Mannheim, Augustinerchorfrauen 

Kurzbeschreibung:

1722 Gründung als Filiale der Augustinerchorfrauen in Heidelberg – 1725 Trennung vom Heidelberger Mutterhaus – 1805 Aufhebung

Patrozinium: Maria, Joseph, Ignatius von Loyola
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Worms, Archidiakonat des Propstes von Neuhausen, Landkapitel Heidelberg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Augustinerchorfrauen 1722-1805
Beschreibung:

Name: closterfrawen von der congregation Unserer Lieben Frawen (1722)1

Geschichte

In Mannheim setzten sich Mitglieder der katholischen Gemeinde Anfang des 18. Jahrhunderts für die Gründung eines Frauenklosters mit einer Schule für die Erziehung und Bildung ihrer Töchter ein. 1717 unterbreitete die Oberin der Ursulinen in Duderstadt ein entsprechendes Angebot, das aber von der kurpfälzischen Regierung abgelehnt wurde, weil sie die Finanzierung nicht gesichert sah. Als Mannheim am 12. April 1720 zur Residenzstadt erhoben wurde, standen die Zeichen für die Gründung eines Klosters mit einer höheren Mädchenschule günstiger. Die Augustinerchorfrauen der Congrégation de Notre-Dame in Heidelberg wandten sich am 13. Mai 1720 an Kurfürst Karl Philipp (1716–1742), der ihnen am 25. Juni die Errichtung einer Mannheimer Filiale genehmigte. Im September erteilte auch der Bischof von Worms, Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1694–1732), seine Zustimmung. Aus Heidelberg sollten drei bis vier, wenn nötig auch mehr Chorfrauen nach Mannheim entsandt werden.

Am 11. April 1722 erwarben die Frauen im heutigen Quadrat L 1 ein Wohnhaus, um es für ihre Zwecke zu nutzen. Ende August 1722 wurden bereits 172 Schülerinnen unterrichtet. 14 wohnten als Pensionärinnen ganz- oder halbtags im Kloster, so dass sie für Kost und Logis zahlen mussten, während der Unterricht entsprechend der Ordensregel unentgeltlich erfolgte. Wegen der finanziellen Belastungen durch die Mannheimer Niederlassung setzte die Oberin des Heidelberger Mutterhauses bereits 1725 die Trennung beider Häuser durch. Im selben Jahr begann der nun selbständige Mannheimer Konvent mit einem Erweiterungsbau. Am 29. September legte der Wormser Weihbischof in Anwesenheit des Kurfürsten den Grundstein der Klosterkirche, die am 30. April 1741 der heiligen Jungfrau Maria, dem heiligen Joseph und dem heiligen Ignatius von Loyola geweiht wurde

Als man 1749 über 250 Schülerinnen zählte, erfreute sich die Klosterschule längst eines hohen Ansehens. Sie wurde von der Stadt Mannheim mit einem jährlichen Zuschuss für den Französischunterricht unterstützt. Kurfürst Karl Theodor (1742–1777) war dem Kloster wohl gesonnen und finanzierte den 1781 begonnenen zweiten Erweiterungsbau. Anlässlich dieser Stiftung legte er die Höchstzahl der Schwestern auf 18 Chor- und sieben Laienschwestern fest. Eine Chorfrau vermachte dem Konvent das frühere von Bloombergsche Freigut bei Oggersheim, das bis 1786 im Klosterbesitz blieb.

Während der Revolutionskriege waren zeitweise österreichische Truppen im Kloster einquartiert. Die Kirche diente als Militärmagazin und der Schulbetrieb musste vorübergehend eingestellt werden. Das Bombardement von 1795 zerstörte Teile der Anlage. Als Mannheim 1803 badisch wurde, zählte das Kloster 14 Schwestern und 241 Schülerinnen, von denen 39 im Konvent wohnten. Obwohl der neue Landesherr, Karl Friedrich von Baden (1738–1811), das Kloster als Lehrinstitut bestätigte und finanzielle Unterstützung zusagte, sah sich der Konvent 1805 aus Alters- und Gesundheitsgründen gezwungen, den Schulbetrieb einzustellen. 300 Schülerinnen mussten auf andere Schulen verteilt werden. Schließlich wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation am 19. August 1805 aufgehoben, während die Schule 1806 zunächst als großherzogliches Lehrinstitut und ab 1809 als katholische Volksschule wiedereröffnet wurde.

Bau- und Kunstgeschichte

Die Keimzelle des Klosters bildete das 1722 von den Augustinerchorfrauen erworbene Wohnhaus im heutigen Quadrat L 1. Es stammte aus der Zeit des 1697 beschlossenen Wiederaufbaus Mannheims nach der Zerstörung im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Die baulichen Erweiterungen in den Jahren 1725 bis 1727 und 1781 bis 1784 schufen aus dem ursprünglich kleinen und bescheidenen Konvent einen stattlichen Klosterbau, der einen Großteil des Quadrats einnahm. In städtebaulicher Hinsicht zeichnete sich das Kloster durch seine exponierte Lage gegenüber dem Schloss und an der zentralen Nord-Süd-Achse der Stadt, der heutigen Breiten Straße, aus. Während der Name des Architekten der ersten Erweiterung unbekannt geblieben ist, lässt sich die zweite Ausbauphase auf Oberbaudirektor Nicolas de Pigage zurückführen, den Kurfürst Karl Theodor 1781 mit der Planung beauftragte. Der barocke Bau präsentierte sich als vergleichsweise einfacher, aber dennoch repräsentativer zweigeschossiger Gebäudekomplex mit Ohrenrahmenfenstern, hohen Satteldächern und einem Dachreiter über der Mittelachse des Hauptflügels. Großen Wert hatte Pigage auf die Gestaltung der bereits dem Klassizismus zuzuordnenden Portale gelegt.

Die auf die Bauzeit von 1725 bis 1727 zurückgehende Kirche stand längs zur Breiten Straße, ohne dass sie von den übrigen Klosterbauten äußerlich zu unterscheiden gewesen wäre. Den Kirchenraum schmückte ein 1726 datiertes Deckengemälde von Quirino Antonio Giorgioli, das die Auferstehung Christi sowie eine Szene aus dem Leben des Hl. Augustinus und den Tod Josephs darstellte.

Die Kirche wurde Ende 1898 profaniert und ging an die Stadt über. Danach wurde sie zunächst als stadtgeschichtliches Museum, dann als Ausstellungsraum des Kunstvereins genutzt. In diesem Zusammenhang wurden 1904 die Altäre und andere Ausstattungsstücke auf verschiedene Orte verteilt. Vom ehemaligen Hochaltar, 1741 dem Heiligen Herz Jesu und dem heiligen Antonius geweiht, befindet sich heute das Altarblatt mit der Darstellung der Dreieinigkeit im nördlichen Querhausflügel der Jesuitenkirche. Es ist ein 1735 datiertes Werk des Stifters Johann Philipp van der Schlichten.

In der Kirche wurden neben den Chorfrauen auch Bürgerinnen und Bürger bestattet. Das heute in der Heilig-Geist-Kirche befindliche Grabmal von Ursula Gräfin von St. Martin ist ein Werk von Peter Anton von Verschaffelt, dem Vater der 1780 Verstorbenen.

Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden die Ruinen des früheren Klosters vollständig abgebrochen.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: KB Heidelberg/Mannheim, Bd. 3, S.  70 (Hildegard Schaab); KDM Bd. 10,1, S. 553–561 (Hans Huth); kloester-bw, Augustiner-Chorfrauenstift Mannheim (M. Dorothea Kuld); SKHB, S. 392–395 (M. Dorothea Kuld).

Literatur: Strohmaier 1930; Kuld 2001; Möller 2001; Martin 2003.

Anmerkungen

  • 1 GLA 213 Nr. 2840
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Andreas Schenk [Autor]
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