Mannheim, Unbeschuhte Karmeliten
| Kurzbeschreibung: | 1736 Gründung als hospitium und Filiale von Heidelberg – 1766 Erhebung zum Kloster – 1802 Aufhebung – 1944 Zerstörung der Anlage Patrozinium: Heilige DreifaltigkeitOrdensgliederung: Deutsche Provinz, ab 1740 Kölner ProvinzKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Heidelberg |
|---|---|
| Ortsbezüge: |
|
| Ordensregel: |
|
| Beschreibung: | Name: Carmeliten discalceaten (1766);1 baarfüssige Carmeliter (1776)2 GeschichteAls die reformierte Kurpfalz 1685 an die katholische Linie Pfalz-Neuburg fiel, förderte diese gezielt die Ansiedlung geistlicher Orden in dem Territorium. Die Unbeschuhten Karmeliten hatten bereits 1701 ein Kloster in →Heidelberg gegründet und bemühten sich seit dem Umzug der Residenz nach Mannheim darum, Kurfürst Karl Philipp (1716–1742) zu folgen. 1728 wurde ihre Bitte um Niederlassung noch abgelehnt, da man befürchtete, neben den bereits ansässigen →Kapuzinern könne sich ein weiterer Bettelorden nicht halten. 1736 wurden die Karmeliten schließlich in Mannheim zugelassen. Finanziell wurden sie beim Kauf der Liegenschaft von kurfürstlicher Seite unterstützt sowie durch Bürgschaften für einen Kredit von den Klöstern in Köln, Würzburg, Koblenz und Heidelberg. Dem Orden wurde nur ein hospitium mit drei Patres und einem Laienbruder als Filialniederlassung des Heidelberger Klosters gewährt, mit einem vicarius als Vorsteher, der dem Heidelberger Prior unterstand. Die Niederlassung wurde 1742 zunächst um zwei Patres und danach weiter vergrößert, sodass sich bis 1766 insgesamt sechs Priester und zwei Laienbrüder nachweisen lassen. 1766 genehmigte Kurfürst Karl Theodor (1742–1799) – nach Fürsprache seiner Tante Ernestine Elisabeth Johanna von Pfalz-Sulzbach, Priorin des Karmelitinnenklosters in Neuburg an der Donau – die Umwandlung des Hospizes in ein Kloster mit insgesamt zwölf Patres und einem Prior statt einem Vikar. Gleich zu Beginn ihrer Ansiedlung konnten die Mannheimer Karmeliten durch die Vermietung einer Hälfte ihres Anwesens Einnahmen generieren, die jedoch wegfielen, als der Konvent 1766 mehr Platz für die zusätzlichen Patres benötigte. Weitere Einnahmequellen waren neben Zuwendungen des Kurfürsten etwa ein Landgut im linksrheinischen Freinsheim, das sich Mannheimer und Heidelberger Karmeliten seit 1744 aus einer Erbschaft teilten. 1755 erwarben die Mannheimer die andere Hälfte vom Heidelberger Konvent. 1798 verloren sie das Gut infolge der linksrheinischen Besetzung durch Frankreich. Die Beziehung zwischen den Karmeliten und den Pfalzgrafen war in der Kurpfalz schon seit der späteren Kaiserin Eleonore Magdalena (1676–1720) eng und äußerte sich etwa in der Heidelberger Josephsbruderschaft, in der unter anderem die Kurfürsten Karl Philip und Karl Theodor Mitglieder waren. Letzterer erhob St. Joseph 1753 zum Schutzpatron der Kurpfalz und vertiefte damit diese Bindung. Der Prior des Klosters Augustinus a S. Philippo († 1803) war Beichtvater Josepha Seyfferts (1747–1771), der späteren Gräfin von Heydeck und Mätresse Karl Theodors.3 Sie wurde nach ihrem Tod in der Kapelle des Klosters bestattet. Zudem soll der Prior gemeinsam mit anderen eine Kasse verwaltet haben, über die Gelder, etwa aus Ämterkäufen, an den Kurfürsten und seine Mätresse geflossen sind.4 Karl Theodor ließ gegen eine Stiftung in der Karmelitenkirche Messen für sein Seelenheil lesen. Am 11. Februar 1802 erfolgte die Auflösung des Klosters. Die verbliebenen Karmeliten siedelten in die Konvente in Heidelberg und Würzburg über. Informationen über ein Archiv oder eine Bibliothek der Mannheimer Karmeliten liegen nicht vor. Bau- und KunstgeschichteLageDie Karmeliten erwarben 1736 das in der Stadterweiterung Friedrichsburg erbaute Haus des Leibarztes Johann Franz Jungwirth und die von diesem 1722 gestiftete, angrenzende Dreifaltigkeitskapelle. Sie standen am Westrand des Quadrats L 3, 1 und 2 (früher 101 bzw. A 7) gegenüber dem Ostflügel des kurpfälzischen Schlosses. Nach Jungwirths Tod war das Anwesen 1733 den Kapuzinern überlassen worden, die aber rasch ein größeres Grundstück zum Klosterbau erwarben. Für das hospitium der Karmeliten waren die Gebäude ausreichend. 1740 finanzierte Kurfürst Karl Theodor den Einbau der Zellen. Kirche und KonventsbautenDas Mannheimer Karmelitenkloster ist ein charakteristisches, seltenes Beispiel für eine provisorisch eingerichtete, nie ausgebaute Klosteranlage. Seine Baugestalt ist nur durch wenige Pläne überliefert; Ansichten und Fotos existieren erst aus dem 19. Jahrhundert. In der Außenerscheinung wurden das ältere Wohnhaus und dessen Kapelle unverändert weitergenutzt. Das eingeschossige, wohl aus zwei Teilen bestehende, unterkellerte Haus war ungegliedert und schmucklos. Es wies immerhin 15 Fensterachsen auf; vor der mittigen Eingangstür befand sich eine zweiläufige Freitreppe. Die Zellen waren wohl im ersten Stock des Mansarddachs untergebracht. Hof und Garten reichten bis an den Ostrand des Quadrats. Zwei kurze Querflügel schlossen den Hof im Süden und Norden ab. Die 1724 mit drei Altären geweihte, nach Süden ausgerichtete Kapelle war von außen lediglich durch den Dachreiter als Sakralraum erkennbar, wie auch die benachbarte Kirche der →Augustinerchorfrauen. Die Kapelle setzte mit rechteckigem Grundriss das Wohnhaus straßenseitig bis zum Südrand des Quadrats fort. Sie wies große, rechteckige Fenster auf, war zehn Achsen lang, zwei breit. In der straßenseitigen Westwand öffnete sich das Kirchenportal. Der Dachreiter auf dem abgewalmten Satteldach nahm zwei, später drei kleine Glocken auf. Nach Osten hin schloss ein niedriger Querflügel an ihre Südflucht an. Bei der Visitation 1744 waren der Hochaltar der Hl. Dreifaltigkeit, der rechte Altar der Hl. Maria und der linke dem Hl. Johann Nepomuk geweiht; die Karmeliten hatten also lediglich das Patrozinium des rechten Altars zugunsten ihrer Ordenspatronin verändert. Nach der Erhebung zum Priorat 1766 plante der Konvent, wie aus einem Schreiben von 1776 an den Kurfürsten hervorgeht,5 einen Kirchenneubau durch den Hofarchitekten Nicolas de Pigage. Die neue Kirche hätte auch den Neubau einer Klausur erfordert, so dass der Konvent die Hofkammer bat, das südwestliche Eckgrundstück des Quadrats erwerben zu können. Der Neubau kam jedoch nicht zustande, gezeichnete Pläne sind nicht überliefert. 1804 wurde eine Tabakfabrik in den Gebäuden eingerichtet, ab 1819 dienten sie als Mädchenschule (Großherzogliches Fräulein-Institut), nachfolgend durch Neubauten ergänzt; 1944 kriegszerstört. Materielle Kulturgeschichte, BauausstattungDie liturgische Ausstattung der Kirche scheint verloren zu sein. Überliefert sind die Weihe einer kleinen Glocke 1770, eines Portatile 1739 und je eines Kelchs mit Patene 1745 und 1757. Sarkophag und Epitaph der zunächst hier beigesetzten Josefa Seyffert, Gräfin von Heydeck († 1771), Mätresse des Kurfürsten, gelangten nach 1778 in die Schlosskapelle Zwingenberg am Neckar. BibliographieQuellen: Stengel 1993; Maesel 1998. Handbücher und Lexika: KB Heidelberg/Mannheim Bd. 3, S. 70 f. (Hildegard Schaab); KDM Bd. 10,1, S. 551 f. (Hans Huth); kloester-bw, Karmeliterkloster Mannheim (Nicole Priesching). Literatur: Heber 1986, S. 199 f.; Albert/Saltin 2009, S. 424–430. Anmerkungen |
| Objekttyp: | Konvent |
| Personenbezüge: |
|
Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
|---|






leobw