Wölchingen, Johanniter
| Kurzbeschreibung: | vor 1244 Entstehung der Kommende – vor 1295 Verlegung nach Boxberg Patrozinium: PetrusOrdensgliederung: Großpriorat DeutschlandKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Würzburg, Landkapitel Mergentheim |
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| Beschreibung: | Name: domus sancti Johannis in Wollechingen (1274)1 GeschichteKraft I. von Boxberg vermachte dem Johanniterorden 1192, bevor er in das Heilige Land zog, Besitzungen im Umkreis von Wölchingen in Althausen, Königshofen, Schweigern sowie dem weiter entfernt liegenden Iphofen.2 Johanniterbesitz in Wölchingen selbst ist erstmals im Februar 1239 belegt (curia Hospitalariorum),3 1287 folgte die dortige Pfarrei.4 Die Kirche dürfte bereits aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammen, sie gab es somit schon, bevor wir im 13. Jahrhundert aus Schriftquellen etwas über die Kommende erfahren. In einer Urkunde von 1244 wird von einem Rudolfus magister und einem frater Hunfridus in Wölchingen berichtet.5 Im September 1249 sind ein provisor Conradus de Bvechel und ein Priesterbruder frater Conradus sowie ein frater Hunfridus cellerarius genannt.6 Die Benennung als Brüder (fratres hospitalis) weist auf eine religiöse Gemeinschaft hin, die unter der Leitung eines magister, provisor oder dann commendator stand. In einer weiteren Urkunde vom Juli 1274 wird ein C. commendator domus sancti Johannis in Wollechingen genannt, womit die letzten Zweifel über einen Johanniterkomtur in Wölchingen beseitigt sind.7 1287 wird dieselbe Funktionsbezeichnung benutzt.8 Ob die genannten Konrade eine oder drei Personen waren, kann wegen der Häufung dieses Namens nicht abschließend gesagt werden. Nach 1287, als die benachbarte Burg Boxberg in die Hände der Johanniter von Wölchingen gelangte, wurde der Sitz der Kommende von Wölchingen nach →Boxberg transferiert, wo er erstmals 1295 belegt ist. Bau- und KunstgeschichteLageNördlich der in einem breiten Tal fließenden Umpfer befindet sich auf einem Plateau gelegen die romanische Kirche. Die repräsentative Größe, die reiche Bauausstattung sowie die Heilig-Grab-Allusion in der Krypta legen eine Affiliation mit dem ansässigen Johanniterorden nahe. Wie die Kirche nach der Verlegung der Kommende in die Burg Boxberg genutzt wurde, bleibt zu klären. Seit 1558 diente sie der evangelischen Gemeinde. Mauern östlich der Kirche könnten Überreste von Konventsbauten sein. Der moderne Gemeindefriedhof liegt nördlich der Kirche. Kirche und KonventsbautenDie dreischiffige Pfeilerbasilika mit Querschiff, quadratischem Altarhaus und drei runden Apsiden ist in allen Räumen gewölbt. Die wuchtigen Gurtbögen mit rechteckigem Querschnitt sind leicht zugespitzt, wie es im Wormser Raum seit den 1150er Jahren verbreitet ist. Auch sonst entsprechen die Gestaltung durch Lisenen und Rundbogenfriese außen sowie die Gliederung der Gewölbeteile den Formen und Strukturen, für die der Wormser Dom als führende Bauhütte gesehen werden kann. Auf den ersten Blick erscheint die Kirche als eine typische, wenn auch sehr kleine, romanische Basilika »aus einem Guss«. Allerdings verweisen zahlreiche Unstimmigkeiten im Detail auf Änderungen, möglicherweise schon während des Bauverlaufs. Denkbar ist auch die Reaktion auf einen Vorgängerbau. Ausweislich zweier Friesansätze könnte die Hauptapsis ursprünglich polygonal und zwei Lagen niedriger geplant gewesen sein. Auch die äußerst schmalen und krumm überwölbten Seitenschiffe könnten einer Umplanung entstammen. Nur ihre beiden östlichen Joche sind mit Wandpfeilern für die Gurtbögen ausgestattet. Auch in der Außenansicht der Apsis ebenso wie der Westfassade zeigen sich kleine Unregelmäßigkeiten. Aus dem Altarhaus führt eine schmale Treppe in die runde Krypta, die sich halb unter dem Sanktuarium, halb unter der mittleren Apsis befindet. Ihr ringförmiges, flaches Tonnengewölbe wird von einer Mittelsäule getragen, deren achtseitiges Kapitell Schilde und Grate ziert, wie sie an Würfelkapitellen entwickelt wurden. Die geringen Ausmaße und der eingeschränkte Zugang zur Krypta sprechen für die Verwendung als eine Art Schatzkammer, auch zur Aufbewahrung von Reliquien. Die Motive auf den Kelch- und Kelchblock-Kapitellen in den Haupträumen sind eigenwillige Interpretationen der im späten 12. Jahrhundert in den Regionen um Oberrhein und Bamberg sehr verbreiteten Varianten des Straßburger bzw. Wormser Kapitells sowie von Kelchblock- und Stängelkapitellen. Den Datierungsrahmen dafür setzen die westlichen Bereiche des Wormser Doms, die zwischen den 1170er Jahren und 1200 entstanden und die Ostteile des Bamberger Doms, die 1201 geweiht wurden. Die Bamberger Ostfassade ist auch für viele weitere in Wölchingen innen und außen verwendete Motive, wie Kugelfriese und gefüllte Rundbogenfriese, ein gutes Vergleichsbeispiel. In der Nordwand des Altarhauses führt heute eine Tür ins Freie, dort könnte die in den Quellen erwähnte Sakristei angeschlossen haben. Eine zugesetzte Tür in 4 Meter Höhe in der Westwand des Nordquerarms veranlasste Überlegungen zu Emporen und Spitalräumen, wäre aber ein typischer Zugang zu einer »Chororgel«. Der Standort eines Chorgestühls in der Vierung könnte erklären, warum das Querhaus gegenüber dem Schiff etwas erhöht ist. Die Öffnungen zu den Querarmen erfolgten nach einem Planwechsel. Das Raumprogramm der dreischiffigen Basilika mit Querarmen, drei Apsiden und Krypta deutet trotz geringer Maße darauf hin, dass die Kirche für einen kleinen, aber anspruchsvollen Konvent geplant wurde. 1671 wird in den Bauakten ein hinter der Kirche gelegener Keller erwähnt.9 1612 wird ein Pfarrhaus »neben der Brücke gelegen« samt Scheuer und Garten als »Mönchklösterle« bezeichnet.10 Vor der umfassenden Sanierung der Kirche 1877/78 befand sich oberhalb des Quer- und Altarhauses ein Haus. Die heutige evangelische Pfarrkirche wurde 1877/78 und 1961–63 umfassend saniert. Dabei wollte man das Erscheinungsbild der Romanik freilegen und entfernte jüngere Ein- und Aufbauten. Auf Grund von auffällig starken und tiefen Fundamenten der Vierung, Mauerresten im Dachraum und weiterer Details wurde 1878 ein Vierungsturm neu aufgesetzt.11 In Gebäuden des 1945 stark zerstörten Ortes sind historische Werkstücke wiederverwendet worden. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungIm Südquerarm fallen zwei ungewöhnliche, unbeschriftete Grabmale auf, die stilistisch mindestens eine Generation älter als die Kirche einzuschätzen sind. Das Gewand des barfüßigen Mannes auf der östlichen Grabplatte zeigt ein glattes Oberteil und einen faltenreichen Rock, der unterhalb der Waden endet. Die westliche Grabplatte ziert ein sehr langes Schwert, mit der Spitze nach unten gehalten von einer rechten Hand, darüber ein Gesicht. Ausweislich der Mittelstütze sind die Platten frühestens in spätgotischer Zeit hier eingesetzt worden. BibliographieHandbücher und Lexika: DI 1 (Ernst Cucuel/Hermann Eckert); KDM Bd. 4,2, S. 227–243 (Adolf von Oechelhäuser); kloester-bw, Johanniterkommende Wölchingen (Walter G. Rödel). Literatur: Stocker 1867, S. 51 f.; Hofmann 1956; Liebig 1958; Grunsky 1970, S. 104–107; Plate 1987; Hofmann 1989; Guzzetti 2022. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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