Konstanz, Benediktiner »Schottenkloster St. Jakob«
| Kurzbeschreibung: | 1142 Gründung (?) – 1220 sichere Ersterwähnung – Benediktsregel – 1233, 1494 geplante Aufhebungen – 1529 Aufhebung im Zug der reichsstädtischen Reformation Patrozinium: JakobOrdensgliederung: Matrikularverband der Abtei St. Jakob in RegensburgKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, kein Landkapitel |
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| Beschreibung: | Name: monasterium Scottorum ordinis sancti Benedicti (1233);1 monasterium Scotorum extra muros Constantienses (1376)2 GeschichteDie Benediktinerabtei St. Jakob ist das südwestlichste der zehn Schottenklöster, die vom späten 11. Jahrhundert an, ausgehend von Regensburg, in Mittel- und Süddeutschland entstanden. Diese Klöster waren, anders als der Name vermuten ließe, mit irischen Mönchen besetzt, die den Aufenthalt in der Fremde als Teil ihrer Askese verstanden. Die Gründung des Konstanzer Schottenklosters ist nicht dokumentiert; nach einer frühneuzeitlichen Tradition erfolgte sie 1142 durch Bischof Hermann I. (1138–1165),3 was glaubwürdig ist: Damit stünde St. Jakob zeitlich zwischen den übrigen Schottenklöstern des 12. Jahrhunderts. Zudem begann unter Bischof Hermann I. die Erweiterung der Stadt auf bislang nicht besiedeltes, da feuchtes oder überschwemmtes Gelände südöstlich des Stadtkerns, wozu als Gegenstück die Anlage des Schottenklosters etwa 400 Meter nordwestlich der Bischofskirche am Rheinufer vor der Stadt passte, im Bereich des heutigen Schottenplatzes. Die frühneuzeitliche Ordenschronistik gibt an, ein Gründungsprior Macrobius sei mit acht Mönchen aus Regensburg gekommen und ein Konstanzer Abt Gallus habe 1216 an einem Kapitel der Schottenäbte in Regensburg teilgenommen.4 Sicher belegt sind die Konstanzer Scotti erstmals in der Jahrtagstiftung eines Münsterkaplans von 1220.5 1233 wies Papst Gregor IX. (1227–1241) den Bischof und das Domkapitel an, das »Kloster der Schotten vom Orden des heiligen Benedikt« aufzulösen, weil der Abt in Sünde lebte und außer ihm nur ein Mönch im Konvent wäre; stattdessen sollten Zisterzienserinnen das Kloster beziehen.6 Offenbar gelang eine Erneuerung der Schottenabtei: Papst Innozenz IV. (1243–1254) bestätigte ihren Besitz 1245 in einem Privileg und stellte sie vom Novalzehnten frei. Er gestattete dem Abt und dem Konvent, in Zeiten eines Interdikts den Gottesdienst hinter verschlossenen Türen zu halten, im Kloster ungehindert Bestattungen vorzunehmen und den Abt frei zu wählen. Er untersagte, innerhalb ihrer Pfarrei neue Pfarreien einzurichten und sie mit ungewohnten Abgaben zu belasten.7 Wie es scheint, genossen die Schottenäbte fortan ein gutes Ansehen. Bischof Heinrich II. von Klingenberg (1293–1306) ernannte Abt Gelasius 1295 zum Richter in einem Streit zwischen einer Konstanzer Bürgerin und dem Abt von St. Gallen.8 Im 14. Jahrhundert wurden die Schottenäbte bemerkenswert häufig als Exekutoren päpstlicher Entscheidungen eingesetzt, zumal bei der Besetzung von Pfründen im Bistum Konstanz.9 Der kleine Konvent war dagegen nicht imstande, die Möglichkeiten zu verwirklichen, die ihm das Privileg von 1245 bot. Dies betraf die Pfarrseelsorge in der rheinabwärts gelegenen Konstanzer Vorstadt Paradies, für die das Schottenkloster zuständig war, wobei die Klosterkirche zugleich als Pfarrkirche diente. Die Bewohner der Vorstadt erlangten von Abt Cormacus 1431 das Recht, den für die Seelsorge zuständigen Leutpriester zu wählen; seine Nachfolger bestätigten diese in der Stadt Konstanz singuläre Regelung.10 Ebensowenig behauptete der Konvent sein Wahlrecht vollumfänglich; seit der Mitte des 15. Jahrhunderts stand das Präsentationsrecht auf die Konstanzer Abtwürde dem Würzburger Schottenabt zu. Dieser und der Regensburger Abt entschieden 1464, das verfallene Erfurter Kloster mit Einkünften und Personal aus Konstanz zu retten.11 Eine von Papst Alexander VI. (1492–1503) und König Maximilian (1493–1519) 1494 vorgesehene Aufhebung des Konstanzer Schottenklosters trat nicht in Kraft. Das Ende kam mit der Reformation: Der ohnehin gegen die Klöster eingestellte Rat beschloss 1529 den Abbruch der Schottenabtei, weil sie zu nah an der Stadtbefestigung lag. Abt Johannes hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon nach Regensburg zurückgezogen; 1533 überließ er der Stadt Konstanz die Einkünfte des Klosters gegen eine jährliche Rente. Der Grundbesitz des Klosters war klein und lag zuletzt fast ausnahmslos im südlichen Vorland der Stadt; 1245 hatte es noch entferntere Güterorte gegeben, zumal westlich des Großen Heubergs (Spaichingen, Delkhofen, Grosselfingen). Um 1360/70 wurden vergleichsweise geringe jährliche Einkünfte von 15 Silbermark veranschlagt.12 Anders als die anderen Konstanzer Klöster wurde die Schottenabtei nach 1548 nicht wiederhergestellt. Das Gelände, auf dem sie stand, diente von 1541 bis 1870 als Konstanzer Hauptfriedhof.13 Die 1589 errichtete Friedhofskapelle ist als Reminiszenz an das vollständig beseitigte Schottenkloster dem Apostel Jakob geweiht und trägt bis heute den Namen »Schottenkapelle«. BibliographieHandbücher und Lexika: GermBen V, S. 359–363 (Franz Quarthal). Literatur: Motz 1925, S. 75 f.; Hecht 1930; Flachenecker 1995, S. 198–205, 389. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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