Konstanz, Dominikanerinnen St. Katharina, gen. Zoffingen
| Kurzbeschreibung: | vor 1257 Schwesternsammlung – 1318 Unterstellung unter die Konstanzer Dominikaner – 1527/28 Umwandlung in eine Gemeinschaft mit reformatorischer Lebensform – 1549 Restitution des Dominikanerinnenkonvents – 1782–1785 Vereinigung mit dem Kloster St. Peter an der Fahr – 1775 Beginn der Mädchenschule – 1811 Annahme des Regulativs – 2018 Schließung der Schule Patrozinium: Katharina von AlexandrienOrdensgliederung: unter der Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz, seit 1821/27 des Erzbischofs von FreiburgKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, kein Landkapitel; 1821/27 Erzbistum Freiburg |
|---|---|
| Ortsbezüge: |
|
| Ordensregel: |
|
| Beschreibung: | Name: priorissa et conventus […] in muro civitatis (1257);1 priorissa et sorores de Vile (1271);2 priorissa et sorores […] dictus de Zovingen, ordinis sancti Augustini in civitate Constantiense (1315);3 closter zuo den hailgen Dry Küngen zuo Zofingen Preger ordens (16. Jh.);4 sant Katherina zů Zoffingen (16. Jh.)5 GeschichteHistorische EntwicklungDas Kloster Zoffingen geht offenbar auf eine Sammlung zurück, deren Angehörige aus der Kleinstadt Wil (Kt. St. Gallen) nach Konstanz gekommen waren. In der Nähe des Konstanzer →Dominikanerklosters gab es mehrere Gemeinschaften, die nicht eindeutig eine Ordensregel befolgten. Den Schwestern »an der Mauer« verlieh der Konstanzer Bischof Eberhard II. von Waldburg (1248–1274) im Frühjahr 1257 die Augustinusregel.6 Damit sollte das nicht-regulierte Leben der Schwesterngemeinschaft geordnet werden. 1266 schenkte der Domscholaster Burkhard von Zofingen den Frauen seinen Domherrenhof, der ebenfalls an der alten Niederburgmauer im »Tümpfel« (heute Brückengasse) lag und begründete damit den bis heute gebräuchlichen Namen.7 In der Folge dieser Stiftung, bei der Angehörige des Domkapitels und des Patriziats als Zeugen auftraten, entwickelte sich die Gemeinschaft unter der Augustinusregel mit dominikanischer Prägung. Die wirtschaftliche Voraussetzung für die Aufgabe einer subsistenzorientierten Lebensweise war durch umfangreiche Besitzerweiterung möglich geworden. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts konnte das Kloster schließlich erweitert werden. 1314 weihte der Generalvikar einen Altar in der Kapelle des Klosters zu Ehren der Hll. Maria, Katharina, Nikolaus und Dominikus.8 In einer weiteren Urkunde vom 12. Juli 1318 lässt sich der vorläufige Abschluss der Klosterentwicklung erkennen: Bischof Eberhard II. erneuerte die Verleihung der Augustinusregel, verlieh dem Konvent geweihte Schleier und Mäntel und unterstellte die Gemeinschaft der Seelsorge der Konstanzer Prediger. Neben der Besitz- und Regelbestätigung gestattete der Bischof die freie Priorinnenwahl und die Abnahme der Profess.9 Die Einbeziehung des Patronats des Hl. Dominikus und die Betreuung durch die Predigerbrüder machen deutlich, dass wohl spätestens am Beginn des 14. Jahrhunderts von einem Dominikanerinnenkonvent gesprochen werden muss. Eine Inkorporierung in den Orden stand allerdings außer Frage. Das Kloster blieb genau wie das benachbarte Dominikanerinnenkloster →St. Peter an der Fahr auch in den folgenden Jahrhunderten unter bischöflicher Verfügungsgewalt. Nachdem 1464 ein Vertrag die Seelsorge durch die Dominikaner unter Zuweisung von jährlichen Gülten festgelegt hatte,10 erscheinen am Ende des 15. Jahrhunderts die konventualen Dominikaner des Inselklosters auch nicht mehr als Anwälte und Seelsorger, sondern der Pfarr- bzw. Diözesanklerus stellte den Beichtvater.11 Über das spirituelle Leben erfahren wir wenig, für die Existenz einer Bibliothek oder gar eines Skriptoriums gibt es keine Belege. Lediglich zwei Nekrologe geben Aufschluss über die Totenmemoria und die soziale Zusammensetzung des Konventes im 14. und 15. Jahrhundert. Vor allem Töchter aus Familien des Konstanzer Patriziats und des wohlhabenden Zunftbürgertums lassen sich nachweisen, auch einige Angehörige des Ministerialadels sind bezeugt.12 Dem Konvent gehörten in den ersten beiden Jahrhunderten wohl konstant zwischen zehn und fünfzehn Frauen an. Eine klare Trennung von Eigen- und Gemeinbesitz lässt sich nur schwer ausmachen. Ebenfalls unklar ist der Umgang mit den Klausurvorschriften.13 In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zeigt sich eindeutig eine Verwässerung der vita communis. Der Klosterbesitz wurde bereits 1446 offenbar nicht mehr korrekt bestellt und Felder des Klosters waren verpfändet.14 Zoffinger Schwestern hielten sich außerhalb der Klostermauern auf: Zwei von ihnen lebten sogar in Kempten,15 andere wiederum bewohnten Klosterhöfe, die sich im Privatbesitz von Schwestern befanden.16 1464 sah sich Bischof Burkhard von Randegg (1462–1466) veranlasst, die Schwestern zu ermahnen, da sie augenscheinlich auch in Laienhäusern verkehrten und Personen zu Schmausereien empfingen.17 Eine wirkliche Reform des Klosters initiierte dann erst Bischof Hugo von Hohenlandenberg (1496–1530, 1531–1532) im Jahr nach seinem Amtsantritt. Im Sommer 1497 ließ er die Entsendung von zwei Reformschwestern aus dem St. Galler Katharinenkloster anordnen. Die noch in Zoffingen lebenden Schwestern verließen bis auf zwei hochbetagte Frauen allesamt das Kloster bei Reformeinführung. Durch die Entsendung zweier weiterer Reformschwestern (darunter Cordula von Schönau) und einer Laienschwester wurde der Grundstock für ein klausuriertes Leben gelegt. Am Gebhardstag 1498 konnte nach ersten Umbaumaßnahmen schließlich die Klausur eingeführt werden. In den folgenden Jahren traten zahlreiche Novizinnen und Laienschwestern ein, sodass die Zahl der Schwestern bis 1513 auf knapp 30 gestiegen war. Als Stifterin der Reform neben Bischof Hugo ist vor allem die Konstanzer Patrizierin Anna Muntpratin zu nennen. Sie stiftete umfangreiches Mobiliar, Kunstwerke und finanzierte einen Großteil der liturgischen Neuausstattung. Zusammen mit dem Domherrn Hans Zwick legte sie auch mit umfangreichen Buchstiftungen die Grundlage für eine eigene Bibliothek, die in den Jahren zwischen 1502 und 1507 durch das Abschreiben von St. Galler Handschriften im eigenen Skriptorium erweitert wurde. Die vergrößerte und umgestaltete Kapelle wurde am 22. September 1506 neu geweiht. Die Neukonsolidierung des Besitzes fand seine Wirkung auch in Stiftungen und Leibgedingen (u. a. Gallus Öhem verpfründete sich hier). 1509 konnte durch eine Stiftung mit Wendelin Fabri ein observanter Spiritual aus dem →Pforzheimer Predigerkonvent angestellt werden. Von Fabri haben sich mehrere Traktate, die er 1519 für die Zoffinger Schwestern verfasste, in einer St. Galler Abschrift erhalten.18 Doch die kulturelle und wirtschaftliche Blüte erfuhr mit der Pest von 1519 eine erste Zäsur. Rund ein Dutzend der Nonnen, darunter einige Novizinnen, verstarben an den Folgen der Seuche. Trotz einiger erneuter Eintritte konnte sich der Konvent bis zur Einführung der Reformation in Konstanz nicht vollständig erholen. 1525 verbot der Rat die Neuaufnahme von Novizinnen, im August 1526 verließ die erste Schwester das Kloster. Der Rat hob die Klausur auf und gestattete den Nonnen den freien Predigtbesuch. Wendelin Fabri durfte zunächst noch unter Eid seine Predigttätigkeit fortsetzen, verließ dann allerdings im Mai 1527 Konstanz. Mit dem Austritt der meisten Schwestern und der damit verbundenen Auszahlung von Mitgiften verlor das Kloster an ökonomischer Grundlage. Die Klosterwirtschaft besorgten fortan städtische Pfleger.19 Nur wenige Schwestern bewohnten in den folgenden Jahren noch die Klostergebäude. Es ist anzunehmen, dass sich die Zoffinger Schwestern wie die Schwestern des benachbarten Klosters St. Peter auf eine protestantische Lebensform verpflichten mussten. Einzelne Schwestern lassen sich in diesen Jahren als Taufpatinnen nachweisen. Zoffingen muss für die Jahre 1527–49 als evangelische Gemeinschaft religiös lebender Frauen angesehen werden. Versuche des Dompredigers Dr. Valentin Fabri, nach der Einnahme der Stadt durch Österreich 1548 die Frauen zur Rückkehr zu einem regelgemäßen Ordensleben zu bewegen, scheiterten an deren Widerstand. Die Klosterfrauen von Zoffingen begründeten im Sommer 1549 ihre Haltung mit ihrem reformatorischen Erlebnis: Das Joch der Ordensregel habe ihre Seelen und Gewissen belastet. Aus Gnade und Barmherzigkeit habe Gott sie durch sein heiliges Wort aus diesen Verstrickungen befreit. Deshalb könnten sie nicht zu ihrer alten Lebensform zurückkehren.20 Die Supplikation an die österreichische Obrigkeit in der Form eines religiösen Bekenntnisses wurde von der Priorin Dorothea Schmozerin und fünf Mitschwestern namentlich unterzeichnet. Alle sechs Frauen mussten die Stadt in kurzer Frist verlassen. Einzig Anna Benglin, seit 1500 im Konvent lebend, schloss sich nicht dem Votum ihrer Mitschwestern an, sondern betonte, dass sie sich niemals dem neuen Bekenntnis angeschlossen, sondern immer den Habit unter ihrer Kleidung getragen habe. Als Priorin leitete Anna Benglin den Wiederaufbau von Zoffingen. Nach den Belastungen des Dreißigjährigen Kriegs wuchs der Konvent, wobei der Anteil der Schwestern, die aus Vorarlberg, Schwaben oder dem Allgäu kamen, zunahm, darunter finden sich auch Töchter aus den Familien der vorarlbergischen Baumeister Beer und Thumb. Die Übertragung der aus Rom stammenden Reliquien von zwei Katakombenheiligen, dem Hl. Innozenz (1708) und der Hl. Severa (1712), in die Klosterkirche wurde festlich begangen. Die Kanonisation der Dominikanerin Agnes von Montepulciano (1728) feierte der Konvent mit einer Festoktav, deren Gottesdienste durch die Schwestern musikalisch umrahmt wurden. Die Zahl der Schwestern ging in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von 24 Chor- und vier Laienschwestern (1755) auf 12 Chor- und eine Laienschwester (1794) zurück. Zwischen 1761 und 1775 waren keine Novizinnen im Kloster aufgenommen worden, weil der Konvent finanziell an seine Grenzen stieß. Gedruckte Konventslisten, die seit 1747 erhalten sind, dienten der ständischen Repräsentation des Klosters. Beichtvater war in der Regel seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ein Dominikaner aus dem örtlichen Konvent, während in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts der Pfarrer von →St. Johann diese Aufgabe übernommen hatte. Die josephinische Reformpolitik erfasste auch den Konvent in Zoffingen. Bereits 1773 war die vorderösterreichische Regierung mit der Bitte an die Dominikanerinnen herangetreten, den Schulunterricht für die Töchter der vor Ort stationierten Offiziersfamilien zu übernehmen. Auf Drängen des Stadtrats sollte die Schule allen Konstanzer Mädchen offenstehen. 1775 begannen die Schwestern den Unterricht nach den pädagogischen Grundprinzipien der für Vorderösterreich verpflichtend vorgegebenen »Normalschule«. Der Versuch, 1785 den Dominikanerinnenkonvent des nahe gelegenen Klosters St. Peter an der Fahr mit Zoffingen zusammenzulegen, scheiterte nach internen Auseinandersetzungen und Beschwerden der Schwestern von St. Peter bereits nach vier Jahren. Der Unterricht mit steigenden Schülerinnenzahlen sicherte den Bestand von Zoffingen über die Säkularisation des Jahres 1806 hinaus. Die bereits verfügte Aufhebung des Klosters 1807 scheiterte am Widerspruch des Konstanzer Generalvikars Ignaz Heinrich von Wessenberg (1802–1817, 1817–1827 Bistumsverweser). Das 1811 erlassene badische »Regulativ« definierte die engen Grenzen, in denen sich das »Lehrinstitut« bis 1918 zu bewegen hatte. Der Beschluss des badischen Landtags zur Aufhebung aller Frauenklöster nahm 1876 neben der Zisterzienserinnenabtei →Lichtenthal ausdrücklich auch Zoffingen aus. Der Einsturz eines großen Teils der Klostermauer im Januar 1853, der auch den Schulunterricht stark beeinträchtigte, hatte erneut Diskussionen über die Aufhebung des Klosters ausgelöst. Erst mit der Weimarer Reichsverfassung wurden die letzten Beschränkungen des Regulativs aufgehoben. In den Jahren um 1920 wuchs der Konvent auf über 90 Schwestern an. Im Nationalsozialismus musste der Schulunterricht 1940 vollständig eingestellt werden. Schwester Brigitta Hilberling wurde nach kritischen Äußerungen über das NS-Regime inhaftiert und 1944 vor dem Volksgerichtshof in Berlin angeklagt. Das Kriegsende bewahrte sie vor einer Verurteilung. In den Nachkriegsjahren blühte der Konvent wieder auf. Mit der sinkenden Zahl von Neueintritten in den letzten Jahrzehnten mussten zahlreiche Aufgaben durch die Dominikanerinnen aufgegeben werden. Der kleine Konvent lebt bis in die Gegenwart in der dominikanischen Tradition. Besitz und WirtschaftIm Laufe des 14. Jahrhunderts erlangte das Kloster umfangreichen Besitz im Thurgau und im Linzgau. Neben zahlreichen Reb- und Ackerflächen gehörten Höfe in Schickendorf, Wiggenweiler, Bermatingen, Langrickenbach und Ermatingen zu den Gütern, die durch Mitgiften und Kauf in den Besitz des Konventes gelangt waren. Das Kloster bemühte sich zunehmend, den Besitz durch Verkäufe und Tausch an den oben genannten Orten zu konzentrieren. Für die Frühneuzeit sind die reichen Unterlagen zur Wirtschaftsgeschichte aus dem Zoffinger Klosterarchiv noch nicht ausgewertet. Der Wein aus den Reben von Zoffingen wurde im örtlichen Gasthaus ausgeschenkt, das 1711 in größerem Abstand zum Klausurbereich neu errichtet wurde. Auch wenn die Aufhebung des Konvents nach 1806 abgewehrt werden konnte, wurde der Grundbesitz von Zoffingen durch das Großherzogtum veräußert. Lediglich die »Klosterfrauentorkel« mit einigen Reben in Wollmatingen blieb im Eigentum des Klosters. Religiöses und kulturelles WirkenIm Kloster wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts, initiiert durch Abraham Megerle, der zwischen 1633 und 1640 Domkapellmeister in Konstanz war, in besonderem Maß die Musik gepflegt. Seit 1759 sind die Texte von Singspielen erhalten, die der Konvent zu Ehren von Mitschwestern an deren Professjubiläen aufgeführt wurden. Mit der Übernahme des Schulunterrichts für Mädchen im Jahr 1775 erarbeiteten sich die Dominikanerinnen schnell den Ruf qualifizierter Pädagoginnen. Bis 1868 blieb Zoffingen die einzige Normalschule in Konstanz. Die Schwestern unterhielten nicht nur einen Kindergarten und boten ein differenziertes Schulangebot für Mädchen an, sondern eröffneten 1898 auch ein Lehrerinnenseminar. 1901–04 entstand ein neues Schulgebäude. 1928 gründete Zoffingen in Karlsruhe die Mädchenoberrealschule St. Dominikus. Die Arbeitsschule in Meersburg wurde 1932 aufgegeben. Die zurückgehende Zahl der Schwestern zwang das Kloster den Schulbetrieb schrittweise einzuschränken. 1993 übernahm die Schulstiftung des Erzbistums Freiburg das Mädchengymnasium St. Dominikus in Karlsruhe. In Konstanz wurde 2003 die Grundschule geschlossen, 2018 stellte Zoffingen die Schultätigkeit ganz ein. Die Schulgebäude wurden von der Caritas Altenhilfe gGmbH übernommen, die den Komplex zu einem Altenheim umbaute. Bibliothek und ArchivArchiv und Bibliothek des Dominikanerinnenklosters befinden sich bis in die Gegenwart im Kloster Zoffingen. Die Bestände spiegeln in singulärer Weise die Geschichte des Konvents vom Hochmittelalter bis in die Gegenwart. Die Bibliotheksbestände setzen mit den Handschriften aus der Zeit der Reform des Konvents an der Wende zum 16. Jahrhundert ein. Sie belegen die Bedeutung der Schriftkultur für die Durchsetzung der Observanz. Für die Frühneuzeit belegen zahlreiche Einträge in den zeitgenössischen Frömmigkeitsschriften die Provenienz und durch Glossierung auch den Umgang mit den Druckwerken. Das Archiv spiegelt die Bedeutung pragmatischer Schriftlichkeit für einen Frauenkonvent. Bau- und KunstgeschichteLageDas Dominikanerinnenkloster Zoffingen, Brückengasse 15, bildet eine geschlossene Anlage aus der Kirche St. Katharina im Süden, an die nach Norden ein mächtiger Haupt- und drei kleinere Flügel einen rechteckigen Hof mit Kreuzgang umschließen. Nach Westen folgt ein kleiner quadratischer Hof, den die Schulgebäude an zwei Seiten umgeben, nach Südosten eine Mauer mit Tor. Im Osten liegt ein ummauerter Klostergarten mit Gebäuden im Norden und Osten. Kirche und KonventsbautenDie frei von Putz belassenen Süd- und Ostmauern der Kirche lassen drei Bauabschnitte erkennen. Im östlichen Abschnitt der Südwand (ca. 8 m) gehört ein rundbogiges Biforium mit breitem Mittelsteg und je einer deutlich abgerückten Lanzette an beiden Seiten zum ältesten Bestand (Abb. 1). Die Ostwand erhielt wohl im 13. Jahrhundert ein dreiteiliges Spitzbogenfenster, das zur ersten Kapelle gehört haben und mit der Schenkung des Domscholasticus Burkhard 1266 in Verbindung zu bringen sein könnte. Möglicherweise lässt sich die Altarweihe von 1314 durch Bruder Johannes21 bereits auf die Verlängerung der Kirche um ca. 8 m beziehen. An ihrer Südwestecke besaß sie nun ein (erhaltenes) Spitzbogenportal. Unter diesen beiden Abschnitten liegt ein ca. 3,50 m tiefer Keller.22 1318 fand die Entwicklung zum Dominikanerorden ihren Abschluss, offensichtlich war dieser Schritt verbunden mit der Vergrößerung der Konventsbauten (1360).23 Zur Gestalt gibt es keine Hinweise, doch mag das Biforium im Westgiebel der Kirche dieser Zeit entstammen. Demnach befand sich an der heutigen Südwestecke der Kirche ein mehrgeschossiges Gebäude, zu dem das Biforium gehörte. Seine Tiefe und seine Ausdehnung nach Norden sind unbekannt. Die Hofmauer an der Brückengasse, die noch aus Wacken besteht, setzte sich gerade fort und traf etwa beim südlichen Türgewände auf die Wand unter dem Biforium. Die Tatsache, dass die Grabplatte der Margarete Tettigkofer († 1320) im Boden des westlichen Teils der Kirche gefunden wurde, lässt vermuten, dass zu dieser Zeit der Friedhof der Schwestern wie in St. Peter vor der damaligen Westwand der Kirche lag. Ebenfalls wie im Nachbarkloster darf man im Bereich der heutigen Schulgebäude und des kleinen Hofes einen Wirtschaftshof vermuten. Nach 1372 erbauten die Schwestern hier ein Gasthaus (→St. Peter), das heute die Hausnummer 13 hat.24 Ende 15./Anfang 16. Jahrhundert liest man von steigendem Wohlstand und von Stiftung und Erwerb kostbarer Ausstattungsstücke.25 Das Hofportal stammt aus dieser Zeit, und auch die Kirche scheint eine gemalte Ausstattung bekommen zu haben, da 1924 Fresken mit dem Datum 1508 aufgedeckt wurden (nicht erhalten).26 An der Nordwand des Klostergartens gibt es noch einen Keller, der vielleicht schon zum Besitz der schwestern an der mure oder zum Domherrenhof gehört hatte. Das darüber liegende Erdgeschoss entstand im frühen 16. Jahrhundert, das Obergeschoss besitzt unter einem Fenster das Datum 1660. Dies ist auch die Zeit der Umbauten, welche der Anlage ihre heutige Gestalt gaben. Erhalten sind der rechteckige Kreuzgang mit seinen Flügeln im Osten, Norden und Westen, eine Holzstütze im Keller unter der Kirche mit dem Datum 166927 sowie das Portal der Kirche, die anscheinend nun ebenfalls nach Westen verlängert wurde. Aus dem Gebäude an der Südwestecke entstand ihre Fassade. Der neue Westflügel wurde so weit nach Westen verschoben, dass seine Südwand auf die Westwand der Kirche trifft, und zwar mit einiger Mühe knapp neben dem linken Portalgewände. Um 1730 erhielten Kirche und Klostergebäude wieder eine neue Ausstattung. Die Schulgebäude um den kleinen Hof entstanden im beginnenden 19. Jahrhundert. Die Fenster, die flache Stichkappentonne der Kirche und die Stuckierungen um die Fenster stammen von 1924. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDie Ausstattung ist umfangreich erhalten: ein Holzkruzifix (um 1320), ein Christus im Elend (1505), eine Ölberggruppe (frühes 16. Jahrhundert) und ein Tafelbild der Heiligen Sippe von der Konventualin Anna Kaumin (1511), ein Tafelbild, die Heilige Sippe darstellend, mit der Priorin Anna Benglin und Dominikus als Stifter. Der Hochaltar kommt aus dem Münster, das zugehörige Bild, eine Rosenkranzspende mit Maria, den Hll. Dominikus und Katharina von Siena wurde von Schwester Gertrudis Endres 1924 nach einem Gemälde in Oberschleißheim gemalt. Das Chorgestühl von 1669 stammt aus dem Kloster →Salem. Des Weiteren ein Sandsteinrelief des Schmerzensmanns aus dem Umkreis von Hans Morinck, drei Relieftafeln mit Szenen aus dem Marienleben (um 1600), in der spätgotischen Chornische eine Pietà von Christoph Daniel Schenck (1684). BibliographieQuellen: Eiselein 1889. Handbücher und Lexika: Dehio, Baden-Württemberg Bd. 2, S. 374 (Leo Schmidt); HelvSac IX,2, S. 429–435 (Andreas Wilts); KDM Bd. 1, S. 222 f. (Franz Xaver Kraus). Literatur: Hilberling 1957; Wilts 1994, S. 171–177; Frauenklöster 2023. Anmerkungen
|
| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
|
Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
|---|
















leobw