Überreste mehr. Das Klostergelände liegt am Ostrand von Neudingen unmittelbar südlich der Donau auf einem markanten Plateau. Dessen 16 ha große Innenfläche ist von einer ca. 480 m langen Mauer umschlossen und von einem ca. 15 m breiten Graben umgeben. Die Anfänge des Klosters sowie die frühen Bauten sind baugeschichtlich unklar. Am 23. März 1852 wurde das ehemalige Kloster durch eine Feuerkatastrophe, wohl infolge einer Brandstiftung, völlig vernichtet. Hinweise zur Struktur der mittelalterlichen Anlage, insbesondere zur St. Nikolauskapelle ergaben sich aus Grabungen in den Jahren 1972, 1973 und 1975.35 Wie bereits erwähnt, ist die erste Bestattung eines Fürstenbergers in der Klosterkirche für das Jahr 1337 belegt. 1413 scheint es zu einer notdürftigen Herrichtung der Kirche nach einem Brand gekommen zu sein. Nach einem Niedergang und der Übergabe an die Zisterzienserinnen wurde das baufällige Kloster 1588 instandgesetzt und insbesondere der Chor der Kirche umgebaut, damit der Gottesdienst nach zisterziensischem Brauch abgehalten werden konnte. 1607 bis 1612 wurde ein Neubau des Klosters geplant. Ob die Pläne allerdings verwirklicht wurden, geht aus den Quellen nicht hervor. Auf der sogenannten Großen Landtafel der Baar 1610/20 ist das Kloster erstmals dargestellt. Im Zentrum steht eine Kirche mit Turm, an die sich nach Norden ein Konventsflügel anschließt, im Norden ist am Abhang zur Donau die Nikolauskapelle dargestellt.36 Dies entspricht bereits der Raumdisposition späterer Ansichten und Pläne. Große Schäden erlitt das Kloster durch die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges und die Kriegsereignisse des Spanischen Erbfolgekrieges 1704. In den Jahren 1715 bis 1722 sind Bautätigkeiten nachgewiesen. Eine Ansicht des Klosters von Osten aus dem Jahr 1762 zeigt nördlich der Kirche drei geschlossen um einen Innenhof gruppierte Konventsflügel. Nördlich davon liegt die Nikolauskapelle mit einem 5/8–Schluss. Am Westrand des Plateaus lehnen sich sechs Wirtschaftsgebäude an die Umfassungsmauer an. Dies entspricht im Wesentlichen der Planzeichnung um 1850, die erstmals in der Kirche eine Alte und Neue Gruft darstellt. Das Fürstenhaus ließ nach der Brandzerstörung des Klosters 1852 eine Kuppelkirche im Neurenaissancestil als neue Grabeskirche errichten. Sie stellt heute das einzige Erinnerungsmonument an das Kloster dar. Die fürstenbergische Begräbnistradition auf dem ehemaligen Klosterareal wurde beibehalten. BibliographieQuellen: Fickler 1845; 1846; Riezler 1873; 1874. Handbücher und Lexika: HelvSac IX,2, S. 31–91 (Brigitte Degler-Spengler); kloester-bw, Zisterzienserinnenkloster »Maria Hof« Neudingen (Martina Wehrli-Johns). Literatur: Riezler 1883; Tumbült 1911; Bader 1942; Thoma 1963; Schell 2008; 2011. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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