Baden-Baden, Kapuziner
| Kurzbeschreibung: | 1624 Übernahme der Predigt in der Stiftskirche durch Kapuziner – 1631 Gründung – 1641 Weihe der Klosterkirche – 1689/94 Kriegszerstörung und Wiederaufbau der Anlage – 1807 Aufhebung Patrozinium: BrigittaOrdensgliederung: Schweizerische Provinz, Kustodie Freiburg; 1668 Vorderösterreichische Provinz, Kustodie Freiburg; 1781 Schwäbische ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes von St. German und Moritz, Landkapitel Gernsbach |
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| Beschreibung: | Name: Capuciner-closter (1631);1 St. Brigitta (1643)2 GeschichteHistorische EntwicklungDer frühzeitigen Gründung eines Kapuzinerklosters in Baden(-Baden) stand zweierlei entgegen, zum einen die sogenannte Oberbadische Okkupation (seit 1594), das heißt die Besetzung der katholischen baden-badischen Lande durch die evangelisch-lutherischen Markgrafen von Baden-Durlach, die erst infolge der Niederlage der Protestanten in der Schlacht bei Wimpfen (6. Mai 1622) ihr Ende fand, und zum anderen die Frage, ob das neue Kloster der rheinischen oder der schwäbisch-helvetischen Kapuzinerprovinz zugehören sollte; die rheinische Variante präferierte Markgraf Wilhelm von Baden-Baden (1621–1677), die andere seine Gemahlin Katharina von Hohenzollern-Hechingen. Das Problem bestand darin, dass die Stadt Baden(-Baden) in der Speyrer Diözese lag und daher die rheinische Provinz zuständig gewesen wäre, mit der schweizerischen Ordensprovinz hingegen der Bischof von Straßburg ins Spiel kam. Die Zuordnung nach Straßburg verlangte auch die Witwe Maria Salome Aschmann aus Baden(- Baden), die davon eine Zuwendung an das Kloster in Höhe von 5.000 Gulden abhängig machte, die für das Zustandekommen der Gründung unentbehrlich war. Mit den Wechselfällen des Dreißigjährigen Kriegs kam es schließlich aber doch noch zu einer einvernehmlichen Lösung, indem das Kloster nicht in, sondern vor der Stadt, insbesondere jenseits der Oos und damit im Straßburger Bistumssprengel angesiedelt wurde. Dafür erlaubte der Bischof von Straßburg, dass Grundsteinlegung und Weihe in seinem Auftrag von hochrangigen Geistlichen vorgenommen wurden, die der Speyrer Kirche angehörten bzw. ihr verbunden waren. Bereits 1624 hatte das Speyrer Ordinariat zwei Kapuzinern aus der rheinischen Provinz, die in der Stadt privat logierten, die Kanzelpredigt in der →Stiftskirche übertragen. Aber erst am 28. Mai 1631 erfolgte durch den Abt des Speyrer Eigenklosters →Schwarzach die Grundsteinlegung für das schwäbisch-helvetisch besiedelte Kloster vor der Stadt.3 Bevor dieses fertiggestellt und am 2. August 1641 durch den Speyrer Weihbischof geweiht werden konnte, mussten die Patres von 1632 bis 1634 vor Hessen, Franzosen und Schweden noch einmal Zuflucht im Elsass suchen.4 Ein nochmaliger feindlicher Einfall in die Markgrafschaft verlief 1643/44 glimpflich. Aber ein halbes Jahrhundert später, während des Orléans’schen Kriegs, wurde das Kloster am 6. November 1689 von den Franzosen mutwillig niedergebrannt, wobei auch seine Bibliothek zugrunde ging; der Konvent flüchtete damals ins Murgtal nach Gernsbach und fand dort im Haus der Grafen von Wolkenstein Quartier. Der Wiederaufbau des Klosters erfolgte seit 1694 auf Veranlassung des Markgrafen Ludwig Wilhelm (1677–1707). Anlässlich der Heiligsprechung des Kapuzinerbruders Felix von Cantalice († 1587) ließ Markgräfin Sibylla Augusta 1712 eine Kapelle zu dessen Ehren neben der Klosterkirche errichten, und als 1746 der Mitbruder Fidelis von Sigmaringen († 1622) zur Ehre der Altäre erhoben wurde, nahmen die Badner Kapuziner daran Anteil mit einem großen Fest. In der Kirche des Kapuzinerklosters bestattet wurden der 1678 bei Philippsburg gefallene Obristleutnant Franz von Montecuccoli sowie die Herzen der baden-badischen Prinzen Leopold Wilhelm († 1671) und Karl Friedrich Ferdinand († 1680) sowie der Prinzessin Franziska Maria geb. Gräfin von Fürstenberg († 1702). In dem 1765 im Hinblick auf das drohende Aussterben des katholischen Hauses Baden-Baden mit den evangelischen Durlacher Vettern geschlossenen Erbvertrag wurde die Fortexistenz des Kapuzinerklosters garantiert und sein Personalbestand auf zwölf Patres und vier Laienbrüder begrenzt; gleichwohl zählte der Konvent 1788 sechzehn Patres und vier Brüder,5 was herrschaftlicherseits beanstandet wurde. Das Ende des Klosters zeichnete sich bereits in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts ab und wurde mit dem markgräflichen Klosteredikt vom 14. Februar 1803 vollends besiegelt. Von dem Angebot, sich den Franziskanern anzuschließen, machten die Kapuziner keinen Gebrauch, und eine eigene badische Kapuzinerkustodie, die aus den Ordenshäusern →Bruchsal, →Waghäusel, Baden, →Offenburg und →Oberkirch hätte bestehen sollen, kam nicht zustande. So löste sich der Konvent am 16. Februar 1807 auf. Von den acht noch verbliebenen Patres waren danach drei als Pfarrer oder Beichtväter in der näheren Umgebung tätig, der letzte Guardian schloss sich den Bruchsaler Kapuzinern an und auch die vier übrigen Konventualen scheinen in anderen Klöstern des Ordens Aufnahme gefunden zu haben. Die Gebeine von mehr als dreißig Kapuzinern aus der Gruft der Klosterkirche wurden auf dem städtischen Friedhof beigesetzt, die fürstlichen Herzkapseln ins Kloster Lichtenthal überführt. Besitz und WirtschaftSchon gelegentlich der Stiftung ihres Klosters wurde den Kapuzinern zugestanden, mit zwei Wannen am heißen Wasser aus den Badner Höll- und Ursprungsquellen teilzuhaben; 1671 kam noch eine dritte Heißwasserwanne hinzu, und 1673 bewilligte Markgraf Wilhelm überdies die Fassung einer Kaltwasserquelle, die dem Konvent fortan eigenes frisches Trinkwasser lieferte. Die Versorgung des Klosters erfolgte zu Lasten des markgräflichen Hofes. Bereits im Zusammenhang der Gründung wurden ihm jährliche Zuwendungen in Höhe von mehr als 300 Gulden zugesagt, dazu Brennholz und Wein. Die Alimentation mit jährlich 75 Gulden, die der Türkenlouis und seine Gemahlin dem Kloster 1705 zusätzlich gewährt hatten, schrieb Markgraf Ludwig Georg (1727–1761) 1727 anlässlich seines Regierungsantritts auf Dauer fest. August Georg (1761–1771), der letzte Fürst aus der Baden-Badner Linie, vermachte den Kapuzinern statt des ihnen zur Fastenzeit üblicherweise gewährten Hofalmosens 2.000 Gulden Kapital, aus dessen Zinsertrag (jährlich 50 Gulden) der Bedarf des Klosters an Wein gedeckt werden sollte. Darüber hinaus trugen die Markgrafen Sorge für die Instandhaltung der Klostergebäude. Religiöses und kulturelles WirkenIn den von Anfang an geleisteten Dienst auf der Kanzel der Badner Stiftskirche teilten sich die Kapuziner seit 1640 mit den →Jesuiten; 1683 leiteten sie am Stift überdies eine Fraternitas cordae und die Rosenkranzbruderschaft. Die tägliche Messfeier in der Kapelle des Neuen Schlosses, die ihnen im späteren 17. Jahrhundert oblag, wurde jährlich mit einem Fuder Wein vergolten. Dem letzten Markgrafen von Baden-Baden hatten sie wöchentlich eine Messe in dessen Residenz Rastatt zu lesen. Von dem guten Einvernehmen, zu dem die Bischöfe von Speyer und Straßburg hinsichtlich der provinzialen und diözesanen Zugehörigkeit der Badner Kapuziner schließlich doch gefunden hatten, zeugt nicht zuletzt die Seelsorgetätigkeit der Patres, die sich vor allem auf Pfarreien im Speyrer Sprengel erstreckte, so namentlich auf Ötigheim, Oos, Haueneberstein und Ebersteinburg, außerdem auf die entlegene Holzfällerkolonie Herrenwies von deren Gründung 1733 bis ins Jahr 1753 sowie auf Hundsbach, Greßbach, Biberach und Raumünzach; im Straßburger Gebiet waren sie in Vimbuch, Schwarzach und Steinbach engagiert. Die Gründung einer eigenen Pfarrei in Scheuern links der Oos ließ der Bischof von Straßburg 1770 nicht zu, jedoch konnte bereits im Jahr davor die Pfarrei Ebersteinburg vollständig übernommen werden. Darüber hinaus versahen die Kapuziner den täglichen Gottesdienst im Badner →Heiliggrabkloster und bei den Zisterzienzerinnen in →Lichtenthal; in den Klöstern Lichtenthal, Heiliggrab und →Frauenalb (zeitweise) waren sie auch als Beichtväter der Nonnen tätig. Bibliothek und ArchivNachdem die ältere Bibliothek der Badner Kapuziner bereits 1689 im Orléans’schen Krieg untergegangen war, wurden die seither angesammelten Bücher 1807 dem Buchbinder Eßwein teils verkauft, teils zur Verwahrung anvertraut; mit der Stiftsbibliothek gelangten sie 1808 in die Gymnasialbibliothek nach Rastatt. Über den Verbleib des Klosterarchivs ist nichts bekannt. Bau- und KunstgeschichteLageGanz der Ordensregel entsprechend kam das Kloster etwa 200 m außerhalb des Stadtkerns auf der anderen Seite der Oos zu liegen. Dabei hatte der Bachlauf in seiner Funktion als Bistumsgrenze bei der Wahl des Bauplatzes eine Rolle gespielt. Kirche und KonventsbautenDer Grundstein wurde 1631 gelegt. Kriegerische Auseinandersetzungen verzögerten zunächst den Bau und führten 1689 zur Brandschatzung. Der Wiederaufbau war 1694 an der alten Stelle fertiggestellt – anders als an vielen Orten, wo Kapuzinerklöster nach der Zerstörung ins Innere der Stadtmauern verlagert worden waren. Der frühere Zustand ist in Bauzeichnungen festgehalten worden, die im gleichen Duktus gezeichnet und koloriert sind, wie Umbaupläne von 1807, wonach sie als Grundlage für die Planung angefertigt wurden und ihre Entstehung unmittelbar vorausgegangen war. Die Klosterkirche in der üblichen Form aus breitem Langhaus und langgestrecktem Rechteckchor mit Altarraum und Psallierchor lag längs der Straße mit der Chorachse nahezu nach Süden gerichtet. Der Konvent lag rechtsseitig auf der Westseite der Kirche, wie üblich vom Langhausgiebel zurückgesetzt und in einer Flucht mit dem Psallierchor abschließend. Die Pforte lag seitlich des Langhauses und führte direkt zum Innenhof. Sakristei und Refektorium waren im südlichen, an den Chor anstoßenden Flügel untergebracht, daran schloss die Küche in der Südwestecke an. Der Gang um den Innenhof war an drei Seiten offen mit Holzstützen. Die Seite vor dem Refektorium war geschlossen und dem Flügel mit gemauerter Wand und Pultdach vorgelagert. Das Baden-Badener Kapuzinerkloster zeichnet eine Besonderheit aus, denn es hatte eigenes Thermalwasser zur Füllung von zwei, später drei Bäderwannen in einem eingeschossigen Gebäude nördlich des Konvents. Da sich eine Badeeinrichtung nicht mit der kargen Lebensstrenge der Ordensmitglieder vereinbaren ließ, darf vermutet werden, dass die Bäder vornehmlich zum Kurieren von Krankheiten genutzt wurden. Im Unterschied zum üblichen Bauschema der Kapuzinerklöster waren südlicher und nördlicher Konventsflügel ein Stück nach Westen verlängert, sodass der Konvent kein Geviert bildete, sondern etwa die Form eines H hatte, in dessen Obergeschoss die ungewöhnlich große Anzahl von 23 Zellen Platz fand. Eine Begründung hierfür könnte in der zeitweisen Aufnahme erkrankter Ordensmitglieder gesucht werden. Die Heiligsprechung des Kapuzinerbruders Felix von Cantalice gab 1712/13 Anlass zur Errichtung einer Felixkapelle zwischen dem Vorhof der Kirche und dem Badegebäude. Eine weitere Kapelle entstand in Folge der Heiligsprechung des Fidelis von Sigmaringen 1746 als erstem Märtyrer aus den Reihen der Kapuziner. Sie wurde um 1750 mittig an die östliche Längsseite des Langhauses angefügt und trat in den Straßenraum vor. Damals war eine bereits beim Bau des Klosters angelegte Gruft, die wohl unterhalb des Chorraums gesucht werden darf, zwischenzeitlich voll belegt, weshalb man den Bau der Fideliskapelle mit einer neuen Gruft verband. In der Nordwestecke des außergewöhnlich ausgedehnten Gartengeländes lag eine Einsiedelei mit kleinem Kapellenraum und drei Zellen. Begehrlichkeiten nach dem Thermalwasser führten 1807, nur kurze Zeit nach der formalen Aufhebung, zur Auflösung des Klosters. Die Gebeine aus den Grufträumen wurden auf den Friedhof übertragen. Der erfolgreiche Stuttgarter Verleger Johann Friedrich Cotta und sein Teilhaber, der Staatsrechtler Johann Ludwig Klüber, erwarben die Anlage und ließen sie nach Plänen von Friedrich Weinbrenner bis 1809 zu einer Hotelanlage umbauen. Die Anlage galt als erstes Luxushotel Europas. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts erhielt die nach Süden, der Stadt zugekehrte Seite eine repräsentative Fassade mit vorgelegten Halbsäulen und Dachbalustrade. Der zentrale Speisesaal erfuhr einen Funktionswandel zum grandiosen Treppenaufgang. In den frühen 1920er Jahren wurden Süd- und Ostseite durch vorgesetzte Säulenstellungen nobilitiert und mit Freisitzen für die Gästezimmer aller drei Geschosse kombiniert. Nachdem der Baukomplex während des Zweiten Weltkriegs als Lazarett und im Anschluss von der Militärverwaltung genutzt wurde, sollte das Hotel 1949 wieder öffnen, als ein Feuer Teile der zentralen Halle und der Dachwerke zerstörte. Erst nach der Wiederherstellung konnte der Hotelbetrieb 1950 wieder aufgenommen werden. Nach abermaligem Brand 2021 wurde 2023 mit der Wiederherstellung begonnen. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungZum Verbleib der Altäre nach Auflösung des Klosters gibt es unterschiedliche Angaben. Zumindest die beiden Seitenaltäre dürften nach Daxlanden in die Kirche St. Valentin gelangt sein. Dort zeigt der rechte Seitenaltar den Hl. Antonius und oberhalb einen Heiligen in römischer Militärtracht (Hl. Florian?), der linke eine Maria Immaculata auf der Mondsichel und im Aufsatzbild die Hl. Klara. Die Bilder werden um 1760 datiert. Das Altarbild aus der Fideliskapelle mit dem Martyrium des Hl. Fidelis von Sigmaringen befindet sich in der 1963–68 neu erbauten katholischen Pfarrkirche von Ebersteinburg, das von 1829 bis zu seiner Restaurierung in den 1960er Jahren mit einem Hl. Antonius übermalt war.6 Sandsteinerne Figuren der Heiligen Fidelis und Joseph kamen nach Steinbach, wo heute Kopien derselben den Treppenaufgang zum Vorplatz der katholischen Pfarrkirche flankieren. Das 1713 von Markgräfin Sibylla Augusta für die Felixkapelle gestiftete Altarbild mit Motiv des Hl. Felix kam in das Kloster zum Heiligen Grab, von wo es 2003 bei einer Versteigerung eines großen Teils des Inventars veräußert wurde.7 Ein Gemälde mit einer Beweinung Christi von Hans Burgkmair um 1500 hatte sich im Kapuzinerkloster befunden und ist heute Teil der Sammlung der Kunsthalle in Karlsruhe. BibliographieHandbücher und Lexika: DI 78 (Ilas Bartusch); KB Baden-Baden, S. 123 f. (Kurt Andermann); KDM Bd. 11,1, S. 155–165 (Emil Lacroix/Peter Hirschfeld/Heinrich Niester); kloester-bw, Kapuzinerkloster Baden-Baden (Kurt Andermann). Literatur: Reinfried 1900; Lenz 1931; 1939; 1940; Müller 1978 (e); Manz 1979, S. 35–39. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
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