Gottesaue, Benediktiner
| Kurzbeschreibung: | 1094 Gründung – 1525 Zerstörung der Klosteranlage – 1557 Tod des letzten Mönchs – 1631–1644 vorübergehende Wiederbesiedlung durch Benediktiner Patrozinium: MariaOrdensgliederung: 1458 Bursfelder KongregationKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes bei St. German und Moritz, Landkapitel Durlach |
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| Beschreibung: | Name: Godeshowa (1110);1 abbati et conventui monasterii de Goddesowe ordinis sancti Benedicti (1239);2 Gotzawe (1275);3 Gotsagia (1294);4 Gotzau (1359);5 Augia Dei (1499);6 Gotteßauwe (1527)7 GeschichteHistorische EntwicklungDie Benediktinerabtei Gottesaue erhielt ihren Namen nach ihrer Lage in den Rheinauen, wo sie zu Füßen der Burg ihres Gründers Graf Bertholds I. von Hohenberg († 1110), dem heutigen Turmberg bei Durlach, angelegt wurde. Eine nicht ganz fehlerfreie Abschrift der verschollenen Klosterannalen und des Gottesauer Nekrologs aus dem 17. Jahrhunderts berichtet, wie Graf Berthold im Jahr 1094 das Kloster Gottesaue gegründet habe und als Mönch im Kloster verstarb.8 Diese sehr spät überlieferten Nachrichten sind durchaus glaubwürdig, denn noch im gleichen Jahr 1110 setzt die urkundliche Überlieferung Gottesaues ein, die den Gründungsvorgang mit einer bedeutenden Urkunde König Heinrichs V. (1106–1125) bestätigt.9 Demnach hatte Graf Berthold von Hohenberg das Benediktinerkloster mit auskömmlichem Besitz in 14 Orten der näheren Umgebung ausgestattet. Berthold war damals Graf im Pfinzgau. Die Grafenburg Hohenberg hatte er im späten 11. Jahrhundert auf der Gemarkung von Grötzingen offenbar selbst errichtet. Die Nähe Bertholds zu der von Kloster Hirsau ausgehenden monastischen Reformbewegung wird mit der Weihe der Gottesauer Klosterkirche 1103 deutlich, die auf Betreiben Bertholds nicht der Speyerer Bischof als zuständiger Ordinarius, sondern Bischof Gebhard von Konstanz (1084–1110) vornahm, der früher selbst Mönch in Hirsau gewesen war. Zudem war der erste Abt Gebhard, der aus Hirsau nach Gottesaue kam, ein Verwandter Bertholds. Der Gründungskonvent dürfte größtenteils aus dem Mutterkloster Hirsau nach Gottesaue gekommen sein. Die Reformbestrebungen im benediktinischen Mönchtum brachten die Hirsauer jedenfalls mit nach Gottesaue, wo die Mönche ihre Klosteranlage und nähere Umgebung durch Rodung der Auwälder und Landesausbau nachhaltig gestalteten.10 Anhand der Hirsauer Überlieferung wird bekannt, dass Gottesaue in seiner Frühzeit engstens mit seinem Mutterkloster zusammenhing. Die Gottesauer Äbte des 12. Jahrhunderts kamen ausnahmslos aus Hirsau.11 Für die nachfolgenden eineinhalb Jahrhunderte sind kaum Schriftzeugnisse vorhanden. War die Anfangszeit geprägt von dem Einfluss Hirsaus, so wird dessen rascher Bedeutungsschwund bald ebenso für Gottesaue spürbar. Auch dieses Kloster fiel nach seiner Aufsehen erregenden Gründungsphase zurück in eine Art lethargischer Provinzialität. Doch zeigt sich gegen Ende des Hochmittelalters die klösterliche Grundherrschaft gefestigt und verweist in ihrer Ausdehnung auf eine beträchtliche wirtschaftliche Grundlage der Abtei. Als Klostervögte treten ab der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts die Markgrafen von Baden in den Vordergrund. Mit ihrer Dienstmannschaft gehörten sie jetzt zu den bedeutenden Förderern des Klosters.12 Im frühen 14. Jahrhundert beginnen sich die Nachrichten über den wirtschaftlichen Niedergang der Abtei zu häufen, so dass Markgraf Rudolf V. von Baden (1348–1361) die heruntergewirtschaftete Klosterverwaltung einem Konventualen zur Stabilisierung übertrug. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts erhält man erstmals Angaben zur Stärke des damaligen Gottesauer Konvents: Ein Abt, 15 Mönche und etwa 24 Bedienstete (ministri) werden gezählt.13 Die aufwändige Gasthaltung und Pfründnerwirtschaft (hospitalitas) belastete das Kloster damals schwer; der Verfall klösterlicher Ordnung hatte dann um 1400 seinen Höhepunkt erreicht. Gleichzeitig bahnte sich eine grundlegende Veränderung an: Markgraf Bernhard (1372–1431) erwirkte 1406 von Papst Gregor XII. (1406–1415) die Erlaubnis, das Kloster Gottesaue in eine Kartause umzuwandeln.14 Doch es sollte nicht dazu kommen: Die Gottesauer Konventualen wählten umgehend einen neuen Abt, und der Markgraf sah von der Einführung der Kartäuserregel ab. Der im frühen 15. Jahrhundert weithin aufkommende kirchliche Reformwille machte indes auch vor Gottesaue nicht halt: Von der lockeren Pfründnerwirtschaft ist bald keine Rede mehr; schon in den 1420er Jahren wurden die Mönche ganz im Sinne der angehenden Klosterreform zu geistiger Bildung angehalten. Dabei trat das Haus Baden mit seinem herrschaftlichen Einfluss auf die Klosterbelange virulent hervor. Das »landesherrliche Kirchenregiment« war für Gottesaue hier bereits von entscheidender Bedeutung.15 Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts war die Kaufkraft des Klosters bereits wieder beträchtlich, und der Besitzstand erreichte einen letzten Höhepunkt. Der damalige Abt Martin (1475–1485), als eigentlicher Motor des Aufschwungs, stabilisierte nicht nur die Wirtschaft und stellte die Klosterverwaltung auf neue Grundlagen, sondern wirkte auch vielfältig nach außen. Er übernahm Aufträge als päpstlicher Kommissar und markgräflicher Botschafter und ließ sich dabei als »gefürsteter Abt von Gottesaue« bezeichnen.16 Sicherlich hing das geordnete Klosterleben im späten 15. Jahrhundert aber vor allem mit dem Anschluss an die Bursfelder Reformkongregation der Benediktiner zusammen, die 1458 vollzogen wurde, aber in den ersten Jahren nicht problemlos verlaufen war, da sich Markgraf Karl (1453–1475) zunächst nicht angemessen eingebunden sah.17 Trotz des spürbaren Wohlstands der Abtei um die Wende zum 16. Jahrhundert bestand der Gottesauer Konvent nach wie vor nur aus etwa einem Dutzend Mönchen. Bei dem 1495 erhobenen »gemeinen Pfennig« werden in Gottesaue neben Abt und Prior nur neun weitere Fratres gezählt. Daneben werden als Dignitäten bzw. Würdenträger des Kloster damals nur Keller bzw. Großkeller und sporadisch für das 14. und 15. Jahrhundert Küster bekannt.18 Die Einkünfte müssen zu dieser Zeit gleichwohl beträchtlich gewesen sein, wenn die finanzielle Lage auch kurzfristig durch den Streit mit Abt Jakob beeinträchtigt war, der den Schmuck und die Kleinodien des Klosters für seine Reise nach Rom vor den Heiligen Stuhl mitgehen ließ und daraufhin 1509 zur Resignation gezwungen wurde.19 Gottesaue weist sich in den Jahrzehnten vor dem Bauernkrieg jedenfalls als religiöses und wirtschaftliches Zentrum am Oberrhein aus. Die Ausstattung des Klosters, sein geistiges Profil und wirtschaftliches Potential zeigen eine Intensivierung des Klosterlebens an, das im Sinne der spätmittelalterlichen Klosterreform auch große Anziehungskraft auf seine Umgebung ausübte. Als im Frühjahr 1525 der Aufstand des »gemeinen Mannes« am Oberrhein ausbrach, wurde auch das Kloster Gottesaue mehrfach geplündert und verbrannt. Nachdem der Aufruhr niedergeschlagen worden war, kehrte Abt Johannes Trigel mit einigen Mönchen ins Kloster zurück, um sich in den erhalten gebliebenen Gebäuden wieder einzurichten. Auch das Klosterinventar hatte unter den wütenden Bauern sehr gelitten: Archiv und Bibliothek waren geplündert und zum Teil zerstört, Heiligenbilder und Vasa sacra entwendet. Gleichzeitig führte das sich rasch ausbreitende, klosterfeindliche Gedankengut der Reformation gemeinsam mit der verstärkten Einflussnahme des Markgrafen in den folgenden Jahrzehnten zur allmählichen Auflösung des Klosterlebens. Nach dem Tod von Abt Johannes Trigel 1529 wurde kein neuer Abt mehr gewählt, ebenso fand keine Erneuerung des Konvents mehr statt. Der Konventuale Nikolaus Dietz wurde nun vom Markgrafen als Verwalter des Klosters eingesetzt. Die wenigen verbliebenen Klosterinsassen hielten die Ordensregeln nicht mehr und gaben zu vielerlei Beschwerden Anlass. Der letzte Mönch starb 1557. Im Jahr zuvor war die Reformation in Baden-Durlach eingeführt worden, und Markgraf Karl II. (1553–1575) konnte ohne förmliche Aufhebung des Konvents das Klostergut säkularisieren und in seinen Besitz übernehmen. Ab dem Jahr 1588 ließ Markgraf Ernst Friedrich (1564–1604) schließlich auf dem Gottesauer Areal ein Lust- und Jagdschloss erbauen, das bis 1597 größtenteils vollendet gewesen sein dürfte, aber nicht genutzt wurde.20 In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges gab es noch einmal Versuche durch Benediktiner, sich in Gottesaue einzurichten: Nachdem das Restitutionsedikt Kaiser Ferdinands II. (1619–1637) von 1629 verkündet hatte, dass alle Klöster und Güter, die nach dem Passauer Vertrag von 1552 eingezogen worden waren, an die katholische Kirche zurückzugeben seien, wurde auch Gottesaue dem markgräflichen Zugriff wieder entzogen. Die 1631 als Administratoren eingesetzten beiden Benediktinermönche aus Weingarten und Ochsenhausen mussten allerdings schon im Januar 1632 wieder flüchten. Als mit Benedikt Eisenschmidt aus Ochsenhausen 1635 abermals ein Benediktiner im Gottesauer Schloss einzog, sollte hier ein Neuanfang versucht werden, der ebenso Episode blieb. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 wurde im Reich der konfessionelle Zustand von 1624 wiederhergestellt und damit auch die Restitution des Klosters rückgängig gemacht. Besitz und WirtschaftDie reiche Gründungsausstattung von Gottesaue zeigt mit Besitz in 14 umliegenden Orten das großzügige Stiftungsgut seines Gründers, Graf Berthold von Hohenberg, an: Das Kloster sollte damit über einen weitgehend geschlossenen Bezirk in der Rheinaue verfügen, der noch konkret nachvollziehbar ist. Die Mönche sollten diesen durch Rodungen und Ansiedlung weiter ausgestalten. Auch der Eigenbau der Mönche wird in der Frühzeit des Klosters beispielhaft greifbar. Die päpstliche Besitzbestätigung von 1261 nennt dann bereits 26 Orte, an denen das Kloster Besitz hatte, mit einem Schwerpunkt am östlichen Rheinhochgestade, darunter drei Dorfherrschaften.21 Gegenüber dem ursprünglichen Ausstattungsbesitz hatte inzwischen eine beträchtliche Erweiterung der klösterlichen Grundherrschaft stattgefunden, die zum Teil auf Schenkungen und Kauf, zum Teil auf Rodungs- und Siedlungstätigkeit des Gottesauer Konvents beruhte. Ab dem 14. Jahrhundert wurden die Gottesauer Güter weitestgehend verpachtet; im Kloster selbst wird dann auch weltliches Personal greifbar. Bedingt durch die wirtschaftliche Krise, die ab der Mitte des 14. Jahrhunderts für Gottesaue greifbar wird, sollte die Vergabe von Pfründen an Laien dem Kloster zusätzliche Einnahmen sichern. Auch dank der markgräflichen Unterstützung gelang bald die wirtschaftliche Stabilisierung, die mit den gesteigerten Reformansprüchen der Benediktiner im deutschen Südwesten einherging.22 Im frühen 15. Jahrhundert werden dann auch Versuche zur Rückkehr vom Pachtsystem zum Eigenbau des Klosters mit örtlichen Knechten deutlich. Überschüsse aus der klösterlichen Landwirtschaft und deren Vermarktung werden hingegen kaum greifbar. Im späteren 15. Jahrhundert erscheinen wieder vermehrt Rodungen des Klosters, die neben zahlreichen Wüstungszeugnissen für die Orte in der Umgebung stehen und die Konsolidierung der Klosterwirtschaft anzeigen.23 Vom Kloster ging wieder eine aktive Gestaltung seiner Umwelt aus, mit Rodungen, Ausdehnung der Landnutzung und intensivierter Bewirtschaftung der Ackerfluren. Besonders bemerkenswert sind im Gottesauer Umfeld die Flussbauarbeiten am Rhein, die versuchten, dem sich ständig verändernden Flusslauf entgegenzuwirken und die klösterlichen Siedlungen und Wirtschaftsflächen möglichst zu erhalten. Das älteste Gesamturbar des Klosters von 1482 nennt Besitzungen in 20 Orten und zeigt für die vorangegangenen zwei Jahrhunderte eine starke Besitzfluktuation an.24 Gegenüber dem Besitzstand von 1261 kann von einer Konzentration der Güter und Rechte des Klosters gesprochen werden. Die jetzt greifbare wirtschaftliche Blüte ging mit einer geistigen einher, bis die Vertreibung des Konvents im Bauernkrieg und die teilweise Zerstörung der Klosteranlage 1525 hier eine scharfe Zäsur markierten. Danach kann von einer austräglichen Klosterwirtschaft nicht mehr die Rede sein. Mit der Auflösung des Klosters wurde der Gottesauer Besitz ab 1555 unter markgräfliche Verwaltung gezogen.25 Religiöses und kulturelles WirkenAusgehend von der inzwischen verschwundenen Klosteranlage und ihrer zumindest teilweise rekonstruierbaren Ausstattung ebenso wie von dem Klosterarchiv und den spärlichen Resten der Klosterbibliothek, erschließt sich das spirituelle Ambiente und das besondere geistige Profil des Konvents nur ansatzweise. Dem Konvent oblag es von Beginn an, sein religiöses Leben am Lob Gottes und der Gebetsfürsorge für seine Stifter und Wohltäter auszurichten, zunächst für die Grafen von Hohenberg, dann vor allem für die Markgrafen von Baden. Die Memoria für den Klosterstifter Graf Berthold I. nahm dabei eine zentrale Stellung ein. Eine universitäre Ausbildung wird bei keinem Gottesauer Konventualen fassbar, ebenso wenig wie eine Klosterschule in Gottesaue.26 Auffällig ist, dass mehrere Gottesauer Äbte von den Markgrafen als Fachleute aus der Verwaltung vermittelt bzw. im Kloster eingesetzt wurden. Es sind weniger die besonderen geistigen Leistungen Gottesauer Konventualen als die wirtschaftlichen Fähigkeiten mancher Äbte, welche das Profil des Konvents im späten Mittelalter vermitteln.27 Die bedeutende Blüte, die das religiöse und kulturelle Wirken des Gottesauer Konvents mit der spätmittelalterlichen Klosterreform entfaltete, erhält durch die umfassende Altar- und Kirchweihe der Klosteranlage 1485 besonderen Ausdruck.28 Sie zeigt nicht nur den repräsentativen Abschluss längerfristiger Bautätigkeiten an, sondern betont auch den Gnadenschatz des Klosters und dessen Wundermächtigkeit.29 Dies unterstreicht die Bedeutung Gottesaues als religiöses Zentrum für seine Umgebung. Die Klosteruntertanen aus den benachbarten Dörfern besuchten Gottesaue an bestimmten Feiertagen. Die Gottesauer Kirchweihe wurde jährlich am 25. September, die Weihe der 1485 neu eingeweihten Kapelle am Sonntag nach dem 11. November gefeiert.30 Jahrtagsfeiern des Konvents für seine Stifter und Wohltäter sind nur vereinzelt bekannt. Von nachhaltiger Bedeutung war das Erbbegräbnis der Familie von Rüppurr, das im Kapitelsaal des Klosters gepflegt wurde. Ein beispielhafter Eindruck von der liturgischen Praxis in Gottesaue wird durch etliche liturgische Fragmente vermittelt, welche die feierliche Gestaltung des Gottesdienstes ebenso anzeigen wie die Vernetzungen der reformorientierten Benediktinerkonvente. Eine besondere Nähe bestand auch im ausgehenden Mittelalter wieder zwischen Gottesaue und seinem Mutterkloster Hirsau. Die gegenseitige Verbrüderung wurde 1521 erneuert.31 Auch mit den Benediktinerinnen im unweit gelegenen Kloster →Frauenalb wurden enge Beziehungen gepflegt. Die Frauenalber Nonnen kamen regelmäßig zur Kirchweih nach Gottesaue. Bei der Profess der Frauenalber Nonne Katharina Röder von Rodeck im November 1515 war Abt Johannes Trigel von Gottesaue in Frauenalb präsent, was seine engen Beziehungen zum Frauenalber Konvent unterstreicht.32 Durch vier dem Kloster Gottesaue inkorporierte Pfarreien in der Umgebung wirkten die Gottesauer Mönche in der Seelsorge für die Kirchengemeinden auf dem Land. Mit der Auflösung des Konvents nach 1525 war auch die Besetzung der Pfarreien zum Teil vakant bzw. umstritten, zumal einige der Gottesauer Vikare die Reformation angenommen und geheiratet hatten.33 Bibliothek und ArchivDie verstreuten und zum Teil verlorenen Bestände des Gottesauer Klosterarchivs und die nur vereinzelt erhaltenen Bände aus der Klosterbibliothek unterrichten über das Gottesauer Skriptorium und die Studien der Mönche nur beispielhaft. Deutlich wird, dass mit der benediktinischen Klosterreform und dem Anschluss Gottesaues an die Bursfelder Kongregation die verstärkte geistige Beschäftigung mit der Pflege von Bibliothek und Archiv im späteren 15. Jahrhundert einherging. Ein Skriptorium in Gottesaue ist nur sporadisch greifbar, von einer eigenen Buchbinderei vor Ort ist jedenfalls auszugehen. Wenn – bis auf wenige Äbte – auch keine Schreibermönche namentlich bekannt werden, so ist vor allem anhand liturgischer Fragmente und archivalischer Zeugnisse von einer gediegenen Schreibtätigkeit in Gottesaue gerade für die Jahrzehnte um 1500 auszugehen. Besonders die pragmatische Schriftkultur stand damals auf beachtlichem Niveau. Jedenfalls fünf Inkunabeln und einige Frühdrucke zeugen mit ihren handschriftlichen Anmerkungen auch von der Lektüre und Bearbeitung der Texte im Kloster. Die überlieferten Beispiele decken immerhin bereits die Bereiche Theologie, Philosophie und Jurisprudenz ab. Ein bemerkenswerter Neufund in der Stadtbibliothek in Szeged (Ungarn)34, eine Inkunabel der Legenda aurea, die 1482 in Straßburg gedruckt wurde, stammt ebenfalls aus Gottesaue. Sie wurde dem Kloster 1506 von Conrad Schlosser, dem Bruder des damaligen Abtes Jacob, geschenkt. Etliche Makulaturfragmente in den Gottesauer Bänden lassen beispielhaft auch die Erstausstattung des Klosters ansprechen, die über das Mutterkloster Hirsau erfolgt war und auch weitere Informationen für die Hirsauer Bibliotheksgeschichte anbieten kann. Nach der Auflösung Gottesaues wurden Teile seiner Bibliothek offenbar über die badischen Markgrafen zur Ausstattung des →Jesuitenkollegs in Baden-Baden vermittelt. Mit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurde die Büchersammlung des Kollegs vom Lyceum in Baden-Baden übernommen und 1808 nach Rastatt überführt, wo sie sich heute größtenteils unter den Beständen der Historischen Bibliothek Rastatt wiederfinden lässt.35 Die Archivgeschichte von Gottesaue ist ausführlich untersucht: Nach einer Zeit der Verwahrlosung des Klosterarchivs wurden die Dokumente im späten 15. Jahrhundert wieder sorgfältiger gepflegt, die schriftliche Verwaltung wurde ausgebaut und differenziert eingesetzt. Der damalige Abt Martin (1475–1485) ist als eigentlicher Motor der neu aufblühenden Schriftkultur Gottesaues anzusprechen: Neufassungen des Nekrologs und der Klosterannalen ebenso wie eigenhändige Vermerke zur Schriftgutverwaltung zeigen seinen reforminspirierten Impetus. Es ist davon auszugehen, dass das Gottesauer Archiv zum Zeitpunkt seiner Auflösung im frühen 16. Jahrhundert mehrere hundert Pergamenturkunden, zahlreiche Amtsbücher und umfangreiche Papierakten umfasste. Ausgehend von der Urkundenüberlieferung wird noch nach 1629 eine Verlustrate von etwa 25 % deutlich.36 Immerhin können heute noch etwa 150 Gottesauer Urkunden zusammengeführt werden.37 Mit den Verwüstungen durch die aufständischen Bauern waren auch Teile des Klosterarchivs und der Bibliothek verschleppt und vernichtet worden. Daran anschließend haben sich nurmehr sporadische Schriftzeugnisse aus der Klosterverwaltung erhalten. Durch die Aufhebung von Gottesaue wurden die Restbestände des Klosterarchivs entsprechend der Besitznachfolge größtenteils in das markgräflich-badische Archiv übernommen. Mit der sporadischen Wiederbelebung des Klosters durch Benediktinermönche während des Dreißigjährigen Krieges wurden etliche ältere Schriftstücke wieder vor Ort gesammelt und dann in das Benediktinerkloster Ochsenhausen überführt, von wo sie erst 1791 wieder nach Baden übergeben und ins markgräfliche Archiv zurückgeordnet wurden. Bau- und KunstgeschichteLageDie ehemalige Klosteranlage von Gottesaue befand sich im heutigen Zentrum von Karlsruhe (heute: Schloss Gottesaue). Kirche und KonventsbautenVon der Klosteranlage selbst ist heute nichts mehr erhalten, allein die zeitgenössischen Quellen und wenige archäologische Befunde liefern Informationen zur Baugeschichte. Überträgt man die hier vermittelten Informationen auf den Grundrissplan einer Klosteranlage nach dem »Hirsauer Schema«, der nach allen Indizien mit dem Gottesauer Befund vergleichbar sein dürfte, so wird man sich die verschwundene Gottesauer Klosterkirche als dreischiffige Basilika mit Querhaus und Westwerk vorstellen dürfte, die als »Adelskirche« am Stiftergrab Bertholds von Hohenberg orientiert war. Das Stiftergrab (Abb. 2) lag an der vornehmsten Stelle, unter der Vierung; die eindrucksvolle Grabplatte aus dem späten 14. Jahrhundert deckte ein Hochgrab und ist erhalten geblieben. Anhand späterer Schriftzeugnisse und archäologischer Befunde lässt sich eine weiträumige Klosteranlage erschließen, die neben der Kirche und den doppelstöckigen Klausurbauten mit zahlreichen Wohn- und Gästekammern, Badstube, Siechstube, Küche und großem Saal noch etliche weitere Gebäude aufwies. Mit der umfassenden Altar- und Kirchweihe von 1485 werden der Bau einer neuen Kapelle und eine weitere Ausstattung der Kirche mit Reliquien und Andachtsbildern ersichtlich. Diese neue Kapelle erhielt damals einen Altar der Hl. Maria und der 14 Hll. Nothelfer, wenig später wurde die Holzplastik einer lebensgroßen Mutter Gottes auf der Mondsichel im Kloster aufgestellt, gefertigt von einem unbekannten oberrheinischen Meister zu Beginn des 16. Jahrhunderts (Abb. 6).38 Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungAls eindrucksvolle Zeugnisse des von den Gottesauer Mönchen geübten Totengedenkens sind auch etliche Grabsteine aus dem 14. bis 16. Jahrhundert erhalten geblieben. Von der übrigen Ausstattung ist indes nur Weniges bekannt. Dazu gehört die angesprochene Figur der Mutter Gottes, die sich seit 1653 in der Drei-Eichen-Kapelle bei Baden-Baden befindet. Auch sollen eine kleine Holzplastik des Hl. Nikolaus aus dem 14. Jahrhundert sowie ein mächtiger spätgotischer Flügelaltar aus dem Jahre 1523, die heute in der Michaelskirche von Beiertheim, einem ehemaligen Klosterort, stehen, laut örtlicher Tradition aus Gottesaue stammen (Abb. 3). Der Flügelaltar ist der Mutter Gottes geweiht und zeigt mit seinen Holzfiguren und Bildtafeln neben Maria eine Reihe von Hll. Nothelfern, die in Gottesaue besonders verehrt wurden. In der Michaelskirche von Rußheim (Landkreis Karlsruhe) ist ein vergoldeter Kelch mit zugehöriger Patene erhalten, der 1523 von dem Gottesauer Mönch Johannes Wester gestiftet worden war (Abb. 5).39 Wester diente als Gottesauer Vikar im nahe gelegenen Eggenstein, wo er 1538 beerdigt wurde und wofür seine Stiftung ursprünglich wohl auch vorgesehen war. Nach dem Dreißigjährigen Krieg diente das Gottesauer Gelände mit dem mehrfach zerstörten Schloss an der Stelle des verschwundenen Benediktinerklosters als markgräfliches Kammergut, bevor 1818–1919 im Schloss eine Kaserne eingerichtet wurde. In den 1920er und 1930er Jahren wurde das Gottesauer Gelände verschiedenen staatlichen und kommunalen Nutzungen zugeführt, das Schloss selbst durch den Bombenangriff vom Juli 1944 weitgehend zerstört. Sein Wiederaufbau ab 1977 und seine heutige Nutzung für die Staatliche Hochschule für Musik im Herzen von Karlsruhe stehen am vorläufigen Ende der bewegten Geschichte von Gottesaue. BibliographieQuellen: Rückert 2000. Handbücher und Lexika: DI 20 (Annelise Seeliger-Zeiss); GermBen V, S. 253–260 (Günther Haselier); kloester-bw, Benediktinerabtei Gottesaue (Peter Rückert). Literatur: Rückert 1994; 1995; Schwarzmaier 1995 (a); Wiese 1995; Rückert 2020; 2021. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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