Rastatt, Augustinerchorfrauen 

Kurzbeschreibung:

1767 Stiftung – 1791 Rang eines selbständigen Konvents – 1877 Aufhebung – Umzug nach Schloss Goldenstein, Gemeinde Elsbethen in Österreich.

Patrozinium: Hl. Familie
Kirchliche Zugehörigkeit: Bistum Speyer, Archidiakonat des Stiftspropstes von St. German und Moritz, Landkapitel Gernsbach; 1821/27 Erzbistum Freiburg

Ortsbezüge:
Ordensregel:
  • Augustinerchorfrauen 1767-1877
Beschreibung:

Name: closter de la Congregation de Notre Dame (1767/1769)1

Geschichte

Zur Bildung der weiblichen Jugend und Stärkung der katholischen Konfession stiftete Maria Viktoria, Gattin des letzten katholischen Markgrafen von Baden-Baden, August Georg (1761–1771), im Oktober 1767 in Rastatt ein Stift der regulierten Chorfrauen vom Hl. Augustinus der Congrégation Notre Dame, zu deren Gelübden die Unterrichtung der weiblichen Jugend gehörte.2 Das in Vorderösterreich deponierte Stiftungskapital betrug 25.000 Gulden. Der Markgraf stellte ein ursprünglich als Jagdhaus geplantes Gebäude bei der Pagodenburg unterhalb der Einsiedelnerkapelle an der heutigen Kapellenstraße zur Verfügung. Aus dem Mutterkloster in →Breisach übersiedelten vier Chorfrauen und eine Laienschwester Ende Dezember 1767 nach Rastatt. Am 11. Januar 1768 begann der Schulbetrieb mit 118 Mädchen, die in die drei Klassen Lesen, Rechnen und Französisch eingeteilt wurden.3 Besonderen Wert legte man zudem auf die religiöse Erziehung und die Vermittlung hausfraulicher Fähigkeiten. Die Stadt4 und die markgräfliche Verwaltung hatten jährlich Holz und die Abtei →Lichtenthal Wein und 60 Gulden zu liefern,5 auch unter dem ab 1771 protestantischen Landesherrn, Markgraf Karl Friedrich von Baden. Bis 1776 hatte sich die Schülerinnenzahl auf 260 erhöht.6 Durch die finanzielle Unterstützung der Stifterin konnten weitere Lehrkräfte aus Breisach entsandt werden. 1791 erlangte das Rastatter Haus die Selbständigkeit von Breisach.7 Der Tod der Stifterin 1793 und die Kriegsereignisse erschwerten die finanzielle Lage der Chorfrauen erheblich. Aufgrund ihrer Lehrtätigkeit entgingen sie 1803 der Säkularisation. Um eine Aufhebung 1811 abzuwenden, nahmen sie das vom badischen Staat beschlossene Regulativ an,8 das ihr Ordensleben stark beschränkte und sie weitgehend auf ihre Lehrtätigkeit reduzierte. Die Beschneidung weiterer Rechte in Zusammenhang mit dem badischen Schulgesetz von 1876 führte ein Jahr später zur Aufgabe des Stifts und zur Übersiedlung der Chorfrauen nach Schloss Goldenstein in Österreich.

Markgraf August Georg ließ an das von ihm zur Verfügung gestellte zweistöckige Gebäude eine kleine Kirche anbauen. Für diese stiftete die Markgräfin mehrere Gemälde, ein Messgewand und verschiedene liturgische Gerätschaften. 1776 wurde wegen der gestiegenen Schülerinnenzahl, von der verwitweten Markgräfin finanziert, ein Seitentrakt angebaut. Am 16. Juli 1779 wurde der mit verschiedenen Heiligenreliquien versehene Altar in der Stiftskirche der Heiligen Familie geweiht.9 Im 19. Jahrhundert erhielt sie eine Kanzel und eine Orgel. Als die Chorfrauen 1877 Rastatt verließen, nahmen sie außer wichtigen Dokumenten wie der Klosterchronik einige Kirchengerätschaften und Gemälde, unter anderem von Joseph Wolfgang Hauwiller, mit, die heute noch auf Schloss Goldenstein vorhanden sind. Das weiter als Schule verwendete Gebäude wurde samt Kirche im April 1945 durch Artilleriebeschuss zerstört. Auf dem als Parkplatz genutzten Gelände wurde 1990 die »Badner Halle« eröffnet.

Bibliographie

Handbücher und Lexika: KB Rastatt Bd. 2, S. 382 (Kurt Andermann); kloester-bw, Augustiner-Chorfrauenstift Rastatt (Kurt Andermann); SKHB, S. 493–495 (M. Dorothea Kuld).

Literatur: Brunner 1883 (a); Breunig 1910; Buberl/Martin 1916.

Anmerkungen

  • 1 GLA 37 Nr. 3499.
  • 2 GLA 37 Nr. 3499; GLA 220 Nr. 107 5-1077; StadtA RA U 7-12.
  • 3 KlA Goldenstein Klosterchronik Rastatt.
  • 4 GLA 37 Nr. 3498.
  • 5 StadtA RA A 4569.
  • 6 Wie Anm. 2.
  • 7 GLA 37 Nr. 350 0-3504, GLA 371 Zugang 1909-36 Nr. 2211; StadtA RA U 1 3-16; EAF UZ 514.
  • 8 GLA 235 Nr. 16762.
  • 9 Wie Anm. 2
Objekttyp: Konvent
Personenbezüge:
  • Gabriele Wüst [Autor]
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