St. Ilgen, Benediktiner
| Kurzbeschreibung: | vor 1131 Gründung als Propstei des Benediktinerklosters Sinsheim – bis 1170 Bau der Kirche – 1474 Verkauf an die Kurpfalz durch das Kloster Sinsheim – 1476 Übertragung an die Heidelberger Dominikaner. Patrozinium: AegidiusOrdensgliederung: Propstei der Benediktinerabtei SinsheimKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropsts bei St. Guido, Landkapitel Bruchsal |
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| Beschreibung: | Name: monasteriolum S. Aegidii in palude prope pagum Nusloch […] modo sanct Ilgen im Bruch vocant (ca. 1158–1175, Chronik um 1500);1 Rudolfus […] monachus sancti Egidii (1196);2 Heinrico preposito sancti Egidii (1252)3 GeschichteDas Klösterchen (monasteriolum) lag auf einem Sandrücken in der sumpfigen Leimbachniederung, daher der ursprüngliche Ortsname »Bruch« (Sumpf). Die Anfänge der Gemeinschaft sind 1131 zu fassen,4 der weitere Ausbau fiel in die Amtszeit des →Sinsheimer Abtes Johannes (1158–1175).5 Namentlich bekannt sind nur die Pröpste Heinrich (1252) und Berenger (1271) sowie der Mönch und pfalzgräfliche Notar Rudolfus, der 1196 in der Zeugenreihe der ersten urkundlichen Erwähnung Heidelbergs auftrat.6 Die Zahl der Mönche variierte zwischen drei und sechs.7 Der Kirchenbau war 1170 vollendet, das beachtenswerte Portal mit dem bedeutenden Tympanonrelief entstand zwischen 1180 und 1190. Wann das monastische Leben in St. Ilgen endete, ist nicht bekannt, es dürfte jedoch spätestens im 14. Jahrhundert erloschen sein. 1384 war die Kirche schon Dorfkirche. Die Pfarrer von Leimen waren hier ebenfalls seelsorgerlich tätig.8 Die Mainzer Stiftsfehde 1462 legte den Ort in Asche. Zu einer Instandsetzung der Propstei war Sinsheim wirtschaftlich kaum in der Lage. Deshalb verkauften Abt Michael von Angeloch und der Konvent sie 1474 an Friedrich I. von der Pfalz (1451–1476) zum Preis von 2.000 Gulden9 für Kirche, Gebäude, zahlreiche Einzelgrundstücke, den Propsterwald, das Bruch, die Etzwiesen, Grundstücke im Settel und 100 Morgen im Sandbuckel. Ein Passus im Kaufbrief regelte die Pflicht des Kurfürsten zur Instandhaltung und Besorgung des Gottesdienstes. 1476 schenkte dieser den Besitz dem von ihm neu gegründeten →Dominikanerkloster in Heidelberg; die Dominikaner mussten dafür wöchentlich zwei heilige Messen in St. Ilgen lesen und jeden Sonntag predigen.10 In dieser Zeit wurde die Kirche umgebaut, vor allem im Chor. Als das Dominikanerkloster 1551 aufgelöst wurde, fiel der Besitz an das Heidelberger Hospital. 1685 zog die Hofkammer die Güter ein, wobei das ehemalige Propsteigelände 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg schwer beschädigt wurde. In Folge der Kurpfälzer Kirchendeklaration erhielten die Katholiken die Aegidiuskirche, wobei die restituierten Dominikaner später die Rückgabe der Kirche mit den dazugehörigen Gütern forderten. Das sogenannte Klösterlein bestand damals aus zwei Häusern und zwei Scheunen, ein Laienbruder und eine Magd bewirtschafteten sie. Nach der Aufhebung des Heidelberger Dominikanerkonvents (1805) verkaufte die katholische Kirchengutsverwaltung das Anwesen an privat.11 Das letzte baufällige Gebäude des ehemaligen Propsteiareals wurde 1963 abgebrochen. Bau- und KunstgeschichteLageDie Propstei lag auf einer flachen Anhöhe über dem Leimbach, am ehemaligen Nordostrand des Dorfs. Sie entstand an einem alt besiedelten Platz, an der Stelle von kirchlichen oder herrschaftlichen Steinbauten des 10. Jahrhunderts. Die ummauerte Anlage war von Norden her zugänglich, das Tor wurde 1896 abgebrochen. Die Propsteigebäude, später als Pfarrhof genutzt, lagen im Westen, der Friedhof im Süden der Kirche. 1992–98 wurden die romanischen Ostteile der Kirche innen sichtbar gemacht und durch einen Neubau erweitert; das Umfeld ist seit 2020 als großer Platz gestaltet. Kirche und KonventsbautenIn der barocken Saalkirche sind umfangreiche Reste der romanischen Pfarr- und Klosterkirche erhalten und durch Ausgrabungen 1988 bzw. 1992 erforscht. Es handelte sich um eine dreischiffige Kirche mit vier Stützenpaaren sowie einem dreischiffigen, durch einen Triumphbogen ausgeschiedenen Altarraum mit drei Apsiden. In den Seitenkapellen waren die flachen Apsiden außen gerade ummantelt. Unterschiedliche Fundamentgrößen sprechen im Langhaus für einen Stützenwechsel mit Säulen und Pfeilern. Zwei romanische Rundbogenfenster blieben in der Westwand erhalten und geben die Höhe des Mittelschiffs an. Das Westportal war ehemals ein aufwändiges Säulenportal mit giebelbekrönter Rahmung. Sein Tympanon (Abb. 4) zeigt eine ungewöhnliche Ikonographie: Einer großen, auf einem reich verzierten Faldistorium sitzenden Männergestalt mit Tonsur, im Redegestus, wenden sich zur Linken ein kniender Geistlicher mit Abtstab, zur Rechten ein kniender Weltlicher als Stifter jeweils im Bittgestus zu. Ob die Hauptfigur in einer sonst nur im byzantinischen Bereich belegten Ikonographie als priesterlicher Christus anzusprechen ist oder eher als Hl. Abt Aegidius, ist umstritten. Die Palmettenkapitelle des Westportals sprechen für dessen Bauzeit um 1160/70; die Ostteile könnten schon zur 1131 bestehenden Klosterkirche gehören. Der dreischiffige Altarraum ist ein charakteristisches Element reformierter Benediktinerklöster dieser Epoche. Im 15. Jahrhundert wurden die Hauptapsis abgebrochen und die Ostteile umgebaut; das Langhaus erhielt neue Portale im Norden und Süden. 1780–84 fiel das Mittelschiff mit den gotisch veränderten Arkaden und sechs Pfeilern dem barocken Umbau zur Saalkirche zum Opfer. Ein ehemaliges Klostergebäude blieb westlich der Kirche bis ins 20. Jahrhundert erhalten. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das monasteriolum eine Klausuranlage mit Kreuzgang besaß. 1457 gehörten »Häuser, Scheunen und Ställe« zum clösterlein. Die vorbarocke liturgische Ausstattung ist wohl verloren. BibliographieHandbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 1, S. 173 (Rainer Laun); KB Heidelberg/Mannheim Bd. 2, S. 850–861 (Meinrad Schaab); KDM Bd. 8,2, S. 530–535 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Benediktinerpropstei St. Ilgen (Ludwig H. Hildebrandt) Literatur: Lutz 1988; 1992; Müller 2020. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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