Kenzingen, Johanniter 

Kurzbeschreibung:

1311 Nennung des Johanniterhofes – 1378 Erwerb der Besitzungen des Klosters Andlau in Altenkenzingen einschließlich der dortigen Peterskirche – 1806 Aufhebung

Ordensgliederung: Membrum der Johanniterkommende Freiburg/Heitersheim
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Konstanz, Landkapitel Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Johanniter 1311-1806
Beschreibung:

Name: der herren hof von sant Johanse (1311);1 der sant Johanser hof (1362);2 cameral-haus Kenzingen (1767);3 fürstlich johannitermeisterliches kameralhaus […] zu Kenzingen (1803)4

Geschichte

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts und damit vermutlich schon vor dem Erwerb des Hofes in der Stadt verfügten die →Freiburger Johanniter in der vorstädtischen Siedlung Altenkenzingen über einen Wirtschaftshof.5 1311 wird der innerstädtische Hof in den Quellen greifbar.6 Dessen Areal, das durch eine Mauer umschlossen war, lag im Südwesten. 1355 werden Scheune, Keller, Trotte, Oberhaus, Hinteres Kornhaus, Ställe und ein altes Haus genannt. Innerhalb dieser Baulichkeiten können eine Stube, Kammern sowie ein Gasthaus (keine öffentliche Herberge) oder eine Gaststube identifiziert werden.7 1495 standen insgesamt 17 Betten zur Verfügung. 1629 werden neben verschiedenen Kammern, Gemächern und Stuben die Kapelle, eine Kanzleistube, das Stüblein des Schaffners, die Küche, die Mägdekammer, die Gesindestube, zwei Keller und die Kelter genannt.8 Dieser Hof bildete zu Ende des 15. Jahrhunderts eines der vier membra der Freiburger Präzeptorei.

Der Hof diente der Verwaltung und Bewirtschaftung der umliegenden landwirtschaftlichen Güter, der Lagerung des zum Verkauf bestimmten Kornes und Weines, als Unterkunft und Wohnung für ansässige und durchreisende Ordensangehörige sowie als ordensinterner, religiöser Mittelpunkt im nördlichen Breisgau. Im Laufe der Jahrhunderte werden Besitzungen und Einnahmen in Herbolzheim, Rust, Ringsheim, Nordweil, Tutschfelden, Wagenstadt, Bombach und Malterdingen als Kernbestand greifbar.9 Temporär waren die Kenzinger Johanniter zudem für Emmendingen, Teningen, Balingen, Leiselheim, Kürnberg, Köndringen, Forchheim, Hecklingen, Riegel, Ober- und Niederhausen, Dinglingen und Lahr sowie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für ein Haus zu Freiburg beim Predigerplatz zuständig.10 Der Kenzinger Besitz wurde kontinuierlich verpachtet, teils an Ordensangehörige, teils an Laien ohne näheren Ordensbezug.11

Zum Hof zählten Äcker, Wiesen, Reben, Wälder, Felder, Wasserrechte und Weiden. Waldbesitz spielte eine größere Rolle. Von Interesse waren Fischereirechte, die an einen Teich, den Grien im Balcker, gekoppelt waren. Die Johanniter beanspruchten hier 1662/63 das alleinige Nutzungsrecht. Weitere, umfangreiche Einnahmen resultierten aus dem Kenzinger Zehnt.

Am 14. Dezember 1378 erwarb der Orden vom elsässischen Frauenkloster Andlau dessen Hof in Altenkenzingen,12 wobei man sich vor allem für die mit der dortigen Peterskirche verbundenen Rechte und Einkünfte interessierte. Diese Kirche war 1493 dem Orden inkorporiert. Zu Ende des Mittelalters wurden hier Gottesdienste durch den Statthalter des Ordens gehalten. 1717 erhielt der Eremit Adam Feyerabend von Endingen das Häuslein bei der Peterskirche und musste als Gegenleistung die Kirche versorgen.13 1737 war dieses Gotteshaus repariert worden.14 Die Kenzinger Johanniter erfüllten, obwohl eine eigene Kapelle auf dem Areal zur Verfügung stand, jedoch kaum seelsorgerische Aufgaben. Eigentlich hatten sie regelmäßig heilige Messen zu zelebrieren, waren dieser Verpflichtung aber 1597 seit mehr als 20 Jahren nicht mehr nachgekommen.

Das Ende der Kenzinger Johanniterniederlassung kam 1806 in Folge der Mediatisierung des Johanniterfürstentums Heitersheim. Die Besitzungen fielen an den badischen Staat und wurden im Lauf der nächsten Jahre nach und nach veräußert.

Bau- und Kunstgeschichte

Das Johannitermembrum ist im Bereich Metzgerstraße 8 zu lokalisieren.15 1817 wurde die Johanniterkapelle zum Gefängnis umgewandelt. Am östlichen Eckpfeiler der Gefängnismauer zur Johanniterstraße erinnert eine St. Johannesstatue unter Baldachin an die Niederlassung, die Konsole ist mit der Jahreszahl 1572 bezeichnet. Unweit davon liegt an der Metzgerstraße 616 das ehemalige Kameralhaus der Johanniter, das im 18. Jahrhundert in ein Wohnhaus umgewandelt worden ist.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: KB Emmendingen Bd. 2,1, S. 453 f. (Jürgen Treffeisen); kloester-bw, Johanniterordenshaus Kenzingen (Walter G. Rödel).

Literatur: Treffeisen 1999 (a); Schmider 1999 (a); Jenisch 2003 (a), S. 73.

Anmerkungen

  • 1 GLA 24 Nr. 640.
  • 2 GLA 21 Nr. 4318.
  • 3 GLA 208 Nr. 15.
  • 4 GLA 208 Nr. 63.
  • 5 Urbare Kloster Adelhausen 1988, S. 209.
  • 6 GLA 24 Nr. 640.
  • 7 GLA 20 Nr. 1192.
  • 8 GLA 208 Nr. 388.
  • 9 GLA 208 Nr. 156, 170, 503.
  • 10 Nicht eindeutig zuzuordnen sind die Orte Sulz und Wietersheim.
  • 11 GLA 208 Nr. 310 (verschiedene Pachtverträge).
  • 12 GLA 20 Nr. 1236 f.
  • 13 GLA 20 Nr. 1244.
  • 14 GLA 208 Nr. 503.
  • 15 Flst. Nr. 242.
  • 16 Flst. Nr. 244
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Jürgen Treffeisen [Autor]
  • Bertram Jenisch [Autor]
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