Rastatt, Franziskaner
| Kurzbeschreibung: | 1699 Gründung als Hospiz – 1711 Erhebung zum Kloster – 1803/05 Aufhebung Patrozinium: Unsere Liebe Frau der Unbefleckten EmpfängnisOrdensgliederung: Oberdeutsche (Straßburger) Observantenprovinz, Kustodie RheinKirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes von St. German und Moritz, Landkapitel Gernsbach |
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| Beschreibung: | Name: patrib[us] Franciscanis (1699)1 GeschichteNachdem Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden (1677–1707) beschlossen hatte, seine Residenz vom kriegszerstörten Baden-Baden in das ebenfalls kriegsbeschädigte Rastatt zu verlegen, erhielten die Franziskaner im Oktober 1699 die Erlaubnis, sich in Rastatt niederzulassen.2 Ihre Aufgabe bestand vor allem in der Seelsorge in der Stadt, für den markgräflichen Hof und in Orten in der Nachbarschaft. Im März 1700 gab der Bischof von Speyer seine Einwilligung zur Ansiedlung.3 Die Finanzierung des Klosters und der Kirche blieb dem Orden überlassen, der Markgraf stellte lediglich den Baugrund in der heutigen Herrenstraße, Ecke Lyzeumstraße sowie Bauholz zur Verfügung. Die Patres kamen aus dem Kloster →Fremersberg bei Baden-Baden. Sie konnten das Kloster am 31. Dezember 1701 beziehen, nachdem sie bis dahin beim Rastatter Ratsverwandten und Kaufmann Jacob Klee untergekommen waren. Am 25. November 1700 hatte in der Hauskapelle des angefangenen Klosterbaus bereits der erste Gottesdienst stattgefunden. Zur Weihe der 1702 begonnenen Klosterkirche kam es erst 1717, da Schwierigkeiten wie Krieg, Geldknappheit, Mangel an Baumaterial und Arbeitern wegen des Schlossneubaues, Unwetter und Todesfälle in der markgräflichen Familie immer wieder zu Verzögerungen geführt hatten. Unter der Kirche entstand eine heute nicht mehr belegte Gruft mit insgesamt 54 Grabnischen, in der nicht nur die Franziskaner, sondern auch verdiente Wohltäter des Ordens und zahlungskräftige Bürger der Stadt bestattet wurden. Gottesdienste hielten die Franziskaner außer in Rastatt unter anderem zeitweise in der Eremitage von Schloss Favorite bis zum Verbot 1772,4 in Niederbühl,5 in Ötigheim,6 der Margarethenkapelle in Muggensturm7 und in elsässischen Orten wie Lauterburg oder Stundweiler.8 Mehrfach stellten sie auch Beichtväter der markgräflichen Familie sowie der Augustinerchorfrauen in →Rastatt und →Ottersweier. Aus den Annalen ist bei den seelsorgerischen Tätigkeiten die Konkurrenz zu den →Piaristen in Rastatt und den →Kapuzinern in Baden-Baden unverkennbar9. Neben den Gottesdiensten und vertraglich vereinbarten Holzlieferungen10 waren Vermächtnisse und mildtätige Gaben der Bevölkerung und des Hofes eine wichtige weitere Einnahmequelle für die Klostergemeinschaft. 1740 gehörten ihr 24 Brüder an.11 Im 1765 geschlossenen Erbvertrag zwischen dem katholischen Haus Baden-Baden und dem protestantischen Haus Baden-Durlach in Karlsruhe wurde die Zahl der Klosterbrüder auf 14 Patres und vier Fratres begrenzt.12 So besiegelte nicht der 1771 eingetretene Erbfall, sondern der Reichsdeputationshauptschluss 1803 das Ende des Klosters.13 Jedoch verließen fast alle Patres erst Anfang Juli 1805 Rastatt, meist in Richtung Kloster Fremersberg, nachdem das Allerheiligste in die Stadtkirche transferiert und das Klosterinventar samt einem Teil der mehrfach durch Schenkungen ganzer Privatbibliotheken vermehrten Klosterbibliothek14 versteigert worden war.15 Mit dem Erlös konnten die Schulden der Franziskaner in Höhe von 1.100 Gulden beglichen werden. Das Klostergebäude war bis in die 1960er Jahre als Ober- bzw. Landratsamt in Gebrauch, heute ist darin das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum untergebracht. Die Klosterkirche ist nach einer Zwischennutzung als Fouragemagazin seit 1807 evangelische Stadtkirche. Bau- und KunstgeschichteDas Franziskanerkloster erstreckte sich nordwestlich des Schlosses über ein Straßenquadrat. Das Konventsgebäude mit umlaufendem Kreuzgang war modellmäßig, aber ohne Bauzier erbaut. Nach Süden schloss sich die Klosterkirche an, eine schlichte Saalkirche mit erhöhtem Chorraum, Segmentbogenfenstern nach Süden und Osten sowie Pilastergliederung mit umlaufenden Gesimsen, das Portal mit profiliertem Sandsteingewände, Sprenggiebel, Kreuz und fünf-Wunden-Kartusche. Die künstlerische Ausstattung ist nur punktuell nachzuvollziehen.16 Eine 1701 dem Hl. Antonius geweihte Hauskapelle ist nicht mehr lokalisierbar. Die Klosterkirche erhielt 1717 einen Seitenaltar ihm zu Ehren, die Kapelle war fortan der Hl. Elisabeth geweiht.17 1719 schenkte Hofmaler Anton Hammer ein Antonius-Gemälde, 1752 stiftete Hofmaler Heinrich Lihl ein weiteres für die Kirche (beide verschollen).18 Der Kunsttischler Frater Abdon Oberlehner schuf die in der Kirche erhaltene Kanzel, Hochaltar, die Seitenaltäre St. Antonius und St. Franziskus sowie ein Kruzifix im Triumphbogen.19 Die Altarblätter lieferten die Kammerdiener Ludwig Ivenet und Dominikus Mayer.20 Im Zuge einer Kirchenrenovierung überarbeitete Lihl 1743 den Hochaltar, schuf zwei neue Gemälde mit Darstellungen der Himmelfahrt Mariens (erhalten) und stiftete ein Altargemälde »Christus im Todeskampf« (verschollen).21 Im Mai 1805 befanden sich in der Kirche sechs Altarbilder für das Kirchenjahr, »14 Stationsbilder vom Leiden Christi« und fünf »große Bilder«.22 Auf Wunsch der Markgräfin Sibylla Augusta beauftragte Guardian Nathanael Schefferle 1715 den Hofstuckateur Giovanni Battista Artario mit dem vollplastischen Allianzwappen von Baden und Sachsen-Lauenburg am Triumphbogen der Kirche.23 Für den Hofkanzler Georg Adam von Kieningen entstand 1764 in der nordwestlichen Nische des Schiffs ein Epitaph. Zur Ausstattung gehörte ferner die Orgel des Böhmen Johann Georg Rohrer, die 1758 Joseph Stark aus Ellenbogen durch einen Neubau ersetzte.24 Im Mai 1805 verzeichnete P. Stockinger im Refektorium summarisch 13 Gemälde zur Vita des Hl. Franziskus, 26 Gemälde im unteren und 14 Gemälde im oberen Kreuzgang. Mit Spenden Rastatter Bürger hatte Lihl 1750 für den unteren Kreuzgang neun Gemälde zum Leben des Hl. Franziskus geschaffen, fünf davon erwarb die Stadt Rastatt 1985.25 Im Juni 1805 kamen vier Kelche und Paramente in die Stadtkirche St. Alexander,26 die restlichen Vasa Sacra gelangten in Bruchsal zur Auktion,27 die Altäre erwarb 1806 die Gemeinde St. Erhard, Rheinmünster-Stollhofen.28 BibliographieHandbücher und Lexika: AFA 1, S. 69–96 (Helmut Steigelmann); KB Rastatt Bd. 2, S. 381 (Kurt Andermann); kloester-bw, Franziskanerkloster Rastatt (Kurt Andermann). Literatur: Staudenmaier 1880; Evangelischer Kirchengemeinderat Rastatt 1967; Zepf 1992. Anmerkungen
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| Objekttyp: | Konvent |
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Literatur + Links
| Weiterführende Links: |
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