Boxberg, Johanniter 

Kurzbeschreibung:

vor 1295 Verlegung der Johanniterkommende Wölchingen nach Boxberg – 1381 Verkauf von Burg und Stadt Boxberg an die Herren von Rosenberg

Ordensgliederung: Großpriorat Deutschland
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Würzburg, Landkapitel Mergentheim

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Johanniter 1295-1381
Beschreibung:

Name: sanct Johans orden haus zue Boxperg (1326)1

Geschichte

Durch den Eintritt zweier Herren von Boxberg, Kraft und Gerhard, gelangte die Burg Boxberg mitsamt der Umgebung, ursprünglich ein Lehen der Würzburger Kirche, am 1. Januar 1287 in den Besitz der Johanniter von →Wölchingen.2 Der Wölchinger Komtur Hermann von Hohenlohe saß Anfang der 1290er Jahre noch in Wölchingen, ab 1295 wird er dann als Komtur von Boxberg bezeichnet. Damit war der Wechsel des Sitzes der Kommende von Wölchingen nach Boxberg abgeschlossen. Der im Februar 1302 als Zeuge auftretende Komtur Hermann von Hohenlohe war zuvor Großprior von Böhmen, Mähren und Polen und wird anschließend seit 1302 auch als Komtur von Mainz erwähnt.3 Zum Komtureibesitz gehörten seit 1268 Kirche und Gebäude in →Altkrautheim sowie 1378 Anteile am Zehnt in Klepsau.

Um 1329 den Schutz der Kommende vor den Grafen von Wertheim und den Herren von Hohenlohe zu gewährleisten, unterstellte diese der Komtur Berthold von Henneberg, der vermutlich mit dem Großprior gleichen Namens von Deutschland, Böhmen, Österreich und Polen aus dem Jahr 1328 und 1336 identisch war, der Erzdiözese Mainz. Als die Fehde beendet war, löste er die Kommende 1332 von Mainz wieder aus. Nach 1332 sind auch keine Komture aus Grafenfamilien nachzuweisen, sondern nur noch aus dem regionalen Adel. Im Jahre 1367 befanden sich in der Kommende vier Priester und sieben Laien. Im Mai 1381 verkauften die Johanniter durch ihren fränkischen Bailli (balier der huser in Francken), Wiprecht von Riedern, Burg und Stadt Boxberg in die Hände der Herren von Rosenberg: Dazu gehörten unter anderem die Kirchenpatronate (kirchsezze) in Wölchingen, Schillingstadt, Assamstadt und Bobstadt. Die Kaufsumme betrug 18.000 Gulden.4

Bau- und Kunstgeschichte

Die Höhenburg liegt auf einem Bergsporn über dem Umpfertal, ca. 1 km südöstlich der Johanniterkirche Wölchingen. Die anspruchsvolle spätmittelalterlich/frühneuzeitliche Burganlage wurde nach ca. 1750 bis um 1860 vollständig abgebrochen, seitdem sind nur geringe Mauerreste und die Grabenwerke erhalten; zum Bergsporn hin waren zwei Gräben in den Fels gehauen. Bislang fehlen archäologische Untersuchungen zur Baugeschichte und zum Bauzustand des 13. Jahrhunderts. Ein gut gearbeitetes Kapitell der Zeit um 1180/1200 belegt die Qualität bereits der spätstaufischen Anlage. In den Plänen und bildlichen Darstellungen der Burganlage des 17. bis frühen 20. Jahrhunderts sind keine Bauteile der Kommende aus dem 13./14. Jahrhundert erkennbar.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: DI 1 (Ernst Cucuel/Hermann Eckert); kloester-bw, Johanniterkommende Boxberg (Walter G. Rödel).

Literatur: Hofmann 1989; Rödel 1989; Neumaier 2010.

Anmerkungen

  • 1 Krieger I, Sp. 258.
  • 2 HUB I, Nr. 462 S. 31 5-317 (1. 1. 1287); WUB IX, Nr. 359 3-3595 S. 115 f. (1. und 2. 1. 1287).
  • 3 HUB I, Nr. 650/9 S. 469 (11. 2. 1302): Hermannus de Hohenloch commendator in Boxberg et Moguntia.
  • 4 GLA 43 Nr. 1223
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Helmut Flachenecker [Autor]
  • Matthias Untermann [Autor]
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