Konstanz, Dominikaner
| Kurzbeschreibung: | 1235 Gründung – 1338 während des Interdikts verlassen die Dominikaner das Kloster – 1349 Rückkehr der Brüder – 1527 Aufhebung des Klosters – 1549 Rückkehr der Brüder – 1785 Auflösung des Konvents, Kirche wird exsekriert – 1807 formelle Aufhebung Patrozinium: NikolausOrdensgliederung: Provinz Teutonia, Nation Suevia; 1495 Oberdeutsche Kongregation der Konventualen; 1619 Nation Helvetia; 1709 Provinz Saxonia (Süddeutsche Provinz)Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, ohne Landkapitel |
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| Beschreibung: | Name: prior fratrum Predicatorum in Constantia (1246);1 conventus ordinis Predicatorum domus Constant. (1360);2 die Bredier ze Costentz (1362);3 conventus Constantiensis (1520)4 GeschichteHistorische EntwicklungÜber die Geschichte des Dominikanerklosters im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit ist nur wenig bekannt. In den Wirren der Reformation (1527–1548) gingen die meisten Quellen verloren. Schon das Gründungsdatum des Klosters ist nicht vollends geklärt: Die erste überlieferte Urkunde datiert auf den 12. Juli 1236, als der Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne (1233–1248) die Gründung des Klosters auf der »Insel im Rhein« gestattete. Sie wurde im 16. Jahrhundert als Abschrift durch den Konstanzer Chronisten Christoph Schulthaiß überliefert.5 Der Chronist Friedrich Steill nennt in seinen Ephemerides Dominicano-Sacrae 1235 als Gründungsjahr,6 was die Chronica minor auctore minorita Erphoridiensi aus der Zeit um 1300 bestätigt.7 Zu Steills Datierung passt die Überlieferungssituation: Die Dominikaner erhielten die Erlaubnis, das Gelände zu vergrößern und eine Brücke zum Festland zu bauen. Diese Insel gehörte zuvor dem Benediktinerkloster →Petershausen. Bereits 1252 hielt der vierte Ordensgeneral, Johannes von Wildeshausen, im Konvent eine Predigt.8 Bischof Heinrich von Tanne unterstützte in seinem Bistum die Gründung der Dominikanerklöster in Esslingen (1236) und →Freiburg i.Br. (1238), sowie der Frauenklöster Töss (1233), →Adelhausen (1234) und Oetenbach (1237).9 Im Jahr 1243 ordnete er an, dass der Klerus seiner Diözese Dominikaner und Minoriten unterstützen solle und sie keinesfalls behindern dürfe.10 Im 13. Jahrhundert finden sich immer wieder Brüder in den Zeugenlisten der von Konstanzer Bischöfen ausgestellten Urkunden, was auf ein gutes Verhältnis zwischen dem Kloster und den Bischöfen schließen lässt.11 Dazu passt auch die Urkunde, die Bischof Gerhard IV. (1307–1318) im Jahr 1309 ausstellte, in der er sich als vom Papst bestellter Richter und Bewahrer der Rechte der Prediger in Deutschland bezeichnet.12 Wie alle Männerklöster des Ordens, so hatte auch der Konstanzer Konvent ein Hausstudium, in dem die neuen Brüder ausgebildet wurden. Der erste namentlich bekannte Lektor in Konstanz war Diemon, der im Jahr 1255 im Auftrag von Bischof Eberhard von Konstanz (1248–1274) als Schiedsrichter in einem Streit zwischen dem Stift Kreuzlingen und der Stadt Konstanz tätig war.13 Das Hausstudium muss also schon zuvor in Betrieb gewesen sein. In Konstanz wurden im 13. Jahrhundert mehrfach Dominikaner in Streitfällen als Schiedsrichter herangezogen, z. B. von Bischof und Domkapitel.14 Der Säkularklerus sah in den Dominikanern Konkurrenten um die Gunst der Gläubigen. Dabei ging es um handfeste wirtschaftliche Interessen, etwa an wen die Begräbnisrechte mit ihren Abgaben fielen. Dieses Konfliktfeld lässt sich im 14. Jahrhundert in vielen Städten im Reich finden, so auch zumindest im Ansatz in Konstanz. Bischof Heinrich II. von Klingenberg (1293–1306) musste beispielweise 1300 in dieser Frage intervenieren.15 Im Streit zwischen König Ludwig dem Bayern (1314–1347) und Papst Johannes XXII. (1316–1334) standen der Bischof von Konstanz und die Dominikaner auf Seiten des Papstes, während die Bürgerschaft und die Franziskaner den Kaiser unterstützten. Ab 1326 stand Konstanz unter einem päpstlichen Interdikt. Nach dem Treffen des Kurvereins von Rhens im Jahr 1338 verbot Ludwig seinen Anhängern, das päpstliche Interdikt zu befolgen. Daraufhin verließen die Dominikaner 1338 Konstanz; einige flohen nach Diessenhofen, andere fanden Aufnahme im →Schottenkloster, das vor den Toren der Stadt lag. Erste Brüder kehrten im Jahr 1346 mit dem designierten Bischof Ulrich (1345–1351) zurück, aber erst am 15. Januar 1349 erfolgte offiziell die Rückkehr der Brüder nach Konstanz. 16 Während des Konstanzer Konzils (1414–1418) mussten alle Klöster auch als Herbergen für die Gesandtschaften aus der gesamten christlichen Welt dienen. Die Dominikaner beherbergten in ihrem Kloster die italienische und französische Nation; vorübergehend war das Kloster auch Gefängnis für den »Ketzer« Jan Hus aus Böhmen.17 Erneut als Unterkunft für hohe Gäste herangezogen wurde das Inselkloster 1507 während des Konstanzer Reichstags von König Maximilian (1493–1519): Der König kam in der Bischofspfalz unter, die Königin bei den Dominikanern.18 Der Konstanzer Konvent zählte nicht zu den Anhängern der Ordensreform, sondern blieb auf der Seite der konventualen Klöster. Auf dem Provinzkapitel in Speyer im Jahr 1392 verpflichtete der observante Provinzial Ulrich Theobaldi alle Brüder, die Reform zu unterstützen.19 Auch der Prior von Konstanz, Gottfried von Mengen, erhielt diese Aufforderung in Briefform; er war zugleich Vikar über alle Konvente in Schwaben und Definitor des Generalkapitels. Der observante Ordenschronist Johannes Meyer berichtete rückblickend, dass Gottfried die observanten Brüder sehr freundlich in seinem Kloster aufgenommen habe, wenn sie nach Konstanz kamen.20 Dies kann so gedeutet werden, dass der Konstanzer Konvent die Ordensreformer gewähren ließ und sie nicht aktiv bekämpfte. Trotz der Mehrheit der observanten Kontente blieben die einflussreichen Männerklöster Konstanz, Straßburg, und Freiburg i. Br. konventual. Auch die Frauenklöster Löwental und St. Katharina bei Diessenhofen, die unter der »cura monialium« der Konstanzer Dominikaner standen, blieben dieser Richtung treu.21 Im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts durften die Konventualen eine eigene Kongregation gründen, die sog. »Congregatio Germaniae superioris«, die 1495 von Papst Alexander VI. (1492–1503) bestätigt wurde. Bruder Anton Pirata aus dem Konstanzer Konvent wurde 1520 zum Generalvikar dieser konventualen Kongregation ernannt.22 Durch die Neuorganisation der Ordensprovinz Teutonia im Jahr 1619 wurde das Kloster in Konstanz gemeinsam mit acht Dominikanerinnenklöstern dem Vikariat Helvetia zugeordnet.23 Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Ordensprovinz Saxonia (Süddeutsche Provinz) neu gegründet, der Konstanz 1709 zugeschlagen wurde. Wie komplex das Verhältnis der Konstanzer Dominikaner zu dominikanischen Frauenklöstern vor dem Hintergrund der Ordensreform sein konnte, zeigt das Beispiel von St. Katharina in St. Gallen.24 Aus einer Beginengemeinschaft entstand 1228 eine Frauengemeinschaft, die seit 1266 der Augustinusregel folgte. Im Jahr 1268 wurde sie auf Anordnung des Bischofs von Konstanz den Dominikanern in Konstanz unterstellt. Die Dominikaner erhielten Beicht- und Absolutionsvollmachten und sollten die Aufsicht über das Kloster führen, das Frauenkloster wurden jedoch niemals in den Orden inkorporiert, sondern blieb immer dem Bischof unterstellt. Dies führte in den folgenden Jahrhunderten wiederholt zu Spannungen. Im Zuge der Reformation wurde das Kloster St. Katharina in St. Gallen aufgelöst. In Konstanz setzte sich um 1523 die Reformation durch. In dieser Zeit predigte der Dominikaner Anton Pirata gegen die neue Lehre; er fand so viele Zuhörer, dass der Rat das Tor zum Inselkloster verschließen ließ.25 Die Bürger forderten daraufhin, Pirata im Münster predigen zu lassen, was ihm schließlich gewährt wurde. In den folgenden Monaten kam es zu wiederholten Auseinandersetzungen mit Ambrosius Blarer, der in Konstanz die Reformation nach dem Züricher Vorbild einführen sollte. 1527 setzte Blarer gegen den Widerstand der Dominikaner durch, dass das Kloster aufgehoben wurde und die Brüder die Stadt verlassen mussten. Noch im Mai 1527 stiftete der Propst von →St. Stephan, Lukas Conrater, bei den Dominikanern einen ewigen Jahrtag für sich, seine Vorfahren, Eltern und Verwandten.26 Er verließ als einer der letzten Domherren die Stadt und emigrierte nach Überlingen. Die noch verbliebenen Dominikaner zogen zuerst nach Radolfzell, wo Pirata 1531 zum Prior gewählt wurde. Danach zogen sie ins Frauenkloster St. Katharinental bei Diessenhofen um, wo Pirata 1534 verstarb. Nach der Rekatholisierung von Konstanz konnten die Dominikaner 1549 in ihr Kloster zurückkehren, das zwischenzeitlich als städtisches Spital genutzt worden war. Seit Januar war der Freiburger Theologe Dr. Valentin Fabri als Münsterprediger in die Stadt gekommen, um die Rekatholisierung der Stadt zu veranlassen und die Rückgabe der beschlagnahmten Güter zu fordern.27 Aus der Zeit zwischen 1550 und 1650 gibt es nur sehr spärliche Informationen über das Kloster und seine Brüder. 1567 nahmen der Prior des Klosters, Nikodemus, und Frater Melchior Koch an einer Diözesansynode in Konstanz teil.28 Zu Beginn des 17. Jahrhunderts regierte Fürstbischof Johann Jakob Fugger (1604–1626) Konstanz und er erreichte umfangreiche Restitutionen für zuvor enteignetes Kirchengut von Seiten der Stadt, von denen auch die Dominikaner und Dominikanerinnen profitierten.29 In den Jahren 1617–19 wurde die Dominikanerprovinz Teutonia von Tomaso Marini visitiert. Dabei hielt er sich auch in Konstanz auf, wo er die Wiederwahl von Johann Ulrich Götzonis zum Prior erlaubte.30 Auf dem Provinzkapitel von Freiburg im Jahr 1619 wurde die Provinz in sieben Nationen eingeteilt; Götzonis wurde zum Vikar der Nation Helvetia ernannt. Die großen Mängel in Bezug auf die »vita communis«, Liturgie und Ausbildung, die er überall vorfand, dürfen auch im Inselkloster vermutet werden. Für die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs (1618–48) gibt es so gut wie keine Quellen zum Konvent. Eine Ausnahme ist die Descriptio Teutonica von 1644, die nach dem Generalkapitel in Rom entstand, und in der das theologische Studium im Konstanzer Kloster sowie die »gute Observanz« der 20 Mönche erwähnt wird.31 Die hohe Verschuldung des Klosters seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhundert hatte maßgeblichen Einfluss darauf, dass das Inselkloster unter die so genannten »josephinischen Reformen« fiel. Kaiser Joseph II. (1765–1790) siedelte im Rahmen dieser Neuordnung seiner Herrschaft Genfer Unternehmer in Konstanz an, die aus politischen Gründen von dort geflohen waren. Diese forderten als Ort für den Aufbau einer Manufaktur zur Herstellung bedruckter Baumwollstoffe, so genannter Indienne, die Dominikanerinsel. Trotz heftigem Widerstand von Seiten der Bevölkerung und der Geistlichkeit der Stadt, genehmigte Joseph II. am 4. April 1785 per Hofdekret die Gründung einer Genfer Kolonie in Konstanz sowie einer Indienne-Manufaktur auf der Insel durch den Unternehmer Jacques Louis Macaire de l’Or. Die Prediger mussten ihr Kloster räumen und in das Dominikanerinnenkloster →St. Peter an der Fahr ziehen.32 Die Schwestern aus St. Peter wurden wiederum vom Stadthauptmann Franz Karl von Damiani gezwungen, ins Kloster →Zoffingen umzuziehen. Die Kirche der Dominikaner wurde 1785 exsekriert und der Konvent löste sich schnell auf. Im Jahr 1794 hielten sich nur noch Prior Pelagius Stahl, sechs Priester und fünf Laienbrüder in Konstanz auf.33 Im Jahr 1799 wurde er als Prior abgesetzt, da ihm die Unterschlagung von Zinsgeldern und der Verkauf von Inventar vorgeworfen wurden. Als ›Nachfolger‹ wurde Raimund Hurth ernannt, er erhielt 1802 einen Kaplan an seine Seite.34 Am 29. Dezember 1807 erklärte das großherzogliche Polizeidepartement den Konvent für aufgehoben, das noch vorhandene Vermögen erhielt der vorderösterreichische Religionsfonds. Nachdem die Mönche das Kloster St. Peter an der Fahr verlassen hatten, wurden die Kirchengeräte in die Pfarrkirche St. Paul gebracht. Im Jahr 1813 erwarben die Erben des Genfer Fabrikanten Macaire die gesamte Insel mit allen Gebäuden.35 1874 wurde das Kloster zum Inselhotel umgebaut.36 Von 1966 bis 1969 war in einem Teil der Gebäude die neugegründete Konstanzer Universität untergebracht.37 Besitz und WirtschaftIm 13. Jahrhundert war die wirtschaftliche Situation des Klosters angespannt. Im Jahr 1276 fand in Konstanz das Provinzkapitel statt. Der Konvent hatte sich zuvor erfolglos dagegen gewehrt, da ihm die finanziellen Mittel für ein solches Treffen fehlten, was ein Hinweis auf fehlende Einkünfte sein könnte.38 Im Jahr 1288 wurde erneut der Lektor Johannes zum Prior gewählt, gegen den Willen des Provinzials Hermann, der ihn lieber im Amt des Lektors sehen wollte. Der Provinzial anerkannte die Wahl dennoch, mit der Begründung, der Konvent sei so arm. Weitere Quellen zur wirtschaftlichen Situation fehlen. Im Jahr 1369 verbesserte sich schließlich die wirtschaftliche Lage durch die umfangreiche Schenkung des Heinrich von Tettikoven, Bürger zu Konstanz, maßgeblich. Regelmäßige Einkünfte aus Gütern und Zinsen garantierten nun eine finanzielle Absicherung des Klosters.39 Im Zuge der Reformation büßten die Dominikaner den meisten Besitz an beweglichen und unbeweglichen Gütern ein. Um ein städtisches Haushaltsdefizit auszugleichen, wurden im August 1529 Besitztümer der Dominikaner zwangsweise verkauft. Gemeinsam mit anderen geistlichen Einrichtungen, die während der Reformation wirtschaftliche Schäden erlitten hatten, stellten sie nach der Rekatholisierung der Stadt an diese Schadenersatzforderungen. Auf Druck des Kaisers musste der Konstanzer Rat diese Forderungen anerkennen und auch die Dominikaner fielen 1551 unter die kaiserliche Restitution. 1560 zahlte die Stadt schließlich 200 Gulden an sie und damit nur einen Bruchteil der vom Bischof geforderten 1.000 Gulden.40 Aus dem 17. Jahrhundert gibt es kaum Quellen zur Lage des Klosters. Zwischen 1610 und 1620 schnellte in den Konstanzer Bürgertestamenten die Anzahl der Stiftungen zugunsten katholischer Einrichtungen nach oben. Die Dominikaner erhielten mit etwa 20 Prozent den größten Anteil an frommen Stiftungen, was zu großen Teilen mit dem Erfolg der Rosenkranzbruderschaft zu erklären ist.41 Ein Konventsverzeichnis von 1753 nennt für das Inselkloster nur noch 25 Ordensangehörige (17 Brüder und 8 Konversen); um 1750 stammten die Einkünfte aus Almosensammlungen und Kapitalertragszinsen und erlaubten dem Konvent, schuldenfrei zu sein.42 Danach verarmte der Konvent zusehends. Im letzten Drittel des Jahrhunderts mussten die umliegenden Klöster das verarmte Dominikanerinnenkloster →St. Katharina von Siena »auf dem Graben« in Freiburg im Breisgau mit einer jährlichen Zahlung unterstützen; dies traf auch das Konstanzer Kloster.43 Religiöses und kulturelles WirkenWie alle Dominikanerklöster, so hatte auch der Konstanzer Konvent einen eigenen Terminierbezirk, der den Brüdern erlaubte, auch außerhalb der Stadt Predigt und Seelsorge für die Gläubigen anzubieten. Dieser Bezirk umfasste für die Dominikaner von Konstanz weite Teile des Bistums sowie die zum Dominikanerorden gehörenden Schwesterngemeinschaften und Frauenklöster. Das Gebiet grenzte im Süden an die Terminierbezirke der Zürcher und Churer Dominikaner an, allerdings liegen keine mittelalterlichen topographischen Beschreibungen vor.44 Das berühmteste Mitglied des Konvents war der Mystiker Heinrich Suso oder Seuse, der um 1295/97 in Konstanz oder Umgebung geboren wurde.45 Im Jahr 1308 oder 1309 trat er in das Inselkloster ein. Von 1324 bis 1326 schickte ihn der Orden nach Köln zum Generalstudium, wo 1326 Meister Eckhart sein Lehrer war. Suso kehrte wohl danach als Lektor nach Konstanz zurück. Hier verfasste er um 1328 auf Deutsch das »Buch der ewigen Weisheit« sowie vor 1330 das »Buch der Wahrheit«.46 Er stellte sich damit auf die Seite von Eckhart, der 1328 verstorben war und dessen Lehre in Form von 28 Sätzen 1329 durch Papst Johannes XXII. (1316–1334) in der Bulle In agro dominico als häretisch verurteilt worden war. Für kurze Zeit, von 1334 bis 1336, wurde Suso in Konstanz zum Prior gewählt. Er musste sich jedoch für seine Schriften vor dem Generalkapitel verteidigen, da auch ihm häretische Ansichten unterstellt wurden, und ihm wurde mit der Exkommunikation gedroht. Er wurde als Lektor in Konstanz abberufen und in den folgenden Jahren in der Frauenseelsorge in verschiedenen Klöstern eingesetzt. In dieser Zeit kam er auch mit Elsbeth Stagel in Kontakt, einer Dominikanerin im Kloster Töss, die wie Suso der Mystik zugerechnet wird. Nach massiven Anschuldigungen einer Frau, Suso sei der Vater ihres Kindes, wurde er vermutlich 1347 in den Ulmer Konvent versetzt. Dort verstarb er am 25. Januar 1366 und wurde in der Predigerkirche beigesetzt. Schon zu Lebzeiten wurde er als Heiliger verehrt und 1831 von Papst Gregor XVI. offiziell seliggesprochen. Auf den Dominikanerorden geht eine weit verbreitete Form der Laienfrömmigkeit zurück: Die Rosenkranzbruderschaft als Gebetsverbrüderung wurde von zwei Dominikanern ins Leben gerufen. Als erster propagierte seit 1468 Alanus de Rupe in Flandern diese religiöse Praxis, zu ihrem endgültigen Erfolg verhalf ihr Jakob Sprenger ab 1475 in Köln. Der Konstanzer Konvent trug maßgeblich zur Verbreitung dieser Bruderschaft im Südwesten des Reiches in der Frühen Neuzeit bei. Nachdem der Prior Johannes Groß seit 1671 begonnen hatte, sie wiederzubeleben, erhielt sie 1737 neue Statuten. Vor allem im Allgäu fand die Bruderschaft eine sehr große Verbreitung, wie bis heute die zahllosen ihr geweihten Kapellen und Altäre belegen.47 Bibliothek und ArchivBibliothek und Archiv des Dominikanerklosters sind weitgehend verloren.48 Bei der Aufhebung des Klosters im Zuge der Reformation mussten die Dominikaner, wie andere Konvente auch, ihr Archiv 1527 dem Stadtrat übergeben. Im Zuge der Rekatholisierung wurde die Stadt mehrfach aufgefordert, das Klosterarchiv an die Dominikaner zurückzugeben, was jedoch nie geschah. Im Jahr 1780 teilten Prior und Konvent der vorderösterreichischen Regierung auf Nachfrage mit, dass die meisten Urkunden und Quellen bei der zeitweiligen Aufhebung des Konvents in den Jahren zwischen 1528 und 1548 verloren gegangen seien. Nach der Aufhebung des Konvents durch die Säkularisation im Jahr 1808 gingen zwischen 1820 und 1829 auch die letzten Reste der Bibliothek endgültig verloren.49 Die noch verbliebenen, wenigen Quellen, sind verstreut auf mehrere Archive; die meisten Stücke beherbergt das Generallandesarchiv Karlsruhe. Die noch erhaltenen Bücher wurden in der Mehrzahl nach der Aufhebung des Klosters an die sogenannte »Jesuitenbibliothek« übergeben, die dann in die Suso-Bibliothek übergingen. Heute werden sie im Suso-Gymnasium in Konstanz aufbewahrt. Bau- und KunstgeschichteLageDas Dominikanerkloster liegt auf einer Insel im Mündungstrichter des Seerheins. Die 1236 von Bischof Heinrich von Tanne (1233–1248) dem Orden gestiftete Insel war zuvor in Besitz des Klosters Petershausen und soll mit einer Burg, mit Mühlen und anderen Gebäuden bebaut gewesen sein.50 Ein 1939/40 ergrabenes Fundament zwischen Konventsnordflügel und Kapitelhaus wird als Kapelle interpretiert.51 Zur Zeit der Übertragung war zumindest eine Hofstatt vorhanden und die Dominikaner erhielten die Erlaubnis, die Insel nach ihren Bedürfnissen zu erweitern. Sie planierten das Areal, um ein gleichmäßiges Bodenniveau zu erhalten. Dabei wurde das Gelände an der Nordspitze um etwa 1,50 m aufgeschüttet. Die Auffüllschichten enthalten große Mengen an Seeton,52 der in älteren archäologischen Untersuchungen als verwitterter Mörtel älterer Bebauungen interpretiert wurde.53 Die Klosterinsel war mit einer Mauer und Türmen umschlossen. Als Verbindung zur Stadt gab es eine Brücke. Spätestens im 15. Jahrhundert wurde auch dieser Übergang mit Türmen gesichert. Diese Situation ist gut auf Stadtansichten des 16. und 17. Jahrhunderts nachzuvollziehen. Von der Befestigung ist der später in den nördlichen Erweiterungsbau einbezogene Rundturm, der sog. Hussenturm erhalten. Der gesamte Komplex ist heute durch die Umbauten für die Hotelnutzung stark verunklärt, in der Kernsubstanz aber erhalten. KapitelhausDas älteste erhaltene Gebäude ist das isoliert stehende Kapitelhaus an der Nordspitze der Insel. Dachwerk und Deckenbalkenlage sind 1241(d) datiert, spätestens 1242 (d) war das Gebäude unter Dach und benutzbar. Dachwerk und Dachdeckung sowie Teile des Außenputzes sind aus der Bauzeit erhalten. Das heutige Erscheinungsbild ist durch den Umbau zur Villa des Hoteldirektors nach Entwürfen von Wilhelm Vittali in den Jahren 1920/21 geprägt. Das Dachwerk ist eng verwandt mit den unter Bischof Heinrich von Tanne erneuerten Dachwerken des →Konstanzer Münsters. Das Gebäude umfasste einen Keller, dessen Bodenniveau ungefähr dem alten Außenniveau entsprach, und ein Obergeschoss. Indizien für eine ältere Raumunterteilung waren nicht erkennbar. Die Entkoppelung von Deckenbalkenlage und Dachbalkenlage spricht für einen großen, nicht unterteilten Raum. Spuren eines großen Kamins wurden von Vittali an der Westwand dokumentiert. Das bauzeitliche Kellerportal verfügt über eine erhöhte Schwelle als Hochwasserschutz. Der Zugang zum Obergeschoss erfolgte nach den von Vittali dokumentierten Befunden über Außentreppen an den Schmalseiten. Der heutige Zugang an der Südseite gehört einem späteren Umbau (eher 1539 als 1339) an. Die Fenstergruppe an der Nordwand mit binnenseitig vorgestellten schmalen Wandzungen kann auf einen Umbau im 15. Jahrhundert zurückgehen, wurde aber vielfach überarbeitet. Die Fensternischen verfügen hier jeweils über hölzerne Stürze (nicht datiert). Kirche und KonventsbautenNach der Einebnung der Insel und der Aufschüttung der tiefer liegenden Teile wurde mit dem Bau von Kirche und Konventsbau begonnen. Der Kreuzgang mit den charakteristischen Triforien und frühgotischen Kelchkapitellen, die an die einfachen Kelchkapitelle am Heiligen Grab im →Mauritiusstift beim Konstanzer Münster erinnern, datiert aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. An der Südseite des Kreuzgangs stand die groß dimensionierte Kirche mit gerade geschlossenem Langchor (7 Fensterachsen) und einem dreischiffigen, flach gedeckten Langhaus mit insgesamt 15 Fensterachsen. Der Langchor wurde an den Längsseiten von schlanken zweibahnigen Maßwerkfenstern und an der Ostseite von einer Dreifenstergruppe mit zentralem dreibahnigem Fenster belichtet. Die Dreifenstergruppe könnte durch den kurz zuvor erfolgten Umbau der Ostwand des Münsterchors beeinflusst gewesen sein. Der Chor war flach gedeckt. Das zehnjochige Langhaus schließt mit reduziertem Mauerquerschnitt an den Chorbogen an und verfügt über neun spitzbogige Arkaden. Nur die östlichste, zehnte Arkade, die den Lettner überspannte, ist ähnlich wie bei der Franziskanerkirche in Zürich rundbogig ausgeführt. Ungewöhnlich sind die achtseitigen Kapitelle, deren Formensprache die Kapitelle des Konstanzer Münsters zitiert. Im 18. Jahrhundert wurde die Klosterkirche auf der Südseite um ein weiteres Seitenschiff mit zusätzlichen Altarstellen erweitert und im Stil der Zeit mit Stuckaturen und Wandbildern ausgestattet. Bei der Aufhebung des Klosters verfügte die Klosterkirche über zehn Altäre. Der nördlich an die Kirche anschließende Kreuzgang ist abgesehen von Reparaturen vollständig erhalten, doch dürften die Gewölbe auf einen Umbau im 15. Jahrhundert zurückgehen. Bis zu den ab 1872 einsetzenden Umbauten war der an die Kirche anschließende Südflügel mit seinem niedrigen, von kleinen Rechteckfenstern belichteten Obergeschoss noch im ursprünglichen Zustand erhalten. Der Westflügel hatte, den Aufnahmen von August Lorent zu Folge, in der frühen Neuzeit einen Umbau mit entsprechend erhöhtem Obergeschoss erhalten.54 Wohl schon an der Wende zum 14. Jahrhundert war der Ostflügel modernisiert worden. Bis 1874 war hier ein Sparrendach mit Kreuzstreben und einer Kehlbalkenlage erhalten. Diese Konstruktion unterscheidet sich markant von dem Dachwerk des Kapitelhauses und den dokumentierten Konstruktionen über der Klosterkirche und über dem Konventsnordflügel. Der nördliche Erweiterungsbau des Ostflügels ist etwas jünger als der Kernbereich des Konventsbaus. Der Nordflügel des Konventsgebäudes ist in der alten Kubatur erhalten, im Inneren aber vollständig umgestaltet. Im Westflügel wurde 1965 ein Totentanzzyklus freigelegt, der heute durch eine vorgeblendete Mauer verdeckt ist. Nach der Aufhebung des Klosters 1785 wurde 1813 eine Kattunfabrik eingerichtet; 1874 wurde das Ensemble zu einem Hotel umgebaut, dem bis heute zahlreiche weitere Umbauten und Erweiterungen folgten. Im Zuge davon wurden der Lettner und das zweite südliche Seitenschiff abgebrochen. Anstelle der Säulenreihe zwischen den beiden südlichen Seitenschiffen trat nun eine von hohen Rundbogenfenstern durchbrochene Wand. Im Zuge der Umbauten 1897–96 wurden die Kreuzgangbinnenwände mit einem Zyklus von Historienbildern zur Geschichte von Konstanz und dem Inselkloster durch Carl von Häberlin ausgemalt. Materielle Kulturgeschichte und BauausstattungDer größte Teil der wandfesten Ausstattung der Klosterkirche ging beim Umbau zu einem Hotel verloren. Unter den abblätternden Tünche- und Putzschichten gelangten die Reste der mittelalterlichen Ausmalung ans Licht. Reste der bauzeitlichen Architektur- und Dekorationsmalerei sind in weiten Teilen erhalten und vor allem am Chorbogen und im Westjoch frei einsehbar. Seitlich des großen achtbahnigen Westfensters befinden sich die monumentalen Darstellungen des Hl. Augustinus und vermutlich des Hl. Nikolaus. Darüber Darstellungen von König David und Bathseba. Die Fenstergewände sind mit charakteristischen gemalten Quadereinfassungen versehen. Unterhalb des Obergadens fanden sich Reste eines Wappenfrieses mit den Wappen der Stifter und Wohltäter des Klosters. An der Ostwand des nördlichen Seitenschiffs gibt es das Fragment eines Wandbilds mit Johannes dem Täufer, flankiert von den Bischöfen Nikolaus und Konrad und den Hll. Petrus Martyr, Pantaleon, Franziskus und Dominikus. Das aus der ersten Ausstattungsphase (3. Viertel 13. Jahrhundert) stammende Bild war einem davorstehenden Altar zugeordnet. Über dem Gemälde befinden sich Reste eines gemalten Spitzbogenfrieses mit Stifterwappen. Bei dem späteren Einbau eines Lettners wurden diese Wandmalereien beschädigt. Oberhalb des Lettnerniveaus ist ein Gemälde Maria und Johannes unter dem Kreuz aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts erhalten. Um 1300 gab es eine bedeutende zweite Ausstattungsphase mit einem ursprünglich 102 Bildmedaillons umfassenden Wandbild mit Monatsdarstellungen und Märtyrerszenen an der Nordwand des nördlichen Seitenschiffs. Teile des Gemäldes gelangten 1875 in das Rosgartenmuseum Konstanz. Die kostbare Glasmalereiausstattung der Kirche wurde nach 1813 entfernt und wohl zwischen 1817 und 1822 von Joseph Freiherr von Laßberg für Fürstin Elisabeth von Fürstenberg erworben. Fragmente davon befinden sich heute in der Schlosskapelle Heiligenberg.55 Die in Heiligenberg erhaltenen Scheiben werden um 1320 datiert und können dem Chormittelfenster zugewiesen werden. Die liturgische Ausstattung von Kirche und Kloster gilt als verloren. Ein um 1369 geschaffenes Kruzifix im Germanischen Nationalmuseum soll aus dem Konstanzer Predigerkloster stammen.56 BibliographieHandbücher und Lexika: CVMA II,1, S. 132–146 (Rüdiger Becksmann); Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 374 f. (Leo Schmidt); HelvSac IV,5,1, S. 391–419 (Ulrike Trepkas); KDM Bd. 1, S. 244–258 (Franz Xaver Kraus); kloester-bw, Dominikanerkloster St. Nikolaus Konstanz (Elmar L. Kuhn). Literatur: Motz 1925; Beck 1966; Hilberling 1969; Walz 1989; Heidenreich 2003. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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