Mannheim, Kapuziner 

Kurzbeschreibung:

1685–1689 Berufung von Kapuzinern nach Mannheim ohne eigene Klostergründung – 1698 Gründung des Kapuzinerklosters – nach 1799 allmähliches Erlöschen des Konvents nach dem Verbot der Aufnahme von Novizen – 1832 formale Aufhebung – 1839 Abbruch der Klostergebäude

Patrozinium: Rochus, Franziskus, Antonius von Padua
Ordensgliederung: Rheinische Provinz
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Heidelberg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Kapuziner 1685-1839
Beschreibung:

Name: de conventu Mannheimensi (1750);1 Capuciner zu Mannheim (1751)2

Geschichte

Die Ansiedlung der Kapuziner steht in engem Zusammenhang mit dem Herrschaftsantritt der katholischen Linie Pfalz-Neuburg in der bis dato von Reformierten dominierten Kurpfalz im Jahr 1685. Noch im gleichen Jahr rief Kurfürst Philipp Wilhelm (1685–1690) Kapuzinermönche aus →Ladenburg in die Stadt. Die Gründung eines eigenen Klosters wurde jedoch durch die völlige Zerstörung der Stadt und die Vertreibung der Bevölkerung im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 verhindert. Im Zuge des Wiederaufbaus ab 1698 schenkte Kurfürst Johann Wilhelm (1690–1716) den aufs Neue in die Stadt gerufenen Kapuzinern ein großes Grundstück am Stadtrand zur Gründung einer eigenen Niederlassung. 1704 konnte der erste Gottesdienst in der neuen Kirche gefeiert werden, am 26. Dezember 1706 schließlich wurde sie feierlich geweiht. Bis 1710 blieb die Kapuzinerkirche das einzige katholische Gotteshaus in Mannheim, in dem daher auch die Pfarrgottesdienste stattfanden. Dabei hatten die Kapuziner zunächst auch die Pfarrseelsorge in Mannheim innegehabt, ehe Ende 1701 mit der Wiedererrichtung der katholischen Pfarrei ein Weltgeistlicher diese Aufgabe übernehmen konnte.

Die Kapuziner widmeten sich vor allem der Armen- sowie der Militärseelsorge. Nach der Verlegung von Hof und Regierung nach Mannheim im Jahr 1720 und dem damit bedingten Zuzug zahlreicher Katholiken wurde der Konvent personell von ursprünglich knapp einem Dutzend auf rund 40 Priester und Brüder aufgestockt. Zusammen mit den →Jesuiten waren die Kapuziner zahlenmäßig das größte Kloster in der neuen Hauptstadt der Kurpfalz. Bald erwies sich ihre Kirche als zu klein, so dass für die Garnison 1737 bis 1739 ein eigenes Gotteshaus errichtet wurde. Gleich mehrere Patres fungierten hier als Soldaten- und auch als Krankenprediger, wodurch der Orden zusätzliche Einnahmen erhielt. Mit der Pfarrkuratie im 1749 errichteten Zucht- und Waisenhaus im Quadrat Q 6 kam dem Orden eine weitere Aufgabe zu. Die dortige St. Michaelskirche war ausschließlich für Katholiken vorgesehen, was die Kapuziner mit ihren Predigten, Andachten und Gottesdiensten intensiv nutzten.

Dabei galt ihr Fokus als Bettelorden nach wie vor der Armenseelsorge, der sie mit Predigten und geistlichen Handlungen in ihrer Kirche, aber auch auf dem Klostervorplatz nachkamen. Darüber hinaus widmeten sich die Ordensmitglieder auch der Mission, wenngleich sie nicht so offensiv wie die Jesuiten auftraten.

1773, nach dem Verbot des Jesuitenordens, übernahmen die Kapuziner Ämter als Hofprediger, -beichtväter und -seelsorger – eine besondere Anerkennung durch den Landesherrn und gleichsam ein Beleg ihres Einflusses. Zuvor war der Orden bereits für die Abhaltung der Gottesdienste in der Schlosskirche zuständig gewesen.

Nach dem Wegzug des Hofes 1778 wurde die Situation in Mannheim schwieriger. Das Ende des 18. Jahrhunderts erlebte das Kloster im Niedergang, das binnen zwei Jahrzehnten die Hälfte seiner Mitglieder verlor.

In dieser Situation setzte Pfalzbayern unter dem neuen Kurfürsten Max Josef (1799–1825) ab 1799 neue Akzente in der Religionspolitik. Diese zielte unter anderem auf die Aufhebung der Klöster, was im Falle der Kapuziner in Mannheim aufgrund der zu erwartenden Pensionslasten jedoch unterblieb. Stattdessen suchte die Politik mit dem Verbot, Novizen aufzunehmen, auf ein stilles Ableben des Konvents hinzuwirken. Dies wurde nach 1803 im Wesentlichen auch von der neuen badischen Landesherrschaft übernommen. Der Wegfall der Militärseelsorge 1804 sowie der Betreuung des Zucht- und Waisenhauses 1816 waren da nur folgerichtig und von den wenigen verbliebenen Patres auch nicht mehr leistbar. 1832 erfolgte der Grundsatzbeschluss der Katholischen Kirchensektion im badischen Innenministerium zur Schließung des Klosters. Zu diesem Zeitpunkt lebte mit Carl Anton Wagner (1755–1840) noch ein einzelner Mönch im Kloster. Liegenschaften und Gebäude samt Kirche wurden in der Folge versteigert, die Gebäude 1839 trotz öffentlicher Proteste abgerissen.

Bau- und Kunstgeschichte

Lage

Auf dem Gelände des ehemaligen Militärspitals beim Heidelberger Tor in den heutigen Quadraten N 5 und O 5 erbauten die Kapuziner ab 1700 eine Klosteranlage, die im Wesentlichen vergleichbaren Bauten ihres Ordens andernorts entsprach. Die zentrale Stellung nahm dabei die einschiffige Kirche ein, deren Eingang direkt auf die Klostergasse (die heutige Kunststraße) zulief.

Kirche und Konventsbauten

Das runde Eingangsportal wurde flankiert von zwei liegenden ovalen Fenstern, über ihm das Allianzwappen des Kurfürsten Johann Wilhelm und seiner Ehegattin Anna Maria von Medici – ein Signum der Förderer des Ordens in Mannheim, vergleichbar mit den Stifterwappen andernorts. Drei eingefasste Rundbogenfenster fanden sich in mittlerer Höhe, darüber der Dreiecksgiebel mit einem Auge Gottes. Somit gestaltete sich die Fassade zwar nicht völlig schmucklos, jedoch durchaus zurückgenommen. Seitlich an die Kirche, jedoch etwas nach hinten versetzt schlossen sich die Konventsgebäude an, die sich um einen fast quadratischen Kreuzgang gruppierten und ab 1703 für den Bezug fertig gestellt waren. Die gesamte Klosteranlage war mit einer Mauer umfasst und bestand neben den Gebäuden auch aus einer recht umfangreichen Grünfläche, die vorrangig für Gartenbau genutzt wurde.

Beim direkt vor dem Kloster liegenden (heutigen) Quadrat N 4 blieb die Bebauung zu Gunsten eines kleinen Platzes (Johannesplatz) zurückgesetzt, der in späteren Jahren zu einem »kleinen Paradeplatz« verschönert und um 1735 mit einer Statue des Hl. Nepomuk, gefertigt von Paul Egell, ergänzt wurde.

Der vergleichsweise kleine und bescheidene Klosterbau erfuhr nach der Erhebung Mannheims zur Haupt- und Residenzstadt der Kurpfalz 1720 eine Erweiterung. Ergänzt wurde ein weiterer, parallel zur Eingangsfront stehender Trakt zur Unterbringung weiterer Konventsangehöriger, der sich parallel an den älteren Kreuzgang anschloss, so dass ein zweiter Innenhof entstand. Ebenfalls in Änderung der ursprünglichen Baupläne wurde nun auf der linken Kirchenseite nach hinten versetzt eine Marienkapelle angebaut. Dass Förderung und damit auch die Erweiterung des Klosters im Interesse des Kurfürsten lag, zeigte schließlich die Überlassung weiterer Grünflächen wie des ehemaligen, angrenzenden Militärfriedhofs an der südöstlichen Seite des Quadrats. Somit befand sich das Kapuzinerkloster zwar einerseits am Rande der Stadt, konnte jedoch gleichzeitig über beträchtliche Flächen verfügen. 1751 erfolgte eine weitere Vergrößerung der Kirche in Apsis und Chorraum.

Der Bedeutungsverlust und Niedergang des Ordens im letzten Jahrzehnt spiegelt sich auch in der Klosteranlage wider. 1791 musste auf politischen Druck hin ein Teil des Gartens (der ehemalige Militärfriedhof) an die Landesherrschaft zurückgegeben werden, die hier einen Holzhof einrichtete. Schwer getroffen wurde das Kloster 1795 bei der Beschießung Mannheims durch österreichische Truppen. Insbesondere das Dach war beschädigt, die ganze Anlage galt als einsturzgefährdet, wurde aber noch mal repariert. Zur Disposition stand das Klostergebäude auch bei der Entfestigung Mannheims ab 1799, da es einer Verlängerung der Straße N- und O-Quadraten (heute Kunststraße) wie ein Querriegel im Wege stand. Dennoch wurde von einem Abriss einstweilen abgesehen. Dieser erfolgte schließlich 1839.

Materielle Kulturgeschichte, Bauausstattung

Die große Bedeutung, welche die Kapuziner Mitte des 18. Jahrhunderts in Mannheim hatten, unterstreicht die Ausstattung der Kirche mit dem neuen Hochaltar, um 1760 gefertigt nach einem Entwurf von Lorenzo Quaglio, in dessen Mitte sich, von Säulen und Heiligenstatuen (Hl. Rochus, Hl. Sebastian, Hl. Fidelis von Sigmaringen, Hl. Franz Xaver) umrahmt, ein großflächiges Altarbild mit der Darstellung des Franz von Assisi befand. Teile des Inventars kauften umliegende Kirchengemeinden. So findet sich heute noch der Hochaltar in der Katholischen Pfarrkirche von Neckargerach.

Bibliographie

Quellen: Hierotheus Confluentinus 21750, S. 35.

Handbücher und Lexika: KB Heidelberg/Mannheim Bd. 3, S. 70 f. (Hildegard Schaab); KDM Bd. 10,1, S. 542–550 (Hans Huth); kloester-bw, Kapuzinerkloster Mannheim (Nicole Priesching).

Literatur: Schmid 1983; Albert/Saltin 2009; 2012.

Anmerkungen

  • 1 Hierotheus Confluentinus 2 1750, S. 35.
  • 2 GLA 213 Nr. 1239 (25. 5. 1751)
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Harald Stockert [Autor]
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