Schönau, Zisterzienser 

Kurzbeschreibung:

um 1142–1145 Gründungsprozess – 1558/59 Aufhebung

Patrozinium: Maria
Ordensgliederung: Primarabtei Clairvaux, Mutterabtei Eberbach
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Wimpfen im Tal, Landkapitel Waibstadt

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Zisterzienser 1142-1558
Beschreibung:

Name: locum in Schonaugia (1142);1 abbas de Sconauia (1213);2 abbatem et conventum de Sconaugia, Cisterciensis ordinis (1237);3 abbati et conventui monasterij de Schonowia (1256);4 conventui in Schonenaugen (1275);5 die herren von Schonauwe (1405);6 des closters zu Schonau (1472)7

Geschichte

Historische Entwicklung

Im Jahr 1142 schenkte Bischof Burchard II. von Worms, genannt Buggo (1115/16–1149), dem Zisterzienserorden Grund und Boden im Steinachtal zum Zweck einer Klostergründung.8 Die »schöne Aue« zwischen den Einmündungen des Klüpfelbachs im Norden und des Lindenbachs im Süden in die Steinach befand sich, wie nahezu das gesamte Steinachtal, seit der Amtszeit Bischof Burchards I. (1000–1025) im Besitz des Wormser Hochstifts und wurde als Lehen an regionale Adelsfamilien vergeben. Graf Poppo IV. von Lauffen (1139–1176, † vor 1184) und dessen Lehensmann Bligger von Steinach entschädigte Burchard mit verschiedenen, allerdings eher geringen Geldeinkünften anstelle des für die Klostergründung vorgesehenen Gebiets. Dieses war unbesiedelt geblieben und von den nächstgelegenen Ortschaften weit entfernt, womit es der von den Zisterziensern übernommenen Regel des Hl. Benedikt für den Standort eines Klosters entsprach. Die Initiative für die Ansiedlung des Reformordens in Schönau, den Bischof Burchard II. den zisterziensischen Idealen entsprechend von jeglicher weltlicher Herrschaft befreite und der Wormser Diözese unterstellte, reiht sich in die Förderung anderer geistlicher Gemeinschaften ein, um dem bis an die Bistumsgrenzen expandierenden Benediktinerkloster Lorsch entgegenzuwirken. Bereits 1125 hatte Burchard das Augustinerchorherrenstift in Frankenthal in seinen Schutz und Schirm genommen, das wiederum im Sprengel des Wormser Bistums 1139 ein weiteres Stift in →Lobenfeld gründete. Bei der Wahl des neuen Reformordens für das in Schönau geplante Kloster spielte möglicherweise der Briefkontakt Bischof Burchards II. mit dem Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux (1115–1153) in den 1140er Jahren eine Rolle.9

Errichtet und besiedelt wurde Schönau von Mönchen des Klosters Eberbach im Rheingau. Erst im Jahr 1131 hatte Erzbischof Adalbert I. von Mainz (1111–1137) das dortige, aufgelöste Augustinerchorherrenstift dem jungen Reformorden überlassen. Es wurde schnell zu einem Zisterzienserkloster ausgebaut und war schon 1142 in der Lage, mit dem im Sprengel des Mainzer Suffraganbistums Worms gelegenen Schönau ein erstes Tochterkloster zu gründen. In der Struktur des Zisterzienserordens stand Schönau zusammen mit den weiteren Tochtergründungen Eberbachs, Arnsburg, Otterberg und Val-Dieu, in der Filiation der Primarabtei Clairvaux.

Obwohl bereits in der Gründungsurkunde die Anwesenheit von fratres in Schönau erwähnt wird,10 ist über den Vorgang der Besiedelung nichts bekannt. Da auf das Jahr 1145 die erste Schenkungsurkunde datiert, ist davon auszugehen, dass vorher der Einzug der aus Eberbach geschickten Gemeinschaft abgeschlossen war.11 Eine solche bestand in der Regel aus zwölf Mönchen und einem Abt. Die anfänglichen provisorischen Holzbauten wurden im Laufe der Zeit durch steinerne Gebäude ersetzt, deren Anlage und Architektur weitgehend anderen Zisterzienserklöstern entsprachen.

Bischof Burchard II. von Worms nahm das neue Kloster in seinen Schutz und vermittelte die ersten Güterschenkungen. Auch seine Nachfolger setzten sich für profitable Gebietserwerbungen ein und traten als Zeugen in den klösterlichen Urkunden auf. Während hauptsächlich Lehensmänner der Wormser Bischöfe Stiftungen an das Kloster tätigten, bedachte bereits 1167 auch der Lorscher Abt Heinrich (1151–1167) in seinem Testament die noch im Bau befindliche Klosterkirche mit einem Kelch und 20 Mark Silber.12 1174 wurde der Klosterbezirk von Burchards Nachfolger Konrad II. (1171–1192) um die auf Wormser Besitz gelegenen, aber an die Grafen von Lauffen und die Edelfreien von Steinach verlehnten angrenzenden Wiesen und Wälder erweitert.13

Über Zusammensetzung und Stärke des Konvents ist nur wenig bekannt. Mit der Gründung des Schönauer Tochterklosters Bebenhausen 1190 muss die dafür erforderliche Mindestanzahl von 60 Konventualen erreicht gewesen sein, während für die wirtschaftliche Blütezeit im 13. Jahrhundert aufgrund der baulichen Ausmaße der Klosteranlage die Anzahl der Klosterinsassen auf mindestens 300 geschätzt wird.14 Die Mönche entstammten dem lokal ansässigen Adel sowie dem Wormser und Heidelberger Bürgertum, wobei im ausgehenden Spätmittelalter keine adeligen Mitglieder mehr belegt sind. Die Äbte rekrutierten sich vorrangig aus dem eigenen Kloster sowie aus Eberbach und Bebenhausen. Im 15. Jahrhundert kann die Einflussnahme durch die Pfalzgrafen bei Rhein auf die Wahl nachgewiesen werden.15 Analog zu den meisten Zisterzienserabteien ist für Schönau davon auszugehen, dass die Äbte ab dem 15. Jahrhundert infuliert waren, obwohl nur für zwei Äbte der Gebrauch bischöflicher Insignien nachgewiesen werden kann.16 Die in den Quellen sonst kaum fassbaren Schönauer Laienbrüder fanden durch die sogenannte Stiefelrevolte um 1170 Niederschlag im Exordium magnum Cisterciense: Der dort beschriebene Protest der Konversen gegen die geplante Abschaffung der jährlichen Bereitstellung neuer Schuhe soll mit dem Tod des Anführers ein gottgewolltes Ende gefunden haben.17 Da die Zahl der Laienbrüder ab 1300 deutlich abnahm, wurden vermehrt Klosterhöfe verpachtet und Knechte angestellt.

Als Eigenkloster der Bischöfe von Worms sollte Schönau von seiner Gründung an von weltlicher Gewalt befreit sein. 1169 stellte Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152–1190) das Kloster unter seinen Schutz.18 Begünstigungen der Pfalzgrafen Konrad von Staufen (1156–1195) und Heinrich des Älteren (1195–1212/13) weisen darauf hin, dass die Schirmherrschaft spätestens Ende des 12. Jahrhunderts an die Pfalzgrafen bei Rhein übergangen sein muss, bevor sie schließlich 1208 in einer Urkunde ausdrücklich erwähnt wird.19 Nach dem Übergang der Pfalzgrafschaft an die Wittelsbacher 1214 setzten diese die enge Beziehung zu den Schönauer Zisterziensern fort, ließen sich in deren Gebetsbruderschaft aufnehmen und wählten das Kloster zu ihrer Grablege. Schönau und seine weit verstreuten Höfe dienten ihnen als Quartier und als Vorposten der pfalzgräflichen Herrschaft im südlichen Odenwald sowie als strategischer Stützpunkt im Steinachtal. Als eines der reichsten Klöster im Einflussbereich der Pfalzgrafen wurde Schönau besonders ab dem 15. Jahrhundert neben den laufenden Abgaben zunehmend zur finanziellen Unterstützung der kurfürstlichen Kasse sowie der Heidelberger Universität herangezogen.

Von päpstlicher Seite erhielt das Kloster regelmäßig Privilegien wie die Bestätigung der Zehntfreiheit. 1204 befreite Papst Innozenz III. (1198–1216) das Kloster Eberbach und dessen Tochtergründungen zudem von der Pflicht, die bischöflichen Synoden zu besuchen.20 Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts folgten zusätzliche Privilegien, die die Jurisdiktion des ursprünglichen Schutzherrn massiv einschränkten und das Kloster weitgehend von dessen Gewalt eximierten.21 Trotz der päpstlichen Privilegierungen agierte Schönau bei innerkirchlichen sowie überregionalen Konflikten, wie dem Großen Abendländischen Schisma und der Mainzer Stiftsfehde, immer auf der Seite seines pfalzgräflichen Schirmherrn und widersetzte sich damit teilweise päpstlichen Anordnungen.

Innerhalb des Zisterzienserordens nahm die Bedeutung Schönaus im Laufe der Zeit zu. Am 29. Oktober 1190 besiedelten Schönauer Mönche im Auftrag des Generalkapitels das von Pfalzgraf Rudolf von Tübingen (1182–1219) gestiftete Zisterzienserkloster im aufgegebenen Prämonstratenserstift Bebenhausen unter Leitung des vormaligen Schönauer Priors Diepold als erstem Bebenhäuser Abt. 1231 erhielt der Schönauer Konvent vom Generalkapitel den nur für wenige Jahre erfolgreich umgesetzten Auftrag, in Lorsch ebenfalls ein Tochterkloster zu gründen. 1268 wurde das Zisterzienserinnenkloster in Ramsen der Aufsicht des Schönauer Abts unterstellt. Bis zu ihrer Reformierung unterstanden auch kurzzeitig die Zisterzienserinnen in Lobenfeld und →Neuburg dem Kloster Schönau. Der Schönauer Abt übernahm neben Visitationen und Aufgaben der Jurisdiktion für sein Mutterkloster Eberbach auf Anweisung des Generalkapitels auch die Durchführung von Reformen in mehreren Konventen.22

Das genaue Datum der Auflösung des Klosters ist nicht bekannt. Noch unter Abt Sebastian Pfungstein (1529–1554) lebte in Schönau ein funktionierender Konvent, der sich gegen reformatorische Absichten Pfalzgraf Friedrichs II. (1544–1556) zur Wehr setzte. Erst im Zuge der konsequent durchgeführten Reformation in der Pfalzgrafschaft unter Ottheinrich (1556–1559) ab 1556 scheinen auch die Mönche aus Schönau vertrieben worden zu sein. Im Jahr 1558 ist für das Kloster ein Verwalter nachweisbar. Um dieselbe Zeit wurde der letzte Abt Wolfgang Karteuser in das Wormser Bürgerrecht aufgenommen. Nachdem die Mönche das Kloster verlassen hatten, war das Areal bereits 1559 von Hofleuten bewohnt. Vom ehemals Schönauer Hof in Heidelberg aus, dem sogenannten Mönchhof, wurden die sonstigen Schönauer Güter ebenso wie das Vermögen der anderen aufgelösten geistlichen Institutionen von der Geistlichen Administration verwaltet. Dieser gelang es, die ehemaligen Schönauer Besitzungen zusammenzuhalten. Im Zuge der Religionsdeklaration unter Kurfürst Maximilian Josef (1799–1806, König von Bayern 1806–1825) 1801, die auf eine Gleichberechtigung der in der Pfalz vertretenen Konfessionen abzielte, wurden die von Heidelberg aus verwalteten Güter entsprechend aufgeteilt. Die Pflege Schönau verblieb im Besitz der reformierten Kirche.23

1562 siedelte Kurfürst Friedrich III. (1559–1576) Wallonen in den Klostergebäuden an, welche die gewerblichen Betriebe weiter nutzten, die klösterliche Architektur jedoch rasch abtrugen und aus den Steinen neue Häuser errichteten. Versuche der Zisterzienserabtei →Salem und des Benediktinerklosters Amorbach, nach dem Dreißigjährigen Krieg in Schönau wieder ein Kloster zu gründen, scheiterten.

Besitz und Wirtschaft

Der Grundstock des Schönauer Grundbesitzes im Steinachtal stammt seit 1142 aus Schenkungen des Wormser Hochstifts und seiner Lehnsleute. 1174 wurde das Klosterareal von Bischof Konrad II. von Worms (1171–1192) durch die Schenkung von angrenzenden Wäldereien und Weiden erweitert. Die Ländereien, die dem heutigen Schönauer Walddistrikt Vogelherd entsprechen, waren über die Grafen von Lauffen an die Herren von Steinach weiterverlehnt, die auf ihr Lehen verzichteten. Möglicherweise kann als eigentlicher Urheber der Schenkung deshalb Konrads II. Amtsvorgänger Konrad von Steinach (1150–1171) angenommen werden.24 Wie der Distrikt Buchwald muss auch der vormals zur Harfenburg gehörige Forst Adlerstein durch eine Schenkung an das Kloster gelangt sein. Obwohl Bligger von Harfenberg im Jahr 1200 auf die Ansprüche am Waldgebiet verzichtete, konnte die Zugehörigkeit erst 1322 durch Graf Johann von Nassau zugunsten Schönaus geklärt werden.25 Auch die Grangien Pleikartsforst (1152), Bruchhausen bei Sandhausen (1182) und Lochhheim (1196) gingen aus Wormser Besitz an das Kloster über. Durch Tausch versuchte das Kloster die geographische Streuung des Besitzes zu verringern und innerhalb der Wormser Bistumsgrenzen zu konzentrieren. 1152 wurde Freimersheim deshalb gegen Rohrheim eingetauscht, das zudem dem Bedürfnis des Ordens nach weltlicher Abgeschiedenheit entsprach. Um diese zu erreichen, wurden entgegen der Ordensregel auch Güter angekauft, beispielsweise in Bruchhausen oder Lochheim. Durch die Vermittlung der welfischen Pfalzgrafen bei Rhein kam Schönau in den Besitz von Gütern des Klosters Lorsch. So erlangte das Kloster vor 1168 einen Hof in Viernheim sowie 1190 die Höfe zu Marbach, Neuenheim und Schar, wobei letzterer zur flächenmäßig bedeutendsten Grangie wurde. In der Bestätigung des Schönauer Besitzstandes durch Papst Innozenz III. 1204 können schon diejenigen Grangien nachvollzogen werden, die bis zur Aufhebung des Klosters Kernbestandteil der Klosterwirtschaft blieben.26 Eine Grangie bestand im Idealfall als selbstständiger Wirtschaftshof auf eigener Gemarkung und wurde durch eigenes Personal unter der Verwaltung eines Hofmeisters bewirtschaftet. Beim Erwerb der Güter strebte der Konvent an, frei von orts- und grundherrlichen Lasten zu bleiben und Vogtfreiheit zu erwirken. So waren die Grangien Scharhof, Rohrhof, Grenzhof, Pleikartsfort und Bruchhausen letztlich völlig abgabenfrei und blieben auch außerhalb des Zugriffs der sich intensivierenden pfälzischen Verwaltung.

Im 13. Jahrhundert konnte Schönau seinen Besitz deutlich ausbauen. Es profitierte insbesondere durch die Förderung der Pfalzgrafen bei Rhein und den Gewinn neuer Stifter, wie den Herren von Kirchheim und den Landschaden von Steinach. Das Kloster konnte zahlreiche neue Mitglieder gewinnen und profitierte von deren ins Kloster eingebrachtem Vermögen. Mit dem Ziel, die bereits vorhandenen Grangien abzurunden und zu erweitern, wurden sowohl durch Schenkungen als auch durch Tausch und Kauf Einzelbesitz vom regionalen Niederadel und dem städtischen Patriziat in Heidelberg, Worms, Ladenburg und Speyer erlangt. Da wie beispielsweise in Plankstadt und Kirchheim die nach Ordensregel gewünschte Entvölkerung der erworbenen Güter zunehmend am Widerstand der Dorfgemeinden scheiterte, versuchte Schönau stattdessen die Ortsherrschaft zu erlangen. Außerdem erweiterte sich die geographische Ausdehnung des Klosterbesitzes auf das Einflussgebiet der Pfalzgrafen. So konnten Güter, vorrangig Weinberge, links des Rheins und an der Bergstraße erworben werden. In den oben genannten Städten erwarb das Kloster zudem Häuser, um dort wirtschaftliche Interessen zu verfolgen.

Im 14. Jahrhundert bekam auch Schönau die schwindende Popularität des Zisterzienserordens und die allgemeine Wirtschaftskrise zu spüren, sodass die Erweiterung des Besitzes stagnierte. Stattdessen werden ab 1316 erste Verpachtungen nachvollziehbar. Um die Finanzen zu stabilisieren, erwarb Schönau entgegen der Ordensregel außerdem erstmals Pfarrpatronate und Zehntrechte in Viernheim. Ab 1344 durfte nach der Zustimmung durch das Generalkapitel Klosterbesitz verpfändet werden, wodurch zunehmend in die Besitzmasse eingegriffen wurde. Besonders seit Abt Heilmann (1359–1363, 1367) wuchs die Verschuldung des Klosters, der wie viele seiner Nachfolger aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse sein Amt aufgab. Abt Konrad wurde 1405 von König Ruprecht (1400–1410) zum Rücktritt gedrängt und das Kloster unter die Aufsicht eines Verwesers gestellt, durch den dieses finanziell stabilisiert werden sollte. In der Folgezeit konnte der Besitz wieder stärker in der geographischen Nähe konzentriert werden. So verkaufte das Kloster 1467 den gesamten Besitz in Frankfurt an das dortige Bartholomäusstift und die Bürgergemeinde. Als größere Erwerbung des 15. Jahrhunderts ist die Ellwangische Propstei zu →Wiesenbach hervorzuheben, die dem Kloster den Vorstoß in den Elsenzgau und den Kleinen Odenwald ermöglichte.

Besonders seit 1499 stieg die finanzielle Belastung der Klosterkasse durch die pfalzgräflichen Schirmherren. So wurde vertraglich geregelt, dass Schönau jährlich 3.200 Gulden an die Universität Heidelberg zu zahlen hatte. Detailliert berichtet über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Klosters lediglich ein Lagerbuch aus dem Jahr 1559.27 Mittelalterliche Rechnungen sind nicht überliefert. Die Rechnungslegung oblag dem Keller, welcher seit 1199 belegt ist.28 Seit dem 14. Jahrhundert war dieser als Großkeller im Heidelberger Mönchhof tätig. Neben mehreren Mitkellern fand er Unterstützung durch einen Thedinger bei der Erledigung der Rechtsgeschäfte.29

Für die Verwaltung der Grangien und den Transport der dort angebauten und produzierten Güter nach Schönau sowie den Handel war die Nähe zu Heidelberg und das von dort ausgehende Straßennetz vorteilhaft. Seit ca. 1217 besaß das Kloster die Rechte an der Fähre über den Neckar bei Heidelberg und erlangte später auch Anteile am Unterhalt von Brücken und Fähren an anderen Neckarübergängen sowie Zollprivilegien.30 In Heidelberg genoss das Kloster das pfalzgräfliche Privileg, seine Produkte zollfrei verkaufen zu können, sowie das Anrecht auf freien Weinschank. Den über mehrere Gebäude und eine Kapelle verfügenden Hof, in dem die zum Verkauf bestimmten Waren gelagert werden konnten, bewohnten zunächst wahrscheinlich Schönauer Konversen. Ab 1304 sind regelmäßig längere Aufenthalte des Abts und Ordensangehöriger aus Schönau belegt. Neben Heidelberg unterhielt Schönau drei weitere große Pfleghöfe in den Städten Worms, Frankfurt und Speyer.

Neben den Patronats- und Herrschaftsrechten, mit denen das Kloster einen Großteil seiner Kapitaleinkünfte erzielte, wurde Acker- und Weinbau teils in Eigenbau betrieben, teils in Form von Naturalien als Pachtzinsen eingefordert. Je nach Lage der Flächen wurden unterschiedliche Getreidesorten angebaut, hauptsächlich Roggen, Spelz und Hafer. Als wertvollstes Produkt galt der auf Schönauer Besitz angebaute Wein. Sein Ertrag überstieg im Jahr 1559 viermal die Einnahmen aus der Getreideernte.31 Die ersten Weinberge gelangten bereits vor 1190 zusammen mit den Höfen in Marbach und Neuenheim in den Klosterbesitz. Besonders viel Wein wurde aus den Orten an der Bergstraße nach Schönau transportiert. Gemüse und Obst wurden vor allem für den Eigenbedarf angebaut. Ebenso wurde Vieh gehalten, um den klösterlichen Bedarf an tierischen Produkten zu decken. Um über die nach der Ordensregel geltenden Fastentage genügende Menge Fisch zu verfügen, strebte das Kloster bis ins 16. Jahrhundert danach, seinen Besitz an reichen Fischgründen, Fischereirechten und der Anlage von künstlichen Teichen zu vermehren.

Erst die nach der Aufhebung des Klosters angelegten Lagerbücher aus der Mitte des 16. Jahrhunderts belegen Mühlen und Wirtschaftsgebäude. Zu dieser Zeit existierten auf dem ehemaligen Klosterareal zwei Mahlmühlen, zwei Walkmühlen, ein Schurhaus, ein Lohhaus, ein Bandhaus, ein Gasthaus, eine Schmiede und ein Marstall. Produziert wurde hauptsächlich für den Eigenbedarf. Die bis zum Spätmittelalter im Umkreis der Grangien erworbenen und zunächst vom Kloster betriebenen Mühlen wurden nach und nach verpachtet. Das im 13. Jahrhundert bedeutende Schönauer Ziegelhaus im heutigen Heidelberger Stadtteil Ziegelhausen wurde wie ein Ziegelofen in Sandhausen in späterer Zeit von Pächtern unterhalten.

Religiöses und kulturelles Wirken

Bischof Burchard II. von Worms gründete das Kloster Schönau in der Absicht, sich dort begraben zu lassen.32 Diesem Beispiel folgten nicht nur Bischof Konrad II. von Hildesheim (1221–1246), der sich nach seinem Amtsverzicht in Schönau aufhielt, und Bischof Eberhard II. von Worms († 1293), sondern auch viele Adlige der Umgebung, wie die Schenken von Erbach,33 sowie Bürger aus Worms und Heidelberg.

In der Anfangszeit wurden den zisterziensischen Statuten entsprechend keine Pfarrpatronate übernommen. Erst in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten während des 14. Jahrhunderts erwarb Schönau Pfarreien mit den damit verbundenen Zehntabgaben und Herrschaftsrechten und war für die Seelsorge der Pfarrgemeinde verantwortlich.34 Zeitweise besaß Schönau das Patronatsrecht über die Peterskirche in Heidelberg, bevor dieses 1400 an die dortige Universität übertragen wurde.

Drei Klosterangehörige wurden als Selige bzw. Heilige verehrt: Abt Daniel (1209–1218), Abt Gottfried (1182–1191) und die als Novize Joseph in das Kloster eingetretene Hildegunde von Neuß († 1188).

Eine besondere Bedeutung hatte die Beziehung zu den Pfalzgrafen bei Rhein. Gleich zu Beginn seiner Herrschaft in der Pfalz ließ sich Ludwig I. 1214 in die Schönauer Gebetsbruderschaft aufnehmen. Dieser Tradition folgten auch seine Nachfolger. Die Schönauer Äbte genossen als Hofkapläne oder Beichtväter eine besondere Stellung am Heidelberger Hof.35 Pfalzgräfliche Familienmitglieder bezogen nicht nur auf der Durchreise in Schönau Quartier, sondern besuchten bevorzugt dort die liturgischen Feiern in der Kar- und Osterzeit. Sie tätigten Stiftungen, traten selbst in den Orden ein oder erwählten das Kloster zu ihrer Begräbnisstätte. So sind in Schönau Pfalzgraf Konrad der Staufer (1156–1195) und seine Ehefrau Irmgard von Henneberg sowie der letzte welfische Pfalzgraf Heinrich ( VI.) der Jüngere von Braunschweig (1212–1214) bestattet. Mit Pfalzgraf Adolfs (1319–1329) Begräbnis knüpften die Wittelsbacher an diese Tradition an.36 Sein Sohn Ruprecht II. (1390–1398) bedachte das Kloster zu Lebzeiten mehrmals und bestimmte es in seinem Testament als seine letzte Ruhestätte.37 Die Gräber Adolfs, Ruprechts II. und seiner Ehefrau Beatrix von Sizilien-Aragon befanden sich vermutlich in einer gemeinsamen Grabkapelle innerhalb der Klosterkirche.38

Das Kloster war eng mit der Universität Heidelberg verbunden. So stand der Schönauer Abt dem seit 1387 belegten Collegium Jacobiticum vor, und auch der Provisor stammte zumeist aus dem Schönauer Kloster.39 1397 verpflichtete Pfalzgraf Ruprecht II. alle Zisterzienserklöster in der Pfalz, Studenten in dieses von Schönau betreute Studienhaus zu schicken, wobei der Schönauer Konvent mit einem Studenten den kleinsten Anteil stellte. Ab der Mitte des 15. Jahrhunderts verweigerten die umliegenden Zisterzienserklöster aufgrund von zunehmender Disziplinlosigkeit der Schönauer Provisoren, gescheiterten Reformversuchen und der aus Heidelberg bekannten prolutherischen Tendenzen nach und nach die Entsendung von Studenten in das dortige Studienkolleg. 1523 hob das Generalkapitel diese Pflicht schlussendlich auf.40

Bibliothek und Archiv

Über den Ort und die Ausstattung von Klosterarchiv und -bibliothek im Mittelalter ist fast nichts bekannt. Der Besitzvermerk einer in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Schönau entstandenen Sammelhandschrift verweist auf die Existenz eines gesicherten Aufbewahrungsorts (Liber sancte Marie virginis in Sconaugia in armario poni debet).41 Anhand der Rückvermerke von im Original überlieferten Urkunden kann zudem geschlossen werden, dass spätestens um 1300 mit deren Registrierung begonnen wurde.42 Aus diesem Jahr stammt das für die frühe Klostergeschichte wichtige Kopialbuch mit Abschriften von 272 Urkunden aus der Gründungs- und Frühzeit des Klosters.43 Zwei Lagerbücher aus dem 15. und 16. Jahrhundert geben einen Eindruck von den wirtschaftlichen Verhältnissen.44 Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts befanden sich die für die Verwaltung des Klosterbesitzes benötigten Dokumente im Heidelberger Mönchhof. Dafür wurden 1559 und 1570 neue Lagerbücher angelegt, die den Besitz des Klosters zum Zeitpunkt seiner Auflösung widerspiegeln.45 Rechnungen, Anniversarien und Nekrologe sowie chronikale Aufzeichnungen sind kaum oder gar nicht erhalten, da im Zuge der Klosterauflösung während der Reformation viele Archivalien verloren gingen. Verluste ergaben sich zudem, als das Archiv der Geistlichen Administration im sog. Pfälzischen Erbfolgekrieg ausgelagert war, 1729 teilweise verbrannte und danach mehrmals aufgeteilt wurde.46

Archivalien mit Schönauer Bezug liegen heute vorrangig im Generallandesarchiv Karlsruhe und dem 1997 vom Landesarchiv Speyer angekauften Gatterer-Apparat. Einige der Schönauer Urkunden aus dem Gatterer-Apparat, die der Heidelberger Sammler Graf Graimberg erworben hatte, befinden sich heute im Stadtarchiv Heidelberg. Außerdem gelangten Schönauer Archivalien in das Hauptstaatsarchiv München, das Staatsarchiv Darmstadt und das Stadtarchiv Frankfurt.

Auch die Bestände der Schönauer Bibliothek sind nicht mehr geschlossen überliefert. Es ist anzunehmen, dass die Bände nach der Aufhebung des Klosters in die pfalzgräfliche Bibliothek eingegliedert wurden und mit dieser 1623 in die Vatikanische Bibliothek gelangten. Unter den Codices Palatini latini sind anhand der Besitzvermerke bisher 23 Bände aus Schönauer Provenienz nachweisbar. Als vormalige Besitzer einiger Bände lassen sich das Kloster Lorsch sowie Bischof Burchard II. von Worms identifizieren.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Kloster wurde im Tal der Steinach, einem Nebenfluss des Neckars, gegründet. Dem Baugelände verdankt die Abtei ihren Namen (sconaugia = schöne Au). Das Haupttor in die ummauerte Anlage befand sich nordwestlich der Kirche nahe der Einmündung zweier Hauptverkehrsachsen, die das Kloster mit Heidelberg und dem Odenwald verbanden. Die Wirtschaftsbauten lagen westlich und südlich der Klausurbauten, der Friedhof östlich der Kirche. Als nach der Auflösung des Klosters Friedrich III. aus Wallonien geflohene Calvinisten in den Klostergebäuden ansiedelte, wurde das Kloster Stück für Stück abgetragen und überbaut. Von der spätromanisch-frühgotischen Architektur Schönaus sind mit Haupttor, ehemaligem Refektorium und der sog. Hühnerfautei nur noch geringe Reste erhalten.

Kirche und Konventsbauten

Die Schönauer Klosterkirche zählte mit rund 84 m Länge zu den großen Kirchen der Zisterzienser und ist für die Baukunst des Ordens von besonderer architekturhistorischer Bedeutung: Sie gehört innerhalb der Filiation von Clairvaux zu einer frühen Gruppe von experimentellen Bauten, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts einen rechteckigen Sanktuariumsumgang erhielten.

Das ursprüngliche Aussehen des Klosters erschließt sich nur anhand von spärlichen Bauresten und kleinräumigen archäologischen Aufschlüssen. Ausgrabungen im Zug einer umfangreichen Ortskernsanierung (1982–2000) haben ältere Rekonstruktionsversuche (1891, 1915) bestätigt.47

Gebäude aus der Gründungsphase Schönaus sind nicht erhalten. Einen kleineren Vorgänger (archäologisch nachgewiesen) besaß das in der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert neu errichtete Herrenrefektorium. Die 1211 geweihte Klosterkirche wird als dreischiffige, 12-jochige Pfeilerbasilika mit Querhaus und rechteckigem Altarhaus rekonstruiert. Die Lisenengliederung des Außenbaus mit Rundbogenfries in Traufhöhe ist an einem erhaltenen Rest (mit Fensteröffnung) der südlichen Mittelschiffwand nachgewiesen. Zwei Ansichten aus dem sog. Kurpfälzischen Skizzenbuch zeigen das Kloster im Zustand des späten 16. Jahrhunderts. Der Blick von Südwesten auf das Mittelschiff zeigt eine dreiteilige Fenstergruppe, bestehend aus zwei hohen Rundbogenfenstern mit darüber mittig platziertem Rundfenster, ebenso wie an der Ostwand des Sanktuariums. Gesimse und Giebel der Ostteile sind, wie an der Südwand nachgewiesen, mit Rundbogenfriesen akzentuiert dargestellt.

Die Innenraumgestaltung des Langhauses lässt sich nur über ausgegrabene Pfeilerreste rekonstruieren. Die im Querschnitt unterschiedlich dimensionierten Stützen deuten auf einen Planwechsel. In der Osthälfte des Mittelschiffes variieren Haupt- und Nebenpfeiler, die auf eine Wölbung im gebundenen System verweisen. Die Stützen im westlichen Teil sind gleichartig gebildet und machen langrechteckige Kreuzgewölbe über dem Mittelschiff wahrscheinlich, die in ihrer Breite den Jochen der vermutlich durchgängig gewölbten Seitenschiffe entsprachen. Die Profilierung der Pfeilersockel sowie die attischen Basen halbrunder Pfeilervorlagen datieren um 1180/1200, Kämpfer oder Kapitelle sind nicht erhalten.

Die Querarme besaßen nach Osten hin je zwei Apsiden. Durch Ausgrabung (1992/93) des nördlichen Querarms wurden vor den apsidal geschlossenen Räumen sechs Grabsteine (12.-15. Jahrhundert) freigelegt. Ein Durchgang zwischen Querschiff und nordwestlichem Vierungspfeiler führte in einen tonnengewölbten Chorumgang. An den drei Seiten des rechteckigen und mit Doppelarkaden zum Hochaltar hin geöffneten Umgangs lagen jeweils zwei Seitenkapellen. Nachträgliche Abarbeitungen an einem Pfeiler und die Anhebung des Bodens werden mit einer vermuteten Neueinwölbung der Vierung in Verbindung gebracht. 1371 ließ Pfalzgraf Ruprecht I. zwischen Nordquerarm und nördlichen Seitenschiff eine Kapelle errichten (nur in Sockelfundament und Eckpfeilerrest fassbar).

Die Raumaufteilung des Ostflügels entsprach den zisterziensischen Gepflogenheiten. Im Norden wird ein schmalrechteckiger Raum als Sakristei angesprochen. Hier wird auch die Dormenttreppe vermutet. Es folgt, unter dem heutigen Rathaus, der Kapitelsaal (1195 im Bau, nach Auflösung des Klosters als Pferdestall genutzt). Strebepfeilerreste an der östlichen Außenmauer verweisen auf eine Einwölbung. Nachträglich eingebaute Säulen und Türgewände indizieren einen gotischen Umbau mit Neueinwölbung (14. Jahrhundert). Südlich an den Kapitelsaal schlossen zwei Durchgänge an, die vom Kreuzgang zur östlich der Klausur stehenden Infirmarie führten. Den Südteil des Ostflügels nahm ein zweischiffiger Raum ein. Das hier vermutete Auditorium wurde nach einem Planwechsel Mitte oder zweite Hälfte 13. Jahrhundert verkleinert und neu gewölbt. Das Dormitorium im Obergeschoss besaß einen Belag aus ornamentierten Bodenfliesen (Grabungsfunde, datiert 2. Drittel 13. Jahrhundert).

Den Südflügel der Klausur nahmen, von Ost nach West, Kalefaktorium (mit Unterboden-Luftheizung), Refektorium und Küche ein. Der rund 34 m lange und 14 m breite Speisesaal ist, da nach Auflösung des Klosters als Kirche der wallonischen Gemeinde weitergenutzt, fast vollständig erhalten geblieben. Die Fassaden des zweischiffig gewölbten Baus werden von gestuften Strebepfeilern gegliedert (Abb. 3, 6). Dreiteilige Fenstergruppen durchbrechen die Wandflächen. In den Anschlussbereichen des ehemaligen Kreuzgangsüdflügels sind Mauerwerk und Fensteröffnungen einem Umbau zuzuordnen (um 1882). Vom ehemaligen Kreuzgang führt ein Rundbogenportal mit Blendpassbogen in das Innere. Der Raum wird durch drei Rundpfeiler und einen Achteckpfeiler in zwei Schiffe mit je fünf kreuzrippengewölbten Jochen unterteilt. Die Pfeiler ruhen auf attischen Basen und tragen Kelchblockkapitelle. Die Rippen lagern an den Wänden auf Hornkonsolen sowie abgekragten Diensten mit Kapitellverzierung und laufen spitzbogig in floral ornamentierten Schlusssteinen zusammen. Mittig in der Westwand führt eine Tür mit kleeblattförmigen Blendbogen in das Lektorium. Die kreuzrippengewölbte Lesekanzel ist von außen als Anbau erkennbar. Jüngste Restaurierungen stellten die Ausmalung des 16. Jahrhunderts wieder her. Fassungsreste mit Inschriften verweisen auf die Errichtung eines hölzernen Dachreiters, die Ausstattung mit neuen Glasfenstern und die Ausmalung des Innenraums um 1490/91. Bauformen und Bauschmuck datieren die Errichtung des Refektoriums um 1230/40.

Die Einwölbung des Kreuzgangsüdflügels erfolgte, wie im Osttrakt, in einer zweiten Bauphase parallel oder kurz nach der Erneuerung des Speisesaals. Ein Joch dieses Kreuzrippengewölbes (2. Hälfte 13. Jahrhundert) ist als »Vorhalle« für die heutige evangelische Kirche stehengeblieben. Gegenüber dem Eingangsportal des ehemaligen Refektoriums lag der Zugang ins doppelgeschossige Brunnenhaus (Abbruch um 1737).

Die Westseite der Klausur bildete – durch eine Konversengasse vom Kreuzgang getrennt – das rund 66 Meter lange und 17 Meter breite Haus der Laienbrüder. Das Erdgeschoss war durch einen tonnengewölbten Flur in zwei Räume gegliedert. Dieser diente als Durchgang von der äußeren Klausur in die Konversengasse. Rundbogige Türen in Nord- und Südwand des Ganges verbanden die beiden angrenzenden, eingewölbten Räume. Üblicherweise lagen Refektorium und Cellarium im Erdgeschoss, das Dormitorium der Konversen befand sich im Obergeschoss.

Das erhaltene Haupttor des Klosters ist in sorgfältiger Quaderbauweise errichtet. Wagendurchfahrt und Fußgängerpforte – beide rundbogig geschlossen – liegen feldseitig in rechteckig ausgebildeten Blendfeldern. Details wie die Profilierung der Gewände mit Rundstäben und würfelkapitellartiger Verzierung auf Kämpferhöhe datieren in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts. Jüngere Zutaten des ausgehenden Mittelalters waren ein ehemals vorhandener Fachwerkaufbau und zwei die Pforte flankierende Skulpturen, die auf Konsolen standen (1523 [i]) und bildlich in den sog. Nürnberger Handzeichnungen aus der Zeit um 1590 überliefert sind. Im Bogen des Fußgängerdurchgangs ein nachträglich eingemeißeltes, segnendes Spruchband in gotischer Minuskel (15. Jahrhundert). Das benachbarte Pförtnerhaus nördlich des Tores und eine 1326 urkundlich erwähnte Torkapelle sind abgegangen.

Außerhalb des Klausurbereich steht mit der »Hühnerfautei« eines der besterhaltenen spätromanisch-frühgotischen Profangebäude Süddeutschlands (Abb. 8). Der dreigeschossige Massivbau, Ende der 1990er Jahre restauriert und bauarchäologisch untersucht, besitzt ein Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung. Eine reich profilierte Rundbogentür führt in das Erdgeschoss; das erste Obergeschoss wird über einen Treppenvorbau mit ebenfalls rundbogigen Hocheingang betreten. Die bauzeitlichen Fenster sind von einfacher, gedrückt-spitzbogiger Form. Die Hauptfassade zeichnete sich ursprünglich durch eine aufwändige Arkade aus sechs gekuppelten Spitzbogenfenstern im Erdgeschoss und einem Biforium im ersten Obergeschoss aus. Die Bauformen unterstreichen den Repräsentationsanspruch des Klostervogts, der in diesen Räumen seinen Sitz hatte. Dendrochronologische Proben aus dem hölzernen Innengerüst belegen die Errichtung des »Steinernen Hauses« um 1250/51.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die ursprüngliche Bauausstattung des Klosters ist nur rudimentär erhalten. Eine 1357 gegossene Glocke wurde 1563 nach Erbach transferiert und gehört heute zum Geläut der dortigen evangelischen Kirche. Bedeutend sind Teile eines spätgotischen Chorgestühls, die in Schönau und Heidelberg aufbewahrt werden. Ein Dreisitz, in dem Abt und Diakone Platz nahmen, befindet sich im ehemaligen Refektorium (Abb. 7). Die verwendeten Maßwerk- und Pflanzenformen sowie die Darstellung des Hl. Sebastian in zeittypischer Tracht verweisen stilistisch auf eine Entstehung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, möglicherweise unter Abt Sebastian Pfungstein (1529–1554). Das Fragment einer Wange des Chorgestühls befindet sich seit Ende des 19. Jahrhunderts im Kurpfälzischen Museum Heidelberg. Sie zeigt einen jungen Ritter (Heiliger Georg oder als alttestamentarischer Held Gideon?) mit gotischem Plattenpanzer, dessen Haupt von einem Nimbus umgeben ist. Aus dem abgerissenen Lavatorium stammt eine sechspassförmige gotische Brunnenschale auf dem Marktplatz Schönaus. Im Lapidarium des Stadtmuseums Schönau finden sich eine Reihe von Steindenkmälern, darunter Grabplatten, ein Kapitell mit Gedenkinschrift und Schlusssteine aus Deckengewölben des ehemaligen Klosters. Weitere Grabplatten sind über den Ort verteilt aufgestellt (evangelische Kirche, Rathaus, Außenwände von Privathäusern).

Eine für die Rekonstruktion der Bauausstattung wichtige Quelle sind zehn um 1590 entstandene Graphiken (heute Germanisches Nationalmuseum Nürnberg). Es handelt sich um Nachzeichnungen von nicht mehr erhaltenen Wand- und Glasmalereien, letztere durch Gewölbeinschrift im Refektorium (s. o.) und in zeitgenössische Berichten des 16./17. Jahrhunderts überliefert. Dargestellt sind Themen aus der Geschichte Schönaus: Stiftung und Bau des Klosters, die Legende der Hl. Hildegund und der Konversenaufstand; die Ansichten der Klausurbauten lassen eine gewisse Ortskenntnis des Schöpfers erkennen (Abb. 2).

Bibliographie

Quellen: Debus 2002.

Handbücher und Lexika: CVMA II,1, S. 220–223 (Rüdiger Becksmann); Dehio, Baden-Württemberg Bd. 1, S. 658-660 (Rainer Laun); DI 12,4 (Renate Neumüllers-Klauser); KDM Bd. 8,2, S. 606–645 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Zisterzienserabtei Schönau (Andreas Cser).

Literatur: Huffschmid 1891; 1892; Wieland 1907; Glasschröder 1929; Schaab 1963; Grothe 1976; Burkhart 2008; Huthwelker 2009 (b); Burkhart 2017; Beisel-Autenrieth 2013; Hawicks 2019.

Anmerkungen

  • 1 GLA 67 Nr. 1302, fol. 8 r.
  • 2 GLA 67 Nr. 449 fol. 90 v-91 r, WUB III, Nr. 558 S. 6 f.
  • 3 GLA 67 Nr. 1302, fol. 4 v.
  • 4 LandesA Speyer F 7, Nr. 83.
  • 5 LandesA Speyer F 7, Nr. 165.
  • 6 LandesA Speyer F 7, Nr. 1024.
  • 7 LandesA Speyer F 7, Nr. 1796.
  • 8 Original verloren, Abschrift im Schönauer Kopialbuch GLA 67 Nr. 1302, fol. 8 r.
  • 9 Burkhart 2017, S. 95 mit Verweis auf die drei überlieferten Briefe sowie die Wormser Chronik von Friedrich Zorn.
  • 10 GLA 67 Nr. 1302, fol. 8 r.
  • 11 Niedersächsische Landesbibliothek Hannover Ms XVIII, 1020, fol. 44 v.
  • 12 CL I, Nr. 163 S. 44 6-450.
  • 13 GLA 67 Nr. 1302, fol. 9 r.
  • 14 Schaab 1963, S. 36.
  • 15 GLA 67 Nr. 809, fol. 92 v; RPR II, Nr. 4043.
  • 16 Schaab 1963, S. 39.
  • 17 Exordium magnum Cisterciense 1994, S. 33 4-337.
  • 18 GLA 67 Nr. 1304, fol. 71 r.; MGH D F I. 4, Nr. * 1150 S. 454.
  • 19 HStAS A 474 U 42; WUB II, Nr. 540 S. 368.
  • 20 GLA E Nr. 6.
  • 21 GLA E Nr. 37; Schaab 1963, S. 53 f.
  • 22 Schaab 1963, S. 45, 51.
  • 23 Schaab 1963, S. 12 3-126.
  • 24 Schaab 1963, S. 24; Huffschmid 1891, S. 424.
  • 25 Mone 1856, S. 31.
  • 26 GLA E Nr. 6.
  • 27 GLA 66 Nr. 7703.
  • 28 GLA 67 Nr. 1302, fol. 69 r.
  • 29 Schaab 1963, S. 40.
  • 30 Schaab 1963, S. 114 f.
  • 31 GLA 66 Nr. 7703, fol. 401 r.
  • 32 GLA 67 Nr. 1302, fol. 8 r.
  • 33 Steiger 2005, S. 168 f.
  • 34 Schaab 1963, S. 65.
  • 35 Schaab 1963, S. 56; Hawicks 2019, S. 181.
  • 36 Huthwelker 2009 (b), S. 3 9-42.
  • 37 Huthwelker 2009 (b), S. 7 1-73, 77.
  • 38 Huthwelker 2009 (b), S. 84; Schaab 1963, S. 33.
  • 39 Grothe 1976, S. 102.
  • 40 Schaab 1963, S. 48.
  • 41 BAV Pal. lat. 443, fol. 1 v.
  • 42 Schaab 1963, S. 15
  • 43 GLA 67 Nr. 1302.
  • 44 Der »liber vinearum« für den Nusslocher Besitz (GLA 66 Nr. 5968) und das sog. Schriesheimer Wingertsbuch (GLA 66 Nr. 7765).
  • 45 GLA 66 Nr. 770 3-7705.
  • 46 Glasschröder 1929, S. 5 f.
  • 47 Edelmaier 1915
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Sarah Kupferschmied [Autor]
  • Lena von den Driesch [Autor]
  • Tobias Schöneweis [Autor]
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