Wiesenbach, Benediktiner 

Kurzbeschreibung:

vor 1136 Gründung – nicht vor 1229 Ersterwähnung – 1480 Verkauf an die Augustinereremiten in Heidelberg – 1482 Verkauf an die Zisterzienserabtei Schönau – 1560 Geistliche Güteradministration der Kurpfalz

Patrozinium: Georg
Ordensgliederung: Propstei der Benediktinerabtei Ellwangen
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Wimpfen im Tal, Landkapitel Waibstadt

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Benediktiner 1136-1480
Beschreibung:

Name: territorio sancti Georigii in Wisinbach (764, Fälschung um 1136);1 preposito de Wisenpach (1229)2

Geschichte

Die Frühgeschichte der zur Benediktinerabtei Ellwangen gehörenden Propstei Wiesenbach liegt weitestgehend im Dunkeln. Eine auf das Jahr 764 gefälschte Urkunde mit der Nennung Wiesenbachs wird dem Schreiber eines 1136 angefertigten Ellwanger Güterverzeichnisses zugeschrieben.3 Entsprechend wird die Schenkung von Gütern in Wiesenbach an Ellwangen durch die Grafen von Lauffen vor dieses Jahr datiert, wobei die um 1550 behauptete Rolle dieser Adelsfamilie als Gründer der Propstei nicht überzeugend belegbar ist.

Eine Verlegung der →Schriesheimer Propstei des Klosters Ellwangen nach Wiesenbach wird für die Zeit um 1200 vermutet, wobei ein Propst erstmals 1229 belegt ist.4 Eine wohl in das 9. Jahrhundert zu datierende Grabinschrift, die auf dem Gelände der Propstei gefunden wurde, lässt jedoch eine frühmittelalterliche Vorgängerinstitution möglich erscheinen.5

Insgesamt ist die Quellenlage zu Wiesenbach schlecht. Die klösterliche Grundherrschaft erstreckte sich wahrscheinlich vor allem in der unmittelbaren Umgebung in Kraichgau und Odenwald. Die Teilvogtei übten erst die Grafen von Lauffen, dann die Pfalzgrafen bei Rhein aus. Die Bestätigung der ellwangischen Rechte durch König Karl IV. (1346–1378) erfolgte 1347. Im Jahr 1454 bestätigte Kaiser Friedrich III. (1440–1493) der Propstei ihre Abgabenfreiheit. Im Zuge wirtschaftlicher Probleme wurde sie 1480 an die →Augustinereremiten in Heidelberg verkauft, 1482 dann an das →Zisterzienserkloster Schönau im Odenwald. Letzteres löste endgültig eine jährliche Abgabe an die Kurpfalz ab, über die sich die Propstei 1455 als Ersatz für die eigentlich zu leistenden Fronen und Atzung mit Kurfürst Friedrich I. (1451–1476) geeinigt hatte.

Im Zuge der Reformation in der Pfalzgrafschaft unterstand Wiesenbach seit 1560 der Geistlichen Güteradministration und bildete mit dem Kloster →Lobenfeld eine Schaffnerei, die 1801 an die Katholische Kirchenschaffnei ging.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Areal liegt heute etwa 40 bis 70 m nördlich des Biddersbachs. Unter den bestehenden Pfarrbauten wurden Hinweise auf Kirche und Konventsbauten vor allem 1977 und 1979–81 ergraben. Es lassen sich eine bis zu 42 m lange Kirche mit Westbau, Seitenschiffen, drei Apsiden und Krypta erschließen sowie südlich parallel und im rechten Winkel dazu anstoßend einige langgezogene Gebäude von bis zu 8 m Breite. Die Kirche wird 1441 noch als Münster bezeichnet; eine Bezeichnung, die eher für größere Kirchen üblich ist. Unklar ist das Verhältnis zur heutigen evangelischen Pfarrkirche, deren Chorturm um 1200 errichtet worden sein soll.

Kirche und Konventsbauten

Aus Grabungen und aufgefundener Bauskulptur lassen sich mehrere Bauphasen erschließen. Ein im Klostergelände aufgefundenes Inschriftenfragment zeigt karolingische Schreibweisen und eine Textstruktur, die sich auf den Grabstein des Gelehrten Alkuin bezieht – ein deutlicher Hinweis auf eine sakrale Institution, deren Insassen sehr gut ausgebildet waren.

Als erste Kirche lässt sich eine dreischiffige, querschifflose Basilika von 42 m Länge mit sieben Pfeilerpaaren und einem wohl doppeltürmigen Westbau rekonstruieren. Sowohl in der Treppenwendel im Westbau als auch in der östlichen Hauptschiffwand wurden die Fugen im feuchten Mörtel mit dem dekorativen Fugenstrich nachgezogen. Der längsrechteckige Pfeilergrundriss, die Großquader in präzise gearbeiteter Steinmetzqualität mit Pressfugen und Randschlag sowie der Wechsel von hoch und quer gesetzten flachen Quadern verweisen stilistisch in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. Die Mauern sind als lagerhaftes Kleinquadermauerwerk gesetzt. Für das Nordseitenschiff ist ein gerader Abschluss ergraben. Die Gestalt des Ostabschlusses des Hauptschiffes ist unklar. Möglicherweise wurde er niedergelegt und der Boden mit Bauschutt, der Dachziegel enthält, vorbereitet, bevor man etwa um 1130 östlich des Langhauses eine Krypta anfügte. Sie ist 1 m eingetieft, der Altarraum darüber lag nun etwa 1,5 m höher als der Mittelschiffboden.

Die Vierstützenkrypta war über zwei Öffnungen in der Ostmauer des Langhauses zugänglich; dazwischen führten etwa 2,50 m breite Treppenstufen zum Sanktuarium hinauf. Schlichte Würfelkapitelle und attische Basen mit Eckzehen zeichnen sowohl die freistehenden als auch die Wand-Säulen aus.

Am Nordseitenschiff wurde später eine Apsis angefügt, im Süden ist keine nachgewiesen und wurde vielleicht wegen eines hier stehenden Konventsbaus auch nicht ausgeführt.

Die Krypta wurde nun mit neuen, viertelkreisförmigen Zugängen aus den Seitenschiffen erschlossen. Der Boden der Krypta wurde zwei Mal aufgehöht, mit Wasserabläufen und neuen Zugängen versehen, dabei auch die Fußböden der Ostteile der Kirche angehoben. Zuletzt verlängerte man das Sanktuarium um 2,5 m nach Westen, bevor die Krypta wegen des ansteigenden Grundwasserspiegels aufgegeben und verfüllt wurde.

1550 werden Reliquien der Hll. Mammes und Benigno erwähnt, die zu diesem Zeitpunkt in einem Steinsarkophag neben dem Altar standen.6 Wichtige Reliquien der beiden Heiligen werden in Langres und Dijon aufbewahrt, einer Region, in die die Abtei Ellwangen durch einen ihrer Gründer gute Beziehungen gehabt haben dürfte.

Das Fußbodenniveau im Langhaus wurde wohl zuletzt um 0,7 m angehoben und die alten Chorschranken umgesetzt zu einer neuen Abschrankung des Chorbereichs (Abb. 2). Der weiterhin erhöhte Altarraum war über eine zweiläufige Treppenanlagen in den Seitenschiffen zugänglich.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde die Baugestalt der großen Kirche stark reduziert. Den weiterhin problematischen Baugrund stabilisierten nun Pfahlgründungen mit Entlastungsbögen im Boden. 1660 ließ die Geistliche Administration brauchbare Teile im Pfarrhaus Meckesheim verbauen. Im 18. Jahrhundert verwendete man Teile der Vorgängerbauten für die Pfarrkirche der katholischen Gemeinde. Südlich daran wurde um 1980 ein Erweiterungsanbau angeschlossen.

In der barocken Pfarrkirche sind romanische Bauteile wie eine Säule aus der Krypta, Kämpferplatten und Chorschranken sowie ein Inschriftenfragment des 12. Jahrhunderts museal inszeniert. Im Freien sind eine Altarmensa, zwei hochwertige Werksteine, ein Sattelkämpfer und weitere romanische Bauteile der Witterung ausgesetzt.

Der Baubestand der Klosteranlage wird zuerst in einem Inventar des Propstes Georg von Sontheim greifbar.7 Er nennt 1441 eine Kammer des Propstes, die nit mehr in dem bauern hauß ist, eine größere und eine kleinere Stube, eine Kammer für die Magd, eine Behausung für die Wirtschafterin (kellerin hauß) eine Kornkammer, eine Lederkammer, einen Keller und eine Kirche. Ferner ist ein Torhaus erwähnt, woraus auf eine Ummauerung geschlossen werden kann. Küche, Scheune und Stallungen schlossen sich an.Der Freihof lag in der Nähe des Propsteigebäudes. Die Zehntscheuer, unmittelbar westlich des heutigen katholischen Pfarrhauses gelegen, ging nach der Zehntablösung in Privatbesitz über.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: DI 12,4 (Renate Neumüllers-Klauser); GermBen V, S. 560–562, 667–670 (Franz Quarthal); KB Heidelberg/Mannheim Bd. 2, S. 986 (Meinrad Schaab); KDM Bd. 8,2, S. 653 f. (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Benediktinerpropstei Wiesenbach (Andreas Butz).

Literatur: Lutz 1982; Laier-Beifuss/Lutz 1990; Laier-Beifuss 2015; Burkhart 2015.

Anmerkungen

  • 1 St AL B 389 U 2252 = WUB I, Nr. 8 S. 8.
  • 2 St AL B 389 U 274 f. = WUB III, Nr. 769 S. 25 8-260.
  • 3 St AL B 389 U 2252 = WUB I, Nr. 8 S. 8.
  • 4 St AL B 389 U 274 f. = WUB III, Nr. 769 S. 25 8-260.
  • 5 DI 12, 4, Nr. 1 S. 1.
  • 6 DI 12, 4, Nr. 25 S. 25.
  • 7 St AL B 389 Bü 388
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Benjamin Müsegades [Autor]
  • Charlotte Lagemann [Autor]
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