Baden-Baden, Sepulchrinerinnen (Chorfrauen vom Heiligen Grab) 

Kurzbeschreibung:

1670 Gründung – 1674 Gründungsurkunde – 1687–1689 Bau der Klostergebäude – 1689 Zerstörung beim Stadtbrand, anschließender Wiederaufbau – 1715 Weihe der Klosterkirche – 1811 Annahme des badischen Regulativgesetzes und damit Sicherung des Fortbestands – 2001 die letzten drei Schwestern verlassen das Kloster – 2007 der Konvent wird per erzbischöflicher Verordnung offiziell aufgelöst

Patrozinium: Jakob minor, Augustinus, Joseph
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes von St. German und Moritz, Landkapitel Gernsbach; 1821/27 Erzbistum Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Sepulchrinerinnen (Chorfrauen vom Heiligen Grab) 1670-2007
Beschreibung:

Name: dames chanoinesses reguliere de l’ordre du St. Sepulchre (1674);1 closter zum Hey. Joseph in Baaden der regulierten cannonssin orden deß Hey. Graab zue Jerusalem (1716);2 convent zum H. Grab (1781);3 Frauenkloster zum heiligen Grab (1840);4 Frauenkloster zum »Heiligen Grab« (1882);5 Lehr- und Erziehungsinstitut zum »Heiligen Grab« (1938);6 Konvent der Frauen vom Heiligen Grab in Baden-Baden (2007)7

Geschichte

Historische Entwicklung

Die Regulierten Chorfrauen vom Heiligen Grab als weiblicher Zweig des Ordens der Chorherren vom Heiligen Grab führen sich auf die Kreuzfahrerfrömmigkeit des hohen Mittelalters zurück. In Baden-Baden begann ihre Geschichte in einer Zeit, als sie andernorts schon wieder zu Ende gegangen war. Der weibliche Zweig, zunächst nur in Spanien und kurze Zeit in Böhmen beheimatet, erlebte im 16. und 17. Jahrhundert eine Blütezeit mit zahlreichen Neugründungen vor allem in den Niederlanden und im heutigen Belgien.

Von dort kamen die ersten Schwestern nach Baden-Baden.8 Die Gründung geht auf die Initiative der Markgräfin Maria Franziska zurück, Ehefrau des Markgrafen Leopold Wilhelm, des zweiten Sohns des regierenden Markgrafen Wilhelm (1622–1677). In erster Ehe war Maria Franziska, die dem Haus Fürstenberg-Heiligenberg entstammte, mit Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1578–1653) verheiratet gewesen. Es heißt, sie habe damals in den Klöstern von Aachen, Jülich und Neuss die segensreiche Wirkung der Chorfrauen in der Mädchenbildung kennengelernt und es sei ihr Wunsch gewesen, auch in Baden-Baden ein entsprechendes Lehrinstitut zu etablieren. Auf ihre Bitte hin entsandte das Kloster St. Agathe in Lüttich 1670 fünf Chorfrauen, um die Gründung in Baden-Baden zu realisieren. Dieses Jahr gilt als das offizielle Gründungsjahr des Klosters. Als Gründungsdokument kann die Prachturkunde vom 1. Mai 1674 betrachtet werden.9 Darin werden die Bestätigungsschreiben, die zur Gründung erforderlich waren, zusammengefasst: Wort für Wort inseriert sind die formale Zustimmung des Erzbischofs von Köln und Bischofs von Lüttich, in dessen Sprengel das Heimatkloster der fünf Pionierinnen lag, von 1670, die des Markgrafen von 167410 und die des Bischofs von Speyer von 1671.

Ihre erste Heimstatt fanden die Frauen in unmittelbarer Nähe zum Residenzschloss der Markgrafen. Ab 1687 ließ Markgräfin Maria Franziska an Stelle des seit dem Dreißigjährigen Krieg leerstehenden ehemaligen Gasthauses zum Ungemach die Klostergebäude errichten, deren Nachfolgebauten bis heute im Stadtbild vom Orden zeugen.

Beim Stadtbrand von 1689 brannten die gerade erst im Bau begriffenen Klostergebäude nieder, ohne dass die Kanonissen sie bereits bezogen gehabt hätten. Da auch das erste Klösterlein ein Raub der Flammen geworden war, waren die Klosterfrauen ohne Obdach. Sie flohen nach Forbach, wo sie ein Jahr lang in einem kleinen Bauernhaus sehr incomod11 lebten. Danach übersiedelten sie nach Rottenburg; dort hatten bereits die →Baden-Badener Jesuiten Zuflucht gefunden. Im Exil nahmen die Schwestern zwar den Schulunterricht wieder auf, doch lebten sie in steter Ungewissheit, ob ihre Kommunität fortbestehen würde. Markgräfin Maria Franziska gab »ihren« Orden jedoch nicht auf und unterstützte die Schwestern nach Kräften. In Baden-Baden gab sie den Auftrag, das Kloster wieder aufzubauen. Drei Chorfrauen wurden vorab nach Baden-Baden abgesandt, um den Bau zu beaufsichtigen. 1700 waren die Gebäude so weit hergestellt, dass auch die restlichen drei Exilantinnen zurückkehren konnten (eine Mitschwester war in Rottenburg verstorben). Um die wenigen verbliebenen Frauen zu unterstützen, entsandte das Kloster St. Agathe in Lüttich zwei weitere Kanonissen. Nach Baden-Baden zurückgekehrt, begannen sie wieder mit dem Unterricht, ab 1713 auch in der Elementarschule.

Das Kloster unterstand der unmittelbaren Aufsicht des Bischofs von Speyer, in dessen Diözese es lag, nach dem Neuzuschnitt der Diözesen im 19. Jahrhundert ab 1821/27 dem Erzbischof von Freiburg. Der Orden kannte keine Ordensprovinzen oder die Unterstellung eines Hauses unter ein höherrangiges Haus.

In seinen inneren Angelegenheiten war das Haus kollegial verfasst. Die Priorin wurde aus dem Kreis der Mitschwestern in schriftlicher, geheimer Wahl unter Aufsicht eines Kommissars auf Lebenszeit gewählt. Die Subpriorin wurde durch die Priorin ernannt, die Prokuratorin, zuständig für die Vermögensverwaltung des Klosters, wurde ebenfalls gewählt, konnte aber durch den Konvent auch wieder abgesetzt werden.

In einer Zeit, in der Frauen nicht rechtsfähig waren, vertrat ein Kommissar das Kloster nach außen und stand ihm in allen Angelegenheiten vor, die einer männlichen Rechtsaufsicht bedurften. Unter anderem nahm der Kommissar die Profess ab. Er wurde vom Bischof ernannt. Anfangs bekleideten Stiftsherren der →Stiftskirche das Amt, dann der Guardian des →Kapuzinerklosters und ab 1713 bis zur Aufhebung des Jesuitenordens 1773 der jeweilige Rektor des Baden-Badener Jesuitenkollegs. Da Jesuiten nach den Gepflogenheiten ihres Ordens immer nur kurze Zeit in einem Haus weilen, wechselte der Kommissar entsprechend häufig. Nach Aufhebung des Jesuitenordens versah in der Regel ein verdienter weltlicher Geistlicher das Amt des Klosterkommissars.

Auf einen Mann angewiesen war das Frauenkloster auch in der Seelsorge. Die heilige Messe in der Klosterkirche hielt selbstverständlich ein Priester, und zwar in der Regel aus dem Kapuzinerorden, der zumeist auch als Beichtvater fungierte, sofern nicht der jeweilige Kommissar dieses Amt mit versah. Im 19. Jahrhundert erbat sich das Kloster einen eigenen Klostergeistlichen, der in einem Pfarrhaus direkt am Kloster wohnte.

Im 19. Jahrhundert trat durch das Regulativ für die katholischen weibliche Lehr- und Erziehungsinstitute des Großherzogtums Baden (1811)12 eine grundlegende Änderung in der Klosterverfassung ein. Klöster, die sich der Schuldbildung widmeten – eine Tätigkeit, die anerkannt und unverzichtbar war – konnten durch seine Annahme die drohende Säkularisierung abwenden, mussten jedoch tiefgreifende Eingriffe des Staates hinnehmen. De facto handelte es sich um die Umwandlung in ein staatliches Lehrinstitut. Aus den Schwestern wurden besoldete Lehrerinnen. Ein Jurist als obrigkeitlich bestellter Kommissar bestimmte fortan über die Aufnahme von Kandidatinnen ins Kloster, die Profess wurde auf drei Jahre begrenzt und musste danach erneuert werden. Die Wahl einer Priorin musste durch die weltliche Oberaufsicht genehmigt werden. Auch in das innere Leben des Klosters griff der Staat ein. Das Regulativ untersagte ausdrücklich das gemeinsame Chorgebet und die Ablegung der Ordensgelübde, die strenge Klausur sollte abgeschafft werden.

Schon 1877/78 drohte während des sogenannten Kulturkampfes erneut die Auflösung des Klosters. Die Regierung verbot die »Korporationsschulen« und verunmöglichte den wenigen noch bestehenden Klosterschulen damit im Grunde den Fortbestand. Die Chorfrauen vom Heiligen Grab erklärten sich bereit, auch nicht-katholische Schülerinnen aufzunehmen, und erhielten daraufhin die staatliche Genehmigung zum vorläufigen Weiterbetrieb ihrer Schule. Ausfallende Ordensfrauen sollten aber nicht mehr ersetzt werden, was über kurz oder lang ein Ende des Klosters bedeutet hätte. Die erst wenige Jahre zuvor (1858) in Bruchsal gegründete Filiale musste sofort geschlossen werden. 16 Jahre lang wurde keine Profess mehr abgelegt, bis Priorin M. Amalia erreichte, dass wieder Frauen aufgenommen werden durften und das Fortbestehen des Klosters damit sicherte. In der Grundschule allerdings durften ausscheidende Schwestern nicht mehr ersetzt werden, so dass diese 1904 ganz in weltliche Regie überging.

Erst im 20. Jahrhundert lockerte der Staat seine Beaufsichtigung. 1907 durften die Professen drei Jahre nach der ersten Profess wieder ewige Gelübde ablegen, 1921 wurde das Amt des landesherrlichen Kommissärs abgeschafft. Priorin Körber fiel die Aufgabe zu, die Konstitutionen auf Basis der bis 1811 gültigen Regeln neu zu formulieren. 1937 erhielten sie die päpstliche Approbation, und der Orden vom Heiligen Grab war wieder päpstlich anerkannt.

2001 endete die Geschichte des Klosters vom Heiligen Grab in Baden-Baden mit dem Umzug der letzten Schwestern in das von den Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern) geführte Alten- und Pflegeheim Maria Frieden im Baden-Badener Ortsteil Ebersteinburg. Die freigewordenen Räumlichkeiten stehen seitdem der Schule zur Verfügung.

Mit Verordnung vom 25. Mai 2007 hob der Erzbischof von Freiburg den Konvent auch formal auf.13

Besitz und Wirtschaft

Die materielle Ausstattung des Klosters kann als vergleichsweise bescheiden bezeichnet werden. Der wertvollste Besitz dürften das Klostergebäude – mit Berechtigung zum Thermalwasserbezug – und die zugehörige »Ökonomie« (Gemüsegärten und Viehhaltung) gewesen sein. Hinzu kamen Einnahmen aus Schulgeld sowie in geringem Umfang Zinsen und Fruchtabgaben, die Markgraf Leopold Wilhelm dem Kloster noch im Stiftungsjahr zugesichert hatte und die 1688 bzw. 1763 vermehrt wurden. 1688 erhielt das Kloster von Markgräfin Maria Franziska einen Rebhof in der Falkenhalde, 1747 erwarb es aus eigenen Mitteln das landwirtschaftliche Hofgut Hahnhof. Daneben besaß das Kloster einige verstreut liegende Äcker. Die Bewirtschaftung erfolgte durch Pächter. Die geringen Erträge dienten wohl überwiegend dem Eigenverbrauch. 1889 – Hahnhof und Falkenhaldehof waren zu diesem Zeitpunkt schon wieder abgestoßen, und der Verlust der »Ökonomie« beim Klostergebäude durch den Bau des Augustabads stand bevor – erwarb das Kloster aus eigenen Mitteln ein großes Hofgut in Geroldsau. Neben den landwirtschaftlichen Gebäuden errichtete man ein Landhaus, den sogenannten Marienhof, der den Schwestern fortan als Sommerfrische und Erholungsort diente.

Die Inflation der 1920er Jahre vernichtete das Barvermögen des Klosters. Die Schwestern waren noch mehr als sonst zum Sparen gezwungen. Man unternahm Anstrengungen, sich von Dienstleistungen, die man bisher von außerhalb des Klosters bezogen hatte, unabhängig zu machen: Schwestern bildeten sich in Handwerksberufen aus, gleichzeitig übernahmen »fünf in der Landwirtschaft erfahrene Laienschwestern«14 die Bewirtschaftung des Guts in Geroldsau nun selbst.

Bei diesem geringen Immobilienbesitz waren Stiftungen, Schenkungen und Erbschaften umso bedeutender. Renovierungen der Gebäude, Kirchengerät, Öl und Wachs, Altar- und Kreuzwegbilder, Paramente und selbst die Glocken und Beichtstühle konnten auf diese Weise finanziert werden. Neben Geldstiftungen finden sich gelegentlich auch Lebensmittel- oder Sachspenden für den täglichen Gebrauch. Frauen stifteten oft ihre Braut- oder andere kostbare Kleider, die dann zu Messgewändern oder Paramenten umgearbeitet wurden. Unter den Stiftern und Stifterinnen finden sich zahlreiche Adelige, auch aus dem markgräflichen bzw. großherzoglichen Haus, das dem Kloster über alle konfessionellen Grenzen hinaus immer verbunden blieb. Auch Angehörige des Hofstaats finden sich zahlreich in der Liste der Gönner. Im 19. Jahrhundert zählten neben Kaiserin Augusta auch die wohlhabenden Bürgerfamilien Benazet/Dupressoir (Pächter der Baden-Badener Spielbank), Gagarin und Brenner (Hotel Stephanie, Brenner’s Parkhotel) zu den Wohltätern. Aber auch unzählige kleinere Summen von weniger betuchten Spendern trugen zur Finanzierung der notwendigen Anschaffungen bei.

Eine Einnahmequelle erschloss sich das Kloster durch die Aufnahme von Pensionärinnen. Nicht gemeint sind damit die Schülerinnen, die im Internat lebten, sondern zumeist adelige Frauen, die sich auf Zeit im Kloster einmieteten und mehr oder weniger am klösterlichen Leben teilnahmen.

Weitere Einnahmen flossen durch den Verkauf von Grabplätzen in der Klosterkirche und durch Jahrzeitstiftungen sowie durch den Verkauf von Kunsthandwerk oder Melissengeist.

Religiöses und kulturelles Wirken

Mit ihrer Profess verpflichteten sich die Frauen zu einem Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam nach den Regeln des Heiligen Augustinus. Ihr Leben widmeten sie dem gemeinsamen Gebet, das mehrmals am Tag und in der Nacht gehalten wurde. Der Gründungsgeschichte des Ordens entsprechend, stand auch in Europa die Verehrung des leidenden und aus dem Heiligen Grab auferstandenen Christus im Mittelpunkt der Liturgie, die sich an der lateinischen Kirche in Jerusalem orientierte.

Mit Hilfe von Bruderschaften hielten die Schwestern die Tradition des Heiligen Grabs in der Bevölkerung lebendig. Bereits 1672 wurde die St. Josephs Bruderschaft ins Leben gerufen, 1743 dank einer Stiftung durch Maria Anna Ursula Reinecker aus Offenburg gegen den erbitterten Widerstand der Geistlichkeit vor Ort die Bruderschaft vom Herzen Jesu. Die Mitglieder der Bruderschaft fanden an jedem ersten Donnerstag des Monats in der Klosterkirche zur Bruderschaftsmesse zusammen, unterm Jahr wurden fünf Bruderschaftsfeste ausgerichtet.

Ein besonderes Fest war auch das Kirchweihfest, das am Sonntag nach St. Peter und Paul gefeiert wurde. An diesem Tag konnte das Kloster einen vierzigtägigen Ablass gewähren an diejenigen, so die kirche selben tag besuchen und ihr gebett darin verichten.15

Entsprechend der Intention der Gründerin lag der Tätigkeitsschwerpunkt der Schwestern von Beginn an auf der Mädchenbildung. Baden-Baden verfügte mit der Jesuitenschule bereits über eine herausragende Bildungsstätte für Jungen, nun auch für Mädchen. Kaum in Baden-Baden angekommen, wurde den Schwestern gleich die statt schullen ubergeben.16 Diese Elementarschule für Mädchen hatte 1745 drei, 1794 vier Klassen. Sie wurde noch bis 1904 von den Schwestern betrieben.

1674 eröffneten die Schwester zudem eine höhere Mädchenschule mit Internat, in der Französisch, Religion und typisch »weibliche« Tätigkeiten wie Handarbeiten unterrichtet wurden. Im Laufe der Jahrzehnte wurde der Fächerkanon nach und nach erweitert. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kamen Deutsch, Rechnen, Geographie, Geschichte und Musikunterricht hinzu, zu Beginn des 19. Jahrhunderts umfasste der Lehrplan Religion, Französisch, Deutsch, Handarbeiten, Hauswirtschaft, Geographie, Geschichte, Naturkunde, Zeichnen, Musik und Tanz sowie Gesundheitslehre. Damals besuchten ca. 150 Schülerinnen die nun in zehn Klassen eingeteilte Schule. Obwohl die Zahl der Schwestern im 19. Jahrhundert deutlich angestiegen war – vor 1806 waren es nie mehr als 20 Frauen gewesen, jetzt bisweilen um ca. 30 – zwang der Zuwachs an Schülerinnen ebenso wie des Lehrstoffes das Kloster, 1906 erstmals eine weltliche Lehrerin anzustellen.

Weitere Schulformen kamen hinzu: 1818 eine Fortbildungsschule, Ende des 19. Jahrhunderts ein Lehrerinnenseminar. Seit 1927 bestand eine höhere Handelsschule. 1932 wurde die zehnklassige Höhere Töchterschule als Mittelschule mit dem Abschluss Mittlere Reife anerkannt. Doch schon acht Jahre später musste sie, wie alle Ordensschulen Deutschlands, schließen. 1945 konnte sie mit 150 Schülerinnen in den Klassen 5 bis 10 wieder eröffnet werden. Seit 1952 staatlich anerkanntes Progymnasium, wurde sie unter dem ersten weltlichen Schulleiter 1970 (Voll-)Gymnasium mit mathematisch-naturwissenschaftlicher Ausrichtung. Ab 1982 wurden auch Jungen aufgenommen. Obwohl zuletzt keine Schwester mehr im Schuldienst tätig war, blieb die Trägerschaft noch bis 1991 beim Orden, danach bei der Schulstiftung der Erzdiözese Freiburg. Damit war der Bestand der Schule über das damals bereits absehbare Ende des Klosters hinaus gesichert. Lediglich das Internat wurde 1999 aufgegeben.

Bibliothek und Archiv

Das Archiv der Gemeinschaft kam nach der Aufhebung 2001 ins Erzbischöfliche Archiv Freiburg. Das Inventar des Klosters einschließlich großer Teile der Bibliothek wurden im Sommer 2003 versteigert.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Das Kloster liegt unterhalb des Neuen Schlosses und der Stiftskirche, unmittelbar neben dem Friedrichsbad.

Kirche und Konventsbauten

Nach seiner Gründung 1670 war das Kloster wohl in einem Privathaus in der Schlossstraße untergebracht. 1687/88 entstand eine einfache Dreiflügelanlage mit Kreuzgang, die im Pfälzischen Erbfolgekrieg am 24. August 1689 durch französische Soldaten niedergebrannt wurde. Nur die Kirche überdauerte unbeschadet. 1698 begann der Wiederaufbau mit Unterstützung der Markgräfin Maria Franziska, im gleichen Jahr konnten Klosterfrauen in einen dreigeschossigen und fünfachsigen Bau einziehen, an dessen Torbogen sich das Baujahr befindet. 1744 wird die Anlage um einen weiteren Flügel erweitert. Der Wohnbau wurde um eine Achse verlängert, mit einer dreiachsigen Eckabschrägung versehen und um einen rückseitig rechtwinklig ansetzenden Flügel mit sechs äußeren Fensterachsen erweitert. Eine neue Erweiterung 1770/71 setzte in markgräflichem Auftrag und nach Plänen des Bauinspektors Franz Ignaz Krohmer an den Südostflügel in stumpfem Winkel den »Gartenflügel«, der einen älteren Fachwerkbau ersetzte. Dieser später »Pensionärinnenbau« genannte Bau erfuhr 1840/41 eine Verlängerung um einen Winkelbau und erhielt 1870 eine Außentreppe. 1895 wurde der Klosterbau am Römerplatz um ein Stockwerk erhöht. Die Klosteranlage beschreibt heute vier Seiten eines unregelmäßigen Fünfecks mit der Kirche an der Nordwestseite. In seiner Architektursprache an den Bauwerken der Jesuiten orientiert, erhielt der Baukomplex das Gepräge eines städtischen Palastes mit Innenhof. 1765 erfolgte die Terrassierung des nördlichen Berghangs mit Stützmauern und Treppen zum Klostergarten, beim Graben an der Kirche entstand der Klosterfriedhof, belegt zwischen 1794 und 1879. Anfang des 19. Jahrhunderts entstand die kleine Kapelle an der Stützmauer des Neuen Schlosses auf der oberen Terrasse des Klostergartens.

Die verputzte, im unteren Teil der Fassade rustizierte Klosterkirche St. Joseph wurde 1687–89 als Saalbau mit polygonaler Apsis errichtet. Ursprünglich war die Westfassade mit zwei großen, den Eingang flankierenden spitzbogigen Fenstern versehen. 1895 erhielt die Fassade eine aufwendige Überformung in neobarockem Stil, die das bis dahin schlichte Giebelfeld mit geschweiften Rahmungen und einem großen Relief der Auferstehung Christi ausstattete, eine Arbeit des Freiburger Bildhauers Julius Seitz. Das ursprüngliche Portal mit gesprengtem Giebel und Nischenfigur blieb bestehen, die ältere Figur des Joseph mit Kind wurde ersetzt und die ältere Skulptur in das Konventsgebäude versetzt. Auch der offene Dachreiter erhielt eine neue Form. 1925 wurde der baufällige Giebel erneuert und die innere Hofseite aufgestockt.

Im Inneren zeigt sich eine einfache Saalkirche mit eingezogenem Chor und Kreuzgratgewölben in Korbbogenform. Der Innenraum wurde 1858 in historistischem Stil gefasst und 1867/8 mit Altären ausgestattet. Nach einer erneuten historistischen Restaurierung 1889/90 erfolgte 1935 eine purifizierende Neugestaltung mit neuen Altären.

Der viergeschossige Putzbau lagert sich in Fortsetzung der Kirchenfront dreiflügelig um einen offenen Klosterhof, der über eine Toreinfahrt am Römerplatz erschlossen wird. Die Fassade erhielt 1895 gleichzeitig mit der Überformung der Kirchenwestfassade eine Aufstockung sowie eine neubarocke Überformung mit reichem bauplastischem Fassadenschmuck. Die Toreinfahrt oder das Tor ist am Schlussstein mit 1698 bezeichnet, im Gesprenge Klosterwappen und zwei Putti mit Schriftbändern: »Willst Du siegen / Lehr ein Kind«. Den Zwerchgiebel ziert eine Skulptur des Erzengels Michael. Das reich ausgestattete »Obere Sprechzimmer«, ein vierjochiger, mit Arabesken und Wappen ausgestatteter Saal, blieb im Obergeschoss erhalten. Ebenso wie das integrierte, reich verzierte schmiedeeiserne Gitter mit zwei Sprechöffnungen um 1740. Hier neben Mobiliar zahlreiche Fürstenporträts der markgräflich-badischen Herrscherfamilie als barocke Wiederholungen älterer Vorbilder, in Öl auf Leinwand ausgeführt.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Im Klosterhof liegt der achteckige Brunnen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts vom Gasthaus »Zum Ungemach«, das früher an dieser Stelle stand. Der Brunnenstock, eine Sandsteinsäule mit korinthischem Kapitell, trägt einen Löwen mit Wappen (wohl der Familie Ungemach). Eine Schutzmantelmadonna auf Sockel, aus Sandstein gefertigt und farbig gefasst um 1744 (i) befand sich ursprünglich an der Fassade zur Zähringerstraße und seit 1895 im Erdgeschossraum neben der Toreinfahrt. Nach Auflösung des Klosters wurde sie an das Diözesanmuseum in Freiburg übergeben, wie auch die Pietà des linken Seitenaltars (Holz, gefasst, um 1480) und eine betende Muttergottes (Holz, gefasst, Anfang 16. Jahrhundert).

Zwei Messkännchen aus Silber mit zugehöriger Platte von Johann Dopf (Augsburg) von 1751/53 befinden sich heute im Diözesanmuseum Freiburg.

Über dem Hochaltar, 1935 von Rudolf Siegel aus Bühl, ein Gemälde von Christi Auferstehung, 1938 von Otto Grassl aus München. Am Altar Statuen der Hll. Joachim und Anna vom älteren Hochaltar, Holz, gefasst, 1733. Über den Seitenaltären, 1935 von Rudolf Siegel aus Bühl, Gemälde von Juenet, 1724: Hl. Kaiserin Helena und Apostel Jakobus. Kreuzwegstationen von Otto Grassl, 1942. Die um 1730 geschaffene fünfeckige Kanzel zeigt am Treppenaufgang reiche Akanthus-Schnitzereien. Im Westen befindet sich die 1731 ausgestattete Nonnenempore mit Gestühl, einem 1731 geschaffenen, floral gegliederten Holzgitter und dem Orgelprospekt. Der Beichtstuhl an der Südwand kam 1721 als Geschenk in die Kirche und wurde teilweise erneuert. 1916 entstand das neue Chorgitter aus Schmiedeeisen. Das Kirchengestühl wurde modernisiert, die Wangen mit Akanthusmotiven von 1722 sind erhalten.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: Dehio Baden-Württemberg Bd. 1, S. 51 (Michael Ruhland); DI 78 (Ilas Bartusch); KB Baden-Baden, S. 104–137, insbes. S. 125–128 (Kurt Andermann); KDM Bd. 11,1, S. 166–197 (Emil Lacroix/Peter Hirschfeld/Heinrich Niester); kloester-bw, Sepulchrinerinnen (M. Dorothea Kuld); SKHB, S. 136–139 (M. Dorothea Kuld).

Literatur: Klosterschule vom Heiligen Grab 1970; Müller 1978 (h); Klosterschule vom heiligen Grab 1995; Bock 2000; Kiefer 2003.

Anmerkungen

  • 1 GLA 37 Nr. 346.
  • 2 EAF O 1/458.
  • 3 StadtA BAD A 3/2.
  • 4 Adressbuch für die Großherz. Stadt Baden. Dritter Jahrgang. 1840.
  • 5 Adreßbuch der Stadt Baden 1882.
  • 6 Einwohnerbuch 1938 der Stadt Baden-Baden, S. 297.
  • 7 Verordnung des Erzbischofs Nr. 78 vom 22. 6. 2007, in: Amtsblatt der Erzdiözese Freiburg, Nr. 15/2007.
  • 8 Der folgende Text basiert im Wesentlichen auf der Klosterchronik des Heiligen Grabs, die 1716 begonnen und bis 1973 fortgeführt wurde, EAF O 1/458, sowie Klosterschule vom Heiligen Grab 1970; 1995.
  • 9 GLA 37 Nr. 346.
  • 10 EAF O 1/1.
  • 11 EAF O 1/458, S. 101.
  • 12 EAF O 1/512.
  • 13 Verordnung des Erzbischofs Nr. 78 vom 22. 6. 2007, in: Amtsblatt der Erzdiözese Freiburg, Nr. 15/2007.
  • 14 EAF O 1/458, S. 93.
  • 15 EAF O 1/458, S. 10.
  • 16 EAF O 1/458, fol. 1 v
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Dagmar Rumpf [Autor]
  • Clemens Kieser [Autor]
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